Dieses Skript zur Vorlesungsreihe gibt einen Überblick über die intellektuellen Gegner der Französischen Revolution, wobei auf die vier Figuren fokussiert wird: Edmund Burke, Joseph de Maistre, Chateaubriand, und Karl Ludwig von Haller. Nebst einem biographischen Abriss zu jeder Figur findet hier eine Auseinandersetzung mit ihren Ansichten und Argumenten gegen die Französische Revolution statt. Diese werden in einem weiteren Kontext eingebettet.
Inhaltsverzeichnis
20. 4. Erste Vorlesung: Überblick über die Französische Revolution und ihre Gegner
Einführung
Die Revolution und ihre Ausbreitung
Publizistik, Polemik und Propaganda
Thesen der Konterrevolutionäre
27.4. Zweite Vorlesung Edmund Burke
Ausstrahlung und Wirkung der “Reflections on the Revolution in France”
Biographischer Abriss
Das Pamphlet
Künstlichkeit der revolutionären Ideen
Materielle Interessen der Revolutionäre
Mangel an Nachhaltigkeit und Mässigung
Die „Letters on a Regicide Peace“
Das Vermächtnis von Burke
4.5. Dritte Vorlesung: Joseph de Maistre
Die Kontroverse um einen militanten Reaktionär
Biographischer Abriss
Considérations sur la France
Die Revolution als Fügung Gottes
Die Restauration der Bourbonen
Ein Vergleich von Burke und De Maistre
11.5. Vierte Vorlesung: René-François Vicômte de Chateaubriand
Die religiöse und sentimentale Renaissance
Biographischer Abriss
„Le génie du christianisme“
Karriere und Dissidenz unter Napoleon
Bourbonischer Parlamentarier und Minister, Opposition gegen Louis-Philippe
18.5. Fünfte Vorlesung: Karl Ludwig von Haller
Der Kant der Konterrevolution
Biographischer Abriss
Der Kant der Konterrevolution
Die Staatsformen
Ausgestaltung der Schweiz
Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Werk analysiert die Französische Revolution aus der Perspektive ihrer zeitgenössischen intellektuellen Gegner. Das primäre Ziel ist es, die ideologischen, politischen und religiösen Argumente herauszuarbeiten, mit denen Denker wie Edmund Burke, Joseph de Maistre, Chateaubriand und Karl Ludwig von Haller die revolutionären Umbrüche als destruktiv und gegen die göttliche oder natürliche Ordnung gerichtet ablehnten.
- Die intellektuelle Auseinandersetzung zwischen Aufklärung und Konterrevolution.
- Die Rolle der Publizistik und der neuen Medien in den Revolutionsjahren.
- Die verschiedenen philosophischen und religiösen Rechtfertigungen für Monarchie und Ständegesellschaft.
- Die langfristige Wirkung konterrevolutionärer Ideen auf den Konservatismus und späteren Rechtsextremismus.
Auszug aus dem Buch
Sittenzerfall und Sittenlosigkeit
Förderte die Revolution aber Gewalt und Anarchie, so zerstörte sie in letzter Instanz die Sitten und die Regeln des zwischenmenschlichen Zusammenlebens. Es ging also nicht bloss um den Verlust der bewährten politischen Praxis und Legitimität und um eine Umverteilung von Besitz und Einkommen, sondern um die ganz grundlegenden Regeln der humanen Existenz. Als Beweis für diese Stossrichtung der Revolution wurde etwa das Verhältnis von Mann und Frau beziehungsweise die Umgestaltung der gesetzlichen und moralischen Rahmenbedingungen der Ehe durch die Revolution, über die sich unter anderem Burke beträchtlich echauffierte. Man muss dazu wissen, dass damals nicht nur die katholische, sondern auch die englische Staatskirche, obwohl nominell protestantisch, die Ehescheidung nicht kannte. Burke schrieb folglich.
“Legislators, knowing that marriage is the origin of all relations, and consequently the first element of all duties, have endeavoured, by every art, to make it sacred. The Christian Religion, ….by rendering that relation indissoluble, has, … done more towards the peace, happiness, settlement and civilization of the world than by any other part in the whole scheme of Divine Wisdom. The direct contrary course has been taken in the Synagogue of Antichrist, I mean in that forge and manufactory of all evil,….the Constituent Assembly of 1789….They pronounced, that marriage was no better than a common civil contract. …Succeeding assemblies went the full length of the principle and gave a licence to divorce at the mere pleasure of either party, and at a month’s notice. With them the matrimonial connexion is brought into so a degraded state of concubinage that, I believe, none of the wretches of London, who keep warehouses of infamy, would give out one of their victims to private custody on so short and insolent a tenure. There was indeed a kind of profligate equity in thus giving to women the same licentious power. The reason they assigned was as infamous as the act; declaring that women had been too long under the tyranny of parents and of husbands. It is not necessary to observe upon the horrible consequences of taking one half of the species wholly out of the guardianship and protection of the other.“
Zusammenfassung der Kapitel
20. 4. Erste Vorlesung: Überblick über die Französische Revolution und ihre Gegner: Ein Überblick über die historische Bedeutung der Französischen Revolution als Stiftungsereignis der Moderne sowie eine Einordnung der verschiedenen Phasen der Revolution.
27.4. Zweite Vorlesung Edmund Burke: Analyse der einflussreichen Schrift Burkes, in der er die Revolution als Gefahr für die europäische Zivilisation darstellt und Mässigung einfordert.
4.5. Dritte Vorlesung: Joseph de Maistre: Untersuchung der Perspektive des militanten Reaktionärs de Maistre, der die Revolution als göttliches Strafgericht für die Sünden Frankreichs deutet.
11.5. Vierte Vorlesung: René-François Vicômte de Chateaubriand: Betrachtung der religiösen und sentimentalen Renaissance, die als romantische Gegenbewegung zur Aufklärung initiiert wurde.
18.5. Fünfte Vorlesung: Karl Ludwig von Haller: Behandlung der systematischen Widerlegung der Aufklärung durch von Haller, der den Staat als privatrechtliches Verhältnis zwischen Fürst und Untertanen begreift.
Schlüsselwörter
Französische Revolution, Konterrevolution, Konservatismus, Aufklärung, Edmund Burke, Joseph de Maistre, Ständegesellschaft, Menschenrechte, Religion, Säkularisierung, Monarchie, Romantik, Karl Ludwig von Haller, Chateaubriand, Staatstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Werk grundsätzlich?
Das Buch untersucht die ideologische Gegenbewegung zur Französischen Revolution und beleuchtet die Argumente, mit denen führende zeitgenössische Intellektuelle die Prinzipien von 1789 ablehnten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Kritik an Menschenrechten und Demokratie, die Verteidigung traditioneller Institutionen wie Kirche und Monarchie sowie die Analyse der Rolle von Gewalt in politischen Umbrüchen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die intellektuelle Herkunft konterrevolutionären Denkens und dessen langfristige Bedeutung für das politische Spektrum der Rechten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische und geistesgeschichtliche Analyse, die Quellentexte und Pamphlete der jeweiligen Denker untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Vorlesungen, die sich jeweils einem spezifischen Denker und seinem Wirken im Kontext der Revolutionszeit widmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Konterrevolution, Ständegesellschaft, politische Ordnung, göttliche Vorsehung, Freiheit und Konservatismus.
Wie deutet Joseph de Maistre die Revolution?
De Maistre betrachtet die Revolution als eine gottgewollte Bestrafung für den Abfall Frankreichs vom christlichen Glauben und als notwendige Katharsis.
Welche Rolle spielt die Religion für die konterrevolutionären Denker?
Die Religion fungiert als notwendiges Fundament gesellschaftlicher Ordnung und Stabilität, das durch die Aufklärung und Revolution gefährdet wurde.
Warum lehnte Karl Ludwig von Haller den modernen Staatsbegriff ab?
Von Haller sah im Staat keine öffentliche Institution, sondern nur eine Ansammlung privatrechtlicher Verträge zwischen einem Fürsten und seinen Untertanen.
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- Dr. phil. hist. Rolf Tanner (Author), 2015, „Für Thron und Altar!“. Die Französische Revolution und ihre Gegner, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1043614