Ein wesentlicher Teil der Gesamtökonomie ist das Finanzsystem. Mit Hilfe der Regelungen von Basel I, welche sich zum weltweit akzeptierten Standard für Kreditinstitute entwickelten, sollten die Finanzmärkte weniger krisenanfällig werden. Die andauernden Veränderungen im Finanzsystem verlangen jedoch nach einer Anpassung der Standards aus dem Jahr 1988 und waren ausschlaggebend für den momentanen Prozess namens Basel II.
Das frühzeitige Auseinandersetzen mit dieser Thematik ist sowohl für die Banken als auch für Unternehmer unabdingbar, da die neuen Bestimmungen bereits Anfang 2007 Gültigkeit erlangen. Der empfehlende Charakter von Basel I wird für Basel II übernommen. Die neue Eigenmittelvereinbarung stellt den Grundstein für eine individuelle Bewertung von Kreditrisiken anhand von Ratingverfahren und somit für eine transparentere Finanzierung dar.
Die vorliegende Arbeit greift die umfangreiche Thematik der neuen Basler Richtlinien auf und beleuchtet sie von verschiedenen Seiten. Schwerpunkte bilden hierbei die vorgesehene Neuregelung der Eigenkapitalhinterlegung für Kreditrisiken sowie die Auswirkungen von Basel II auf das Controlling mittelständischer Unternehmen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Gang der Untersuchung
2 Vorstellung Basel II
2.1 Historie- Basel I
2.2 Ziele Basel II
2.3 Ratingverfahren
2.4 Säulenaufbau
2.4.1 Mindestkapitalanforderungen
2.4.2 Aufsichtsrechtliches Überprüfungsverfahren
2.4.3 Marktdisziplin
3 Auswirkungen auf das Controlling von mittelständischen Unternehmen
3.1 Definition mittelständische Unternehmen
3.2 Definition Controlling
3.3 Auswirkungen auf das Controlling
4 Würdigung und Ausblick
4.1 Stärken
4.2 Schwächen
4.3 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Diplomarbeit untersucht die Auswirkungen der neuen Basler Richtlinien (Basel II) auf die Unternehmenssteuerung mittelständischer Betriebe. Das primäre Ziel besteht darin, aufzuzeigen, wie mittelständische Unternehmen durch eine konsequente Optimierung ihres Controllings und Risikomanagements ihre Kreditwürdigkeit (Rating) verbessern und somit die neuen regulatorischen Herausforderungen als strategische Chance nutzen können.
- Grundlagen und Ziele des Basler Akkords (Basel I und II)
- Methodik der Ratingverfahren und die Bedeutung von Hard- und Soft-Facts
- Struktur des Drei-Säulen-Modells von Basel II
- Anforderungen an das Controlling und Risikomanagement in KMU
- Optimierungsmöglichkeiten für ein bankenkonformes Reporting
Auszug aus dem Buch
2.3 Ratingverfahren
Ein Rating ist eine standardisierte, objektivierte, aktuelle, nachvollziehbare und skalierte Analyse der Bonität bzw. der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens sowie deren anschließende Beurteilung. Diese dient der Bank als Grundlage zur Einschätzung der Kreditwürdigkeit eines Kunden sowie der Wahrscheinlichkeit der vollständigen und zeitgerechten Zahlung von Tilgungs- und Zinsverpflichtungen. Während diese Risikoeinstufung bisher nur für interne Bankenkalkulationen genutzt wurde, ist sie nun auch Grundlage für die Ermittlung des an die Finanzmarktaufsicht nachzuweisenden Eigenkapitals. Banken werden bevorzugt gut bewertete Kreditnehmer auswählen um weniger Eigenmittelunterlegung leisten zu müssen. Es erfolgt eine Einteilung der Kreditnehmer in acht Ratingstufen. Die nachfolgende Tabelle stellt mögliche Bezeichnungen der Ratingklassen gegenüber.
Im Rahmen eines Ratings werden das Unternehmensrisiko, das Branchenrisiko sowie das Länderrisiko untersucht. Hierbei erfolgt eine Unterteilung in betrachtete hard-facts sowie soft-facts. Die hard-facts beinhalten z.B. Kennzahlen aus der Bilanz, der Umsatz-/Kosten-/ Ertragsplanung und der Investitionsplanung. Anhand dieser wird das Unternehmen hinsichtlich Absatzmarkt, Marktstellung, Produktion und Beschaffung bewertet. Besondere Beachtung erhalten die Entwicklung in den letzten drei Jahren sowie der Vergleich zu einem Branchendurchschnittswert. Die soft-facts hingegen inkludieren die langfristigen, strategischen Aspekte und geben Auskunft über qualitative Faktoren. Sie umfassen u.a. das Management, Rechnungs- und Berichtswesen, Systeme und Organisation, Personalstruktur, Auftragslage, Zahlungsverhalten der Kunden und die Geschäftsbeziehungen zur Bank.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Finanzsystem und die Relevanz von Basel II ein, definiert die Zielsetzung der Arbeit und skizziert den methodischen Gang der Untersuchung.
2 Vorstellung Basel II: Dieses Kapitel erläutert die Historie und Ziele von Basel II sowie die Funktionsweise der Ratingverfahren und das Drei-Säulen-Modell, inklusive der Mindestkapitalanforderungen, der aufsichtsrechtlichen Überprüfung und der Marktdisziplin.
3 Auswirkungen auf das Controlling von mittelständischen Unternehmen: Hier werden Definitionen für Mittelstand und Controlling dargelegt und aufgezeigt, wie Controllinginstrumente zur Ratingverbesserung beitragen können.
4 Würdigung und Ausblick: Das Schlusskapitel bewertet die Stärken und Schwächen der neuen Regulierung und zieht ein Fazit über die zukünftige Entwicklung der Finanzierungssituation für mittelständische Unternehmen.
Schlüsselwörter
Basel II, Controlling, Ratingverfahren, Mittelstand, Eigenkapitalunterlegung, Risikomanagement, Bankenaufsicht, Kreditausfallrisiko, Unternehmenssteuerung, Kreditwürdigkeit, Reporting, Hard-Facts, Soft-Facts, Finanzierung, Bonität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des Basler Akkords (Basel II) auf die Finanzierungssituation mittelständischer Unternehmen und die daraus resultierenden Notwendigkeiten für deren interne Unternehmenssteuerung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Risikomanagement, die Ausgestaltung von Controllingsystemen, die Methodik von Ratingverfahren durch Banken und die Anforderungen an eine transparente Kommunikation und Berichterstattung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, mittelständischen Unternehmen aufzuzeigen, wie sie durch proaktive Controllingmaßnahmen ein besseres Rating erreichen und ihre Kreditkonditionen unter den Bedingungen von Basel II optimieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender bankenaufsichtlicher Richtlinien, theoretischer Controlling-Konzepte sowie einer Analyse der praktischen Anforderungen an Ratings und Risikomanagement in KMU.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der regulatorischen Anforderungen von Basel II (Drei-Säulen-Aufbau) sowie die spezifischen Auswirkungen auf das Controlling, insbesondere den Einsatz von Kennzahlen, MIS und Instrumenten des Risikocontrollings.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Die wichtigsten Schlagworte sind Basel II, Controlling, Rating, KMU-Finanzierung, Eigenkapital, Risikomanagement und Bonität.
Warum ist das Controlling für den Mittelstand unter Basel II so wichtig geworden?
Da Banken ihre Kreditvergabe nun stärker an die Bonität des Kunden knüpfen, dient ein professionelles Controlling dazu, notwendige Daten für das Rating bereitzustellen und Schwachstellen im Unternehmen frühzeitig zu identifizieren.
Welche Rolle spielen "Soft-Facts" bei einem Rating?
Soft-Facts wie die Qualität des Managements, die Organisation oder das Zahlungsverhalten der Kunden sind für das Rating von Bedeutung, da sie qualitative Aspekte der Zukunftsfähigkeit abbilden und bei positiver Bewertung das Ratingergebnis verbessern können.
Gibt es auch positive Effekte von Basel II für Unternehmen?
Ja, Unternehmen werden zur Professionalisierung ihrer Planung und Steuerung angeregt, was zu einer besseren Datenbasis, transparenteren Prozessen und im Einzelfall sogar zu günstigeren Kreditkonditionen führen kann.
- Arbeit zitieren
- Diplom-Kauffrau (FH), Master of Business Administration Michaela Altmann (Autor:in), 2006, Basel II und seine Auswirkung auf das Controlling mittelständischer Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/111347