Diese Arbeit untersucht, was Spracharbeit ist und wer sie betrieben hat. Dazu wird die wichtigste Sprachgesellschaft des 17. Jahrhunderts vorgestellt, die 'Fruchtbringende Gesellschaft'. Genauer werden die Lebensläufe von Justus Georg Schottelius und Georg Philipp Harsdörffer vorgestellt. Danach wird ein Briefwechsel der 'Fruchtbringenden Gesellschaft' zu den "Frauenzimmer‐ Gesprächsspielen" analysiert.
Hierbei liegt der Fokus darauf, wie durch Metaphern und andere rhetorische Mittel die Spracharbeit in den Briefen verwirklicht wird. Die verschiedenen Faktoren, die die Spracharbeit ausmachte, kann man in den Briefen sehr gut aufzeigen und herausarbeiten. Spracharbeit im 17. Jahrhundert bezieht sich auf ganz verschiedene Aspekte der Sprache. Insbesondere
wird eine ontologische Motiviertheit der sprachlichen Zeichen angenommen. Dies bedeutet, dass die sprachlichen Zeichen einen direkten Bezug zur Wirklichkeit haben.
Vor allem Lautmalerei ist ein rhetorisches Mittel, in dem sich die Motiviertheit der Zeichen ganz offen zeigt. Hier ist die Lautstruktur des Wortes in direkter Verbindung mit dem zu bezeichnenden Gegenstand (z.B. Kuckuck, knacken, etc.). Es gilt eine prinzipielle Rückführbarkeit der Sprachzeichen auf Naturlaute. Außerdem wird das Deutsche immer wieder, auch durch sein fortgeschrittenes Alter, mit dem Hebräischen verglichen, um ihm so mehr Wichtigkeit neben anderen Sprachen zu verleihen.
Man will die deutsche Sprache so gesellschaftsfähiger machen und ihr mehr Prestige verleihen. Es wird eine sehr enge Verbindung zwischen Sprache und Verhaltensnormen angenommen. Schottelius, ein Mitglied der 'Fruchtbringenden Gesellschaft', ging sogar davon aus, dass sich Änderungen des Verhaltens eines Volkes immer auf Sprachveränderungen zurückführen lassen. Der deutschen Sprache wird außerdem, auch durch die Motiviertheit der Zeichen, eine welterschließende Funktion zugerechnet. Nur durch die Sprache kann also die Welt für die Menschen erschließbar werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Was ist mit Spracharbeit gemeint?
Wer beschäftigte sich mit Spracharbeit?
Georg Philipp Harsdörffer:
Justus Georg Schottelius:
Analyse eines Briefwechsels der FG zu den Frauenzimmer-Gesprächsspielen
Harsdörffers Vorrede an die FG und Bitte um Mitgliedschaft
Ausschreiben der FG an Harsdörffer mit Aufnahme in die FG
Übereignungsschrift Harsdörffers an die FG und Annahme der Mitgliedschaft
Zuschreiben Harsdörffers an die FG und Bitte um Korrektur des dritten Teils
Sonett von Fürst Ludwig an Diederich von dem Werder bzgl. der Frauenzimmergesprächsspiele
Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der „Spracharbeit“ im 17. Jahrhundert und analysiert anhand eines historischen Briefwechsels der Fruchtbringenden Gesellschaft, wie dieses Sprachverständnis in der Praxis durch rhetorische Mittel, Neologismen und Übersetzungen umgesetzt wurde.
- Definition und theoretische Grundlagen der Spracharbeit im 17. Jahrhundert.
- Rolle der Fruchtbringenden Gesellschaft als Institution der Sprachpflege.
- Biografische und werkbezogene Analyse von Georg Philipp Harsdörffer und Justus Georg Schottelius.
- Untersuchung des Briefwechsels bezüglich der Frauenzimmer-Gesprächsspiele als Medium der Sprachvermittlung.
- Bedeutung von Sprachpurismus und kulturellem Anschluss an europäische Leitnationen.
Auszug aus dem Buch
Analyse eines Briefwechsels der FG zu den Frauenzimmer-Gesprächsspielen:
Es soll nun an einem Briefwechsel der FG mit Harsdörffer genaueres über die Spracharbeit erläutert werden. Der Briefwechsel vollzieht sich aufgrund der Frauenzimmer-Gesprächsspiele, die Harsdörffer für die FG verfasste. Sie verhalfen ihm auch zum Eintritt in die FG.
Harsdörffers Vorrede an die FG und Bitte um Mitgliedschaft: Harsdörffer beginnt den Briefwechsel mit einer Vorrede an die FG. Die Vorrede setzt mit einer Lobesrede auf die FG und ihre Taten ein. Seine Anrede zeigt schon die hohe Stellung, die die FG wohl in dieser Zeit annimmt. Er spricht sie an mit „Hochlöbliche/Fruchtbringende Gesellschafft.“ (DA 190)
Dies zeigt schon den Rang dieser Sprachgesellschaft und auch zum Teil den Wunsch Harsdörffer in ihr aufgenommen zu werden. Er beschreibt die FG als „von Tugend vnnd Stamm Edle Ritter“ (DA 190), was fast schon leicht an die Ritter aus mittelalterlichen Troubadourliedern anmutet.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird definiert, was unter Spracharbeit im 17. Jahrhundert zu verstehen ist und die Relevanz der Fruchtbringenden Gesellschaft sowie der Akteure Harsdörffer und Schottelius umrissen.
Was ist mit Spracharbeit gemeint?: Dieses Kapitel erläutert die ontologische Motiviertheit der Sprache, den Sprachpurismus und die welterschließende Funktion, die dem Deutschen zugesprochen wurde.
Wer beschäftigte sich mit Spracharbeit?: Es erfolgt eine Vorstellung der Fruchtbringenden Gesellschaft als Institution, die durch Aufnahme bürgerlicher Gelehrter und einen regen Briefwechsel die Sprachnormierung vorantrieb.
Georg Philipp Harsdörffer:: Die Biografie des „Spielenden“ wird dargestellt, insbesondere seine vielseitige Textproduktion und sein Wirken als bedeutender Kulturvermittler.
Justus Georg Schottelius:: Das Wirken des „Suchenden“ wird analysiert, wobei sein Hauptwerk „Ausführliche Arbeit“ und sein Beitrag zur sprachpatriotistischen Haltung im Fokus stehen.
Analyse eines Briefwechsels der FG zu den Frauenzimmer-Gesprächsspielen: Anhand konkreter Korrespondenz wird untersucht, wie Harsdörffer die Gunst der Gesellschaft errang und wie Spracharbeit praktisch in Briefen verhandelt wurde.
Harsdörffers Vorrede an die FG und Bitte um Mitgliedschaft: Analyse der einleitenden Lobesrede und der Metaphorik, mit der Harsdörffer seine Untertänigkeit und seinen Wunsch nach Mitgliedschaft ausdrückt.
Ausschreiben der FG an Harsdörffer mit Aufnahme in die FG: Die offizielle Antwort der Gesellschaft, die Harsdörffers Werk legitimiert und den Beinamen „der Spielende“ verleiht.
Übereignungsschrift Harsdörffers an die FG und Annahme der Mitgliedschaft: Harsdörffer reflektiert die geschichtliche Bedeutung der Sprache für den Bestand von Völkern und legitimiert das Deutsche durch Tradition.
Zuschreiben Harsdörffers an die FG und Bitte um Korrektur des dritten Teils: Harsdörffer bittet um Korrektur seiner Arbeit und verwendet hierfür die Metapher ungeschärfter Federn.
Sonett von Fürst Ludwig an Diederich von dem Werder bzgl. der Frauenzimmergesprächsspiele: Die Analyse des Sonetts zeigt die gegenseitige Wertschätzung und das Bestreben, das Deutsche als Kultursprache zu etablieren.
Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Rolle des Briefwechsels für die Sprachnormierung und die Etablierung des Deutschen als literaturfähige Sprache.
Schlüsselwörter
Spracharbeit, Fruchtbringende Gesellschaft, Georg Philipp Harsdörffer, Justus Georg Schottelius, Frauenzimmer-Gesprächsspiele, Sprachpurismus, Sprachpatriotismus, Briefwechsel, Sprachnormierung, 17. Jahrhundert, Barock, Kulturaustausch, Sprachgesellschaften, Metaphorik, Sprachlegitimation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verständnis und die Praxis der sogenannten Spracharbeit im 17. Jahrhundert, insbesondere im Kontext der Fruchtbringenden Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die theoretischen Strömungen der Zeit, wie Sprachpurismus und Sprachmystik, sowie die praktische Anwendung von Sprache in Literatur und Briefkommunikation.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie mittels rhetorischer Mittel und aktiver Sprachgestaltung versucht wurde, die deutsche Sprache gegenüber dem Lateinischen und Französischen aufzuwerten und zu legitimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer textnahen Analyse historischer Primärquellen, insbesondere eines Briefwechsels zwischen Georg Philipp Harsdörffer und der Fruchtbringenden Gesellschaft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben den Biografien von Harsdörffer und Schottelius steht die detaillierte Analyse der Korrespondenz bezüglich der „Frauenzimmer-Gesprächsspiele“ und die Rolle der Sprachgesellschaften im Fokus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Spracharbeit, Fruchtbringende Gesellschaft, Sprachnormierung, Sprachlegitimation und die Rolle der Sprachgesellschaften im 17. Jahrhundert.
Warum spielt die Fruchtbringende Gesellschaft eine so große Rolle?
Sie gilt als die wichtigste Institution ihrer Zeit, die erstmals bürgerliche Gelehrte aufnahm und durch einen intensiven Briefwechsel zur Normierung der deutschen Sprache beitrug.
Wie interpretierte Harsdörffer die Rolle des Deutschen?
Er sah das Deutsche als onomatopoetisch motivierte Sprache mit enormem Potenzial, die durch literarische "Spielerei" und Übersetzungen zur Welterschließung beitragen sollte.
Welche Bedeutung hatte der Briefwechsel für die damalige Sprachentwicklung?
Der Briefwechsel diente als Forum für orthografische Diskussionen und zur Demonstration, dass das Deutsche auch für anspruchsvolle Gattungen wie das Sonett geeignet ist.
Was sagt die Arbeit über die Schreibweise der Zeit aus?
Sie weist darauf hin, dass trotz der Bemühungen von Gelehrten wie Gueintz und Schottelius im Zeitraum von 1641 bis 1643 eine erhebliche orthografische Uneinigkeit herrschte.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, Spracharbeit im 17. Jahrhundert. Briefwechsel zu den "Frauenzimmer-Gesprächsspielen", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1022624