Der Fokus dieser Hausarbeit liegt auf der Textanalyse des Märchens „Rotkäppchen“. Diese Arbeit stützt sich auf das französische Original "Le Petit Chaperon Rouge" von Charles Perrault (1628-1703) in "Histoires ou Contes du Temps Passé. Avec des Moralitez" aus dem Jahre 1697 und die deutsche Fassung von Jacob (1785-1863) und Wilhelm (1786-1859) Grimm aus ihrem Band Kinder- und Hausmärchen von 1812. Wie können die beiden Fassungen von Rotkäppchen eine kleine Form darstellen? Um die beiden Fassungen zu vergleichen wird zuerst ein Einblick in das Genre Märchen gegeben. Dann wird eine vergleichende Studie beider Märchen vorgestellt.
Die kleinen Formen werden heutzutage geschätzt, zweifellos wegen des beschleunigten Tempos des heutigen Lebens, das eine schnelle Lektüre (z. B. in der U-Bahn) erfordert. Diese Mikro-Erzählungen sind im Alltag verwurzelt, inspiriert von Nachrichten und städtischen Legenden, am Schnittpunkt von traditionellem Geschichtenerzählen, Literatur und städtischer Folklore. Folgende kleine Formen sind in der Literatur gebräuchlich: Witz, Anekdote, Parabel, Fabel, Pitch, Klappentext, kurze Vita, Telegramm, Briefe, Sketch, Tweet, Snapchat, Email, Memes und Sonnet. Ich möchte auf eine kleine Form zurückkommen, die Jung und Alt seit langem begeistert, und zwar die Märchen.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
I. DIE MÄRCHEN UND IHRE BESONDEREN MERKMALE
1. WAS SIND MÄRCHEN?
2. URSPRUNG DER MÄRCHEN
3. DIE VERSCHIEDENEN FORMEN DER MÄRCHEN
4. DIE MERKMALE DER MÄRCHEN
5. DIE STRUKTUR DER MÄRCHEN
II. LE PETIT CHAPERON ROUGE & ROTKÄPPCHEN
1. DAS FRANZÖSISCHE MÄRCHEN „LE PETIT CHAPERON ROUGE“
2. DIE DEUTSCHE VERSION «ROTKÄPPCHEN »
III. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine vergleichende Textanalyse zwischen der französischen Fassung von Charles Perrault („Le Petit Chaperon Rouge“, 1697) und der deutschen Fassung der Brüder Grimm („Rotkäppchen“, 1812) durchzuführen, um zu untersuchen, wie beide Varianten als „kleine Form“ fungieren und welche erzählerischen sowie inhaltlichen Unterschiede bei der Darstellung von Moral und Ausgang der Geschichte bestehen.
- Analyse des Genres „Märchen“ und seiner strukturellen Merkmale
- Vergleich der Erzählstruktur (Quinaire-Schema) in beiden Werken
- Untersuchung der narrativen Strategien (direkte vs. indirekte Rede, Fokalisierung)
- Kontrastierung der pädagogischen Absichten und der enthaltenen Moral
Auszug aus dem Buch
DAS FRANZÖSISCHE MÄRCHEN „LE PETIT CHAPERON ROUGE“
Mit seinem Werk Le Petit Chaperon Rouge verfasste Charles Perrault im Jahre 1697 ein Märchen von 37 Sätzen in 783 Wörtern, das nicht mit den Worten „Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“ endet. In dieser Geschichte, die eine kleine Form ist, konzentriert man sich auf das Wesentliche, es gibt keine Beschreibungen. Hier hat man eine heterodiegetische Erzählung, das heißt, dass der Erzähler nicht Teil der Geschichte ist; er ist abwesend. Das Märchen ist ein gutes Beispiel für die Einleitungsformel „Es war einmal“. Das schafft eine Distanz zwischen dem Erzähler und der Welt, die er beschreibt. Der Erzähler sowohl als auch der Leser sind die Zuschauer einer Szene, die sich abspielt.
Das Ende ist besonders tragisch. In einem Satz verschwindet das Mädchen in dem Maul des Wolfes. Perrault verschafft eine Moral aus zwei Sätzen, die sich reimend über 15 Zeilen erstrecken. Das Märchen ist vor allem ein Warnungsmärchen, wie Marc Soriano es qualifizierte, das für Kinder geschrieben wurde. In der Tat findet man auf dem rechten Rand des Manuskripts aus dem Jahre 1695: „Man sagt diese Worte mit lauter Stimme, um dem Kind Angst einzujagen, als würde der Wolf es fressen“.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Thematik der „kleinen Form“ als literarische Gattung ein und erläutert den Fokus auf die Textanalyse der beiden Rotkäppchen-Versionen.
I. DIE MÄRCHEN UND IHRE BESONDEREN MERKMALE: Dieses Kapitel definiert den Begriff Märchen, beleuchtet deren Ursprung und arbeitet die typischen formalen sowie inhaltlichen Merkmale und Strukturen dieser Gattung heraus.
II. LE PETIT CHAPERON ROUGE & ROTKÄPPCHEN: In diesem Hauptteil erfolgt der detaillierte Vergleich der französischen Fassung von Perrault und der deutschen Fassung der Gebrüder Grimm hinsichtlich Inhalt, Erzählweise und Wirkung.
III. FAZIT: Das Fazit stellt die wesentlichen Unterschiede fest, insbesondere hinsichtlich der erzieherischen Intention und der verschiedenen Endungen, und bestätigt beide als gelungene Beispiele der „kleinen Form“.
Schlüsselwörter
Rotkäppchen, Charles Perrault, Gebrüder Grimm, Märchen, kleine Form, Textanalyse, Vergleich, Moral, direkte Rede, Kinderliteratur, Quinaire-Schema, Erzählstruktur, Volksmärchen, Nullfokalisierung, pädagogische Absicht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert und vergleicht das bekannte Märchen Rotkäppchen in der französischen Originalfassung von Charles Perrault und der bekannteren deutschen Fassung der Gebrüder Grimm.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Struktur des Märchens als „kleine Form“, der Vergleich der pädagogischen Moral, die unterschiedlichen Erzählperspektiven und die narrativen Mittel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich die beiden Versionen trotz inhaltlicher Ähnlichkeiten in ihrer Intention und Wirkung unterscheiden und welche Rolle die „kleine Form“ dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Textanalyse sowie eine strukturelle Untersuchung, basierend auf dem sogenannten „Quinaire-Schema“ und narratologischen Ansätzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das Genre Märchen und eine direkte, textbasierte Gegenüberstellung von Perraults und Grimms Fassungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem kleine Form, Märchenstruktur, Nullfokalisierung, Moral sowie der spezifische Vergleich zwischen der französischen und der deutschen Überlieferung.
Warum endet das Märchen bei Perrault so tragisch im Vergleich zur Fassung der Brüder Grimm?
Perraults Version diente im 17. Jahrhundert primär als Warnungsmärchen mit einer moralischen Lektion ohne „Happy End“, während die Grimms den Fokus auf ein lehrreiches, für Kinder positiv gestaltetes Ende legten.
Welche Rolle spielt die „direkte Rede“ in den analysierten Texten?
Die Autorin hebt hervor, dass die direkte Rede die Geschichte lebendiger gestaltet und dem Leser einen direkten Einblick in die Gedankenwelt und Gefühle der Figuren ermöglicht.
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- Elsa Fevre (Author), 2020, Märchen - eine kleine Form. Am Beispiel der Märchen "Rotkäppchen" und "Le Petit Chaperon Rouge", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1035263