Der Betrieb eines Opernhauses war schon immer ein Geschäft, welches sich nicht unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten rentierte. Dennoch spielte der Aspekt, wie man den Opernbetrieb auch finanziell absichern konnte – sofern es sich nicht um eine rein repräsentative und aus privaten Finanzmitteln der Fürsten bezahlte Unternehmung handelte – eine wichtige Rolle.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Perspektiven der Opernfinanzierung
2.1 Anfänge in Venedig und das Impresario-System
2.2 Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert
3. Ökonomische Steuerung und Umwegrentabilität
4. Zusammenfassung und wirtschaftliche Faktoren des Erfolgs
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Oper als Wirtschaftsunternehmen und analysiert, wie sich der Opernbetrieb von seinen Anfängen im 17. Jahrhundert bis zum 19. Jahrhundert finanziell organisierte und steuerte.
- Evolution des Impresario-Systems
- Wirtschaftliche Herausforderungen im 18. und 19. Jahrhundert
- Die Rolle der Umwegrentabilität für Opernstandorte
- Kostenstrukturen und Subventionsmodelle historischer Opernhäuser
- Erfolgsfaktoren für das Management von Opernbetrieben
Auszug aus dem Buch
Das Impresario-System im 19. Jahrhundert
Die Oper war zwar als Kunstform im 19. Jahrhundert in ganz Italien verbreitet, jedoch waren die Verkehrswege aufgrund des Mangels an Eisen und Kohle schlecht ausgebaut. Seit dem 17. Jahrhundert wurden die öffentlichen Theater des Landes (wie in ganz Europa) aber von mobilen Operntruppen bespielt, die daher auf gute Verkehrsverbindungen angewiesen waren.
Das eingangs schon erwähnte Impresario-System, bei dem das Verlustrisiko für Aufführungen auf einen verantwortlichen Unternehmer übertragen wurde, erfreute sich deshalb im 19. Jahrhundert in Italien großer Beliebtheit. 1839 gab der Unternehmer Giuseppe Rossi-Gallieno in diesem Zusammenhang folgend Handlungsanweisung, die auch heute noch so ähnlich formuliert werden könnte: Jeder, der Impresario werden will, verschaffe sich: 1) eine genaue Statistik des Ortes, dessen Theater er leiten will. 2) Ziehe er von der ganzen Ziffer die Zahl der Wohlhabenden, und von diesen jene der Theaterliebhaber ab. 3) Suche er den Geist und Geschmack jenes Publikums kennen zu lernen. 4 u. 5) Untersuche er das Theaterlokal, berechne wie viel Zuhörer es fassen kann, und beobachte genau all seine Erfordernisse. 6–8) Erkundige er sich nach der von der Regierung oder von den Ortsbehörden bewilligten Beisteuer [dote], und, falls das Theater schon zuvor von einem andern Impresario geleitet worden wäre, nach dem Ergebnisse der vorhergehenden Bilanzen. 9 u. 10) Im Verpachtungskontrakt muss der Impresario alle jene Fälle [höherer Gewalt] bezeichnen, auf die er ein Entschädigungsrecht hat. […] 12) Er unterlasse nicht zu erforschen, ob im Orte eine gehörige Zahl Orchesterspieler (professori d’Orchestra) und Choristen sich befinden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die ökonomische Problematik des Opernbetriebs ein und verdeutlicht, dass dieser historisch gesehen selten als reines Investment rentabel war.
2. Historische Perspektiven der Opernfinanzierung: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung öffentlicher Opernhäuser in Venedig sowie die Etablierung des Impresario-Systems als Antwort auf das unternehmerische Risiko.
3. Ökonomische Steuerung und Umwegrentabilität: Hier werden die wirtschaftlichen Analysen von Akteuren wie Giuseppe Rossi-Gallieno beleuchtet und das Konzept der Umwegrentabilität für den Standortfaktor Oper eingeführt.
4. Zusammenfassung und wirtschaftliche Faktoren des Erfolgs: Abschließend werden die vier Kernfaktoren Spielstätte, Organisation, Personal und Publikum als Grundlagen für den unternehmerischen Erfolg der Oper definiert.
Schlüsselwörter
Opernbetrieb, Impresario, Wirtschaftsunternehmen, Operngeschichte, Finanzierung, Umwegrentabilität, Musiktheater, Kulturmanagement, Giuseppe Verdi, Italienische Oper, Theatergeschichte, Spielstätte, Kulturökonomie, Historische Entwicklung, Kostenstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die historische Entwicklung der Oper unter dem Aspekt ihrer betriebswirtschaftlichen Organisation und Finanzierung über mehrere Jahrhunderte hinweg.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Impresario-System, die Veränderung der Finanzierungsmodelle für Komponisten und Theater sowie die ökonomische Bedeutung der Oper als Standortfaktor.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Opernhäuser trotz des inhärenten Verlustrisikos wirtschaftlich gemanagt wurden und welche Faktoren für den Erfolg entscheidend waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die historische Analyse von Fachliteratur und zeitgenössischen Quellen wie Handlungsanweisungen für Impresarii des 19. Jahrhunderts.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Entwicklung von Venedig bis zum 19. Jahrhundert, konkrete betriebswirtschaftliche Anforderungen an Theaterleiter und die Kostenstrukturen vergangener Spielzeiten diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen unter anderem Impresario-System, Umwegrentabilität, Kulturmanagement und Operngeschichte.
Was bedeutete das Impresario-System für das unternehmerische Risiko?
Das Impresario-System verlagerte das finanzielle Verlustrisiko der Opernhäuser, die meist Patrizierfamilien gehörten, auf einen verantwortlichen Geschäftsführer, den Impresario.
Warum ist das Konzept der Umwegrentabilität für Opernhäuser bis heute relevant?
Es erklärt, warum Städte in Opernhäuser investieren: Besucher geben bei ihrem Aufenthalt zusätzliche Gelder für andere Güter und Dienstleistungen aus, was den Standort wirtschaftlich stärkt.
- Arbeit zitieren
- Moritz Fischer (Autor:in), 2019, Die historische Entwicklung der Oper als Wirtschaftsunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1006153