Inhalt
1. Einleitung 1
2. Kritik aus der Rezension von Max Frischs „Andorra“
2.1. Antisemitismus - geeignetes Thema für
Max Frischs Modell? 2
2.2. Der Vorwurf des Antisemitismus gegen
Max Frisch 4
2.3. Das Verhältnis von „Andorra“ zum Dritten
Reich - ein lückenhaftes Modell 5
2.4. „Andorra“ - ein „unverbindliches
Bew ältigungsdrama“ 7
3. Stellungnahmen aus der Rezension zu den
genannten Kritikpunkten
S. 8
4. Fazit - persönliche Stellungnahme 11
Quellenverzeichnis S 13
1. Einleitung
Das Bühnenstück „Andorra“ von Max Frisch hat seit seiner Uraufführung in Zürich am 2., 3. und 4. November 1961 sehr unterschiedliche Reaktionen in der Presse hervorgerufen. „Andorra“ wird größtenteils bis heute als eines der wichtigsten deutschsprachigen Theaterstücke gefeiert: „Das Stück erlebte einen beispiellosen Siegeszug über mehr als 50 deutsche
Bühnen [...].“ 1
Neben den überaus positiven Äußerungen existieren jedoch auch weitaus kritischere Standpunkte, die über den Vorwurf, mit „Andorra“ ein unverbindliches Bewältigungsdrama geliefert zu haben 2 , bis hin zur Anklage Max Frischs als Antisemiten reichen.
„An einigen Stellen kommt es zu dem gewiß unbeabsichtigten Eindruck, als
gäbe Frisch dem Vorurteil gegen die Juden recht.“ 3
Die hier vorliegende Arbeit kann die Rezeption zu „Andorra“ nicht vollständig wiedergeben. Als Arbeitsgrundlage standen mir Kritiken aus der Presse in so großem Umfang zur Verfügung, daß zunächst sorgfältig ausgewählt werden mußte. Ich habe mich in der Auswahl der Artikel auf die größeren Zeitungen beschränkt, hier waren wiederum die kritischen Standpunkte der Journalisten geeigneter zur Diskussion als die Glückwünsche derer, die in „Andorra“ ein einwandfrei gelungenes Modell sahen. Besonders markante Beispiele stammen teilweise aus kleineren Redaktionen, da deren Formulierungen oftmals extremere Standpunkte vermuten lassen.
In den Kapiteln 2.1. bis 2.4. sollen die wesentlichen Einwände gegen „Andorra“ erarbeitet und anhand von Zitaten belegt werden. In Kapitel 3
werden Stellungnahmen zu den vorgebrachten Kritikpunkten kurz dargelegt. Kapitel 4 stellt mit der Darlegung meiner eigenen Meinung das Fazit der Arbeit dar.
2. Kritik aus der Rezension an Max Frischs „Andorra“ 2.1. Antisemitismus - geeignetes Thema für Max Frischs Modell? Max Frisch hat mit Andorra ein Modell entworfen, das anhand des Antisemitismus das Wesen jeglichen Vorurteils entlarvt. Der Antisemitismus soll hierbei nicht das zentrale Thema des Stückes, sondern nur ein Beispiel sein, anhand dessen die Probleme, die sich mit dem Phänomen des Vorurteils verbinden lassen, besonders deutlich werden. So schreibt Curt Riess über ein Gespräch mit Max Frisch: „‘Eigentlich handelt das Stück gar nicht von Antisemitismus’, meinte Frisch,
als ich mich vor einigen Monaten mit ihm darüber in Rom unterhielt. ‘Der
Antisemitismus ist nur ein Beispiel.’“ 4
Ob Max Frisch die Wahl des Themas und dessen konkrete Darstellung gelungen ist, wird in der Theater- und Literaturkritik kontrovers diskutiert. Mit dem Begriff „Antisemitismus“ verbindet man, vor allem in Deutschland, konkrete Ereignisse aus den Geschehnissen des zweiten Weltkrieges: Die Judendeportationen und massenhaften Hinrichtungen in deutschen Konzentrationslagern. Einige Kritiker vertreten die Ansicht, diese Ereignisse seien nur schwer aus ihrem historischen Rahmen zu lösen und auf eine allgemeingültige Ebene zu stellen.
„Will aber der Verfasser sein Thema in allen den eingangs angedeuteten
Ausweitungen erfaßt wissen [...], dann ist zu sagen, daß die antisemitische
Problemschicht nicht die entsprechenden Öffnungen hat. Man kommt über
die peinliche Judenschau schwer von den sich aufdrängenden Bildern eines
vergangenen Dritten Reiches auf eine allgemeingültige Ebene hinauf.“ 5
Ob solche Ereignisse auf der Bühne überhaupt darstellbar sind und ob das Theater der geeignete Rahmen für die Aufarbeitung der Judenverfolgung im Nazi- Deutschland ist, scheint fraglich. So formuliert Peter Pütz zusammenfassend:
„Andere zeigten sich empört; denn sie vermißten in dem Stück eine
angemessene Darstellung und Verarbeitung des unsagbaren Grauens, fragten
aber in den seltensten Fällen, ob dieses als historische Realität auch nur
annähernd literarisch darzustellen und zu verarbeiten ist.“ 6
Ein Problem ergibt sich in der konkreten Darstellung der Charaktere, die den Typus des Antisemiten auf der Bühne überzeugend greifbar machen sollen. Einige Autoren äußern sich dahingehend kritisch, daß die Judenfeindlichkeit den Figuren aufgezwungen und somit wenig glaubhaft wirkt.
„[Die Fragestellung Frischs:] Welche Typen verhalten sich und in welcher
Weise (indessen nicht: warum eigentlich? [...] ) antisemitisch? Das geht
etwas gewaltsam vor sich, förmlich demonstrativ, im Galopp [...], wie auf
Bestellung des Dichters [...].“ 7
Eine weitere Schwierigkeit im Hinblick auf das Darstellen modellhafter Charaktere liegt in der realen Erscheinung der Schauspieler. Die Figuren des Stückes sollen zugleich konkrete Persönlichkeiten und modellhafte, das heißt übertragbare Eigenschaften in sich vereinen. Johannes Jacobi spricht von der Gefahr der „Übertypisierung“ 8 ,die das „Gleichgewicht zwischen Abstraktion und Realismus“ 9 stört.
Arbeit zitieren:
Jens Hasekamp, 1995, Zur Rezeption von Max Frischs Andorra - eine Darstellung wesentlicher Kritikpunkte aus der Rezension, München, GRIN Verlag GmbH
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