In der vorliegenden Hausarbeit soll auf Basis eines fiktiven Fallbeispiels, in dem die Genehmigungsbehörde eine Vollerhebung untersagt, ein geeignetes Stichprobenverfahren ausgewählt und durchgeführt werden. Der Fokus liegt dabei auf zufallsgesteuerten Auswahlverfahren, da die Grundgesamtheit in dem Beispiel bundesweit mehr als 100.000 Menschen umfasst. Die Arbeit ist in sechs Kapitel unterteilt. In Kapitel 2 wird das fiktive Forschungsvorhaben geschildert. Darauf folgt in Kapitel 3 eine Betrachtung der rechtlichen Grundlagen der Sozialdatenübermittlung sowie in Kapitel 4 die Vorstellung der zufallsgesteuerten Auswahlverfahren. Anschließend werden in Kapitel 5 die Wahl eines zielführenden Stichprobenverfahrens für das Fallbeispiel und dessen Anwendung dargelegt. Mit einem Fazit in Kapitel 6 endet die Arbeit.
Der Datenschutz hat in der empirischen Forschung einen hohen Stellenwert. Besonders relevant ist der Schutz personenbezogener Daten in der Forschung jedoch dann, wenn Sozialdaten betroffen sind. Dies sind hochsensible Informationen über Menschen, die von den sozialrechtlichen Leistungsträgern gespeichert werden. An die Übermittlung dieser Daten stellt der Gesetzgeber hohe Anforderungen. So ist unter bestimmten Voraussetzungen zum Beispiel der Transfer der Sozialdaten von den Leistungsträgern an Forschungseinrichtungen zulässig.
In der empirischen Forschung haben Stichproben im Regelfall Vorteile gegenüber Vollerhebungen, da sie weniger aufwendig sind. Bei der Arbeit mit von Sozialleistungsträgern übermittelten Daten ist jedoch die Vollerhebung effizienter. Grund hierfür ist, dass die Forschungsinstitute die Daten aufbereitet erhalten und sie nicht erheben brauchen. Hier wäre die Auswahl von Stichproben zeitaufwendiger. Daher beantragen viele Institute die Übermittlung der Sozialdaten all jener Versicherten, die die Auswahlkriterien erfüllen. Dieses Vorgehen ist jedoch nicht immer zulässig.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Schilderung des fiktiven Forschungsvorhabens
3 Rechtliche Einordnung des Beispiels
4 Stichprobenverfahren
4.1 Verfahren der einfachen Zufallsauswahl
4.2 Verfahren der komplexen Zufallsauswahl
5 Auswahl und Anwendung eines geeigneten Stichprobenverfahrens für das Beispiel
5.1 Auswahl eines geeigneten Stichprobenverfahrens
5.2 Anwendung des ausgewählten Verfahrens
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Das Hauptziel der Arbeit ist es, ein geeignetes Stichprobenverfahren für eine empirische Untersuchung im Kontext der Nutzung von Sozialdaten zu identifizieren, wenn eine Vollerhebung aufgrund datenschutzrechtlicher Vorgaben nicht zulässig ist. Die Forschungsfrage fokussiert sich dabei auf die methodische Vorgehensweise, wie trotz strenger Auflagen ein repräsentatives Abbild der Grundgesamtheit unter Einhaltung des Datenschutzes generiert werden kann.
- Datenschutzrechtliche Rahmenbedingungen bei der Datenübermittlung
- Vergleich und Einordnung verschiedener Stichprobenverfahren
- Anwendung der proportional geschichteten Zufallsauswahl
- Praktische Umsetzung an einem fiktiven Fallbeispiel
- Methodische Herausforderungen in der empirischen Sozialforschung
Auszug aus dem Buch
4 Stichprobenverfahren
Stichproben sind die Teilmenge aus einer Grundgesamtheit, die die untersuchungsrelevanten Merkmale dieser Gesamtheit möglichst genau widerspiegeln sollen (Bortz 2005: 86). Mit der zufallsgesteuerten und der nicht zufallsgesteuerten Auswahl existieren zwei Verfahrensarten zum Ziehen der Stichproben (Kromrey et al. 2016: 265). Bei den nicht zufallsgesteuerten Auswahlverfahren lässt sich zwischen der willkürlichen und der bewussten Auswahl differenzieren, während die zufallsgesteuerte Wahrscheinlichkeitsauswahl einfach oder komplex durchführbar ist (ebd.: 266 ff.). Bei Zufallsstichproben ist immer bekannt, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Komponente in die Auswahl kommt (Pospeschill 2013: 148).
Da die willkürliche Auswahl nicht repräsentativ ist (Eckey et al. 2008: 25 f.) und bei der bewussten Auswahl zur Herstellung der Repräsentativität gezielt nach bestimmten Merkmalen in der Population gesucht wird (ebd.: 27), erfolgt vorliegend nur die Betrachtung der zufallsgesteuerten Verfahren – denn wie das Fallbeispiel zeigt, sind kaum Merkmale der Grundpopulation bekannt. Mit der bewussten Auswahl wäre es daher nur schwer möglich, das Forschungsvorhaben repräsentativ durchzuführen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Relevanz des Datenschutzes in der empirischen Forschung und Darlegung der Problematik bei der Datenübermittlung.
2 Schilderung des fiktiven Forschungsvorhabens: Beschreibung eines fiktiven Projekts zur Untersuchung von Arbeitsunfällen, bei dem eine Vollerhebung datenschutzrechtlich abgelehnt wurde.
3 Rechtliche Einordnung des Beispiels: Analyse der gesetzlichen Voraussetzungen für die Übermittlung von Sozialdaten nach dem SGB X.
4 Stichprobenverfahren: Theoretische Abgrenzung verschiedener Stichprobenarten und Erläuterung ihrer Anwendbarkeit.
4.1 Verfahren der einfachen Zufallsauswahl: Vorstellung der verschiedenen Varianten der einfachen Zufallsauswahl und deren Grenzen.
4.2 Verfahren der komplexen Zufallsauswahl: Detaillierte Betrachtung von Klumpen-, Schichtungs- und mehrstufigen Auswahlverfahren.
5 Auswahl und Anwendung eines geeigneten Stichprobenverfahrens für das Beispiel: Begründung der Methodenwahl für den Fall und Vorbereitung der Umsetzung.
5.1 Auswahl eines geeigneten Stichprobenverfahrens: Evaluierung, warum die geschichtete Zufallsauswahl für das vorliegende Beispiel am besten geeignet ist.
5.2 Anwendung des ausgewählten Verfahrens: Konkrete Durchführung der proportional geschichteten Zufallsauswahl am Beispiel Baden-Württembergs.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Anwendbarkeit von Stichprobenverfahren unter restriktiven Datenschutzbedingungen.
Schlüsselwörter
Datenschutz, Sozialdaten, Empirische Forschung, Stichprobenverfahren, Zufallsauswahl, Vollerhebung, Repräsentativität, SGB X, Proportionale Schichtung, Datenübermittlung, Forschungsmethode, Sozialrecht, Arbeitsunfälle, Wissenschaftsethik, Stichprobendesign
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie in der empirischen Forschung trotz strenger datenschutzrechtlicher Auflagen – die eine Vollerhebung oft verhindern – ein wissenschaftlich valides Stichprobenverfahren angewendet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Sozialdatenschutz nach SGB X, die verschiedenen methodischen Ansätze der Stichprobenziehung sowie die praktische Anwendung von Schichtungsverfahren in der empirischen Forschung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein geeignetes Stichprobenverfahren für ein fiktives Fallbeispiel zu identifizieren und dessen Anwendung aufzuzeigen, um eine repräsentative Datengrundlage trotz begrenzter Zugriffsmöglichkeiten zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine methodische Analyse auf Basis eines fiktiven Fallbeispiels durchgeführt, wobei die theoretischen Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsauswahl (insbesondere die geschichtete Zufallsauswahl) angewendet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der rechtlichen Einordnung der Datenübermittlung, der theoretischen Klassifikation von Stichprobenverfahren sowie der konkreten Planung und Anwendung einer proportional geschichteten Zufallsauswahl.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Datenschutz, Sozialdaten, Zufallsauswahl, Repräsentativität, SGB X und geschichtete Stichprobe.
Warum ist eine Vollerhebung in dem Fallbeispiel nicht möglich?
Die für die Genehmigung zuständige Behörde lehnte eine Vollerhebung aufgrund des fehlenden Einverständnisses der betroffenen Personen ab, da die Repräsentativität auch durch Stichprobenverfahren gewahrt werden kann.
Wie wird das Problem der Repräsentativität bei der Stichprobe gelöst?
Durch die Anwendung einer proportional geschichteten Zufallsauswahl wird sichergestellt, dass bekannte Merkmale der Grundgesamtheit in der Stichprobe adäquat abgebildet werden.
Welche Rolle spielt das Bundesland Baden-Württemberg in der Untersuchung?
Baden-Württemberg dient als praktisches Beispiel, um den Ziehungsvorgang der Stichprobe anhand von realen Bevölkerungsanteilen und Urnenmodellen zu veranschaulichen.
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- Simon Winzer (Author), 2021, Der Sozialdatenschutz in der empirischen Forschung. Auswahl geeigneter Stichprobenverfahren bei Ausscheiden einer Vollerhebung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1032889