Diese Arbeit untersucht, wie Resilienzförderung für Kinder, die häusliche Gewalt (mit)erlebt haben, durch Frauenhäuser realisiert werden kann. Um der Frage nachgehen zu können, wird im ersten Schritt die Resilienz vorgestellt. Dazu erfolgt eine Begriffsannäherung sowie die Vorstellung der Schutz- und Risikofaktoren. Anschließend wird das Frauenhaus als soziale Institution vorgestellt und die häusliche Gewalt und das kindliche Erleben erläutert. Dazu werden statistische Zahlen zu den Beständen von Kindern, die häusliche Gewalt erlebt haben, dargestellt. Abschließend wird aufgezeigt, wie Resilienzförderung in Frauenhäusern realisiert werden kann.
Mit der Veröffentlichung der kriminalstatistischen Auswertung zur Partnerschaftsgewalt für das Jahr 2017 rückte zum Ende des Jahres 2018 die Thematik der häuslichen Gewalt wieder stärker in den Fokus der Medien. So berichtete die Zeit bereits bevor die Zahlen durch die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Franziska Giffey öffentlich vorgestellt wurden. Dass häusliche Gewalt nicht nur Frauen betrifft, macht der Flyer des Arbeitskreises Neue Erziehung e.V. des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend deutlich, der einen Tag nach der Veröffentlichung der Bundesfrauenministerin Giffey zur Verfügung gestellt wurde.
Dieser Flyer macht darauf aufmerksam, dass Kinder, auch wenn sie die Gewalt nicht direkt erfahren haben, unter der Situation leiden und ihre Entwicklung dadurch gestört werden kann. Um diesen Risiken trotzen zu können, müssen Kinder Resilienz beweisen. Diese Resilienz kann gefördert werden; beispielsweise kann der Schutz eines Frauenhauses vor den Gewalttaten des Vaters die Resilienz eines Kindes stärken. Allerdings ist das Frauenhaus als Ort der Zuflucht lediglich vorübergehend. Demzufolge müsste das Kind während des Aufenthalts in einem Frauenhaus so weit gestärkt werden, dass es nach der Zeit am Zufluchtsort sich ungestört weiterhin entwickeln kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Resilienz
2.1 Begriffsverständnis
2.2 Schutz- und Risikofaktoren
3. Frauenhäuser und häusliche Gewalt
3.1 Das Frauenhaus als soziale Einrichtung
3.2 Kindliches Miterleben häuslicher Gewalt
4. Resilienzförderung durch Frauenhäuser
4.1 Mikroebene
4.2 Mesoebene
4.3 Makroebene
5. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Möglichkeiten der Resilienzförderung für Kinder, die häusliche Gewalt miterlebt haben, am Beispiel der Arbeit in Frauenhäusern. Dabei wird analysiert, wie durch pädagogische Interventionen auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen die psychische Widerstandsfähigkeit dieser Kinder gestärkt werden kann.
- Grundlagen der Resilienzforschung und deren Bedeutung für Kinder
- Analyse von Schutz- und Risikofaktoren im kindlichen Entwicklungskontext
- Die Rolle des Frauenhauses als soziale Schutzeinrichtung
- Resilienzförderung unter Berücksichtigung von Mikro-, Meso- und Makroebene
Auszug aus dem Buch
4.1 Mikroebene
Mädchen und Jungen haben bei dem Schritt in das Frauenhaus nur selten ein Stimmrecht. So werden sie zwar aus dieser gewalthaltigen Beziehung innerhalb der Familie herausgezogen, heißt es jedoch einen abrupten Beziehungsabbruch, den die Mädchen und Jungen erst einmal verarbeiten müssen. Oft ist zu dem die Beziehung zu der Mutter in dieser Zeit schwierig. Grund dafür sind die unklaren Rollen zwischen der Mutter, die diese Rolle meist situationsbedingt nicht erfüllen kann, da sie als hilflos und Opfer wahrgenommen wird und den Kindern, die aufgrund ihrer Angst um die Mutter und ihrer Schuldgefühle die Gewalt verursacht zu haben, mehr Verantwortung übernehmen als altersspezifisch vorgesehen. Dieser Zustand wirkt auf die Mädchen und Jungen belastend und muss geändert werden. In den Frauenhäusern, in diesem Beispiel „[d]as dritte Autonome Frauenhaus Berlin“, wurde im Zuge ihrer Professionalisierung bezogen auf den Mädchen- und Jungenbereich (siehe Kapitel 3.2) bewusst, dass eine nachhaltige Stärkung der Kinder bedeutet die Mütter in ihrer mütterlichen Rolle zu stärken, um ein zusammenleben nach der Zeit im Frauenhaus bewerkstelligen zu können. Dazu wurde im Rahmen von Beratungsarbeit Themen der Erziehung einbezogen, regelmäßige Mütterversammlungen eingeführt. Ebenso wurden regelmäßige Mutter-Kind-Aktionen durchgeführt, die „Störungen und Konflikte sichtbar“ machen, für die innerhalb des Frauenhausteams Lösungen gefunden werden. Diese Arbeit des Frauenhauses kann langfristig dazu beitragen, dass im Sinne der sozialen Ressourcen die Mädchen und Jungen in der Mutter (wieder) eine feste Bezugsperson finden, sie einen demokratischen Erziehungsstil genießen können und sie eine konstruktive Form der Kommunikation nutzen. Somit können risikomildernde Bedingungen gefördert werden und risikoerhöhende (die unklaren Rollen innerhalb der Beziehung) gemindert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz des Themas häusliche Gewalt und skizziert die Fragestellung zur Resilienzförderung von Kindern im Kontext von Frauenhausaufenthalten.
2. Resilienz: Dieses Kapitel definiert den Resilienzbegriff als dynamischen Prozess und erläutert das Zusammenspiel von Risiko- und Schutzfaktoren für die kindliche Entwicklung.
3. Frauenhäuser und häusliche Gewalt: Hier werden die Entstehung und Funktion von Frauenhäusern sowie die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf Kinder unter Berücksichtigung definitorischer Grundlagen dargestellt.
4. Resilienzförderung durch Frauenhäuser: Das Kapitel analysiert konkrete Förderansätze auf Mikro-, Meso- und Makroebene, um die psychische Widerstandsfähigkeit der betroffenen Kinder nachhaltig zu unterstützen.
5. Resümee: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Professionalisierung der pädagogischen Arbeit in Frauenhäusern essenziell ist, um die Resilienz der Kinder durch gezielte Angebote zu stärken.
Schlüsselwörter
Resilienz, Frauenhaus, häusliche Gewalt, Kinder, Risikofaktoren, Schutzfaktoren, Pädagogik, Kindeswohlgefährdung, Sozialarbeit, Mikroebene, Mesoebene, Makroebene, Kindheit, Resilienzförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie in Frauenhäusern lebende Kinder, die häusliche Gewalt erfahren haben, in ihrer psychischen Widerstandsfähigkeit (Resilienz) gefördert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die Resilienzforschung, die Arbeit von Frauenhäusern als soziale Einrichtungen und die psychologischen Folgen häuslicher Gewalt für betroffene Kinder.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit verfolgt die Forschungsfrage, wie Resilienzförderung für Kinder, die häusliche Gewalt (mit-)erlebt haben, durch Frauenhäuser realisiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Hausarbeit, die den aktuellen Diskurs der Resilienzforschung mit soziologischen Modellen (wie dem von Bronfenbrenner) verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Resilienz und Frauenhausarbeit sowie eine praktische Analyse von Förderansätzen auf verschiedenen sozialen Ebenen (Mikro, Meso, Makro).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Resilienz, häusliche Gewalt, Schutzfaktoren, Frauenhaus und pädagogische Intervention.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Mikro-, Meso- und Makroebene in dieser Arbeit wichtig?
Diese Ebenen helfen zu verstehen, dass Resilienz nicht nur eine individuelle Eigenschaft des Kindes ist, sondern maßgeblich durch das soziale Umfeld und gesellschaftliche Strukturen beeinflusst wird.
Welche Rolle spielt die Mutter-Kind-Beziehung im Frauenhaus?
Die Arbeit betont, dass die Stärkung der Mutter in ihrer Erziehungsrolle zentral ist, um die psychische Stabilität der Kinder langfristig zu fördern und Beziehungsstörungen abzubauen.
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- Dan Norben (Author), 2019, Resilienzförderung bei Kindern. Frauenhäuser und häusliche Gewalt, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1006134