In einem ersten Schritt wird der zugrunde liegende Élysée-Vertrag und der Vertrag von Aachen sowie deren jeweilige Entstehung vorgestellt. Als Schwerpunkt werden anschließend die Artikel zu außen- und sicherheitspolitischen Zielen im Vertrag von Aachen beleuchtet. Nach einer Vorstellung des Realismus werden diese Ziele im Hinblick auf realistische Politikansätze eingeordnet und analysiert. Dabei gilt es den Fokus auf die gemeinsamen Bestrebungen in supra- und internationalen Institutionen, die Positionierung der beiden Länder in der Staatengemeinschaft sowie auf den Umgang mit souveräner Machtinstrumente des jeweiligen Staates zu legen. Im darauffolgenden Fazit kann dann bewertet werden, inwiefern realistische Politikansätze dem Vertrag von Aachen zugrunde liegen oder ob der vermeintliche Widerspruch bestehen bleibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der deutsch-französische Freundschaftsvertrag
2.1. Der Élysée-Vertrag von 1963
2.2. Der Vertrag von Aachen 2019
2.3. Außen- und Sicherheitspolitik im Vertrag von Aachen
3. Realismus und der Vertrag von Aachen
3.1. Theorie des Realismus
3.2. Einordnung der außen- und sicherheitspolitischen Ziele
3.2.1. Vereinte Nationen
3.2.2. Europäische Union
3.2.3. Bilaterale Zusammenarbeit
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit der Vertrag von Aachen als Instrument realistischer Machtpolitik gewertet werden kann, indem sie die deutsch-französische Kooperation vor dem Hintergrund realistischer Theorien der Internationalen Beziehungen analysiert.
- Historische Einordnung des Élysée-Vertrags von 1963
- Analyse der außen- und sicherheitspolitischen Ziele des Vertrags von Aachen
- Grundlagen und Strömungen der Theorie des Realismus
- Machtpolitische Bedeutung der Zusammenarbeit in der EU und den Vereinten Nationen
- Spannungsfeld zwischen liberaler Freundschaft und realistischem Machtstreben
Auszug aus dem Buch
3.1. Theorie des Realismus
Die Theorie des Realismus ist nicht nur eine Denkschule der Internationalen Beziehungen sondern hat ebenso großen Einfluss in der praktischen Politik. Auch wenn der Realismus erst im 20. Jahrhundert - geprägt von zwei Weltkriegen - zur vorherrschenden Strömung in den Internationalen Beziehungen avancierte, liegen die Ursprünge schon in historischen Arbeiten zu politischen Theorien. So beispielsweise bei Thucydides, Machiavelli, Hobbes und Rousseau. Schon hier findet sich die Grundlage, die Politik als Kampf um Macht in einem anarchischen System kennzeichnet, die auf das Streben nach Macht als Natur des Menschen zurückgeht (Dunne & Schmidt 2017, S. 102 f.).
In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen begann der Einzug dieses Ansatzes in die Internationalen Beziehungen insbesondere als Gegengewicht zu der als „idealistisch“ oder „utopisch“ abgetanen Theorie des Liberalismus, die durch Freiheit, Vernunft, der Herrschaft des Rechts und mit Bezug auf innenpolitische liberale Verfasstheit der Staaten und dem Streben nach überstaatlichen Institutionen die Grundlage zur Vermeidung von Krieg und für überstaatliche Zusammenarbeit sieht (Dunne 2017, S. 118).
Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges und dem Gefühl der Bestätigung entstanden in den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhundert verschiedene Strömungen und Epochen des Realismus. Im Mittelpunkt steht immer der Wettkampf der Staaten um Macht in einem anarchischen Staatengefüge. Dabei spielen innenpolitische Prägungen der Staaten keine Rolle. Dunne und Schmidt nennen Statism, Survival und Self-Help („Die drei S“) als die drei gemeinsamen Grundlagen (Dunne & Schmidt 2017, S. 109 ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext des Vertrags von Aachen und führt die zentrale Forschungsfrage ein, ob der Vertrag ein Ausdruck realistischer Machtpolitik ist.
2. Der deutsch-französische Freundschaftsvertrag: Dieses Kapitel vergleicht den ursprünglichen Élysée-Vertrag von 1963 mit dem neuen Vertrag von Aachen und arbeitet die außen- und sicherheitspolitischen Schwerpunkte heraus.
3. Realismus und der Vertrag von Aachen: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Realismus dargelegt und auf die spezifischen Ziele des Vertrags, insbesondere in der UN und der EU, angewendet.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Vertrag im Kern liberale Züge trägt, aber realistische Machtinteressen nicht vollständig ausschließt.
Schlüsselwörter
Realismus, Vertrag von Aachen, Élysée-Vertrag, Deutschland, Frankreich, Europäische Union, UN-Sicherheitsrat, Machtpolitik, Sicherheitspolitik, Außenpolitik, Internationale Beziehungen, Hegemonie, Balancing, Machtbalance, Souveränität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob der 2019 unterzeichnete Vertrag von Aachen zwischen Deutschland und Frankreich als Ausdruck realistischer Politik gedeutet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die deutsch-französische Zusammenarbeit, die Theorie des Realismus, europäische Sicherheitsarchitektur sowie die strategische Positionierung beider Staaten in internationalen Organisationen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Ist der Vertrag von Aachen ein Beispiel für die Umsetzung realistischer Politik, oder widersprechen die vertraglichen Vereinbarungen den realistischen Konzepten eines anarchischen Staatensystems?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoriegeleitete Analyse, bei der die Bestimmungen des Vertrags von Aachen systematisch mit den Grundannahmen des Realismus (Statism, Survival, Self-Help) abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der historischen Verträge, die theoretische Fundierung des Realismus sowie die detaillierte Untersuchung der vertraglichen Ziele bezüglich der Vereinten Nationen, der EU und der bilateralen Kooperation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Realismus, Hegemonie, Machtbalance, Sicherheitspolitik und Europäische Integration charakterisiert.
Warum wird der UN-Sicherheitsrat als Fallbeispiel angeführt?
Das Ziel eines zusätzlichen deutschen Sitzes im UN-Sicherheitsrat dient als anschauliches Beispiel, um das machtpolitische Streben der Staaten und die Grenzen der Kooperation gegenüber einem gemeinsamen EU-Sitz zu verdeutlichen.
Welche Rolle spielt der Neoklassische Realismus in dieser Analyse?
Der Neoklassische Realismus wird herangezogen, um über das Modell des Staates als „black box“ hinauszugehen und Faktoren wie nationale Identität und innenpolitische Entwicklungen in die Analyse einzubeziehen.
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- Benjamin Waldmann (Author), 2019, Ist der Vertrag von Aachen ein Beispiel für die Umsetzung realistischer Politik?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1064736