Lebensbewältigung nach Lothar Böhnisch – ein Modell, das der Sozialen Arbeit einen Zugang in die Verhaltens- und Denkweisen ihrer Klientel gibt.
In dieser Studienarbeit behandle ich die, vor allem durch Lothar Böhnisch geprägte, Lebensbewältigungstheorie. Das Theorie-Praxis-Modell entwickelt nicht nur Hypothesen zum Betroffen sein, sondern auch sich dahinter verbergende Verhaltensmuster. Das Konzept gilt es als dreidimensionales Modell zu betrachten, aus dem Handlungsaufforderungen an die Soziale Arbeit abgeleitet werden.
Aufgrund von Lothar Böhnischs Biografie wird insbesondere ein Einblick in die Jugendarbeit innerhalb dieser Dimensionen getätigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Dreidimensionales Modell der Lebensbewältigung
2.1 Psychodynamische Dimension
2.1.1 Abspaltung
2.1.1.1 Äußere Abspaltung
2.1.1.2 Innere Abspaltung
2.1.1.3 Abspaltung „per Delegation“
2.2 Soziodynamische/interaktive Dimension
2.2.1 Bewältigungskulturen
2.2.1.1 Familie
2.2.1.2 Gruppen
2.2.1.3 Schule
2.2.1.4 Internet
2.3 Gesellschaftliche Dimension
2.4 Handlungsaufforderungen
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Studienarbeit untersucht das von Lothar Böhnisch geprägte Theorie-Praxis-Modell der Lebensbewältigung, um Mechanismen der Klientel in kritischen Lebenskonstellationen zu analysieren und daraus konkrete Handlungsaufforderungen für die Soziale Arbeit abzuleiten.
- Grundlagen des dreidimensionalen Modells der Lebensbewältigung
- Analyse der psychodynamischen Dimension und verschiedener Abspaltungsformen
- Untersuchung sozialer Bewältigungskulturen wie Familie, Peer-Groups und Schule
- Reflexion gesellschaftlicher Dimensionen und deren Einfluss auf die Bewältigungslage
- Ableitung methodischer Handlungsansätze für professionelle Beratungsprozesse
Auszug aus dem Buch
2.1.1.2 Innere Abspaltung
Im Mittelpunkt der inneren Abspaltung stehen die Spaltung des Selbst und der Selbsthass. Das Selbst wird in das Ich und seinen Körper geteilt. Das Ich stellt kritisiert sich selbst und hinterfragt seine Hülle immer wieder, „ich sehe heute wieder so schrecklich aus“ ist ein Gedanke, der bei nahezu allen Jugendlichen öfter vorkommen als es gut für sie wäre. Entwickelt sich dieses Verhalten zu Gewalt gegen das Selbst spricht man von Autoaggression.
Betroffene Personen suchen meist Aufmerksamkeit durch Auffälligkeit, und fühlen dadurch Anerkennung. Durch Selbstverletzung zieht man einige Blicke auf sich, ob es Blicke des Entsetzens oder der Anerkennung sind ist den Betroffenen egal, Hauptsache Aufmerksamkeit. Es ist ihre Art und Weise das Problem zu thematisieren. Beispiele für diese Art von Selbstverletzen reichen von Selbstverstümmelung, dem sogenannten „Ritzen“, über die Magersucht, bis hin zu Medikamentenmissbrauch.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit stellt das Lebensbewältigungsmodell von Lothar Böhnisch vor und setzt sich zum Ziel, dessen Anwendungsmöglichkeiten in der Jugendarbeit zu explorieren.
2. Dreidimensionales Modell der Lebensbewältigung: Dieses zentrale Kapitel erläutert die psychodynamische, soziodynamische und gesellschaftliche Dimension des Konzepts und leitet daraus notwendige Handlungsstrategien für die Soziale Arbeit ab.
3. Fazit: Das Fazit resümiert die theoretischen Sphären und bestätigt die hohe Relevanz des Modells für die Praxis, wobei insbesondere die Rolle der digitalen Medien als künftiges Entwicklungsfeld identifiziert wird.
Schlüsselwörter
Lebensbewältigung, Lothar Böhnisch, Soziale Arbeit, Psychodynamik, Abspaltung, Bewältigungskulturen, Handlungsfähigkeit, Kohärenz, Innere Hilflosigkeit, Familie, Peer-Groups, Autoaggression, Refraiming, Beratung, Soziale Anerkennung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Theorie der Lebensbewältigung nach Lothar Böhnisch und deren Anwendung in der Sozialen Arbeit.
Welche drei zentralen Dimensionen des Modells werden untersucht?
Das Modell gliedert sich in eine psychodynamische, eine soziodynamische/interaktive sowie eine gesellschaftliche Dimension.
Was ist das primäre Ziel der theoretischen Betrachtung?
Ziel ist es, das Bewältigungsverhalten der Klientel in kritischen Lebenssituationen zu verstehen und daraus Handlungsaufforderungen für Fachkräfte abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung des Modells durch Literaturanalyse sowie die Einordnung in den Kontext der Sozialen Arbeit.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Abspaltungsprozessen sowie die Auswirkungen verschiedener Milieus (Familie, Schule, Gruppen, Internet) auf die Bewältigungskapazitäten.
Durch welche zentralen Schlagworte lässt sich die Arbeit beschreiben?
Wichtige Begriffe sind Lebensbewältigung, innere Hilflosigkeit, Abspaltung, Handlungsfähigkeit, soziale Anerkennung und Bewältigungskulturen.
Was versteht man in diesem Modell unter dem Begriff „Abspaltung“?
Abspaltung beschreibt einen Prozess, bei dem Klienten aufgrund mangelnder sozialer Anerkennung in antisoziale oder selbstschädigende Verhaltensmuster fliehen, um Aufmerksamkeit zu erzwingen.
Wie unterscheidet der Autor zwischen „äußerer“ und „innerer“ Abspaltung?
Während bei der äußeren Abspaltung Probleme durch Projektion auf andere („Abstraktion“/Gewalt) externalisiert werden, richtet sich die innere Abspaltung durch Selbsthass oder Autoaggression gegen das eigene Selbst.
Welche Bedeutung haben „funktionale Äquivalente“ in der Beratung?
Sie dienen dazu, Klienten alternative Handlungsformen anzubieten, die ohne antisoziales Verhalten zur Stärkung der Handlungsfähigkeit beitragen, wie etwa die Mitgliedschaft in einem Box-Club zur Aggressionsregulation.
- Arbeit zitieren
- Jan Dapprich (Autor:in), 2021, Betrachtung der Lebensbewältigung nach Lothar Böhnisch mit Fokus auf die Jugendarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1038350