Wie stehen Beziehung und Erziehung in Hinblick auf die gesellschaftlichen Funktionen von Schule zueinander? Diese Fragestellung soll im Essay genauer untersucht werden, da es von großer Wichtigkeit ist, die Bedeutung der Beziehungsdidaktik zu verstehen. Mit der Arbeit soll gezeigt werden, dass die gesellschaftlichen Funktionen von Schule Hürden bergen, aber auch Gewinne bringen, wenn die Funktion der Erziehung stärker als Beziehungsarbeit verstanden wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bedeutung der Beziehungen von Erziehung
3. Funktionen gesellschaftlich kontrollierter Erziehung in der Schule und ihr Beziehungsbezug
3.1 Qualifikationsfunktion
3.2 Selektions- bzw. Allokationsfunktion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Wechselverhältnis zwischen Beziehung und Erziehung innerhalb der gesellschaftlichen Funktionen von Schule. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, inwiefern eine stärkere Fokussierung auf Beziehungsarbeit innerhalb der schulischen Funktionen Herausforderungen bewältigen und pädagogische Potenziale freisetzen kann.
- Bedeutung der Beziehungsdidaktik im schulischen Kontext
- Analyse des Lehrer-Schüler-Verhältnisses als Erfolgsfaktor
- Strukturfunktionalistische Perspektive nach Helmut Fend
- Qualifikationsfunktion und ihre Verbindung zu Kompetenzentwicklung
- Selektions- und Allokationsmechanismen im deutschen Schulsystem
Auszug aus dem Buch
3.1 Qualifikationsfunktion
Wie in Kapitel 2 dargestellt wurde, haben Beziehungen auch in der Schule eine große Wichtigkeit und helfen, für ein positives Arbeitsklima zu sorgen. Wie stark dürfen Lehrer Beziehungsarbeit leisten? Gibt es Einschränkungen und Regeln und wenn ja, welche Hindernisse stellen diese dar? Diese Fragen werden anhand der drei gesellschaftlichen Funktionen von Erziehung untersucht.
Bei der Qualifikationsfunktion handelt es sich um die Weitergabe von Qualifikationen an die Schülerinnen und Schüler. Diese werden benötigt, damit sich die Gesellschaft in jeder folgenden Generation immer wieder nachbilden kann. Dazu sollen sie nicht nur das tun, was alle Generationen vor ihnen bereits getan haben, sondern die Fähigkeiten erlangen, die bereits bestehenden Strukturen umwandeln zu können. So werden Entwicklungsprozesse ermöglicht.
Aktuell wird weniger von dem Qualifikationsbegriff, als von dem Kompetenzbegriff gesprochen. Qualifikationen sind nicht von der jeweiligen Person abhängig und beschreiben Anforderungen, sowie Fertigkeiten, die benötigt werden, um die Anforderungen zu erfüllen. Bei den Kompetenzen hingegen werden die gesellschaftlichen Normen und Werte berücksichtigt. Ebenso bezieht sich der Erwerb von Kompetenzen auf das gesamte Leben und nicht wie bei den Qualifikationen auf einen bestimmten Zeitpunkt (vgl. van Ackeren, Klemm 2011, S.183).
Die Qualifikationsfunktion beinhaltet zwei Anforderungen. Zum einen sollen von den Schulen Kompetenzen übermittelt werden, damit die Kinder und Jugendlichen „auf ihr künftiges Erwerbsleben“ (ebd., S.184), vorbereitet werden, zum anderen „auf ihr privates und öffentliches Leben in der Gesellschaft“ (ebd., S.184). Das Wissen steht hierbei nicht im Vordergrund, sondern das Beibringen der Schüler, sich dieses selbstständig aneignen zu können. Die Schulleistungsstudie PISA orientiert sich ebenfalls am Kompetenzbegriff. Es soll an den Schulen nicht nur das Fachwissen übermittelt werden, sondern auch die Handlungskompetenzen, welche die Aspekte wie „Selbstregulation, Problemlösekompetenz sowie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit“ (ebd., S.184) inkludieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die hohen Anforderungen an Lehrkräfte und stellt die Forschungsfrage, wie Beziehung und Erziehung im Kontext gesellschaftlicher Schulfunktionen zueinanderstehen.
2. Bedeutung der Beziehungen von Erziehung: Dieses Kapitel erörtert den Wandel von autoritären Erziehungsstilen hin zur autoritativen Erziehung und betont die Bedeutung positiver Lehrer-Schüler-Beziehungen für ein förderliches Schulklima.
3. Funktionen gesellschaftlich kontrollierter Erziehung in der Schule und ihr Beziehungsbezug: Dieser Abschnitt analysiert das Spannungsfeld zwischen pädagogischem Anspruch und gesellschaftlichen Erwartungen anhand der Qualifikations- sowie der Selektions- bzw. Allokationsfunktion.
3.1 Qualifikationsfunktion: Der Fokus liegt hier auf dem Wandel vom klassischen Qualifikationsbegriff hin zur Kompetenzorientierung und der Notwendigkeit von Beziehungsarbeit bei der Vermittlung von Handlungskompetenzen.
3.2 Selektions- bzw. Allokationsfunktion: Dieses Kapitel beleuchtet, wie das mehrgliedrige deutsche Schulsystem Schülerleistungen bewertet und welche Rolle die Notengebung als Selektionsinstrument spielt.
Schlüsselwörter
Beziehung, Erziehung, Schule, Qualifikationsfunktion, Selektionsfunktion, Allokationsfunktion, Beziehungsdidaktik, Kompetenzbegriff, Lehrer-Schüler-Verhältnis, Schulentwicklung, strukturfunktionalistischer Ansatz, Sozialpädagogik, Handlungskompetenzen, Schulleistungsstudie, Bildungssystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen Beziehungsarbeit und Erziehung unter Berücksichtigung der offiziellen gesellschaftlichen Funktionen, die das Schulsystem erfüllen muss.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Bedeutung pädagogischer Beziehungen, der Wandel von Qualifikations- zu Kompetenzanforderungen und die Auswirkungen des selektiven Schulsystems.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, dass gesellschaftliche Schulfunktionen sowohl Hürden als auch Chancen für die Beziehungsarbeit darstellen, sofern Erziehung primär als Beziehungsarbeit verstanden wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es handelt sich um eine essayistische Auseinandersetzung, die auf der Analyse strukturfunktionalistischer Theorien (u.a. nach Helmut Fend) und pädagogischer Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Qualifikationsfunktion sowie die Selektions- bzw. Allokationsfunktion im Hinblick auf ihren spezifischen Beziehungsbezug.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Beziehungsdidaktik, Kompetenzorientierung, Lehrer-Schüler-Verhältnis und strukturfunktionalistische Schultheorie charakterisieren.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Qualifikation und Kompetenz wichtig?
Die Unterscheidung verdeutlicht, dass Kompetenzen im Gegensatz zu starren Qualifikationen lebenslanges Lernen und die Anwendung gesellschaftlicher Werte erfordern, was Beziehungsarbeit notwendig macht.
Welchen Einfluss hat das deutsche Schulsystem auf die Lehrerrolle?
Das System zwingt Lehrkräfte oft in ein Spannungsfeld zwischen staatlich geforderten Qualifikationsnachweisen und dem pädagogischen Wunsch nach individueller Begleitung und Beziehungsarbeit.
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- Anonym (Author), 2018, Wie ist das Verhältnis von Beziehung und Erziehung? Zur gesellschaftlichen Funktion von Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1064548