Diese Arbeit fokussiert sich auf den im Jahr 1903 vollendeten Zyklus der Orchesterlieder Shéhérazade und die Analyse des Orientalismus sowie des Kulturtransfers der fremden Musik in diesem Werk.
Im zweiten Kapitel wird zunächst ein kurzer Überblick die Entstehung der national-russischen Musik mit exotischem Geschmack und dessen Invasion und Rezeption in Frankreich geworfen. Danach wird es über die antigermanische Haltung der französischen Musikwelt erörtert. Im dritten Kapitel werden die Erfahrungen Ravels sowohl mit der Fremdenkultur als auch mit der französischen Musikentfaltung thematisiert, um die grundlegenden historischen Sachverhalte über Ravel zu geben.
Im vierten Kapitel ist zunächst eine kurze Werkgeschichte zu erwarten, danach wird der Zyklus anhand der Postkolonialtheorie Saids auf der literarischen Ebene analysiert, um herauszufinden, inwieweit die stereotypischen Verständnisse des Orients aus der Sicht der damaligen Europäer in dem Werk gehen und welche Auffassungen vermutlich durch Ravel sowie den Verfasser der Gedichte rezipiert wurden. Anschließend ist eine ausführliche Musikanalyse zu geben, um die folgenden Fragen versucht zu beantworten: Welche fremden Musikelemente Ravel benutzt, um den Orient darzustellen? Welche europäischen Musikmateriale dienen zur Erzeugung des Orients und Fremde? Welche verwendeten Bestandteile können auf die Erfahrungen Ravels zurückführen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorgeschichte
2.1 Die geschichtlichen Grundlagen Russlands und die russische Musik im 19. Jahrhundert
2.2 Die Aufnahme der russischen Musik in Frankreich und die Strömung des Antigermanismus in der französischen Musikwelt
3 Maurice Ravel: die Begegnungen und die Realisierungen
3.1 Ravel und die russische Musik und die Apachen
3.2 Ravels exotische Erfahrungen und der Exotismus in seinem Musikschaffen
3.3 Ravel und die Gründung der Sociéte Musicale Independante
4. Shéhérazade 1903: die Werkgeschichte und die Analysen
4.1 Analyse von Shéhérazade auf der literarischen Ebene: Reisen und Sehnsüchte nach dem exotischen und erotischen Orient
4.2 Musikalische Analyse des Orchesterzyklus Shéhérazade
5. Fazit: Ravels Orientalismus und Shéhérazade als eigentümliches Kulturproduk
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den 1903 vollendeten Orchesterlieder-Zyklus Shéhérazade von Maurice Ravel im Kontext von Orientalismus und Kulturtransfer. Ziel ist es zu analysieren, wie Ravel exotische Einflüsse verarbeitet, welche Rolle die französische Identitätssuche gegenüber dem deutschen Einfluss spielt und inwieweit das Werk als eigenständiges Kulturprodukt zu verstehen ist.
- Historische Rezeption russischer Musik und Exotismus in Frankreich.
- Die Rolle von Ravel und dem Kreis der "Apachen" im kulturellen Diskurs.
- Postkoloniale Analyse der literarischen Ebene von Shéhérazade.
- Detaillierte musikalische Untersuchung der fremden Musikelemente im Zyklus.
- Ravel als Gestalter einer eigenständigen, französischen Musiksprache.
Auszug aus dem Buch
4.2 Musikalische Analyse des Orchesterzyklus Shéhérazade
„Asie,Asie,Asie “, eine Reihe von einem wiederholenden Wort als die Expression mit starker Sehnsucht aus einem Erzähler, der weiterhin die Träume über den fantastischen Fernosten ausdrückt, so beginnt Klingsors Asie. Den wunderbaren Vorstellungen folgt eine abenteuerliche Reise mit verschiedenen Episoden im Orient, mit den unvergesslichen Erfahrungen beendet das Abenteuer und die Rückkehr geht mit einer Erwartung auf die darauffolgende Nacherzählung der unglaublichen Reise einher; Klingsors Asie ist eine auf der Grundlage von Voyage en Orient basierte Kulturproduktion, Ravels musikalische Bearbeitung entspricht ebenfalls der Vorlage des Gedichts. Asie, eine relative längere Dichtung, die im nicht so engeren Sinne nach einer Sonata Form musikalisch gestaltet wird: die Exposition mit zwei Themen im Orchesterteil für die sehnsuchtsvollen Wünsche nach dem Orient; eine nicht im konventionellen Sinne zu verstehender Entwicklung, die aus verschiedenen kurzen Segmenten bzw. Veränderungen zusammensetzt; die Rekapitulation mit zwei vorhergehenden Themen als die Reiserückkehr mit einer Andeutung auf die weitere Entwicklung – die Nacherzählung.
Auf dem Tremolo von ersten Violinen spielt die Oboe die Melodie des ersten Themas mit übermäßiger Sekunde (ges - a) und eben auch kleine Sekunde, welche an die arabische Musik erinnert. Als die Oboe den langen Ton es anhält, singt die Sängerin auf der Silbe Asie; beim zweiten Mal ist es ebenfalls das Intervall einer übermäßigen Sekunde (ebenfalls ges - a) zu finden. Auf der Silbe Asie erreicht die Vokalistin beim dritten Mal einen kleinen Höhepunkt, darauf folgen die Holzbläser und die Streicher mit der symmetrischen hexatonischen Skala; der absteigende Tonverlauf und die abnehmende Dynamik kühlen die Atmosphäre ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung bettet das Thema in den Kontext der französischen Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts ein, geprägt von einem wachsenden Nationalbewusstsein und der Suche nach einer eigenen Musiksprache abseits deutscher Vorbilder.
2. Vorgeschichte: Dieses Kapitel erläutert die geschichtlichen Hintergründe Russlands sowie die Aufnahme der russischen Musik in Frankreich, die maßgeblich zur Entwicklung einer neuen exotischen Ästhetik beitrug.
3 Maurice Ravel: die Begegnungen und die Realisierungen: Hier werden die biografischen Erfahrungen Ravels, insbesondere der Einfluss der "Apachen" und die Gründung der Société Musicale Indépendante, für sein musikalisches Schaffen beleuchtet.
4. Shéhérazade 1903: die Werkgeschichte und die Analysen: Dieser Hauptteil analysiert die Werkgeschichte, die literarische Ebene nach Said sowie die musikalischen Strukturen des Orchesterzyklus Shéhérazade.
5. Fazit: Ravels Orientalismus und Shéhérazade als eigentümliches Kulturproduk: Das Fazit fasst zusammen, dass Shéhérazade kein rein exotisches Imitat ist, sondern ein eigenständiges französisches Kulturprodukt, das durch bewusste Distanzierung von Klischees besticht.
Schlüsselwörter
Maurice Ravel, Shéhérazade, Orchesterlieder, Orientalismus, Kulturtransfer, Musikgeschichte, Frankreich, Russland, Exotismus, Tristan Klingsor, Musiksprache, Postkolonialismus, Apachen, Rezitativ, Musikanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit?
Die Arbeit untersucht den Orchesterlieder-Zyklus Shéhérazade (1903) von Maurice Ravel und analysiert, wie der Komponist den damaligen Orientalismus und Einflüsse fremder Musikkulturen in eine eigenständige französische Musiksprache transformierte.
Welche thematischen Schwerpunkte werden gesetzt?
Zentrale Themen sind die historische Rezeption russischer Musik in Frankreich, der Einfluss des "Apachen"-Kreises auf Ravel, die literarische Vorlage von Tristan Klingsor sowie die detaillierte musikalische Analyse des Werks.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, inwiefern der Zyklus Shéhérazade als bewusste Abkehr von deutschen Vorbildern und als Realisierung eines individuellen musikalischen Orientalismus fungiert, der sich von bloßen Klischees distanziert.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Autorin kombiniert historisch-kontextuelle Analysen der französischen Musikwelt mit einer literaturwissenschaftlichen Betrachtung (Postkolonialtheorie) und einer detaillierten musikalischen Analyse der Partitur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der biografischen und historischen Voraussetzungen (Ravel und die Apachen) sowie die zweigeteilte Analyse des Werks Shéhérazade auf literarischer und musikalischer Ebene.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Ravel, Orientalismus, Kulturtransfer, Shéhérazade, französische Musikidentität und Exotismus beschreiben.
Welche Rolle spielt die russische Musik für Ravel in diesem Zyklus?
Obwohl Ravel von der russischen Schule beeinflusst wurde, zeigt die Analyse, dass er in Shéhérazade keine authentischen Zitate verwendet, sondern russische und orientalische Elemente nur als Inspirationsquelle für eine eigene, moderne Tonsprache nutzt.
Wie unterscheidet sich Ravel in diesem Werk von seinen Zeitgenossen?
Im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen, die den Orient mit rein stereotypen Klischees darstellten, bewahrt Ravel eine distanzierte Haltung und integriert die exotischen Anklänge in eine klar organisierte, eigene strukturelle Form.
- Arbeit zitieren
- Zhe Yuan Lim (Autor:in), 2021, Ravels Orientalismus und der Kulturtransfer der fremden Musik im Zyklus der Orchesterlieder, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1043053