In dieser Arbeit wird ein Praxismodell eines sprachsensiblen Unterrichts im Fach Geschichte vorgestellt und im Anschluss reflektiert.
Bei der behandelten Lerngruppe handelt es sich um einen Geschichtsleistungskurs, der insgesamt aus sechzehn SchülerInnen zusammengesetzt ist, von denen elf monolingual mit Deutsch als Muttersprache (DaM) und fünf in mehrsprachigen Haushalten aufgewachsen sind. Vier von fünf der bilingual aufgewachsenen SchülerInnen geben an, seit ihrer Geburt mit beiden Sprachen (etwa zu gleichen Teilen) regelmäßig in Kontakt gekommen zu sein, weshalb hier von einem ungesteuerten bilingualen Erstspracherwerb (L1) gesprochen werden kann.
Neben dem Deutschen sind besagte SchülerInnen mit den Familiensprachen Türkisch, Polnisch und Arabisch aufgewachsen (L1). Lediglich eine Schülerin gibt an, dass sie erst im Alter von fünf Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland kam und deshalb Deutsch als ihre Zweitsprache (L2/ DaZ) und Griechisch als Erstsprache (L1) einzustufen ist.
Inhaltsverzeichnis
1) Die sprachliche Heterogenität der Lerngruppe
2) Angestrebte fachliche Kompetenzen der Unterrichtseinheit
3) Die sprachlichen Anforderungen der fachlichen Ziele der Unterrichtseinheit
4) Die sprachlichen Fähigkeiten der SchülerInnen im Blick auf die Unterrichtsziele
5) Reflexion unter Bezugnahme sprachsensibler Unterrichtsmethoden
6) Die wesentlichen Merkmale meiner Praktikumsschule im Bezug auf Konzepte sprachlicher Bildung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich mit der Planung einer geschichtsdidaktischen Unterrichtseinheit zur sozialen Frage im 19. Jahrhundert auseinander und analysiert die sprachlichen Herausforderungen für einen leistungsstarken Geschichtsleistungskurs im Kontext einer inklusiven Schule.
- Analyse der sprachlichen Heterogenität und Kompetenzen der Lerngruppe
- Ermittlung fachspezifischer sprachlicher Anforderungen im Geschichtsunterricht
- Reflexion über den Einsatz sprachsensibler Unterrichtsmethoden (Scaffolding)
- Bewertung von Konzepten sprachlicher Bildung in der schulischen Praxis
Auszug aus dem Buch
3) Die sprachlichen Anforderungen der fachlichen Ziele der Unterrichtseinheit:
„Sprachbildung wird für alle Fächer als komplexer Prozess des Sprachlernens, des Lernens durch Sprache und des Lernens über Sprache verstanden“ (Handro 2013, 318). Sprachförderung ist eine fächerübergreifende Aufgabe, wobei nicht nur die sprachlichen Kompetenzen der SchülerInnen im Fachunterricht gefördert werden, sondern auch ganz gezielt die fachlichen Kompetenzen der SchülerInnen mithilfe von Sprache geschult werden können. Diesem Mehrwert für das historische Lernen soll sich im folgenden Kapitel gewidmet werden.
Der Sprache kommt im Geschichtsunterricht eine signifikante Rolle zu, da es im Klassenzimmer keine Realerfahrungen geben kann - die Bezüge werden künstlich herbeigeführt. Die Möglichkeit, durch Begriffe Phänomene zu konstruieren und somit begreifbar zu machen, ermöglicht erst den historischen Diskurs. Unabdinglich ist es dahingehend auch den SchülerInnen den Konstruktcharakter von Geschichte vor Augen zu führen. „Die Begegnung mit der Geschichte ist eine Begegnung mit ihren Überlieferungen“ (Günther-Arndt & Zülsdorf-Kersting 2019, 179; vgl. KLP 2014, 16).
In der skizzierten Unterrichtseinheit wird diesem Aspekt durch die multiperspektivische Betrachtung eines historischen Sachverhalts (dem Problem der sozialen Frage) Rechnung getragen.
Um die Komplexität historischer Sachverhalte systematisch aufzugreifen und diese auch im Unterricht kommunizieren zu können, ist ein ausgebildeter Fachwortschatz unabdingbar. Die historischen Fachtermini bilden die Basis der Kommunikation, indem sie dazu benötigt werden, um mit der Lehrkraft und den MitschülerInnen in den Diskurs zu gehen (vgl. KLP 2014, 16). Sprachhandlungen finden während der Gruppenarbeit und der Präsentationen auf mündlicher Ebene statt und die SchülerInnen müssen dazu in der Lage sein die historischen Sachverhalte unter Verwendung der Fachsprache korrekt wiederzugeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Die sprachliche Heterogenität der Lerngruppe: Dieses Kapitel beschreibt die Zusammensetzung des Geschichtsleistungskurses sowie die sprachlichen Voraussetzungen der SchülerInnen mit und ohne Migrationshintergrund.
2) Angestrebte fachliche Kompetenzen der Unterrichtseinheit: Hier werden die Lernziele der geplanten Doppelstunde zur sozialen Frage dargelegt, wobei der Fokus auf der Sach- und Urteilskompetenz der Lernenden liegt.
3) Die sprachlichen Anforderungen der fachlichen Ziele der Unterrichtseinheit: Das Kapitel erläutert die Bedeutung von Sprache im historischen Lernen und identifiziert spezifische fachsprachliche Anforderungen.
4) Die sprachlichen Fähigkeiten der SchülerInnen im Blick auf die Unterrichtsziele: Die Autorin analysiert das Sprachvermögen der Klasse während der Unterrichtsbeobachtung und ordnet dieses den Anforderungen der Operatoren zu.
5) Reflexion unter Bezugnahme sprachsensibler Unterrichtsmethoden: Es wird reflektiert, inwieweit Methoden wie das Scaffolding eingesetzt werden können, um das historische Verständnis weiter zu vertiefen.
6) Die wesentlichen Merkmale meiner Praktikumsschule im Bezug auf Konzepte sprachlicher Bildung: Abschließend werden die schulischen Förderkonzepte der Praktikumsschule im Kontext der sprachlichen Bildung vorgestellt.
Schlüsselwörter
Sprachsensibler Unterricht, Geschichtsunterricht, Soziale Frage, Fachsprache, Scaffolding, Sprachbildung, Lerngruppe, Operatoren, Historisches Lernen, Heterogenität, Multiperspektivität, Urteilskompetenz, Bildungs- und Fachsprache, Quellenanalyse, Praxissemester.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert eine geschichtsdidaktische Unterrichtsplanung für einen Leistungskurs unter dem Aspekt der Sprachsensibilität.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen sprachliche Bildung im Fach Geschichte, die soziale Frage als Unterrichtsgegenstand und die Analyse sprachlicher Anforderungen an Schülerinnen und Schüler.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die sprachlichen Hürden bei der historischen Textarbeit zu identifizieren und passende Methoden zur Förderung der fachsprachlichen Kompetenz zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer reflektierten Unterrichtsbeobachtung im Rahmen eines Praxissemesters und der Einordnung in geschichtsdidaktische Konzepte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die sprachliche Heterogenität der Lerngruppe, die operatorenbezogenen Anforderungen des Geschichtsunterrichts und methodische Ansätze wie das Scaffolding diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Sprachsensibler Unterricht, Fachsprache, Soziale Frage und Scaffolding.
Welche Rolle spielt die „soziale Frage“ in der Unterrichtsplanung?
Sie dient als historisches Fallbeispiel, an dem Schülerinnen und Schüler multiperspektivische Lösungsansätze bewerten und ihre Urteilskompetenz schulen sollen.
Wie bewertet die Autorin den Umgang der Schülerinnen mit Fachtermini?
Sie zeigt sich beeindruckt von der Fähigkeit der Schülerinnen, komplexe historische Sachverhalte in eigenen Worten wiederzugeben, merkt jedoch an, dass die exakte Nutzung von Fachbegriffen und der korrekte Gebrauch von Operatoren noch entwicklungsfähig ist.
- Quote paper
- Leonie Schneider (Author), 2020, Sprachsensibler Unterricht mit DaZ-Methoden. Theoretische Planung für eine Unterrichtseinheit im Fach Geschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1022339