Ziel dieser Arbeit ist ein grundlegendes Verständnis für die gerade stattfindende Umgestaltung der globalen Ordnung, ausgelöst durch Chinas Versuch der Transformation der globalen Wirtschaftsordnung zu einer sino-zentrischen und ihrer Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland zu schaffen. Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas verändert die globalen Machtverhältnisse sowohl in wirtschaftlicher als auch in politischer Hinsicht dauerhaft.
Mit ihrem neuen interkontinentalen Infrastrukturprojekt One Belt one Road, auch Belt and Road Initiative genannt, strebt China die Position des Hegemon einer "neuen Weltordnung" an. Die Belt and Road Initiative hat das Potential, durch verbesserte politische Zusammenarbeit, infrastrukturelle Verbindungen und freierem Warenverkehr neue wirtschaftliche Wachstumsimpulse für ganze Regionen auszulösen. Jedoch wird mit wachsendem wirtschaftlichem Einfluss vermutlich auch der politische Einfluss Chinas und der kommunistischen Partei zunehmen.
Welche politischen und wirtschaftlichen Risiken und Chancen sich aus dem Projekt für den Standort Deutschland ergeben, soll im Laufe dieser Arbeit ergründet werden. Dazu soll zunächst ihr historisches Gegenstück, die antike Seidenstraße, definiert, in ihrem Verlauf dargestellt und anschließend in ihre Bedeutung für den aktuellen Kontext eingeordnet werden. Im darauffolgenden Kapitel wird die Belt and Road Initiative in ihren Grundzügen dargestellt. Dafür wird auf den Wandel der außenpolitischen Strategien Chinas seit Gründung der Volksrepublik eingegangen, um aufzuzeigen, inwiefern sich die Initiative als Teil einer langfristigen Strategie Chinas zur Rückkehr an die Spitze der globalen Ordnung präsentiert.
Anschließend sollen die Konzeption und der geographische Verlauf der Initiative dargestellt werden, um im letzten Teil des Kapitels auf mögliche Motivationen der chinesischen Regierung für die Durchführung des Projektes einzugehen. Im letzten Kapitel werden die Risiken und Chancen, die die diversen wirtschaftlichen und politischen Implikationen für Deutschland mit sich bringen, beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Zielsetzung
2. Historischer Hintergrund
2.1 Eine Definition der Seidenstraße
2.2 Geographischer Verlauf und Hindernisse auf der antiken Seidenstraße
2.3 Bedeutung der historischen Seidenstraße im gegenwärtigen Kontext
3. Die Belt and Road Initiative, das Projekt der neuen Seidenstraße
3.1 Wandel in der chinesischen Außenpolitik
3.2 Konzeption der neuen Seidenstraße
3.3 Geographischer Verlauf der neuen Seidenstraßen
3.4 Mögliche Motivation der chinesischen Regierung für die Durchführung des Projektes
4. Chancen und Risiken für den Standort Deutschland
4.1 Wirtschaftliche Chancen und Risiken
4.2 Politische Risiken und Chancen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die globalen machtpolitischen Verschiebungen, die durch Chinas "Belt and Road Initiative" ausgelöst werden, und analysiert deren spezifische wirtschaftliche sowie politische Implikationen für Deutschland. Dabei wird erforscht, inwieweit das Infrastrukturprojekt als Instrument zur Etablierung einer sino-zentrischen Wirtschaftsordnung dient und wie Deutschland in diesem Spannungsfeld agieren kann.
- Historische Einordnung der antiken Seidenstraße als Legitimationsgrundlage
- Wandel der chinesischen Außenpolitik von "tao guang yang hui" hin zu "striving for achievement"
- Strukturelle Analyse der Belt and Road Initiative und ihrer geografischen Korridore
- Wirtschaftliche Auswirkungen, insbesondere hinsichtlich Lieferketten und Technologietransfer
- Geopolitische Herausforderungen für die europäische Einheit und deutsche Interessen
Auszug aus dem Buch
3.1 Wandel in der chinesischen Außenpolitik
Seit der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 versuchte die Kommunistische Partei China (im Folgenden KP genannt) den Respekt und die Würde wiederzuerlangen, die in dem verloren wurde was die Chinesen als ein „Jahrhundert der Demütigung (ca. 1839-1949)“ empfinden, dem Jahrhundert in dem ausländische Mächte die Region dominierten und China ihren Willen aufzwangen (vgl. Weissmann 2015, S. 152). Die verschiedenen Strategien chinesischer Außenpolitik, die dieses Ziel ergänzen, sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden.
Mit dem Ende der Herrschaft Maos im Jahre 1976 begann eine neue Ära in China: Die Wahrscheinlichkeit eines großen Krieges mit der Sowjetunion oder den USA rückte immer mehr in den Hintergrund, sodass mit der Übernahme der chinesischen Führung von Deng Xiaoping 1979 eine neue Doktrin maßgeblich für das Handeln der chinesischen Regierung wurde: Xiaoping überzeugte den Führungskader, dass es für die Entwicklung Chinas das beste sei, friedliche und sogar freundliche Beziehungen zu den kapitalistischen Rivalen aufzubauen, das Land zu modernisieren und „powerful, prosperous and respected“ (Maçães 2018 S. 14.) werden zu lassen. Um dieses Ziel zu erreichen und zwar möglichst schnell zu erreichen, war es notwendig von den weiter entwickelten kapitalistischen Volkswirtschaften zu lernen und Zugang zu ihren weitreichenden Kapital- und Technologie-Ressourcen zu erlangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Zielsetzung: Die Einleitung skizziert den Aufstieg Chinas und die globale Bedeutung der Belt and Road Initiative, wobei die zentrale Fragestellung nach den Risiken und Chancen für Deutschland definiert wird.
2. Historischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die antike Seidenstraße und deren bewusste Instrumentalisierung durch die chinesische Führung zur historischen Legitimation des modernen Großprojekts.
3. Die Belt and Road Initiative, das Projekt der neuen Seidenstraße: Hier wird der außenpolitische Strategiewechsel Chinas analysiert sowie die Konzeption, die geografischen Korridore und die primären wirtschaftspolitischen Motivationen hinter der Initiative dargelegt.
4. Chancen und Risiken für den Standort Deutschland: Das Kapitel befasst sich mit den ökonomischen Auswirkungen, wie dem Infrastrukturausbau und Technologietransfer, sowie den politischen Gefahren für die Kohärenz der EU-Interessen durch bilaterale chinesische Einflussnahme.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit durch Bildung und den Schutz seiner Industrie sichern muss, um in der sich wandelnden globalen Ordnung bestehen zu können.
Schlüsselwörter
Belt and Road Initiative, China, Seidenstraße, Weltwirtschaft, Standort Deutschland, Geopolitik, Infrastrukturprojekt, Außenpolitik, Handelsrouten, Technologietransfer, Europäische Union, Globalisierung, Wirtschaftsordnung, Investitionen, Interdependenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der chinesischen "Belt and Road Initiative" auf die globale Wirtschaftsordnung und deren spezifische Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die historische Herleitung der Seidenstraße, den Wandel der chinesischen Außenpolitik, die strategische Ausrichtung der Initiative sowie die Chancen und Risiken für deutsche Unternehmen und die EU.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, welche politischen und wirtschaftlichen Risiken und Chancen sich aus der Transformation der globalen Ordnung durch das Belt and Road Projekt für den Standort Deutschland ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und analytische Literaturanalyse durchgeführt, die historische Kontexte mit aktuellen wirtschafts- und politikwissenschaftlichen Quellen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung, die strukturelle Darstellung der Belt and Road Initiative und die detaillierte Bewertung der Auswirkungen auf Deutschland und Europa.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Belt and Road Initiative, Geopolitik, globale Handelsrouten, deutsch-chinesische Wirtschaftsbeziehungen und europäische Integration.
Inwiefern beeinflusst das historische Konzept "Tianxia" das aktuelle Handeln Chinas?
Das Konzept beschreibt eine Ordnung, in der China als gütiges Zentrum agiert, was laut Arbeit als Rechtfertigung für ein hierarchisches, auf Abhängigkeit basierendes Wirtschaftssystem genutzt wird.
Warum wird die Belt and Road Initiative als "trojanisches Pferd" bezeichnet?
Der Begriff verdeutlicht die These, dass das Projekt vordergründig als friedliche wirtschaftliche Kooperation vermarktet wird, um geopolitische Interessen und strategische Einflussnahme zu verschleiern.
- Arbeit zitieren
- David Wittkamp (Autor:in), 2021, Die chinesische Belt and Road Initiative. Transformation globaler Ordnung sowie wirtschaftliche und politische Auswirkungen auf den Standort Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1027262