In dieser Hausarbeit wird das Tötungsmotiv der beiden Täter Odoardo Galotti und Ferdinand von Walter mit Blick auf ihre Ermordung gegenübergestellt und verglichen. Hierbei steht besonders der innere Antrieb des Täters und das Bedürfnis, das Opfer zu töten, im Vordergrund. Das Tötungsmotiv hat eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für den Ausgang der Dramen. Desgleichen behandelt der weitere Text die Frage, ob es sich bei der jeweiligen Tat um einen "Mord" oder ein "Totschlag" handelt. Diese Ausarbeitung setzt sich mit der These auseinander, dass die Unterdrückung des männlichen Täters durch die Ständegesellschaft dazu führt, dass dieser die weibliche Protagonistin am Ende der bürgerlichen Trauerspiele umbringt. Guthke behauptet in seinem Buch über das bürgerliche Trauerspiel, dass in erster Linie die Aristokratie in den Dramen kritisiert werde und in zweiter Linie das Bürgertum, da die "konventionelle Starrheit" und die "passive Hinnahme der Misslichkeiten der ständischen Ordnung" zur Unterdrückung des Bürgertums durch die Aristokratie hingeführt werde.
Mit einer kurzen Einführung in das Genre des bürgerlichen Trauerspiels beginnt der Hauptteil der Hausarbeit. Dieser beinhaltet sowohl die Entstehung des deutschsprachigen bürgerlichen Trauerspiels im ausgehenden 18. Jahrhundert als auch zwei beispielhafte Aufsätze und Theorien dieser Gattung. Hierbei wird besonders auf die Aufklärungsgesellschaft und die Funktion des Theaters in der Zeit der Aufklärung eingegangen, um so die anschließenden Ideen Lessings und Schillers zum bürgerlichen Trauerspiel zu präsentieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das bürgerliche Trauerspiel
2.1 Die Entstehung des deutschsprachigen bürgerlichen Trauerspiels im ausgehenden 18. Jahrhundert
2.2 Theorie des bürgerlichen Trauerspiels
3. Die Ermordung in den bürgerlichen Trauerspielen
3.1 Der Mord von Emilia Galotti - Totschlag statt Mord?
3.1.1 Emilias Wunsch nach dem Tod
3.1.2 Das Tötungsmotiv Odoardos
3.2 Der Mord in Kabale und Liebe – Mord statt Totschlag?
3.2.1 Mordtat durch fehlende Kommunikation
3.2.2 Das Tötungsmotiv Ferdinands
4. Die Tötungsmotive im Vergleich
4.1 Gemeinsamkeiten der Tötungsmotive
Unterschiede der Tötungsmotive
5. Fazit: Mord und Todschlag im bürgerlichen Trauerspiel
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht und vergleicht die Tötungsmotive der männlichen Hauptfiguren Odoardo Galotti und Ferdinand von Walter in Lessings "Emilia Galotti" sowie Schillers "Kabale und Liebe", um die Hintergründe der jeweiligen Gewalttaten kritisch zu beleuchten.
- Analyse der Tötungsmotive von Odoardo Galotti und Ferdinand von Walter
- Vergleich der dramaturgischen Inszenierung von Mord und Totschlag
- Untersuchung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Ständegesellschaft
- Differenzierung der Begriffe "Mord" und "Totschlag" im literaturwissenschaftlichen Kontext
- Reflektion über die Rolle von Kommunikation und Emotionalität in den Dramen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Emilias Wunsch nach dem Tod
„Ich habe Blut, mein Vater; so jugendliches, so warmes Blut, als eine.“ Maria Kublitiz führt auf, dass Emilias Heraufrufen ihres „warmen Blutes“ das Bekenntnis zu ihrer Sinnlichkeit sei und somit auch zugleich ihr Sündenbekenntnis. Kublitz begründet dies damit, dass Emilia in dieser Situation bemerke, dass Sie die Grenzen des Gesetzes, welche ihr Vater aufgestellt hat, überschreitet. Emilia erkennt, dass die sexuelle Verführung „die wahre Gewalt“ ist. Daher kann von einem inneren Konflikt Emilias ausgegangen werden, welcher dazu führt, dass Emilia den Dolch des Vaters verlangt und den Tod als einzige Lösung für ihren inneren Identifikationskonflikt sieht.
In dem anschließenden Dialog zwischen Odoardo und Emilia lässt sich erkennen, dass Odoardo Emilia den Dolch nicht geben möchte, obwohl sie mehrfach nach dem Dolch fragt: „Mir, mein Vater, mir geben Sie diesen Dolch“, „Geben Sie mir, mein Vater, geben Sie mir diesen Dolch“, „Geben Sie mir ihn, mein Vater, geben Sie mir ihn“. Odoardo weiß nicht, wie er mit der suizidalen Entwicklung Emilias umgehen soll und überreicht Emilia den Dolch. Als sie sich jedoch selbst töten möchte, greift Odoardo mit dem Satz „Nein, das ist nichts für deine Hand“ ein. Prutti deutet diesen Kampf um den Dolch als eine „wörtliche Verführung“ der Tochter an ihrem Vater. Er behauptet, dass das Vater-Tochter-Verhältnis dadurch eine „inzestuöse Beziehung“ sei.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Thematik "Mord und Totschlag" in der Literatur und Definition der Forschungsfrage zur Tatmotivation in Lessings und Schillers Dramen.
2. Das bürgerliche Trauerspiel: Historische Einordnung der Gattung, ihrer Entstehung im 18. Jahrhundert sowie der theoretischen Ansätze von Lessing und Schiller.
3. Die Ermordung in den bürgerlichen Trauerspielen: Detaillierte Analyse der Tötungsszenen in "Emilia Galotti" und "Kabale und Liebe" sowie die jeweilige Motivation der Täter.
4. Die Tötungsmotive im Vergleich: Kritische Gegenüberstellung der Taten hinsichtlich ihrer Gemeinsamkeiten und Unterschiede im gesellschaftlichen Kontext.
5. Fazit: Mord und Todschlag im bürgerlichen Trauerspiel: Zusammenfassende Bewertung der Untersuchungsergebnisse und Einordnung der Bedeutung der Aristokratie-Kritik.
Schlüsselwörter
Bürgerliches Trauerspiel, Emilia Galotti, Kabale und Liebe, Gotthold Ephraim Lessing, Friedrich Schiller, Tötungsmotiv, Mord, Totschlag, Ständegesellschaft, Aufklärung, Dramenanalyse, Odoardo Galotti, Ferdinand von Walter, Identifikationskonflikt, literaturwissenschaftliche Analyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Motive hinter den Tötungsszenen in den klassischen Dramen "Emilia Galotti" und "Kabale und Liebe".
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Neben der literaturwissenschaftlichen Dramenanalyse stehen die gesellschaftliche Ständestruktur, das Vater-Tochter-Verhältnis und die Definition von Mord versus Totschlag im Mittelpunkt.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Ziel ist es, die Beweggründe der männlichen Täter Odoardo Galotti und Ferdinand von Walter verständlicher zu machen und deren Taten in den Kontext der jeweiligen Literaturepoche zu setzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Textanalyse der Primärwerke sowie eine Auseinandersetzung mit literaturwissenschaftlicher Sekundärliteratur zu Lessing und Schiller.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Entstehung des bürgerlichen Trauerspiels, den spezifischen Tötungsmotiven in beiden Dramen und einem direkten Vergleich der Täterprofile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Bürgerliches Trauerspiel, Mordmotive, Aufklärung, Ständekonflikt und Dramenanalyse bilden die Kernbegriffe.
Warum wird zwischen "Mord" und "Totschlag" unterschieden?
Die Arbeit nutzt die juristische Definition nach dem Strafgesetzbuch, um zu bewerten, ob das Handeln der Figuren moralisch-ethisch oder juristisch als gezielter Mord oder impulsive Tat einzustufen ist.
Welche Rolle spielt die "Ständegesellschaft" in der Argumentation?
Die Ständegesellschaft dient als maßgeblicher Rahmen, um die Unterdrückung des Bürgertums und die daraus resultierende Verzweiflungstat der Protagonisten zu erklären.
- Arbeit zitieren
- Cedric Niebrügge (Autor:in), 2021, Mord und Totschlag im bürgerlichen Trauerspiel. Ein Vergleich der Tötungsmotive in Lessings "Emilia Galotti" und Schillers "Kabale und Liebe", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1009737