Bei der kritischen Rezeption des Films die „Blonde Venus“ (Josef von Sternberg, 1932) stellt sich die Frage, wie sich die Sprachlichkeit des Films zu den geschlechtsspezifischen gesellschaftlichen Machtverhältnissen verhält. Aus diesem Grund wurde nach einer geeigneten Methode gesucht, um zu erforschen wie sich dieses Verhältnis theoretisch darstellen lässt. Die Entscheidung fiel auf die psychoanalytisch-orientierte-feministische Filmtheorie der feministischen Filmwissenschaften, da sich diese textorientierte Methode möglicherweise als Interpretationsmethode von Filmen für den Unterricht eignen würde.
Die Auswahl des Referenzfilms ergibt sich durch die differenzierte Darstellung der Frau in der Rolle Helens (Marlene Dietrich) in „Blonde Venus“ (1932), im Gegensatz zu dem sonst zu dieser Zeit üblichen, durch eine patriarchale Perspektive entworfenen, stereotypisierten Frauenbild im Erzählkino.
Der Fragestellung liegt die These der feministischen Filmwissenschaften zugrunde, dass Medien immer im Kontext von geschlechtsspezifischen gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen zu denken sind. Sie sind an der Weitergabe und Konstruktion gültiger Wahrheiten und Wirklichkeitskonstruktionen beteiligt. Sie produzieren und vermitteln jenes gesellschaftliche Wissen, das für eine bestimmte Zeit als allgemeingültige „Wahrheit“ gilt (vgl. Dorer, 2002). Wahrheit wird nach Foucault als „Ensemble von Regeln, nach denen das Wahre vom Falschen geschieden und das Wahre mit spezifischen Machtwirkungen ausgestattet wird“ gesehen (Foucault 1978, 53). Im Anschluss an Foucault, bezeichnet Dorer (2002) Medien als „Institutionen der Wahrheitsproduktion“ (Dorer 2002, 54) und des „populären Wissens“ (ebd.), das in einer Gesellschaft zirkuliert. Kulturelle Konzeptionen von Männlichkeit und Weiblichkeit werden von den Medien verdichtet, stereotypisiert und als gesellschaftliche Normen dargestellt (vgl. ebd.).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Medienpädagogische Ambitionen zum Medium Film
2.1 Phasen der medienpädagogischen Theoriebildung
2.1.1 Bewahrpädagogik - Kinoreformpädagogik – Schulfilmbewegung
2.1.2 Die präventiv- normative Medienpädagogik
2.1.3 Die kritisch-rezeptive und emanzipatorisch-politische Medienpädagogik
2.1.4 Die bildungstechnologisch-funktionale Medienpädagogik
2.1.5 Die reflexiv-praktische Medienpädagogik
2.1.6 Mit Medienkompetenz zur Medienbildung
2.2 Medienpädagogik heute: wofür eine Filmanalyse verwendet werden kann (Interpretationsmethode für den Unterricht)
2.2.1 Medienerziehung als Unterrichtsprinzip
2.2.2 Filmerziehung als Bestandteil der Medienerziehung
3 Theoretische Kontexte in ihrer historischen Entwicklung
3.1 Filmtheorien im Wandel - Phasen der Theoriebildung
3.1.1 Polypol (1895 – 1909)
3.1.2 Oligopol (1909 – 1929)
3.1.3 Monopol (1930 – 1946)
3.1.4 Internationales Monopol (1947 - 1970)
3.1.5 Tendenzen eines weiteren Polypols (ab 1970)
3.2 Queer Studies
3.2.1 New Queer Cinema
3.3 Cultural Studies
3.3.1 Reading Television
3.4 Zusammenfassung
4 Einbettung feministischer Filmtheorie in den historischen und kulturellen Kontext
4.1 Frauenbewegungen und feministische Forschung
4.2 Theoretische Ansätze und Entwicklungen in der feministischen Filmtheorie
4.2.1 Semiotische Ansätze
4.2.2 Psychoanalytische Ansätze
4.2.3 Gender und Genre
4.2.4 Queer Film Theory
4.2.5 Kontext der Rezeptionssituation
4.2.6 Kulturalistische Filmhistoriographie
4.3 Positionierung der AutorInnen, in der Geschichte der psychoanalytisch orientierten feministischen Filmtheorie
5 Die Sprachlichkeit des Films im Hinblick auf geschlechtsspezifische gesellschaftliche Machtverhältnisse
5.1 Zur psychoanalytischen Subjektkonstitution
5.1.1 Ödipuskonflikt
5.1.2 Spiegelstadium
5.2 Visual Pleasure and Narrative Cinema
5.2.1 Skopophilie
5.2.2 Skopophilie narzisstischer Ausprägung
5.2.3 Die Frau als Bild, der Mann als Träger des Blickes
5.2.4 Voyeuristische Schaulust und fetischistische Skopophilie
5.2.5 Mulveys Schlussbetrachtungen
5.2.6 Kritik und Ausblick
5.3 Schaulust und masochistische Ästhetik
5.3.1 Kritik und Ausblick
6 Referenzfilm: Blonde Venus (von Sternberg, 1932)
6.1 Inhaltsangabe
6.2 Inhaltsanalyse
7 Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis der Sprachlichkeit des Films zu geschlechtsspezifischen gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Sie fragt dabei primär, ob sich die psychoanalytisch-orientierte feministische Filmtheorie als geeignete Interpretationsmethode für den Unterricht eignet, indem sie patriarchale Strukturen in der Filmsprache dekonstruiert.
- Psychoanalytisch-orientierte feministische Filmtheorie
- Darstellung von Weiblichkeit im Medium Film
- Dekonstruktion von Filmsprache und Machtverhältnissen
- Medienpädagogische Anwendung und Filmerziehung im Unterricht
- Analyse des Referenzfilms "Blonde Venus"
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Bei der kritischen Rezeption des Films die „Blonde Venus“ (Josef von Sternberg, 1932) stellt sich die Frage, wie sich die Sprachlichkeit des Films zu den geschlechtsspezifischen gesellschaftlichen Machtverhältnissen verhält. Aus diesem Grund wurde nach einer geeigneten Methode gesucht, um zu erforschen wie sich dieses Verhältnis theoretisch darstellen lässt. Die Entscheidung fiel auf die psychoanalytisch orientierte-feministische Filmtheorie der feministischen Filmwissenschaften, da sich diese textorientierte Methode möglicherweise als Interpretationsmethode von Filmen für den Unterricht eignen würde.
Die Auswahl des Referenzfilms ergibt sich durch die differenzierte Darstellung der Frau in der Rolle Helens (Marlene Dietrich) in „Blonde Venus“ (1932), im Gegensatz zu dem sonst zu dieser Zeit üblichen, durch eine patriarchale Perspektive entworfenen, stereotypisierten Frauenbild im Erzählkino.
Der Fragestellung liegt die These der feministischen Filmwissenschaften zugrunde, dass Medien immer im Kontext von geschlechtsspezifischen gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen zu denken sind. Sie sind an der Weitergabe und Konstruktion gültiger Wahrheiten und Wirklichkeitskonstruktionen beteiligt. Sie produzieren und vermitteln jenes gesellschaftliche Wissen, das für eine bestimmte Zeit als allgemeingültige „Wahrheit“ gilt (vgl. Dorer, 2002). Wahrheit wird nach Foucault als „Ensemble von Regeln, nach denen das Wahre vom Falschen geschieden und das Wahre mit spezifischen Machtwirkungen ausgestattet wird“ gesehen (Foucault 1978, 53). Im Anschluss an Foucault, bezeichnet Dorer (2002) Medien als „Institutionen der Wahrheitsproduktion“ (Dorer 2002, 54) und des „populären Wissens“ (ebd.), das in einer Gesellschaft zirkuliert. Kulturelle Konzeptionen von Männlichkeit und Weiblichkeit werden von den Medien verdichtet, stereotypisiert und als gesellschaftliche Normen dargestellt (vgl. ebd.).
Film wird laut Braidt / Jutz (2002) als zeichenproduzierende Praxis verstanden, in der Wirklichkeit durch die Filmsprache, wie die Codes der Kamera, die Montage, den Ton, die Mis-en Scene usw. konstruiert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, wie die psychoanalytisch-orientierte feministische Filmtheorie genutzt werden kann, um geschlechtsspezifische Machtverhältnisse im Film zu dekonstruieren und als Unterrichtsmethode zu dienen.
2 Medienpädagogische Ambitionen zum Medium Film: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung der Medienpädagogik von einer bewahrenden Haltung hin zu reflektiv-praktischen Ansätzen und ordnet die Filmanalyse in den pädagogischen Diskurs ein.
3 Theoretische Kontexte in ihrer historischen Entwicklung: Der historische Überblick über Filmtheorien sowie die Einführung in Queer Studies und Cultural Studies dienen der theoretischen Verortung der feministischen Filmtheorie.
4 Einbettung feministischer Filmtheorie in den historischen und kulturellen Kontext: Dieses Kapitel fokussiert die Grundlagen der feministischen Theoriebildung und deren Entwicklung, insbesondere im Hinblick auf psychoanalytische und semiotische Ansätze.
5 Die Sprachlichkeit des Films im Hinblick auf geschlechtsspezifische gesellschaftliche Machtverhältnisse: Hier erfolgt eine vertiefende Analyse der psychoanalytischen Subjektkonstitution und der Mechanismen des Blicks, um patriarchale Strukturen im Kino theoretisch zu erschließen.
6 Referenzfilm: Blonde Venus (von Sternberg, 1932): Anhand von Szenenanalysen des Referenzfilms wird die theoretische Anwendung der masochistischen Ästhetik nach Studlar auf das Filmbeispiel demonstriert.
7 Schlussbetrachtung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Grenzen der psychoanalytisch-orientierten Filmanalyse und plädiert für eine verstärkte, aber kritische Einbindung der Filmarbeit im Unterricht.
Schlüsselwörter
Feministische Filmtheorie, Psychoanalyse, Medienpädagogik, Filmanalyse, Gender, Machtverhältnisse, Blonde Venus, Queer Studies, Cultural Studies, Subjektkonstitution, Filmerziehung, Repräsentation, Masochistische Ästhetik, Blicktheorie, Medienkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die psychoanalytisch-orientierte feministische Filmtheorie und deren Potential, geschlechtsspezifische Machtverhältnisse in Filmen offenzulegen und als didaktisches Modell für den Schulunterricht zu fungieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Verbindung von Filmtheorie und Feminismus, die Analyse von Geschlechterdarstellungen in Medien, die Psychoanalyse im Kontext der Filmrezeption sowie die medienpädagogische Filmerziehung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu prüfen, ob die psychoanalytisch-orientierte feministische Filmanalyse als Methode geeignet ist, im Schulunterricht patriarchale Strukturen zu dekonstruieren und die Medienkompetenz der Schülerinnen zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden textorientierte Filmanalyse und die Methode der Dekonstruktion innerhalb des Rahmens der psychoanalytisch-orientierten feministischen Filmtheorie angewendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung der Filmtheorie, die Grundlagen der feministischen Filmtheorie (insbesondere Psychoanalyse und Semiotik), die theoretische Auseinandersetzung mit der Film-Subjektkonstitution sowie eine exemplarische Analyse des Films "Blonde Venus".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselbegriffe sind feministische Filmtheorie, Psychoanalyse, Filmanalyse, Gender, Machtverhältnisse, Medienpädagogik und Subjektposition.
Wie wird der Referenzfilm "Blonde Venus" analysiert?
Der Film wird mithilfe von Gaylyn Studlars Modell der masochistischen Ästhetik untersucht, um zu zeigen, wie formale filmische Elemente gesellschaftliche Machtverhältnisse und das Begehren der Zuschauerinnen reflektieren.
Warum wird die psychoanalytisch-orientierte Filmanalyse für den Unterricht kritisch hinterfragt?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Methode aufgrund ihrer hohen Komplexität und der Ausklammerung der subjektiven Erlebniswelten der Rezipientinnen für den schulischen Alltag nur eingeschränkt zu empfehlen ist, während sie dennoch wertvolle analytische Einblicke bietet.
- Quote paper
- Magister Silvia Eder (Author), 2007, Die Sprachlichkeit des Films im Verhältnis zu geschlechtsspezifischen Machtverhältnissen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/112593