In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit die Prinzipien der Cognitive Theory of Multimedia Learning auch im Rahmen der Blinden- und Gehörlosenpädagogik angewandt werden können. Hierzu ist es zunächst notwendig zu klären, worum es bei der genannten Theorie grundsätzlich geht, von welchen Grundannahmen diese ausgeht und welche kognitiven Prozesse beim Lernen in einer multimedialen Lernumgebung ablaufen, bevor fünf grundlegende Prinzipien der genannten Theorie kurz vorgestellt werden.
Anschließend soll näher auf das Gebiet der Gehörlosen- und Blindenpädagogik eingegangen werden, was man darunter versteht und mit welchen Einschränkungen und Fähigkeiten die Behinderungen verbunden sind. Zudem soll ein kurzer Einblick gegeben werden, inwieweit Behinderte beziehungsweise die Sonderpädagogik auf multimediale Angebote zurückgreift. Nach dieser theoretischen Einführung, soll die darauffolgende Untersuchung klären, ob die Multimedia-Learning-Prinzipien bei blinden oder gehörlosen Menschen umgesetzt werden können, welche Vorteile, aber auch welche Grenzen sich in diesem Zusammenhang für die Sonderpädagogik ergeben. Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst und ein Ausblick gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Lernen in Zeiten von Inklusion und Multimedialität
2. Cognitive Theory of Multimedia Learning
2.1. Grundannahmen und Prozesse
2.2. Grundlegende Prinzipien
2.2.1. Multimedia-Prinzip
2.2.2. Split-Attention-Prinzip
2.2.3. Modalitäts-Prinzip
2.2.4. Redundanz-Prinzip
2.2.5. Signaling-Prinzip
3. Blinden- und Gehörlosenpädagogik
3.1. Klassifikation, Fähigkeiten und Einschränkungen von Blinden und Gehörlosen
3.2. Ziel, Gegenstand und Stand der Blinden- und Gehörlosenpädagogik
3.3. (Multi)media-Einsatz von Behinderten
4. Multimediales Lernen in der Blinden- und Gehörlosenpädagogik
4.1. Anpassung der Annahmen zur Cognitive Theory of Multimedia Learning
4.2. Anwendung der multimedialen Prinzipien
5. Multimedia Learning – Chance für die Behindertenpädagogik?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Prinzipien der Cognitive Theory of Multimedia Learning (CTML) nach Richard E. Mayer auf den sonderpädagogischen Bereich der Blinden- und Gehörlosenpädagogik übertragen werden können. Ziel ist es, Chancen und Grenzen beim Einsatz multimedialer Lerninhalte für Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen aufzuzeigen.
- Grundlagen und zentrale Prinzipien der Cognitive Theory of Multimedia Learning.
- Pädagogische Anforderungen und Besonderheiten in der Blinden- und Gehörlosenbildung.
- Kritische Analyse der Übertragbarkeit klassischer Medientheorien auf Menschen mit Behinderung.
- Rolle technischer Assistenzsysteme und die Bedeutung barrierefreier digitaler Lernumgebungen.
- Diskussion über individuelle Lernwege und kompensatorische kognitive Strategien.
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Multimedia-Prinzip
Zunächst soll das sogenannte Multimedia-Prinzip kurz vorgestellt werden. Dieses dient als Grundlage für die Entwicklung der anschließend aufgeführten grundlegenden Prinzipien und zahlreicher weiterer (Mayer, 2014, S. 175). Das Multimedia-Prinzip besagt, dass Menschen besser und effektiver mit Worten und Bildern lernen, als nur mit Worten allein (ebd.). So führt beispielsweise eine multimediale Präsentation zur Funktionsweise von Blitzen in anschließenden Wissenstests und bei Transferaufgaben zu besseren Ergebnissen, als es durch eine Erklärung mit reinem Text der Fall wäre (ebd., S. 182).
Unter dem Multimedia-Begriff können dabei die verschiedensten Formen visueller und verbaler Inhalte gefasst werden, die kombiniert präsentiert werden (ebd., S. 175). Worte können sowohl gesprochen, als auch geschrieben dargestellt werden und unter Bildern sind alle Formen von statischen oder dynamischen Grafiken zu verstehen, einschließlich Diagramme, Animationen, Simulationen oder Videos (ebd., 2009, S. 224f). Verschiedene Studien haben gezeigt, dass durch die Kombination von beidem ein tieferes Verständnis für den erklärten Sachverhalt erlangt werden kann als durch Materialien, die nur durch Text vermittelt wurden (ebd., 2014, S. 177).
Dies wird dadurch begründet, dass bei einer Information lediglich der visuelle oder der auditive Kanal angesprochen wird und keine Verbindung zwischen dem verbalen und dem auditiven Modell hergestellt wird (ebd., 2009, S. 223). Insofern kann eine multimediale Präsentation zu einer Verbindung zwischen Wörtern und Bildern führen, was für die generative Verarbeitung (generative processing) und damit für das konzeptionelle Verständnis eines Sachverhalts wesentlich ist (ebd., S. 228).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Lernen in Zeiten von Inklusion und Multimedialität: Einleitende Betrachtung der Bedeutung digitaler Medien für Bildungsprozesse und Darstellung der Relevanz inklusiver Lehrmaterialien für Menschen mit Behinderung.
2. Cognitive Theory of Multimedia Learning: Theoretische Einführung in das Lernmodell von Richard E. Mayer sowie Erläuterung der fünf zentralen Gestaltungsprinzipien für multimediale Lerninhalte.
3. Blinden- und Gehörlosenpädagogik: Überblick über die spezifischen Bedürfnisse, Klassifikationen und pädagogischen Ansätze sowie den aktuellen Stand der Mediennutzung in diesem Fachbereich.
4. Multimediales Lernen in der Blinden- und Gehörlosenpädagogik: Analyse der Anwendbarkeit der CTML-Prinzipien unter Berücksichtigung der veränderten kognitiven Voraussetzungen von blinden und gehörlosen Lernenden.
5. Multimedia Learning – Chance für die Behindertenpädagogik?: Fazit der Arbeit mit einer kritischen Reflexion über die Potenziale barrierefreier Medientechnologien für die zukünftige Inklusion.
Schlüsselwörter
Multimediales Lernen, Cognitive Theory of Multimedia Learning, Blindenpädagogik, Gehörlosenpädagogik, Inklusion, Barrierefreiheit, Arbeitsgedächtnis, kognitive Belastung, Assistive Technologien, Sonderpädagogik, Multimodalität, Sinneswahrnehmung, Lernprozesse, Bildung, Medienkonzeption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Eignung und Anwendbarkeit der "Cognitive Theory of Multimedia Learning" im sonderpädagogischen Kontext, insbesondere für blinde und gehörlose Lernende.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen multimediale Lerntheorien, didaktische Gestaltungsprinzipien, die spezifischen Anforderungen der Blinden- und Gehörlosenpädagogik sowie Barrierefreiheit in digitalen Lernumgebungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Klärung der Frage, ob und wie multimediale Prinzipien an die Bedürfnisse von Menschen mit Hör- oder Sehbeeinträchtigungen angepasst werden können, um deren Lernerfolg zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der kritischen Auseinandersetzung mit lerntheoretischen Modellen und sonderpädagogischen Grundlagen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Lerntheorie nach Richard E. Mayer, eine Darstellung der sonderpädagogischen Grundlagen und eine anschließende Prüfung der Anwendbarkeit dieser Theorien auf die Zielgruppe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Multimediales Lernen, Inklusion, Barrierefreiheit, kognitive Belastung und sonderpädagogische Förderung beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Verarbeitung bei Gehörlosen von Hörenden?
Gehörlose sind stärker auf visuelle Informationen angewiesen, weshalb der visuelle Kanal stärker belastet wird. Dies erfordert eine sorgfältige Aufbereitung, um eine Überlastung durch die gleichzeitige Verarbeitung von Gebärdensprache und weiteren visuellen Elementen zu vermeiden.
Welche Rolle spielt die adaptive Kapazität des Gehirns?
Das Gehirn kann bei Sinnesverlust Funktionen kompensieren, was zu einer verbesserten Wahrnehmung in anderen Bereichen führen kann. Dies ermöglicht es Blinden und Gehörlosen, trotz Einschränkungen erfolgreich zu lernen, sofern das Lernmaterial individuell angepasst wird.
Warum wird der Multimedia-Begriff in der Arbeit kritisiert?
Da Mayers Theorie primär auf zwei Sinneskanäle (visuell/auditiv) fokussiert, greift sie bei Menschen, bei denen einer dieser Sinne fehlt oder nicht voll nutzbar ist, zu kurz. Die Arbeit plädiert für eine Erweiterung des Begriffs, um taktile und weitere Wahrnehmungskanäle stärker einzubeziehen.
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- Anonym (Author), 2019, Multimedia Learning für Menschen mit Handicap? Chancen und Grenzen der Prinzipien des multimedialen Lernens in der Blinden- und Gehörlosenpädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1134939