Diese Arbeit bemüht sich, die Frage zu beantworten, warum die Anerkennung im Rahmen einer Zertifizierung von informellen Lernergebnissen problematisch ist und an-schließend vor dem Hintergrund der Digitalisierung näher ausgeführt.
Dafür wird folgend im ersten Teil eine Begriffserläuterung des informellen Lernens in Abgrenzung zum formalen und nicht formalen Lernen unternommen. Dabei soll die Zertifizierungsproblematik bereits skizziert werden. Im zweiten Teil wird sich mit der Entwicklungsgeschichte des informellen Lernens beschäftigt und aufgezeigt, welche bildungspolitischen und gesellschaftlichen Umstände sowie relevante Akteure und Institutionen eine tragende Rolle spielen, um auch die Problematik aus dieser Perspektive besser nachvollziehen zu können. Darauf basierend wird im dritten Teil die aktuelle Zertifizierungsproblematik behandelt und in den Kontext der Digitalisierung eingebunden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Hinführung zum Thema
2. Informelles Lernen – Begriffserläuterung in Abgrenzung zum formalen und non- formalen Lernen
3. Entwicklungsgeschichte des Informellen Lernens
3.1 Ausgangslage der Entwicklungsgeschichte des informellen Lernens
3.2 Entwicklungsgeschichtliche Ursachen und Hintergründe für die Problematik der Anerkennung informeller Lernergebnisse.
4. Die Zertifizierungsproblematik
4.1 Anerkennung im Rahmen einer Zertifizierung informeller Lernergebnisse
4.2 Entwicklung im Rahmen der Digitalisierung mit Bezug auf informelles Lernen
5. Konklusion
5.1 Resümee
5.2 Perspektive auf zukünftige Entwicklungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegende Problematik der Anerkennung und Zertifizierung von informell erworbenen Lernergebnissen im deutschen Bildungssystem. Das zentrale Ziel ist es, die historischen, strukturellen und begrifflichen Hindernisse aufzuzeigen, die einer formellen Validierung dieser Kompetenzen im Wege stehen, und diese unter dem Aspekt der zunehmenden Digitalisierung kritisch zu hinterfragen.
- Begriffliche Abgrenzung von formalem, nicht-formalem und informellem Lernen
- Historische Entwicklungslinien und deren Einfluss auf das deutsche Bildungssystem
- Herausforderungen bei der Sichtbarmachung und Dokumentation impliziter Lernprozesse
- Die Rolle der Digitalisierung bei der Transformation von Bildungsangeboten
- Strategien zur zukünftigen Integration und Validierung informeller Lernleistungen
Auszug aus dem Buch
2.0 Informelles Lernen – Begriffserläuterung in Abgrenzung zum formalen und non- formalen Lernen
Die Frage nach einer eindeutigen Definition informellen Lernens lässt sich nicht beantworten, da es eine ganze Fülle an Definitionen gibt.
Es kommt darauf an, in welchem Kontext man sich bewegt und welchen theoretischen Verortungen man anhängt (Marsick & Watkins, 2001). Man spricht im Zusammenhang mit informellen Lernen auch vom einem individuellen und kontextbezogen Charakter (Geldermann et al., 2009) ,daher ist die Beschreibung von Kriterien, des Kontextes und die Abgrenzung von formalen und non-formalen Lernen bei der Erfassung informellen Lernens sinnvoll (Düx & Sass, 2005), darüber hinaus besteht ansonsten das Risiko, den Begriff informelles Lernen als Restkategorie zu betrachten, in dem beliebig Interpretiert werden kann. (Overwien, 2005)
Beim formalen Lernen handelt es sich im Kern um ein „planmäßig organisiertes, gesellschaftlich anerkanntes Lernen im Rahmen eines von der übrigen Umwelt abgegrenzten öffentlichen Bildungssystems“ (Dohmen, 2001), während es sich beim non-formalen Lernen (im weiteren Verlauf als nicht- formales lernen bezeichnet), um alle Formen von Lernen handelt, die außerhalb des formalen Bildungssystems stattfinden. (Dohmen, 2001).
Formal erworbene Lernergebnisse werden nach standardisierten Zertifizierungsmaßstäben mit hoher Verkehrsreichweite bewertet und anerkannt. Die Anerkennung und Zertifizierung nicht formaler Lernergebnisse ist möglich, jedoch auf eine geringe Verkehrsreichweite beschränkt. (Annen & Bretschneider, 2009); (Gutschow et al., 2010); (Gnahs, 2003). Im Gegensatz dazu werden die Lernergebnisse des im folgendem erläuterten informellen Lernens in der Regel nicht formal im Rahmen einer Zertifizierung anerkannt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Hinführung zum Thema: Dieses Kapitel erläutert die steigende Bedeutung informellen Lernens im Zuge der Globalisierung und Digitalisierung und führt in die zentrale Problematik der Anerkennung informeller Lernergebnisse ein.
2. Informelles Lernen – Begriffserläuterung in Abgrenzung zum formalen und non- formalen Lernen: Hier werden die verschiedenen Lernformen definiert und voneinander abgegrenzt, wobei die inhärente Komplexität und Unschärfe des Begriffs „informelles Lernen“ verdeutlicht wird.
3. Entwicklungsgeschichte des Informellen Lernens: Dieses Kapitel beleuchtet die historischen Wurzeln des Erfahrungslernens sowie die Ursachen für dessen Vernachlässigung im stark formalisierten deutschen Bildungssystem.
4. Die Zertifizierungsproblematik: Der Fokus liegt hier auf den konkreten Schwierigkeiten bei der Validierung informeller Lernergebnisse sowie der Bedeutung der Digitalisierung für die zukünftige Gestaltung von Lernprozessen.
5. Konklusion: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und diskutiert mögliche Perspektiven für eine erfolgreichere Integration und Validierung informeller Lernprozesse.
Schlüsselwörter
Informelles Lernen, Lebenslanges Lernen, Validierung, Zertifizierung, Kompetenzentwicklung, Digitalisierung, Berufliche Bildung, Lernformen, Erfahrungslernen, Bildungsmanagement, Qualifikationsrahmen, Implizites Lernen, Bildungsgesellschaft, Zertifizierungsproblematik, Kompetenznachweis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik der Anerkennung von informellen Lernergebnissen innerhalb des deutschen Bildungssystems und untersucht, warum diese Form des Lernens bisher nur schwer zertifiziert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung von Lernformen, die historische Entwicklung informellen Lernens, die Herausforderungen bei der Validierung sowie der Einfluss digitaler Lernumgebungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel besteht darin, die Gründe für die mangelnde Anerkennung informeller Lernergebnisse zu identifizieren und aufzuzeigen, wie durch eine stärkere Integration in organisierte Systeme eine bessere Nutzbarmachung erfolgen könnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der kritischen Auseinandersetzung mit existierenden Definitionen, bildungspolitischen Diskursen und internationalen Vergleichsbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Fundierung, die historische Herleitung der Problematik in Deutschland sowie eine detaillierte Analyse der Zertifizierungsschwierigkeiten vor dem Hintergrund der Digitalisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie informelles Lernen, Validierung, Kompetenznachweis, Zertifizierungsproblematik und lebenslanges Lernen geprägt.
Warum ist die Abgrenzung zum formalen Lernen so wichtig?
Die Abgrenzung ist notwendig, da formale und informelle Lernprozesse unterschiedlichen Logiken folgen; während formale Prozesse standardisiert und zertifizierbar sind, sind informelle Prozesse oft unbewusst und kontextgebunden, was die direkte Anwendung formaler Maßstäbe erschwert.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung für informelles Lernen?
Die Digitalisierung führt zu einer Entinstitutionalisierung von Lernangeboten, was die Notwendigkeit unterstreicht, auch außerinstitutionell erworbene Kompetenzen durch neue Technologien und Methoden sichtbar und anerkennbar zu machen.
Gibt es internationale Vorbilder für die Anerkennung?
Ja, Länder wie Frankreich, die Niederlande und die Schweiz haben bereits erfolgreichere Validierungsprozesse für informelle Kompetenzen auf gesetzlicher Grundlage etabliert, was als Kontrast zur Rückständigkeit in Deutschland dient.
Welches Fazit zieht der Autor?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass zwar eine Zertifizierung in Reinform schwierig ist, eine stärkere Integration informeller Lernprozesse in organisierte, lebenslange Lernkonzepte jedoch unabdingbar für die moderne Wissensgesellschaft ist.
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- Joshua Stelter (Author), 2021, Informelles Lernen. Die Problematik der Anerkennung informeller Lernergebnisse im Rahmen einer Zertifizierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1064561