Seminar: Der Erzähler Schiller
Institut: Philosophische Fakultät II der Humboldt Universität zu Berlin Germanistische Institute / Neuere deutsche Literatur Semester: SS 2002
Autor: Alexandra Mohr
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Einleitung. S. 3
Die Intrige und ihre Varianten. 4-5
Das gespannte Netz der Intrige im „Geisterseher“ 6-11
Das Opfer: Ein Prinz auf Abwegen. 11-15
Das Mittel zum Zweck: Die schöne Griechin. 15-18
Die rechte Hand des Dämonen. 18-21
Der „Geisterseher“ und die „X-Files“: Eine klare Rezeption? 21-24
Schlussbetrachtung. S. 25
Literaturverzeichnis. S. 26
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Schiller verknüpft in seinem Fragment „ Der Geisterseher“ , welches eine politische Verschwörung thematisiert, verschiedene Elemente miteinander. Er greift hier auf Erzählstrukturen eines Abenteuerromans zurück, und taucht ebenfalls partiell in den Bereich der Psychologie und ihrer Studien ein.
Im Zentrum des „ Geistersehers“ steht ein Prinz, dessen gesellschaftliche Position von der katholischen Kirche missbraucht werden soll um die Macht über eine der einflussreichsten Dynastien zu erlangen. Der Prinz verirrt sich in einer dicht gestrickten Intrige, die von einem mysteriösen Fremden, genannt der „ Armenier“ , inszeniert wurde.
Es ist eindeutig, dass Schiller an verschiedenen Stellen im „ Geisterseher“ auf die realen Vorgänge innerhalb der Gesellschaft, die ihn umgab, eingeht. Er spiegelt die Angst vor Verschwörungen wieder und zeigt das Misstrauen gegenüber der Magie und ihren Auswirkungen. Seine mysteriöse Figur des „ Armeniers“ verkörpert beide Gesichtspunkte: Die Maske, die er trägt, lässt ihn als magische Figur erscheinen, seine intriganten Schachzüge machen ihn zu einem ernst zu nehmenden politischen Gegner.
Folgend soll nun zum einen die Intrige und ihre Struktur analysiert werden, sowie ein Blick auf ihren Initiator geworfen werden. Dabei soll auch die Rolle seiner Helfer erörtert werden. Zum Schluss wird auf eine Diskussion eingegangen, die sich mit dem Einfluss des „ Geistersehers“ auf die nachfolgenden Schauerromane und auf aktuelle Mystery-Serien befasst. Dabei soll auch an dieser Stelle der dämonische Charakter im Zentrum der Betrachtung liegen.
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Bevor genau auf die Intrige des „ Armeniers“ im „ Geisterseher“ eingegangen wird, soll das Wesen der Intrige an sich erklärt werden. Gustav Adolf Pourroy unterscheidet in seinem Werk folgende drei Grundformen der Intrige: den Billardstoß, den Achillesschuss und das Komplott. Bei dem Billardstoß gehe der Intrigant folgendermaßen vor: „ Der Intrigant selbst bleibt in der Tarnung. Er manipuliert die Öffentlichkeit von der Deckung aus und zieht mit der erregten Schadenfreude
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die Lacher auf seine Seite.“
Dagegen seien bei der Variante des Achillesschusses die Handlungen des Intriganten nicht verdeckt, aber die Absicht, die dahinter stecke, könne nicht eindeutig enttarnt werden. Der Intrigant decke hier die Schuld des Opfers auf, Voraussetzung sei hier natürlich, das Opfer habe sich etwas zu schulden kommen lassen.
Bei der dritten Variante, dem Komplott, würden sich häufig mehrere Parteien zusammenschließen, welche dann gemeinsam gegen ein Opfer agieren: „ Das in der Regel geheime Bündnis ist eine starke Waffe in der intriganten Konfliktaustragung. Das Opfer ahnt noch nichts, und doch ist die Taktik des verderblichen Spiels bereits beschlossen. (...) Sicher, der erfahrene
Intrigant muß darauf achten, daß sein Vasall das Wissen um den Plan nicht
ausnutzt und ihm als Überläufer schadet oder daß er aussteigt. Hier liegt
die eigentliche Schwäche dieser an sich starken Grundart der Intrigen; 2
(...).“
In Schillers „ Geisterseher“ bedient sich der Intrigant - im folgenden der „ Armenier“ genannteiner Mischform der Intrige, bestehend aus dem Billardstoß und dem Komplott. Dabei ist zu beachten, dass die an der hier beschriebenen Intrige beteiligten Menschen dem Armenier nicht gleichgestellt sind. Dieser ist das mächtigste Glied in der Gruppe, er agiert aus dem Hinterhalt und zieht als Initiator die Fäden. Doch seine Macht wäre nicht so groß, wenn er nicht Verbündete hätte, die nach seinen Vorstellungen handeln würden.
Pourroy gibt an, dass eine gezielt geplante Intrige meistens aus einer Verkettung einzelner
1 aus: Gustav Adolf Pourroy „ Das Prinzip Intrige: Über die gesellschaftliche Funktion eines Übels“ , Verlag A. Fromm, Osnabrück, 1986, S. 17
2 aus: Gustav Adolf Pourroy „ Das Prinzip Intrige: Über die gesellschaftliche Funktion eines Übels“ , Verlag A. Fromm, Osnabrück, 1986, S. 31
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Intrigen bestehe, dies beziehe sich auf alle drei Varianten der Intrige. Einen wesentlichen Punkt der Intrige mache die Tarnung des Intriganten aus. Diese erhalte er zum Beispiel dadurch, dass er eine weitere Person in den Plan einweihe, welche die Rolle des Agierenden übernehme, und so dem Intriganten seine Deckung gewähre.
Denn ein Intrigant, der seinen Hinterhalt selbst ausführe, anstatt andere die „ schmutzige Arbeit“ machen zu lassen, hinterlasse Spuren, und könne gegebenenfalls leicht enttarnt werden.
„ Nun kann man in Fällen von Dummheit, Arglosigkeit und Schwäche des Angriffszieles nicht einfach davon sprechen, daß das dem Intriganten ein
Alibi gibt. Vielmehr ist es hier so, daß er durch Tarnung der Absicht sein
Gesicht zu wahren sucht. Er stellt die Falle heimlich auf, das Opfer läuft
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selbst hinein.“
Der mysteriöse Gegenspieler verbindet generell diverse intrigante Aktionen zu einer großen Intrige. Denn mit einem „ intriganten Stoß“ 4 gelange er meistens nicht ans Ziel. So binde er verschiedene Wege zusammen um die Intrige zu vollenden. Er bediene sich dem entsprechend an allen drei Grundformen der Intrige.
Um vor bösartigen Intrigen gefeit zu sein, sollte ein Mensch potentiellen Intriganten, Pourroy geht dabei von „ Konfliktgegnern“ 5 aus, mit einer gewissen Vorsicht begegnen, insbesondere, wenn er von Geschehnissen erfahre, die gegen seine Interessen verstoßen würden.
Es sei ungewöhnlich, dass bei einer geschickt platzierten Intrige ein einheitliches Bild selbiger vermittelt werde, vielmehr seien die äußerst präsenten Eindrücke nicht unbedingt die, welche eine nahende Intrige ankündigen würden.
Oft könne man die Beziehung zwischen Konfliktgegner und einer von ihm eingesetzten Person gar nicht erkennen. Es gebe also keine Sicherheit, dass sich eine Intrige von vornherein abwenden ließe.
Folgend soll nun die vom „ Armenier“ initiierte Intrige und ihre Struktur untersucht werden.
3 aus: Gustav Adolf Pourroy „ Das Prinzip Intrige: Über die gesellschaftliche Funktion eines Übels“ , Verlag A. Fromm, Osnabrück, 1986, S. 25
4 aus: Gustav Adolf Pourroy „ Das Prinzip Intrige: Über die gesellschaftliche Funktion eines Übels“ , Verlag A. Fromm, Osnabrück, 1986, S. 38
5 aus: Gustav Adolf Pourroy „ Das Prinzip Intrige: Über die gesellschaftliche Funktion eines Übels“ , Verlag A. Fromm, Osnabrück, 1986, S. 58
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Die Person, um die sich die gesamte Intrige rankt, ist ein Prinz, welcher ein Anwärter auf einen deutschen Fürstenthron ist. Das Ziel dieser groß angelegten Intrige - so lässt es sich aus der Geschichte schließen - ist es, den Prinzen in die mächtigen Arme der katholischen Kirche zu treiben, welche die Macht über besagten Thron zu erlangen sucht. Der Initiator der Intrige, ein durchaus dämonischer Gegenspieler, trägt bei der ersten Begegnung mit dem Prinzen in Venedig die Maske eines Armeniers. Fortan wird diese zwielichtige Person als der „ Armenier“ betitelt, denn seine wahre Identität wird nicht aufgedeckt.
Bei dieser ersten Begegnung prophezeit der Armenier dem Prinzen die genaue Todeszeit dessen Cousins. Erstaunt muss dieser wenig später feststellen, dass diese Prophezeiung der Wahrheit entsprochen hat, mit der Folge, dass der Prinz seiner Thronbesteigung ein wenig näher gerückt ist. Indem Schiller unter anderem diese Prophezeiung in den Verlauf der Handlung einbindet, bedient er sich an dieser Stelle deutlich einer okkulten Erscheinung, wie auch an weiteren Stellen des Romans. Beachtlich ist dabei, wie detailliert Schiller diese okkulten Ereignisse beschreibt, seine Faszination für Phänomene dieser Art wird sehr deutlich.
Das böse Spiel, in dem der Armenier die Fäden zieht, findet auf verschiedenen Ebenen statt, genau wie das Prinzip Intrige eingeordnet wird. 6 Immer wieder erfährt der Prinz vonteilweise zeitlich weit zurückliegenden - Begebenheiten, die den Mythos des Armeniers formen. Ob diese Geschichten, die sich um diesen Menschen ranken, wirklich der Wahrheit entsprechen, ist sekundär, und kann nicht entlarvt werden.
Dieser fast göttliche Mythos, der den Armenier umgibt, basiert nicht auf Tatsachen, sondern entsteht durch Mutmaßungen innerhalb einer Gesellschaft, auf deren Mitglieder der Prinz hin und wieder trifft. So greift der Sizilianer, den der Prinz und sein Begleiter, der Graf von O**, in einem venezianischen Gefängnis aufsuchen, auf Informationen zurück, die über Jahre hinweg immer weitervermittelt worden sind. 7
6 dieser Punkt wurde bereits im vorherigen Kapitel erörtert
7 aus: Schiller „ Der Geisterseher und andere Erzählungen. Mit einer Einleitung von Emil Staiger.“ , Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1997, S. 109f.
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Arbeit zitieren:
M. A. Alexandra Mohr, 2003, Die Demaskierung eines dämonischen Intriganten - Die Figur des "Armeniers" in Schillers "Geisterseher", München, GRIN Verlag GmbH
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Gustav Adolf Pourroy
Die Deamskierung eines dämonischen Intriganten.
Alexandra Mohr, eine schöne Arbeit.
Finde ich richtig gut.
Senden Sie mir Ihre Email-Adresse , dann sende ich die neuen Kapitel in der 3. Auflage.
Beste Grüsse und weiter viel Erfolg
Gustav Adolf Pourroy
am Thursday, September 09, 2004-