[…] Wie aber sieht dann die Zukunft der Städte aus? Welche Entwicklungen werden zu beobachten sein? Wo finden Politik und Verwaltung Orientierungsgrundlagen? [...] Im Anschluss an diese Einführung sind zunächst die Begriffe »Leitbild« und »Stadt« zu explizieren, stellen diese doch den Kern des Titels der vorliegenden Arbeit und gleichsam auch den Kern der geschilderten Leitfrage dar. Hierzu ist in Kapitel II. zunächst auf die Idee eines Leitbildes, seine Struktur und Funktion einzugehen. Daran anschließend wird der Text den Blick auf die Stadt richten, sie differenziert betrachten und insbesondere eine denkbare Auffassung von Stadt hervorheben: die Stadt als Institution. Diese Perspektive wird dann unter Zuhilfenahme zweier theoretischer Ansätze – der Transaktionskostentheorie als Organisationstheorie und der Systemtheorie – expliziert, um eine genaue Vorstellung von »Stadt als Institution« entwickeln zu können. Zwei Aspekte werden hierbei besonders bedeutsam sein: zum einen die Frage nach der organisatorischen Ausgestaltung und Steuerung einer solchen Institution, zum anderen die Frage nach der Bestimmung respektive Begrenzung. Im Anschluss daran kann dann, in Kapitel III., der Blick auf die Regionalstadt gerichtet werden. Diese soll begrifflich präzisiert, von der kommunalen Stadt abgegrenzt und schließlich als Leitbild für mögliche Regionalisierungsbemühungen dargestellt werden. Auf dieser Grundlage ist es dann möglich, die »Regionalstadt als Leitbild« kritisch zu analysieren und insbesondere die in Kapitel II. hervorgehobenen Aspekte der Steuerung und der Grenzziehung zu diskutieren. Das Regionalstadt-Modell wird insofern in Kapitel IV. aus einer organisationstheoretischen Perspektive im Hinblick auf seine spezifische Steuerungsform untersucht; in Kapitel V. wird dann anschließend die im Regionalstadt-Modell enthaltene Vorstellung von »Grenze« expliziert. In beiden Kapiteln wird die Regionalstadt zudem in Abgrenzung von möglichen Alternativen – sowohl der Steuerung, als auch der Grenzziehung – untersucht, um dann schließlich in einer abschließenden Zusammenfassung (Kapitel VI.) die oben formulierten Fragen nach der konkreten Struktur, den spezifischen Merkmalen, den Vor- und Nachteilen sowie vor allem nach der Tauglichkeit der »Regionalstadt als Leitbild« beantworten zu können.
Gliederung
I. Regionalstadt als Leitbild? – Einführung
II. Die Stadt und das Leitbild
II.1. Das Leitbild-Konzept
II.2. Die Institution »Stadt«
II.2.1. Die Stadt als Gebietskörperschaft
II.2.2. Die Stadt als institutionelles Arrangement
II.2.2. Die Stadt als lokales politisch-administratives System
II.3. Zusammenfassung: Die institutionelle Perspektive auf die Stadt
III. Die Regionalstadt
III.1. Stadtregionen, Agglomerationen und Regionalstädte
III.2. Der Raum und die Institution – Zwischenstadt und Regionalstadt
III.3. Die Region ist die Stadt – Das Regionalstadt-Modell
III.3.1. Regionen und der Regionalisierungstrend
III.3.2. Harte und weiche Regionalisierung
III.3.3. Regionalisierungsziel Regionalstadt
IV. Die Regionalstadt in der Diskussion I: Das Steuerungsproblem
IV.1. Die Regionalstadt als organisatorisch-hierarchische Vertragsbeziehung
IV.2. Netzwerke als funktionale Äquivalente?
IV.3. Fazit: Alternativen regionaler Steuerung
V. Die Regionalstadt in der Diskussion II: Das Grenzproblem
V.1. Regionalstadt und ihre territoriale Grenze
V.2. Die territoriale Grenze in der Kritik
V.2.1. Kulturregion und regionale Identität
V.2.2. Funktionale Kooperation in Zweckverbänden
V.3. Fazit: Alternativen regionaler Grenzziehung
VI. Regionalstadt als Leitbild? – Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob das Regionalstadt-Modell als zukunftsfähiges Leitbild für die deutsche Stadtentwicklung dienen kann. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie regionale Kooperationen legitimiert, gesteuert und territorial abgegrenzt werden können, um den Herausforderungen durch Suburbanisierung und wirtschaftlichen Strukturwandel zu begegnen.
- Theoretische Fundierung des Leitbildkonzepts und der Stadt als Institution.
- Analyse des Regionalstadt-Modells als "harte" Regionalisierungsstrategie.
- Diskussion des Steuerungsproblems mittels Transaktionskostentheorie und Systemtheorie.
- Kritische Beleuchtung der territorialen Grenzziehung gegenüber kulturellen und funktionalen Alternativen.
- Bewertung der Tauglichkeit des Regionalstadt-Modells als politisches Orientierungsinstrument.
Auszug aus dem Buch
III.1. Stadtregionen, Agglomerationen und Regionalstädte
Gemeinhin verortet man den Begriff »Regionalstadt« in einen Zusammenhang mit Vokabeln wie »Stadtregion« oder »Verdichtungsraum«. Es ist daher angebracht, diese und andere verwandte Begriffe zunächst inhaltlich abzugrenzen. Folgt man der Differenzierung Webers in Stadt als Form, Lebensstil und Institution, scheint es evident, dass zu jeder Dimension (empirische) Begriffe formuliert werden können. Hauptsächlich finden sich hierbei Form-Begriffe, die bei siedlungsstrukturellen Beschreibungen verwandt werden; dazu zählen »(Groß-)Stadtregionen, Verdichtungsräume, städtische Agglomerationen oder auch Agglomerationsräume« (Heinz (2000) 184). Im einzelnen besagen diese Begriffe folgendes: »Stadtregion [bezeichnet] einen nicht exakt definierten Raum von Kernstädten und ihrem Umland« (ebd.), kann jedoch auch als »Gliederungsmodell für verstädterte Regionen« (ebd.) genutzt werden. Verdichtungsraum wird für »große verstädterte Räume« (ebd. 185) gebraucht, »der Begriff ›Agglomerationsraum‹ bezeichnet ›Regionen mit großen Verdichtungsräumen« (ebd. 188) und umfasst die sogenannten »Metropolregionen« (ebd.).
Die genannten Begriffe unterscheiden sich in erster Linie quantitativ; qualitativ sind sie artverwandt: Sie alle bezeichnen »ökonomische und demographische Verflechtungszusammenhänge« (Heinz (2000) 188), beziehen sich also vorrangig auf die Kategorie der Stadt als Form. Die »Regionalstadt« hingegen ist der Kategorie der »Stadt als Institution« zuzuordnen: »Das Regionalstadt–›Modell‹ steht für eine umfassende Gebietsreform, bei der versucht wird, die ›Inkongruenz von Verwaltungsräumen und Verflechtungsräumen‹ und die daraus resultierenden ›Probleme dadurch zu lösen, dass Aufgabenzuschnitt und Verwaltungsraum einander angepasst werden‹« (ebd. 233). Bevor das Regionalstadt-Modell erläutert werden kann, ist allerdings – eingedenk des aufgezeigten Zusammenhanges von räumlicher, soziopsychologischer und politisch-administrativer Dimension – zunächst auf die Korrelation zwischen den Raumbegriffen und der institutionell verstandenen Regionalstadt einzugehen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Regionalstadt als Leitbild? – Einführung: Das Kapitel führt in die Problematik der zukunftslosen "Europäischen Stadt" ein und etabliert das Regionalstadt-Modell als möglichen Lösungsansatz für die regionale Steuerung.
II. Die Stadt und das Leitbild: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Begriffe "Leitbild" und "Stadt" geschaffen, wobei die Stadt primär als Institution und Gebietskörperschaft analysiert wird.
III. Die Regionalstadt: Dieses Kapitel differenziert zwischen siedlungsstrukturellen Begriffen wie Stadtregion und dem institutionellen Modell der Regionalstadt als Instrument für Gebietsreformen.
IV. Die Regionalstadt in der Diskussion I: Das Steuerungsproblem: Anhand der Transaktionskostentheorie wird untersucht, wie Regionalstädte als hierarchische Organisationen die regionale Kooperation steuern können.
V. Die Regionalstadt in der Diskussion II: Das Grenzproblem: Das Kapitel analysiert die Herausforderung der territorialen Grenzziehung gegenüber konkurrierenden Konzepten wie Kulturregionen oder funktionalen Zweckverbänden.
VI. Regionalstadt als Leitbild? – Conclusio: Die Arbeit fasst zusammen, dass das Regionalstadt-Modell konzeptionell schlüssig ist, aber politisch aufgrund von Widerständen gegen harte Regionalisierung schwer umsetzbar bleibt.
Schlüsselwörter
Regionalstadt, Leitbild, Institution, Gebietskörperschaft, Stadtentwicklung, Regionalisierung, Transaktionskostentheorie, Steuerung, territoriale Grenze, Zwischenstadt, Verwaltungsreform, Politisch-administratives System, Kooperation, Subsidiarität, Kommunale Selbstverwaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der "Regionalstadt" als mögliches Leitbild, um auf die Herausforderungen der modernen Stadtentwicklung und der Zersiedelung ("Zwischenstadt") zu reagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die institutionelle Perspektive auf die Stadt, die Steuerung regionaler Kooperationen, die Problematik der Grenzziehung sowie die Konkurrenz verschiedener Regionalisierungsstrategien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob die Regionalstadt ein taugliches, sinnvolles und zukunftsfähiges Leitbild für deutsche Städte darstellt, um politisches Handeln in einer unsicheren Zukunft zu orientieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt vor allem organisationstheoretische Ansätze, insbesondere die Transaktionskostentheorie sowie systemtheoretische Konzepte von Niklas Luhmann, um das Regionalstadt-Modell zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Explikation der Stadt als Institution sowie in zwei Diskussionsstränge: die organisatorisch-hierarchische Steuerung der Region und das Problem der Grenzziehung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Regionalstadt, Leitbild, Institution, Gebietskörperschaft, Steuerungsproblem, territoriale Grenze und Regionalisierung.
Warum wird die Regionalstadt als "harte" Regionalisierung bezeichnet?
Weil sie auf der Bildung einer formellen, organisatorisch-hierarchischen Institution mit festen territorialen Grenzen basiert, anstatt nur informelle, lose Kooperationsnetzwerke zu nutzen.
Welche Kritikpunkte werden gegen eine rein territoriale Grenzziehung angeführt?
Kritiker führen an, dass territoriale Grenzen den faktischen Verflechtungen des modernen Siedlungsraumes nicht mehr gerecht werden und dass sie zur Ausgrenzung führen, während sie gleichzeitig lokale Identitäten und informelle Vergemeinschaftung vernachlässigen.
Kann das Regionalstadt-Modell als "Königsweg" der Stadtentwicklung bezeichnet werden?
Nein, der Autor betont, dass es keine optimale, rein technisch berechenbare Lösung gibt. Das Modell ist lediglich eine politisch beschließbare Alternative, die eine klare Steuerung ermöglicht, aber andere Aspekte wie lokale Autonomie einschränkt.
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- Dipl.Verw.wiss.; M.A. Philipp Männle (Author), 2005, Regionalstadt als Leitbild, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/112711