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Autor: Martin Reiss
NEPAL-EXKURSION 1999
Darstellung der Interviews unserer Trekkingcrew
von Sabine Frisch, Kerstin Knebel, Björn Ludwig, Martin Reiss
Gliederung
1. Einleitung (Problemstellung)
2. Methoden und Ziel der Befragung
3. Ergebnisse
4. Interpretation und Diskussion der Ergebnisse
5. Allgemeiner Eindruck der Berfrager/innen
6. Verbesserungsvorschläge: Versuch einer konstruktiven Kritik unserer Arbeit
Anhang
Literatur
1. Einleitung (Problemstellung)
Eine wissenschaftlich fundierte Befragung sollte zunächst eine
definierte Zielrichtung verfolgen, um die Ergebnisse aus den Interviews
danach quantitativ und qualitativ zu überprüfen.
Das Ziel unserer Befragung war nach unserem Verständnis zunächst
die Absicht unsere Trekkingcrew, also als erstes die Menschen kennenzulernen.
Über ihre Aussagen zu Fragen bezüglich ihrer sozialen und ökonomischen
Konstitution, wollten wir zunächst ein Bild ihrer Existenzgrundlage,
nämlich der Erwerbstätigkeit erhalten. Im Hintergrund sollten
einige theoretische Fragestellungen stehen, wie sie die im folgenden zitierte
Literatur bisher verfolgt hat. Antworten auf diese Fragen sollen in Kap.
3 gegeben werden.
Eine wichtige Fragestellung hinsichtlich der wirtschaftlichen Bedeutung
des Tourismus in Nepal ist, inwieweit die Bevölkerung an den von den
Touristen mitgebrachten Devisen partizipieren kann. Gibt es nennenswerte
sozio-ökonomische Veränderungen durch den Trekkingtourismus ?
Sind die Auswirkungen in irgendeiner Weise raumbezogen ausgeprägt,
d.h. kommt es zu räumlich differenzierten sozio-ökonomischen
Veränderungen (z.B. besteht nachwievor eine Diskrepanz zwischen Haupttrekkingorten,
wie Kathmandu oder Pokhara und den ländlichen Regionen)? Kann der
Verdienst im Trekkingtourismus eine Einkommensalternative bieten, bzw.
zeigen sich hier monetäre Verschiebungen, so daß z.B. der Tourismus
zur Haupterwerbsquelle wird ?
Die bisherige Datenlage, also die Forschungsergebnisse sind bislang
eher als lückenhaft zu kennzeichnen, zumindest soweit wir das überschauen
können. So gesehen gibt es für einzelne, lokal beschränkte
Regionen Untersuchungsergebnisse oder aber die Forschungsinteressen richten
sich nach konkreten Berufssparten für zusammenhängende Trekkingrouten.
Eine Gesamtdarstellung für Nepal ist nicht möglich.
In unserer Befragung sollte speziell auf die sozio-ökonomische
Situation unserer Trekking-Crew eingegangen werden.
FISHER konnte nachweisen, daß es aufgrund einer Hierarchisierung
der Anstellungsmöglichkeiten im Trekkingbusiness unterschiedliche
Verdienstmöglichkeiten gibt (FISHER, 1990, S.116). Anstellungen in
einer Trekking-Crew sind als Koch (cook), Küchenhilfe (kitchen-staff
) , Träger (porter), Führer (guide) und als Crewobman (sardar)
möglich.
BAUMGARTNER hat für das Rolwaling aufgezeigt, daß eine solche
Hierarchisierung einen wesentlichen Faktor bei der Partizipation darstellt.
Je höher man in der Karriereleiter steht, um so größer
wird die Möglichkeit monetäre Zuwächse zu erzielen und um
so wichtiger wird der Tourismus als Haupterwerbszweig, wobei der Fremdenverkehrssektor
nicht als alleinige Alternative zur Lebenssicherung ausreicht. Demnach
stellt die Landwirtschaft eine nachwievor essentielle Erwerbsmöglichkeit
dar (BAUMGARTNER, 1980, S.107).
Entscheidendes Kriterium ist jedoch die Saisonalität der Beschäftigung,
die STEVENS wie folgt zusammenfaßt:" Some are strictly day-labor
wage work. Others are careers for which men receive year-round monthly
salaries and benefits" (STEVENS, S.F., 1993, S.371).
Von weiterem Einfluß auf die sozio-ökonomische Situation
der Trekking-Crew dürfte die Organisationsform des Trekkingtourismus
haben, wie sie HAUCK beschreibt: Demnach werden die meisten organisierten
Trekking-Crews in einer der zahlreichen Trekkingagenturen in Kathmandu
rekrutiert. So werden beispielsweise die Träger nach Arbeitstage und
Lastgewicht entlohnt, wobei sie normalerweise Abzüge (Nahrung, Vermittlungsgebühr)
in Kauf nehmen müssen (HAUCK, 1996, S.46-53).
2.
Methoden und Ziele der Befragung
Als Grundlage unserer Untersuchung verwendeten wir den Fragebogen
einer niederländischen Soziologiestudentin, die diesen im Zusammenhang
mit Ihrer Diplomarbeit erstellt hatte. Das Ziel Ihrer Arbeit war, die Einkommensverhältnisse
der einheimischen Beschäftigten im Trekkingbusiness darzustellen.
Wir modifizierten den vorhandenen Fragebogen, ließen Fragen weg und
fügten eigene hinzu, da Fragen zu weiteren sozio-ökonomischen
Hintergründen fehlten. So wollten wir beispielsweise etwas über
den Besitz von Land und Tieren erfahren um damit Rückschlüsse
auf mögliche Erwerbsalternativen und der gesellschaftlichen Stellung
zu ziehen. Für ein face-to-face - Interview indem die Befragten nicht
vorzeitig ermüden sollten, empfanden wir zu viele Fragen die nicht
direkt mit der Tätigkeit im Trekkingbusiness zu tun hatten für
nicht evident. Der von uns verwendete Fragebogen ist im Anhang aufgeführt.
Tabelle 1: Umfang der Trekking-Crew
| Träger | Führer* | Köche | Küchengehilfen | |
| Trekkingcrew | 30 | 7 | 2 | 8 |
| Befragte Crew | 21 | 7 | 2 | 5 |
*einschließlich sardar und Trägerführer Eigene Erhebung 1999
Zuerst befragten wir die Führer, welche alle Englisch sprachen,
in Einzelgesprächen. Etwas schwieriger gestaltete es sich bei den
Trägern sowie den Küchengehilfen, welche kein oder nur sehr schlechtes
Englisch sprachen und wo jeweils einer der Führer als Übersetzer
anwesend sein mußte. Hier befragten wir zu zweit jeweils zwei Nepali
mit einem Übersetzer, so das wir ein strukturiertes, offenes, standardisiertes
und mündliches Interview führten. Da wir unsere Trekkingcrew
nur in den Pausen, bzw. in der zur Regeneration zur Verfügung stehenden
Zeit durchführen konnten und die Zeitbemessung für ein Interview
bei mindestens 30 Minuten lag (Übersetzungs- und Verständigungsprobleme)
konnten wir nicht die Gesamtheit unserer Begleiter befragen. Allerdings
läßt sich aus der Tabelle 1 ein durchaus repräsentatives
Gesamtbild der Trekkingcrew ablesen.
3. Ergebnisse
In der gesamten Trekkingcrew waren nur zwei Frauen, die als Trägerinnen
arbeiteten. Sie waren 17 und 19 Jahre alt, die Jüngere war die Tochter
des Trägerführers und die Ältere ihre Freundin. Sie trugen
ähnliche Lasten wie die Männer und erhielten auch das gleiche
Gehalt. Wie uns gesagt wurde, arbeiten meist mehr Frauen als Trägerinnen
in Trekkingscrews und sehr selten als Führerinnen.
Das Durchschnittsalter der Männer lag bei den Trägern und
den Küchengehilfen bei ungefähr 23, bei den Führern bei
30 Jahren. 19 der 33 männlichen Befragten lagen im Altersintervall
von 20 bis 30 Jahren (s. Tabelle 2).
Tabelle 2: Altersverteilung der männlichen Trekkingcrew
Absolute Häufigkeit Relative Häufigkeit
Altersklasse von 15-20
7
21
Altersklasse von 21-25
13
39
Altersklasse von 26-30
6
18
Altersklasse > 31
7
21
Eigene Erhebung 1999
Abb.1: Hauptherkunftsgebiet unserer Trekkingcrewmitglieder in NEPAL
Die Träger stammten fast alle aus der gleichen Region (Rasua; siehe
Abb.1) und hatten keine Kontakte in Kathmandu, da sie vom Trägerführer
direkt Vorort rekrutiert wurden. Nur sehr wenige Träger hatten ihre
Arbeit über eine Trekkingagentur gefunden. Der größte Teil
der Träger gab an, daß sie den Trägerführer kannten
oder einige auch Kontakte zu einem der Führer oder dem sardar. Damit
ist auch zu erklären, warum die meisten von Ihnen aus dem gleichen
Gebiet stammen und keine Kontakte in Kathmandu benötigten. Die Führer
und die Küchengehilfen hingegen kamen aus verschieden Ortschaften.
Fast alle hatten eine Trekkingagentur in Kathmandu kontaktiert, nur wenige
gaben an, daß sie die Arbeit über Beziehungen gefunden hatten.
1/3 dieser beiden Gruppen kommen aus dem Solu Khumbu und gehören
zur Volksgruppe der Tamang. Alle gaben an, daß das verdiente Geld
der gesamten Familie als zusätzliche Einnahme zugute kommt. Mit sehr
wenigen Ausnahmen besaßen alle Familien Vieh und Land, auf dem vorwiegend
Reis, Mais und Kartoffeln angebaut werden. In der Nebensaison, während
des Monsuns und im Winter, geht die Mehrzahl der Beschäftigten
der Trekkingcrew nach Hause um einem Erwerb in der Landwirtschaft nachzukommen.
Träger erhielten 300 Nepal Rupees (NR) (35 NR = 1 DM) am Tag und
waren für ihr eigenes Essen verantwortlich. So kamen sie am frühen
Mittag und abends in Gruppen zusammen und kochten sich ihr Essen über
einem Holzfeuer. Ihr verdientes Geld erhalten sie nach dem Trek vom sardar.
Die Küchengehilfen erhielten 200 - 350 NR am Tag, sowie Essen von
der Küche. Diese Spannbreite erscheint uns ungewöhnlich, da uns
keine Hierarchie innerhalb der Küchenangestellten aufgefallen ist.
Die Führer erhielten $US 10 am Tag und ihr Essen wurde von der Küche
gestellt. Das Gehalt erhalten sie nach dem erfolgreich abgeschlossenem
Trek von der Trekkingagentur. Die meisten Träger gaben an, daß
sie die Bezahlung als zu gering empfinden, die Führer hingegen bezeichneten
ihr Gehalt als ausreichend. Das Gehalt hängt laut der Aussage eines
der Köche auch von der Schwierigkeit des Treks ab. Zum Beispiel erhält
ein Koch in den Gebieten Mustang, Dolpo und Solu Khumbu 300 NR, in Tibet
500 NR, und im Annapurna Gebiet nur 200 NR Tag. Das Tagesentgelt von 200
NR scheint uns im Vergleich zu den anderen Gehältern als unangemessen
niedrig. Die Frage wäre auch in diesem Fall, ob es sich nicht um ein
Übersetzungs- oder Verständnisproblem handelt.
Auf unserem Trek wurde den Trägern und Führern keine Ausrüstung,
wie Jacken, Schuhe und Schneebrillen zur Verfügung gestellt. Dies
erfolgt je nach Trekkingagentur erst ab einer bestimmten Höhe (nach
Auskunft der Trägerführer ab 5000 mNN).
Hinsichtlich einer gewissen Berufserfahrung als Träger in einer
Trekkingcrew, zeigte sich insbesondere bei den jüngeren Trägern,
daß sie über wenig Erfahrung im Trekkinggeschäft verfügten.
Für rund 1/3 der gesamten Befragten war unser Trek die erste Beschäftigung
im Trekkingbusiness 1999. D.h. die Mehrzahl unserer Trekkingcrew hatte
bereits mindestens eine Anstellung für 1999 durch den Tourismus.
In diesem Zusammenhang ist bezüglich der Partizipationsmöglichkeiten
weiterer Familienmitglieder unserer Trekkingcrewmitglieder interessanterweise
festzuhalten, daß bei 60% der Befragten kein weiteres Familienmitglied
im Tourismus tätig ist. Somit ist die Mehrzahl unserer Interviewten
innerhalb einer Familie alleiniger Nutznießer von Erwerbsmöglichkeiten
im Fremdenverkehr, wobei die meisten der 60% keine weiteren Erwerbsalternativen
aufwiesen, außer die eines Lastenträgers außerhalb des
Trekkingtourismus.
Tabelle 3: Familienstruktur der Befragten (n=35)
Verheiratet Kinder
Geschwister
Ja Nein
Ja Nein
Ja Ja > 4 Nein
12 23
12 23
34 19
1
Eigene Erhebung 1999
Bei Betrachtung der Familienstruktur der Befragten (siehe Tab. 3) schlägt
sich das eingangs erwähnte niedrige Durchschnittsalter von 23 Jahren
darin nieder, das knapp 2/3 unserer befragten Trekkingcrewmitglieder unverheiratet
sind. Wobei die Frage gestellt werden darf, ob eine ortsgebundene Tätigkeit
den Familienstatus anders beeinflussen würde ? Da die meisten Befragten
jedoch nicht mehr als drei Monate im Trekkinggeschäft arbeiten, ist
das zu bezweifeln.
Die traditionsverbundene Lebensweise scheint sich in der sich entsprechenden
Anzahl der Befragten widerzuspiegeln, welche keine Kinder haben. Ferner
zeigt die hohe Anzahl derer, die mehr als vier Geschwister haben diese
These zu bestätigen. Wesentliche Akkulturationseffekte sind also hier
weitestgehend auszuschließen.
Tabelle 4: Ethnische Herkunft unserer Trekkingcrewmitglieder
| Chetri | Gurung | Rai | Sherpa | Tamang | k.A. |
| 1 | 1 | 1 | 2 | 25 | 5 |
Eigene Erhebung 1999
Anhand der Tabelle 4 läßt sich nach der ethnischen Herkunft
bestätigen, daß die überwiegende Anzahl der Träger
über den Trägerführer rekrutiert aus einem Distrikt kommen,
da es sich mehrheitlich um die Volksgruppe der Tamang handelt.
Um näher auf den sozio-ökonomischen Hintergrund unserer Trekkingcrew
zu schließen, sollen die Besitzverhältnisse anhand des Nutztierbestandes
dargelegt werden (siehe Tab.5).
Tabelle 5: Nutztierbestand unserer Trekkingcrewmitglieder
a) Nutztierart
b) Relative Anzahl der Befragten die Tiere (a) besitzen
c) Durchschnittlicher Tierbestand bezogen auf b) pro Kopf
Hühner
66 %
11 Tiere
Kühe
54 %
4,5 Tiere
Wasserbüffel
51 %
3 Tiere
Ziegen
34 %
11 Tiere
Eigene Erhebung 1999
Neben dem Anbau von Feldfrüchten zeigt der insgesamt hohe Anteil
derer die Nutztiere besitzen, die wichtige Rolle der landwirtschaftlichen
Erwerbsalternativen. Scheinbar kann die Mehrzahl unserer Befragten nicht
ausschließlich vom Trekkingtourismus leben, bzw. wäre die Existenzgrundlage
ohne agrarbezogene Lebenssicherung nicht zu realisieren. Da fast alle Trekkingcrewmitglieder
welche Tiere besitzen, auf die Frage nach ihren Tieren sehr schnell und
ohne große Überlegungen geantwortet haben, ist daraus zu schließen,
wie bedeutend für sie der Besitz von Nutztieren ist. Die uns genannten
wichtigsten Nutztiere sind Hühner, Kühe, Wasserbüffel und
Ziegen, wobei ein Befragter auch ein Pferd besaß. Die Streuung innerhalb
der einzelnen Nutztierarten ist allerdings zum Teil recht groß.
Am weitesten stehen die Angaben bei den Ziegen auseinander, da uns zwischen
50 und 2 Tieren angegeben wurden. Bei den Wasserbüffeln liegen die
Angaben am engsten zusammen (1 und 6 Tiere).
In der Gegenüberstellung von den o.g. Besitzverhältnissen
und der Betrachtung der Beschäftigungsdauer der befragten Trekkingcrewmitglieder
pro Jahr (siehe Abb.2) wird zudem ersichtlich, daß die Mehrzahl der
Beschäftigten den Trekkingtourismus als Nebenerwerb nutzen, d.h. der
Haupterwerb liegt nachwievor in der Landwirtschaft.
Der geringste Anteil unserer Befragten arbeitet demnach mehr als 5 Monate,
d.h. die meiste Zeit der Hauptsaison im Trekkingbusiness. Außerdem
gaben 2 der insgesamt 35 Befragten an, daß sie das erstemal auf einem
Trek arbeiten.
Ferner legten uns die meisten aus der Crew nahe, daß sie ausschließlich
wegen des Geldes die Tätigkeit im Trekkinggeschäft ausüben
und froh sind überhaupt Arbeit zu haben. Äußerungen das
die Arbeit auf dem Feld körperlich sehr schwer ist und man deswegen
versucht im Trekkingbusiness Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden,
wurden uns ebenfalls gemacht. Die Küchengehilfen und die Köche
gaben schlichtweg an, daß sie gerne kochen und Spaß an der
Speisenzubereitung haben. Lediglich die Führer sagten uns, daß
sie durch ihren Beruf einen hohen sozialen Status besitzen und deswegen
gerne im Trekkingtourismus arbeiten. Ferner gaben die Führer ihre
Vorstellungen an, daß sie irgendwann einmal auch sardar sein wollen.
Dahingegen meinten die Träger überwiegend, mit ihrem jetzigen
Berufsstatus zufrieden zu sein. Lediglich drei der befragten Träger
konnten sich vorstellen, einmal Führer in einer Trekkingmannschaft
zu sein.
Angabe zu Verbesserungsvorschlägen oder zu der Gefährlichkeit
in Bezug auf die Berufsausübung wurden uns nicht in ausreichender
Fülle gegeben. Unfälle hatten die Träger, nach deren Aussagen,
selbst nie. Allerdings gaben fast aller Träger an, daß sie Unfälle
anderer Träger beobachtet haben, die jedoch ohne körperliche
Folgekrankheiten verliefen.
Auf die Frage, ob sie am Verhalten der Touristen irgend etwas stört,
antworteten alle Befragten praktisch unisono, daß sie alles "okay"
finden. Nur sehr selten hörten wir eine Äußerung der Kritik,
die sich aber nach weiterem Hinterfragen als eigentlich nicht so wichtig
herausstellte und somit keine Angaben bei der Beantwortung des Fragebogens
ergab.
4.
Interpretation und Diskussion der Ergebnisse
Recht schnell mußten wir feststellen, daß sich die Befragung
nicht so einfach und unkompliziert durchführen ließ. Die Gründe
dafür und die vielfältigen Probleme, die bei den Interviews auftraten
werden im weiteren etwas genauer dargestellt.
Die Situation, in welcher wir die Interviews durchführten, war
ungünstig, da wir die Geldgeber für die Befragten waren und diese
entsprechend nicht unbefangen antworteten. So waren sie meist schüchtern
und befangen, und es war auffällig, daß einige der Führer
und des Küchengehilfe fast verstummten, wenn ihr Vorgesetzter, der
sardar, in Hörweite kam. Diesbezüglich schienen die Träger
unbefangener zu sein. Vielleicht weil sie weniger zu verlieren hatten.
Es war eine deutliche Hierarchie auszumachen: sardar, Führer, Küchengehilfe,
Träger. So wäre es wenig sinnvoll gewesen, wenn der sardar für
uns übersetzt hätte, obwohl es vom sprachlichen her die bestmögliche
Variante gewesen wäre. Aber auch mit den Führer schien es nicht
problemlos zu sein, da auch sie in der Hierarchie höher standen. Wie
ein Führer uns mitteilte, kamen zu den Übersetzungsschwierigkeiten
Englisch-Nepali noch Verständigungschwierigkeiten aufgrund der verschiedenen
Dialekte hinzu. So konnten wir uns nie sicher sein, ob eine Frage vom Übersetzer
richtig verstanden wurde und auch beim Befragten richtig ankam. Öfters
war auch die Antwort aufgrund des schlechten Englisch mehr zu erahnen
als wirklich zu verstehen. Da nur wenige der Mannschaft gut Englisch sprachen,
und der sardar aus zuvor genannten Gründen nicht als Übersetzer
in Frage kam, hatten wir nur zwei der Führers die uns beim Übersetzen
halfen.
Für alle Befragten, vor allem aber für die Träger, war
es eine sehr ungewöhnliche und sicher auch etwas unangenehme Situation,
von uns befragt zu werden. Wir merkten, daß es vielen etwas peinlich
war, im Mittelpunkt zu stehen und nach ihrer eigenen Meinung und Situation
befragt zu werden. Aber es gaben alle bereitwillig Auskunft und waren neugierig,
was wir da machten. Einige unserer Fragen waren oft nicht verständlich
zu machen, und wurden von uns schließlich herausgelassen, was zu
lückenhaften Ergebnissen führte. Zum Teil lag dies daran, was
für Fragen wir stellten und wie wir sie stellten. Einige uns interessant
und wichtig erscheinende Fragen waren für die Nepali schlichtweg unverständlich,
z.B. Fragen nach Vorschlägen wie ihre Situation verbessert werden
könnte, was ihnen am Verhalten der Touristen gefällt oder nicht
gefällt, oder warum sie gerade diese Arbeit machen. Dies kann sicher
mit den unterschiedlichen Kulturen begründet werden. Die Fragen sind
von unserem europäischen Denken geprägt und waren nicht auf die
nepalesischen Verhältnisse abgestimmt. Die Menschen scheinen zufriedener
zu sein mit dem was sie machen, haben weniger Wahlmöglichkeiten und
nehmen ihre Situation eher als gegeben hin. Zum Teil lag es sicher auch
hier daran, daß wir zu diesem Zeitpunkt ihre Geldgeber waren und
teilweise Vorgesetzte die Antworten mitbekamen.
5. Allgemeiner Eindruck der Befrager/innen
Hier sollen kurz ein paar subjektive Eindrücke dargestellt werden.
Das wir die Befragung durchführten, war für die Nepali und auch
für uns eine ungewöhnliche Situation und für diese sicher
auch eine kleine Attraktion. Alle waren etwas schüchtern und befangen,
doch auch neugierig. Unsere Fragen kamen ihnen teilweise seltsam und ungewöhnlich
vor, sowie wir ihre Reaktionen interpretieren. Bei den Führern, die
uns als Übersetzer halfen hatten wir den Eindruck, daß sie es
gerne taten und es ihnen angenehm war uns zu helfen und eine wichtige Position
zu haben. Zuerst befragten wir die Nepali einzeln, gingen dann aber bei
den Trägern dazu über immer zwei zusammen zu befragen, da wir
den Eindruck hatten, daß sie sich dann etwas sicherer fühlen.
Bei den meisten Interviews standen Träger um uns herum. Manchmal entstand
nach einer Frage eine längere Diskussion mit viel Gelächter unter
den Nepali, ohne daß wir wußten worum es ging und auch ohne
daß wir eine Antwort auf unsere Frage erhalten hätten. Wir waren
uns oft nicht sicher, ob die Frage richtig verstanden wurden. Einige Fragen
namen wir im Laufe der Befragung heraus, wenn es nach mehrmaligen Erklären
nicht verständlich wurde. Zum Beispiel die Frage nach der Größe
des Landbesitzes. Dort erhielten wir Angaben wie „von der einen Seite des
Hügels bis zur anderen".
Die Arbeit als Träger scheint in der Gesellschaft nicht hoch geschätzt.
Nach Angaben einzelner Führers ist es schwierig mit den Träger
zu arbeiten, da sie meist keine Bildung haben und auf dem Trek an nicht
viel mehr als den täglichen Ausgangsort und Zielort denken. Es war
auch ein deutlicher Unterschied in der Kleidung auszumachen. Die Führer
und der Küchengehilfe/Koch waren nach unseren Maßstäben
zum größten Teil gut ausgestattet mit westlicher Kleidung und
festes Schuhwerk. Die Träger hingegen liefen barfuß oder mit
Flip-flop Sandalen und verschlissener Kleidung.
Auf jeden Fall zeigten uns die Interviews was für vielfältige
Probleme auftreten können, und wie schwierig es ist, auf diese Weise
genügend Daten zu erhalten.
6.
Verbesserungsvorschläge: Versuch einer konstruktiven Kritik unserer
Arbeit
Um bei einer Befragung wie der von uns durchgeführten bessere Ergebnisse
zu erhalten, scheinen bei der Durchführung der Befragung einige Veränderungen
notwendig. Die Befragung sollte in einer unabhängigeren Situation,
d.h. in einer möglichst ungezwungeneren Atmosphäre stattfinden.
Menschen zu befragen die auf unserer Geld existentiell angewiesen sind,
welches wir als devisenbringende Touristen geben und vor Ort lassen, können
aufgrund dieser Abhängigkeitsbeziehung nicht unbefangen sein, auch
wenn sie vielleicht auf kritische Hinterfragungen eingegangen wären.
Um hier Ergebnisse zu verbessern müßte diese Situation durchbrochen
werden, zumindest aufgelockert werden, indem die Befrager nicht in unmittelbar
direkter wirtschaftlicher Beziehung mit den Befragten stehen. Sicherlich
wird man selbst als wissenschaftlich tätiger Mensch in einem Drittweltland
als potentieller Geldbringer betrachtet werden und niemals frei von solchen
ökonomischen Gebundenheiten oder Angewiesenheit sein. Doch die Beziehung
der Interviewpartner (Befrager - Befragte) müßten nicht so drastisch
ausgerichtet sein, vielleicht wenn man an einem vereinbarten Ort auf einen
organisierten Trek stößt und dort die Zeit findet eine Trekkingmannschaft
zu befragen, also als kurzfristig und offensichtlich dazugekommener, finanziell
Aussenstehender.
Wenn eine solche umfangreiche Befragung durchgeführt werden soll,
ist ferner zu überlegen, ob an der Interviewmethode etwas zu ändern
ist, sollen oder lassen sich die Fragen nur während eines Treks durchführen.
Die Schaffung einer „künstlichen" Situation, also das durch die Trägerführer
zelebrierte offizielle „Ritual" ein paar Träger auszusuchen, die gerade
Zeit haben und die sich dann zu einem strukturierten Interview nach ablesen
eines Fragebogens einfinden sollte aufgelockert werden. Mit sicherlich
mehr Aufwand sollten die Fragen "im Kopf" der Interviewer sein, um dann
vielmehr ein nicht strukturiertes, also praktisch als „normales plaudern
getarntes" Gespräch zu führen. Von wesentlichem Vorteil dabei
wäre, wenn der Fragende Nepali spricht, da die Methode sonst bei nicht
Englisch sprechenden Trägern nicht funktioniert. Gute Gelegenheiten
hätten sich in den jeweiligen Abendlagern in einer ruhigeren Situation
genügend ergeben (konnten von uns halt nur „mit Händen und Füßen"
praktiziert werden).
Vielleicht hätten auch bessere Ergebnisse erzielt werden können,
wenn der Fragebogen in seinem Umfang noch weiter gekürzt worden wäre.
Wir hatten jedenfalls den Eindruck, daß die Geduld der Befragten
während der Interviews nach unseren Maßstäben schnell erschöpft
war. Ein Fragebogen der sich in 10-15 Minuten beantworten ließe,
schien oftmals sinnvoller, bzw. fruchtbarer für den Ergebnisgewinn.
Außerdem ist zu diskutieren, ob einige unserer Fragen nicht zu
persönlich waren, d.h. bei den Befragten eine Intimitätsgrenze
überschritten wurde. Vielleicht läßt sich die vorgefundene
Befangenheit auch in diese Richtung interpretieren.
Erheblich erleichtern würde die Befragung auch, wenn ein ausgewiesener
Dolmetscher mitarbeiten würde.
Unsere Ausführungen zu unseren Erfahrungen während der durchgeführten
Interviews sollen nicht demoralisieren oder gar die Durchführung einer
von unserer niederländischen Kommilitonin angestrebten Diplomarbeit
verwerfen, sondern konsequenterweise unsere möglichen Fehler hinterleuchten
um ein erkenntnisreicheres, weil optimierteres Arbeiten ermöglichen.
ANHANG
Fragebogen
1. Name, age, district
2. What is your job on this trek?
3. How many times a year are you on a trek?
4. How long ago was your last trek?
5. Family: are you married; do you have children; How many sisters
and brothers; cast
6. Do you own land / livestock?
7. How many members of your family are working in the Trekking business?
8. For whom do you have to earn money?
9. When and for how long do you go home?
10. Do you know anybody in Kathmandu?
11. Why did you want to be Treking Träger / staff member?
12. Do you also work as Träger outside the Trekking business?
13. Do you also do other jobs?
14. How did you find your job (through trekking agency)?
15. Do you think it is hard to find a job?
16. How could it be easier to find a job?
17. Can you tell a story about a happy event on a trek?
18. Can you tell a story about something you didn’t like on a trek?
19. Did you ever have an accident ? If yes, what happened ?
20. Salary: how much money per day/ including food/ who pays them and
when/ do you think it is enough/ do you have an insurance?
21. Do you get gear provided from the trekking agency?
22. Where do you sleep while you are on a trek? What do you think about
it?
23. What would you like to be improved? (What would make the job more
enjoyable?)
24. Is there anything you don’t like about the behavior of tourists?
LITERATUR
BAUMGARTNER, R. (1980): Trekking und Entwicklung im Himalaya. Die Rolwaling-Sherpa in Ost-Nepal im Dilemma zwischen Tourismus und Tradition. Verlag Rüegger: Diessenhofen (Schweiz). (= Konkrete Fremde, 2)
FISHER, J.F. (1990): Sherpas. Reflections on change in Himalayan Nepal. University of California Press: Berkeley, Los Angeles, Oxford.
HAUCK, D. (1996): Trekkingtourismus in Nepal. Kulturgeographische Auswirkungen entlang der Trekkingrouten im vergleichenden Überblick. In: Eichstätter Geographische Arbeiten, Bd.8. Geobuch: München
STEVENS, S.F. (1993): Claiming the high ground. Sherpas, subsistence, and environmental change in the highest Himalaya. University of California Press: Berkeley, Los Angeles, Oxford.
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jan
fragen zur exkursion. hallo martin, ich hab mal ein paar fragen über eure exkursion, ich bin selbst auch geographie-student und reise diese jahr nach nepal um eine arbeit über den tourismus zu schreiben. schick mir mal deine e-mail adresse danke jan13.05.2002 09:59:29
Martin Reiss
Re: fragen zur exkursion. | |jan schrieb: ||hallo martin, | |ich hab mal ein paar fragen über eure exkursion, ich bin selbst auch geographie-student und reise diese jahr nach nepal um eine arbeit über den tourismus zu schreiben. |schick mir mal deine e-mail adresse | |danke jan meine email: mreiss2@web.de p.s.: sorry, aber ich habe durch zufall von deiner anfrage erfahren.12.06.2002 21:41:27