"Am Ende hat die Geschichte Sartre unrecht gegeben. Und Camus in allem bestätigt." (I. Radisch). Aber diese holzschnittartige Vereinfachung enthält allenfalls die halbe Wahrheit. Camus bietet mit seiner 'Pensée de Midi' Grundlagen für eine - auch und gerade heutzutage noch zeitgemäße - Öko-Ethik, versäumt es aber, diese durch die notwendige Kapitalismus-Kritik zu stützen. Sartre hingegen kommt das Verdienst zu, in seiner 'Kritik der dialektischen Vernunft' (1960) den Marxismus und damit die erforderliche Kapitalismus-Kritik teilweise neu begründet zu haben, ohne dies jedoch mit dem zu verbinden, was Camus in seiner 'Pensée de Midi' geleistet hat.
Inhaltsverzeichnis
Sartres Existenzialismus und Marxismus: Wert-Theorien der besonderen Art
Das An-sich (‚En-soi‘)
Das Für-sich (‚Pour-soi‘)
Das Für-Andere-Sein (‚l’Etre-Pour-Autrui‘)
Liebe und Sexualität
„En-soi-pour-soi“: Synthese im „An-und-für-sich“?
Wert (‚la valeur‘): ein Schlüssel zum Ganzen!?
Freiheit und Verantwortung
Freiheit, Materialismus und Revolution
Zur Kritik der dialektischen Vernunft
Vom Sinn der Dialektik zur Dialektik des Sinns: ein Wert-Problem?
Bedürfnis und Knappheit
Die Gruppe
Zu Sartres politischem Engagement
Sartre-Kritik
Kritik an Sartres Freiheitsbegriff
Kritik an Sartres „Korrektur des Marxismus“
Unerkannte Mängel?
Albert Camus (1913-60): vom Glanz mittelmeerischer Werte
Das Absurde und die Revolte:
Mittelmeerisches Denken
Camus‘ eigenständige Lebensphilosophie
Was Camus und Sartre trotz allem verbindet.
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das philosophische Denken von Jean-Paul Sartre, insbesondere dessen Auseinandersetzung mit dem Existenzialismus und dem Marxismus. Ziel ist es, Sartres zentrale Wert-Theorien, sein Verständnis von Freiheit und Verantwortung sowie seine politische Entwicklung kritisch zu beleuchten und mit der Philosophie von Albert Camus in Bezug zu setzen.
- Analyse der Sartreschen Begriffe "An-sich" und "Für-sich".
- Untersuchung der dialektischen Beziehung zwischen Freiheit, Materialismus und Revolution.
- Kritische Bewertung von Sartres Gruppen-Konzept und seiner Auffassung von "Knappheit".
- Gegenüberstellung der Ansätze von Sartre und Camus im Kontext des Absurden und der Revolte.
- Reflexion über die Bedeutung von Werten und der Sinnfrage in der Existenzphilosophie.
Auszug aus dem Buch
Das Absurde und die Revolte:
>Ausgangspunkt des philosophischen Denkens Camus‘ ist das „Absurde“, das Bewußtsein des Widerspruchs zwischen dem Streben des Menschen nach Sinn und der Erfahrung der Sinnlosigkeit der Welt. Das Fehlen der Wahrheiten über die Grundprobleme der existentiellen Situation des Menschen führt zur Verzweiflung als unentrinnbarer Grunderfahrung. Indem der Mensch sich aber für das Leben entscheidet, also nicht aus Verzweiflung Selbstmord begeht, sieht er dem Absurden ins Auge. In dieser Auflehnung gegen das Absurde revoltiert der Mensch gegen die Negativität des Daseins und verleiht dem Leben seine Größe und seinen Wert, denn in dieser Revolte „entdeckt man die metaphysische Forderung nach Einheit, die Unmöglichkeit ihrer habhaft zu werden, und die Herstellung einer Ersatzwelt“. In seiner Revolte bezeugt der Mensch „Tag für Tag seine einzige Wahrheit“, indem er die Herausforderung des Lebens annimmt. … <
Zusammenfassung der Kapitel
Sartres Existenzialismus und Marxismus: Wert-Theorien der besonderen Art: Einführung in die atheistische Existenzialphilosophie Sartres und die zentralen Begriffe An-sich und Für-sich.
„En-soi-pour-soi“: Synthese im „An-und-für-sich“?: Diskussion über die Versuche, den Dualismus zwischen An-sich und Für-sich zu überwinden, und die Rolle des Wertbegriffs.
Wert (‚la valeur‘): ein Schlüssel zum Ganzen!?: Analyse des Nichts, der Angst und der Bedeutung von Werten als Selbstentwurf des Menschen.
Freiheit und Verantwortung: Darstellung von Sartres Freiheitsbegriff als absoluter Wert, der den Menschen zur Verantwortung für die gesamte Menschheit verpflichtet.
Freiheit, Materialismus und Revolution: Sartres Auseinandersetzung mit dem Marxismus und seine Kritik an der materialistischen Teleologie.
Zur Kritik der dialektischen Vernunft: Erörterung des Übergangs zum Marxismus unter Beibehaltung einer kritischen Haltung und der Bedeutung der Subjektivität.
Vom Sinn der Dialektik zur Dialektik des Sinns: ein Wert-Problem?: Untersuchung der Neufundierung des Marxismus durch Sartre und die Verknüpfung von Dialektik und Freiheit.
Bedürfnis und Knappheit: Analyse der "Knappheit" als geschichtsmächtiger Faktor und dialektisches Verstehensprinzip.
Die Gruppe: Darstellung des Gruppen-Konzepts als Weg zur Sozialität und zur Überwindung von Entfremdung.
Zu Sartres politischem Engagement: Überblick über Sartres politisches Handeln, seine Ablehnung von Totalitarismus und Militarismus sowie sein Engagement gegen Rassismus und Kolonialismus.
Sartre-Kritik: Kritische Auseinandersetzung mit der Person Sartres und den Grenzen seiner Philosophie.
Kritik an Sartres Freiheitsbegriff: Darstellung der Kritik marxistischer Denker und christlicher Philosophen an der Sartreschen Freiheit.
Kritik an Sartres „Korrektur des Marxismus“: Diskussion der Vorwürfe von Bernard-Henri Lévy und Klaus Hartmann hinsichtlich Sartres marxistischer Analyse.
Unerkannte Mängel?: Identifikation von Lücken in Sartres Theorie, wie das Vernachlässigen von Empathie und natürlicher Kooperation.
Albert Camus (1913-60): vom Glanz mittelmeerischer Werte: Kontrastierung des "nordischen" Sartre mit dem "mittelmeerischen" Camus und deren unterschiedliche Lebensphilosophien.
Was Camus und Sartre trotz allem verbindet.: Analyse der Gemeinsamkeiten der beiden Denker in ihrem Streben nach Freiheit und ihrem Widerstand gegen Totalitarismus.
Schlüsselwörter
Jean-Paul Sartre, Albert Camus, Existenzialismus, Marxismus, Freiheit, Verantwortung, Das Absurde, Revolte, Knappheit, Dialektik, Totalitarismus, Subjektivität, Wertbegriff, Engagement, Mittelmeerisches Denken.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die philosophischen Konzepte von Jean-Paul Sartre, insbesondere die Entwicklung seiner Existenzphilosophie hin zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Marxismus und seine politische Haltung.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Felder sind Sartres Freiheitsbegriff, das Verhältnis von Existenz und Essenz, die Bedeutung von Werten, das Gruppen-Konzept zur sozialen Emanzipation sowie der Vergleich zu Albert Camus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird das Ziel verfolgt, Sartres Wert-Theorien und sein politisches Engagement zu verstehen und aufzuzeigen, wie er versucht, Freiheit und soziale Verantwortung zu verknüpfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophische Analyse und vergleichende Lektüre, wobei auf Primärquellen (wie „Das Sein und das Nichts“) und kritische Sekundärliteratur (etwa von Klaus Hartmann oder Bernard-Henri Lévy) zurückgegriffen wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die philosophischen Grundlagen bei Sartre, seine Auseinandersetzung mit der marxistischen Theorie, die kritische Würdigung durch andere Denker sowie den Vergleich der Denkansätze von Sartre und Camus.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Freiheit, Das Absurde, Revolte, Dialektik, Knappheit, Verantwortung, Anti-Totalitarismus und die Suche nach einem Sinn im Leben.
Wie unterscheidet sich Sartres Ansatz von dem von Albert Camus?
Während Sartre stark von einer "nordischen" philosophischen Tradition beeinflusst ist, die Freiheit durch Negation und radikale Verantwortung definiert, betont Camus ein "mittelmeerisches" Maß, das im Leben selbst und in der Revolte gegen das Absurde, aber ohne utopische Verheißungen, seinen Sinn findet.
Warum kritisieren andere Denker Sartres Marxismus-Interpretation?
Kritiker wie Bernard-Henri Lévy oder Klaus Hartmann werfen Sartre vor, den Marxismus zwar neu begründen zu wollen, aber letztlich ein Gruppen-Konzept zu vertreten, das die Freiheit des Einzelnen gefährde und den Weg zu einer Rechtfertigung von Gewalt ebne.
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- Dr. Klaus Robra (Autor:in), Sartre oder Camus?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1014596