Terrorismus ist mit Sicherheit keine Erfindung der heutigen Zeit, aber in den Ausmaßen, wie es ihn heutzutage gibt, ist er bisher noch nicht aufgetreten. Terroranschläge
und andere Gewaltmaßnahmen dienen dem Zwecke der Durchsetzung bestimmter Ziele, die ohne den Einsatz von Gewalt scheinbar nicht hätten erreicht werden können. Die Verursacher solcher Taten können dabei die verschiedensten Standpunkte einnehmen und
auch unterschiedliche Motivationen ihren Taten zugrunde legen – relativ sicheres Resultat ihres Treibens ist Angst und Schrecken sowie mitunter auch Tod und Zerstörung.
Auch der islamistische Terrorismus hat nicht selten viele Opfer und immense Schäden auf seinem Gewissen. Spätestens seit dem 11. September 2001 ist er zur internationalen, wenn nicht gar globalen Bedrohung avanciert. An jenem Tage entführte eine Gruppe radikaler Islamisten in den Vereinigten Staaten vier Flugzeuge und benutzte sie als fliegende Waffe – zwei stürzten in das World Trade Center in New York (dem Symbol der Wirtschafts-
und Finanzmacht des Staates), eins in das Pentagon (dem US-Verteidigungsministerium) und ein weiteres sollte vermutlich in das Weiße Haus (dem Sitz des Präsidenten) fliegen – die Terroristen wurden aber offenbar von der Besatzung und Passagieren übermannt und so stürzte es ‚nur über einem Feld nahe Pittsburgh ab. An diesem Tag schien die Welt für einen Moment den Atem anzuhalten und eine Welle des Mitgefühls breitete sich über ihr aus.
Doch schon bald kamen viele Fragen auf: Wie konnte so etwas geschehen? Wer ist dafür verantwortlich? Hätte es verhindert werden können?
Diese Fragen zu beantworten würde wohl den Rahmen einer Hausarbeit sprengen.
Vielmehr wollen wir uns mit der Entstehung und den Zielen des (radikalen) Islamismus, dem politisch-religiösen Fundament dieser und vieler weiterer Ereignisse, beschäftigen. Des
Weiteren werden wir die islamistische Gruppe al-Qaida charakterisieren, die sich für die Anschläge des 11. September verantwortlich zeigt, und zu durchleuchten versuchen, welche Legitimation sie dafür beansprucht sowie welche Rolle der Dschihad, häufig übersetzt mit „Heiliger Krieg“, darin spielt. Abschließend soll noch auf Selbstmordattentäter und Märtyrer
eingegangen werden und über deren Motivation und Hintergründe reflektiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 | Einleitung
2 | Islamismus (Ch. Wagner)
3 | al-Qaida und der „neue“ Dschihad (M. Seeling)
4 | Selbstmordattentäter und Märtyrer (Ch. Wagner)
4.1 | Charakteristik
4.2 | Nährboden
4.3 | Legitimation
4.4 | Schulung
6 | Fazit
7 | Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den radikalen Islamismus als politisch-religiöses Fundament moderner terroristischer Gewalt. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Organisation al-Qaida, der ideologischen Umdeutung des Dschihad-Begriffs zur Rechtfertigung von Anschlägen sowie der psychologischen und soziologischen Charakterisierung von Selbstmordattentätern.
- Entstehung und Ziele des radikalen Islamismus
- Strukturen und Propaganda der Terrororganisation al-Qaida
- Legitimationsstrategien für terroristische Gewalt durch religiöse Neuinterpretation
- Soziopsychologische Hintergründe und Rekrutierungsmethoden von Selbstmordattentätern
Auszug aus dem Buch
4.2 | Nährboden
Wie kommt es, dass Menschen sich dazu bereit erklären, Selbstmordattentäter zu werden und sie bereitwillig ihr höchstes Hab und Gut – ihr Leben – opfern? Welcher Nährboden liegt dieser Handlung zugrunde? Hierbei treffen Faktoren individueller, familiengeschichtlicher und gesellschaftlicher Gesinnung aufeinander. Den Anfang bildet eine traumatische kollektive Erfahrung, denn viele Muslime erleben die jüngere Geschichte als eine endlose Abfolge von Demütigungen ihrer Kultur (begonnen mit der Eroberung Ägyptens durch Napoléon vor rund zweihundert Jahren). Des Weiteren sah sich die arabische Welt mit dem technisch, wirtschaftlich und militärisch überlegenem Europa – diese Position nahm später Amerika ein – konfrontiert. Nachdem eine Nachahmung politischer Konzepte Europas wie dem Sozialismus oder dem Nationalsozialismus fehl schlug, griff man auf die eigene Tradition zurück; in dieser Zeit stieg die Zahl der islamistischen Radikalenbewegungen exponentiell an.
Dies wurde durch zwei internationale Entwicklungen noch verschärft: Zum einen verbreiterten die Auswirkungen der Globalisierung die Kluft zwischen Nord und Süd – vor allem islamische Bewegungen kanalisierten das aufkommende „kollektive Gefühl der Vergeblichkeit“ in Hass auf Amerika. Zum Anderen gab es bis Ende des Kalten Krieges für schwächere Nationen immer die Möglichkeit, sich einen starken Verbündeten zu suchen – dies waren die Großmächte USA oder Russland. Doch „in der Ära der einen und einzigen Supermacht“ (der USA) ist dies nicht mehr möglich – es gibt nur noch die Option, man kooperiert mit ihnen oder eben nicht. Folgen dieses globalen Ungleichgewichtes sind oft dramatische persönliche Erlebnisse, Verarmung und Perspektivlosigkeit. Dies erzeugt eine Atmosphäre „anhaltender kollektiver Ohnmacht und Wut“ und entspricht damit dem Gefühl einer täglichen Existenzbedrohung – selbst dann, wenn sie gar nicht selbst betroffen sind (Bin Laden zum Beispiel entstammt einem reichen saudischen Elternhaus).
Zusammenfassung der Kapitel
1 | Einleitung: Diese Einleitung skizziert die globale Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus seit dem 11. September 2001 und benennt das Ziel der Arbeit, die Entstehung sowie die Legitimation radikaler islamistischer Bewegungen zu untersuchen.
2 | Islamismus (Ch. Wagner): Das Kapitel definiert Islamismus als eine religiös und politisch geprägte Lesart des Islams und beschreibt dessen ideologische Wurzeln, die auf eine Abkehr von liberalen Reformen und eine Rückkehr zu einem strikten religiösen Fundament zielen.
3 | al-Qaida und der „neue“ Dschihad (M. Seeling): Der Fokus liegt auf der Genese von al-Qaida und der politisch-totalitären Umdeutung des Dschihad-Begriffs, der zunehmend zur religiösen Rechtfertigung für den globalen Kampf gegen den Westen instrumentalisiert wurde.
4 | Selbstmordattentäter und Märtyrer (Ch. Wagner): Dieser Abschnitt analysiert die Profile, die psychologischen Hintergründe sowie die komplexen Rekrutierungs- und Schulungsprozesse, die Individuen zu einer Tat befähigen, die als altruistischer Suizid und Märtyrertum umgedeutet wird.
6 | Fazit: Das Fazit stellt fest, dass terroristische Akte zwar religiös begründet werden, jedoch primär politischen Zielen folgen, und betont die Schwierigkeit einer religionsneutralen Terrorismusdefinition.
7 | Literatur: Das Literaturverzeichnis führt alle verwendeten Quellen und weiterführenden Werke auf, die der Untersuchung zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Islamismus, al-Qaida, Dschihad, Terrorismus, Selbstmordattentäter, Radikalisierung, Legitimation, Globalisierung, Märtyrertum, Politische Religion, Gewaltunternehmer, Ideologie, Naher Osten, Psychologie der Gewalt, 11. September
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strukturen, Motive und Legitimationsgrundlagen des islamistischen Terrorismus, insbesondere unter dem Einfluss von al-Qaida.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Ideengeschichte des Islamismus, der funktionalen Umdeutung religiöser Begriffe, der Analyse von Selbstmordattentaten und den soziologischen Bedingungen, die diese Gewalt ermöglichen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu durchleuchten, wie radikale islamistische Gruppen ihr Handeln religiös legitimieren und welche Hintergründe den gewaltsamen Kampf gegen westliche Gesellschaften speisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine analytische Literaturrecherche, um politische, historische und psychologische Theorien auf die Phänomene des Islamismus und Terrorismus anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Islamismus-Begriffs, die Analyse von al-Qaida als erste globale terroristische Organisation sowie die detaillierte Betrachtung von Motivation und Schulung von Selbstmordattentätern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Islamismus, Dschihad, Legitimation, al-Qaida, Radikalisierung und die soziopsychologische Analyse von Selbstmordattentätern.
Welche Rolle spielt der Begriff „Dschihad“ in der Argumentation der Autoren?
Die Autoren zeigen auf, dass der Dschihad historisch von einer innerreligiösen Anstrengung zu einem „Neo-Dschihad“ umgedeutet wurde, der nun als politisches Kampfmittel gegen den Westen dient.
Wie erklären die Autoren das Phänomen der Selbstmordattentate?
Sie beschreiben diese nicht als Resultat individueller psychischer Störungen, sondern als Ergebnis systematischer Indoktrination, Milieubildung und einer radikalen Umdeutung des Märtyrer-Konzepts.
Warum wird der 11. September in der Arbeit als zentrales Ereignis hervorgehoben?
Er markiert den Übergang des islamistischen Terrorismus zu einer global vernetzten Bedrohung und dient als primäres Beispiel für die Verknüpfung von totalitärer Ideologie und gewaltsamer Umsetzung.
- Arbeit zitieren
- Mathias Seeling (Autor:in), Christoph Wagner (Autor:in), 2007, Islamistischer Terrorismus als globale Bedrohung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/111996