In der vorliegenden Ausarbeitung wird dargestellt, worauf bei der Konzeption und Gestaltung einer Rede zu achten ist. Die Pflichten des Redners (officia oratoris) sowie die Bearbeitungsphasen einer Rede (partes artis) werden vorgestellt und die Relevanz für die Gesamtheit der Rede herausgestellt. Darüber hinaus wird anhand eines praktischen Beispiels untersucht, wie sich die einzelnen Schritte auf eine Rede auswirken und ob erkennbar ist, welche Bearbeitungsphase für den Erfolg einer Rede essenziell ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Officia oratoris und partes artis – worauf kommt es bei einer Rede wirklich an?
1.1. Die Auswahl des praktischen Beispiels
2. Grundbegriffe der Rhetorik
2.1. Genera orationis – die drei Redegattungen
2.2. Officia oratoris – Die drei Aufgaben des Redners
2.3. Partes artis – Die fünf Bearbeitungsphasen der Rede
3. Analyse der Rede von Roman Müller-Böhm „Coronahilfen für die Reisewirtschaft“ anhand der partes artis
3.1. Inventio - Erfindung der Gedanken
3.2. Dispositio - Gliederung der Gedanken
3.3. Elocutio - Sprachliche Darstellung der Gedanken
3.4. Memoria - Erinnern der Rede
3.5. Actio - Vortrag der Rede
4. Der gute Redner – die wichtigsten Aspekte bei der Konzeption und Gestaltung einer Rede
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz der klassischen rhetorischen Prinzipien – insbesondere der Pflichten des Redners (officia oratoris) und der Bearbeitungsphasen (partes artis) – für die Qualität und den Erfolg einer modernen politischen Rede.
- Grundlagen der antiken Rhetorik nach Cicero und Aristoteles
- Die drei Redegattungen und ihre Bedeutung für die Konzeption
- Analyse der fünf Bearbeitungsphasen (Inventio, Dispositio, Elocutio, Memoria, Actio)
- Praktische Untersuchung anhand der Rede von Roman Müller-Böhm zu Coronahilfen
- Zusammenwirken von Logos, Ethos und Pathos in der politischen Kommunikation
Auszug aus dem Buch
3.1. Inventio – Erfindung der Gedanken
Im Zentrum der rationalen Argumentation steht nach Aristoteles der rhetorische Beweis (vgl. Schulz, 2019: 562). „Für diese logische Argumentation hat die […] Rhetorik dem Redner Hilfsmittel zur Verfügung gestellt, die ihm ermöglichen Argumente, die für seinen Fall sprechen, zu finden“ (Schulz, 2019: 562). Eines der wichtigsten argumentativen Hilfsmittel ist die Statuslehre. Ein einprägsames Frageschema der Inventio ist „wer, was, wo, mit welchen Mitteln, warum, wie wann“. In der Einleitung einer Rede geht es darum, Kontakt mit dem Publikum aufzunehmen, die Notwendigkeit der Sache herauszustellen und den Fall zu schildern. Bei der Schilderung des Falls geht es gerade nicht um eine objektive Schilderung, sondern um eine subjektive Darstellung, die dem eigenen Parteiinteresse dient (vgl. Göttert, 2019: 35).
In seiner Rede beantwortet Roman Müller-Böhm das Frageschema der Inventio wie folgt: Wer: Die Bundesregierung und die Reisewirtschaft. Was: Die Bundesregierung öffnet den Wirtschaftsstabilisierungsfonds nicht für kleine Unternehmen, schafft nur Insellösungen, interessiert sich nicht für die Branche und riskiert damit die Existenzgrundlage von drei Millionen Menschen. Wo: Das Wo ist hier kein konkreter Ort, da es sich nicht um eine einzelne Tat, sondern vielmehr um einen Prozess handelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Officia oratoris und partes artis – worauf kommt es bei einer Rede wirklich an?: Einführung in die Zielsetzung der Arbeit sowie Begründung für die Auswahl der Rede von Roman Müller-Böhm als praktisches Analysebeispiel.
2. Grundbegriffe der Rhetorik: Theoretische Erläuterung der klassischen Rhetorik mit Fokus auf Redegattungen, die Aufgaben des Redners (officia oratoris) sowie die fünf Bearbeitungsphasen (partes artis).
3. Analyse der Rede von Roman Müller-Böhm „Coronahilfen für die Reisewirtschaft“ anhand der partes artis: Detaillierte praktische Anwendung der rhetorischen Theorie auf die Bundestagsrede, unterteilt in die fünf klassischen Bearbeitungsschritte.
4. Der gute Redner – die wichtigsten Aspekte bei der Konzeption und Gestaltung einer Rede: Abschließende Synthese, die betont, dass nur die ganzheitliche Berücksichtigung aller rhetorischen Aspekte zu einer stimmigen und erfolgreichen Rede führt.
Schlüsselwörter
Rhetorik, officia oratoris, partes artis, Inventio, Dispositio, Elocutio, Memoria, Actio, politische Rede, Roman Müller-Böhm, Beratungsrede, Cicero, Argumentation, Rhetorik-Theorie, Coronahilfen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht, wie klassische rhetorische Regeln, konkret die officia oratoris und die partes artis, die Qualität einer modernen politischen Rede beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die rhetorische Theorie der Antike, die Strukturierung von Reden sowie die praktische Anwendung dieser Konzepte auf eine aktuelle politische Parlamentsrede.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie sich rhetorische Pflichten und Bearbeitungsphasen auf eine Rede auswirken und welche dieser Phasen für den Erfolg einer Rede entscheidend sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine angewandte rhetorische Analyse durchgeführt, bei der ein konkretes Praxisbeispiel (Rede von Roman Müller-Böhm) anhand theoretischer Modelle von Cicero, Aristoteles und moderner Rhetorikforscher untersucht wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in rhetorische Grundbegriffe und eine anschließende schrittweise Analyse der gewählten Rede anhand der fünf Phasen: Inventio, Dispositio, Elocutio, Memoria und Actio.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rhetorik, partes artis, politische Kommunikation, Argumentationsstruktur und die drei klassischen Aufgaben des Redners.
Warum wurde die Rede von Roman Müller-Böhm als Fallbeispiel gewählt?
Die Rede wurde gewählt, weil der Autor an der Konzeption beteiligt war und ein intensiver Austausch mit der betroffenen Branche (Reisewirtschaft) stattfand, was eine detaillierte Bewertung ermöglicht.
Welche Schwächen identifiziert die Analyse in der untersuchten Rede?
Die Analyse kritisiert unter anderem die inkonsequente Verwendung von Bildsprache, die Vermischung von Schilderung und Argumentation sowie Ablenkungen durch die Verwendung des Skripts während des Vortrags.
Welches Fazit zieht der Autor zur Bedeutung rhetorischer Phasen?
Der Autor schließt, dass keine einzelne Phase isoliert betrachtet werden kann; Erfolg entsteht nur durch die stimmige Einheit von Inhalt und Form unter Beachtung aller rhetorischen Aspekte.
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- Anonym (Autor:in), 2021, Die Bedeutung der "officia oratoris" und der einzelnen Phasen der "partes artis". Eine Rede von Roman Müller-Böhm, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1133096