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Die Gottesbeweise bei THOMAS VON AQUIN in der "summa theologiae" und der "summa contra gentiles"

Hauptseminararbeit, 1994, 38 Seiten
Autor: Eraßme, Rolf
Fach: Philosophie - Philosophie des Mittelalters (ca. 500-1350)

Details

Veranstaltung: Oberseminar
Institution/Hochschule: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Tags: Gottesbeweise, THOMAS, AQUIN, Oberseminar
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 1994
Seiten: 38
Note: sehr gut
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V96515
ISBN (E-Book): 978-3-638-09191-6

Dateigröße: 160 KB


Volltext (computergeneriert)

Rolf Eraßme

Hausarbeit im Anschluß an das Oberseminar

Was heißt Verstandes- und Vernunfterkenntnis bei Th. v. Aquin

Die Gottesbeweise bei THOMAS VON AQUIN in der "summa theologiae" und der "summa contra gentiles"

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
2. Berechtigung und Möglichkeit der Gottesbeweise
3. Die einzelnen Beweise
3.1 Der Beweis aus der Bewegung
3.2 Der Beweis aus der Wirkursache
3.3 Der Beweis aus der Kontingenz
3.4 Der Beweis aus den Seinsstufen
3.5 Der Beweis aus der Lenkung der Dinge

4. Kritik und Gegenkritik
4.1 Zum ersten Weg
4.2 Zum zweiten Weg
4.3 Zum dritten Weg
4.4 Zum vierten Weg
4.5 Zum fünften Weg

5. Zusammenfassung und Bewertung
6. Anmerkungen und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ist Gott beweisbar? Obwohl dieses Thema zunächst ein theologisches zu sein scheint, gehört die Frage nach der Existenz bzw. dem Sein Gottes ohne Zweifel zu den Grundfragen der Philosophie schlechthin. Seit jeher ringen Philosophen um Gewißheit in diesem im wahrsten Sinne grundlegendsten Problem.

Die Frage lautet genauer: Kann der Mensch durch seine natürliche Vernunft, d.h. ohne übernatürliche, geoffenbarte Zusatzinformation Gottes, das Dasein Gottes sicher erkennen? Dies zu klären ist Aufgabe der Universalwissenschaft Philosophie, deren Begründungen sich an strengen, nachvollziehbaren und logischen Maßstäben messen lassen müssen.

Von den vielen in der Vergangenheit erarbeiteten Beweisen gehören zu den bekanntesten Beweisen neben dem ontologischen Beweis von Anselm von Canterbury die "via quinque", also die "Fünf Wege zu Gott" des heiligen Thomas von Aquin. Seine Beweise sind bis zum heutigen Tage immer wieder hart angegriffen worden, auch und gerade von Christen.

Die lichtvollen Argumentationen des Aquinaten aus dem 13. Jahrhundert aus heutiger Sicht zu verdeutlichen ist Ziel dieser Arbeit. Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf seine beiden Werke "summa theologiae" (Summe der Theologie) und der "summa contra gentiles" (Summe gegen die Heiden).

In einem ersten Schritt werden die Berechtigung und Möglichkeit der Gottesbeweise sowie deren Grundlagen hergeleitet und gegen Einwände verteidigt.

Es folgen die Beweisgänge der fünf Einzelbeweise, und zwar in folgender Reihenfolge:
1) aus der Bewegung, der sog. kinesiologischer Beweis,
2) aus der Wirkursache, der sog. Kausalitätsbeweis,
3) aus der Kontingenz, der sog. Kontigenzbeweis,
4) aus den Seinsstufen, der sog. Stufenbeweis,
5) aus der Lenkung der Dinge bzw. aus der Weltordnung, der sog. teleologische Beweis.

Anschließend wird die Kritik an den thomistischen Gottesbeweisen vorgetragen und auf ihre Berechtigung hin geprüft.

Abschließend folgt eine Zusammenfassung sowie eine Bewertung der Beweise Gottes.

2. Berechtigung und Möglichkeit der Gottesbeweise

Bevor die Existenz Gottes gezeigt werden kann, muß zunächst das Thema deutlich von der Theologie und dem Glauben abgegrenzt werden. Es gilt ferner die Mißverständnisse und Einwände der Gegner zu ordnen und zu entkräften.

Thomas beruft sich zu Beginn des ersten Buches der "summa contra gentiles" auf Aristoteles und hält fest, daß die Aufgabe des Weisen (und damit der Philosophie) das Ordnen und das Betrachten der höchsten Ursachen sei. Ferner kommt der Philosophie als der Wissenschaft von der Wahrheit und speziell derjenigen vom Ursprung aller Wahrheit die Aufgabe zu, damit gleichzeitig den ersten Ursprung des Seins zu ergründen, denn es gilt "ens et verum convertuntur" d.h. Seinedes und Wahres sind vertauschbar, sind Transzendentalien. Die Gotteserkenntnis ist der Gipfel des philosophischen Forschens, da alles auf den ersten Ursprung hingeordnet ist.

Vor der Widerlegung derjenigen, die Gott oder seine natürliche Erkennbarkeit leugnen muß festgehalten werden, auf welche Weise und was erkannt werden kann, vor allem in Bezug auf Gott. Da die menschliche Erkenntnis von den Sinnen her beginnt, ohne dabei zum Sensualismus zu werden, wie von Thomas in der Schrift "Fünf Fragen über die intellektuelle Erkenntnis", welche einen Ausschnitt aus der Summe der Theologie bildet, begründet wird, kann der nicht sinnliche Gott nicht unmittelbar erkannt werden. Weil die Gottesidee offenkundlich auch nicht angeboren ist, kann Gott ausschließlich durch intellektuellen, induktiven Schluß von seinen Wirkungen her auf seine Existenz erkannt werden. Da Wirkungen hinter den Ursachen zurückbleiben, der menschliche Verstand nur endlich und Wirkung Gottes ist, wie sich zeigen wird, kann es keine völlige Erkenntnis Gottes geben. Das Vorgehen sei nochmal betont: Die Gotteserkenntnis muß philosophisch aus anderen Erkenntnissen abgeleitet werden, wobei der menschliche Verstand vom Für-uns-Bekannten zum An-sich-Bekannten vorschreitet. Genau das ist das Wesen eines Beweises: Durch Schluß aus wahren Vordersätzen zur Gewißheit und Wahrheit des vorher fraglichen Sachverhaltes vorzudringen.1)

Obwohl es dem Menschen unmöglich ist, das Wesen Gottes im vollen Sinne zu erkennen, kann er sicher wissen, daß dieser ist und auf dem Weg der Verneinung2) also per negationem, der Heraushebung sowie logischer Schlüsse einiges über dessen Wesen aussagen. Das meiste jedoch übersteigt die menschliche Vernunft und bleibt ihm verborgen, es sei denn, der Mensch nimmt die göttlichen, übernatürlichen Offenbarungen, die im übrigen dem Verstande nie widersprechen, prüfend an, was jedoch Thema der Theologie wäre. Diese übernatürlichen Wahrheiten sind es aber auch, die die Überlegenheit und Unbegrenztheit Gottes noch einmal dem Menschen belegen und ihn vor anmaßender Überheblichkeit schützen.

Die göttlichen Offenbarungen enthalten jedoch nicht nur Aussagen, welche die menschliche Vernunft überragen, wie beispielsweise die Dreifaltigkeit Gottes oder die Existenz der Engel, sondern auch diejenigen, zu denen der forschende Philosoph vordringen kann. Um jedoch die große Mehrheit der Menschen, die aus vielerlei Gründen diese wissenschaftliche und teils anstrengende Arbeit nicht leisten können, nicht von der befreienden und beglückenden Wahrheit auszuschließen, hat Gott auch Erforschbares den Menschen zum Glauben vorgelegt. Dazu gehört unter anderem, daß Gott ist und daß er einer ist.

Doch nun zu denen, die sagen, es könne nicht bewiesen werden, daß Gott ist, da es unmittelbar einleuchte. Gemeint sind jene, die meinen, Gott könne nicht nicht-seiend gedacht werden. Für diese Auffassung scheinen folgende Punkte zu sprechen:

1. Gott ist der, im Vergleich zu dem nichts Größeres gedacht werden kann. Wer den Begriff "Gott" benutzt, denkt ihn zumindest. Es ist aber dasjenige größer, man könnte auch sagen vollkommener, was nicht nur im Verstand, sondern auch in Wirklichkeit ist. Daß also "Gott ist" steckt schon im Begriff Gottes. Hier wird deutlich auf Anselm Bezug genommen, auch wenn er nicht ausdrücklich genannt wird.

2. Da von Natur aus alle Menschen auf das letzte Ziel, auf Gott hin, streben, muß es existieren.

Diese Vorgehensweise ähnelt dem sog. Beweis "e consensu gentium" d.h. demjenigen "aus der Übereinstimmung der Völker", der aus dem religiösen Streben aller Völker auf das Objekt dieses Strebens schließen will (auch ethnologischer oder historischer Beweis genannt).

3. "Das, wodurch alles andere erkannt wird, muß unmittelbar einleuchtend sein."3) Aus dem Erkennen bzw. den Teilwahrheiten ergibt sich demnach sofort die Quelle allen geistigen Erkennens bzw. die Wahrheit selbst. Dieser Beweis wird oft als noetischer Beweis gekennzeichnet.

Doch diese Scheinargumente werden auf folgende Weise von Thomas entkräftet:

Zu 1: Aus der Voraussetzung, daß Gott das ist, zu dem im Vergleich nichts größer gedacht werden kann, folgt nicht, daß dieser auch existieren muß. "Man muß nämlich die [bezeichnete] Sache und den begrifflichen Gehalt des Wortes auf derselben Ebene ansetzen."4) Sie müssen im selben Existenzmodus sein. Damit wird einsichtig, daß der mit dem Verstand erfaßte Begriff Gott lediglich fordert, daß im Verstand nichts größer ist als er. Über die Existenz in der Wirklichkeit ist folglich noch nichts ausgesagt. Kant hat in seiner transzendentalen Dialektik diesen "Beweis" als analytisches Urteil und a priorisches Erkennen verworfen und sein bekanntes Beispiel von den hundert gedachten und den hundert wirklichen Talern gebracht.

Zu 2: Das, wonach alle Menschen streben, ist genaugenommen das Glück. Dieses hat zwar große Ähnlichkeit mit Gott und dessen Gutsein, unterscheidet sich jedoch von ihm. Aus diesem Grund muß der Mensch auf dem Weg des Schlußfolgerns vom Gottähnlichen, also seinen Wirkungen, um nicht zu sagen Schöpfungen, zu Gott aufsteigen.

Der Beweis "e consensu gentium" ist ebenfalls unzulänglich, da das religiöse Streben der Geschlechter sich auf völlig unterschiedliche, ja gegensätzliche sog. Götter bezieht. So kann aus den von monotheistischen über polytheistischen bis hin zu pantheistischen Gottesvorstellungen keinesfalls auf den einen Gott geschlossen werden. Selbst wenn sich die Völker einig wären, so wäre dies noch kein Beweis, denn: Über die Wahrheit läßt sich nicht abstimmen. Die Sonne dreht sich eben auch dann nicht um die Erde, wenn die Mehrheit dies von ihr annimmt.

Zu 3: Zwar ist Gott tatsächlich das, wodurch letztlich alles erkannt wird, aber nicht in der Weise, daß ohne seine Erkenntnis nichts anderes für Menschen erkennbar wäre. Ein Beispiel dafür ist das Erkennen des Satzes vom Widerspruch oder des Satzes der Identität, in dem nicht notwendig und unmittelbar die Gotteserkenntnis steckt.

Bevor im folgenden Kapitel die einzelnen Gottesbeweise geführt werden, soll noch einmal gezeigt werden, daß die Existenz Gottes nicht ausschließlich glaubbar, sondern zudem beweisbar ist. Daß in Gott Wesen und Sein eins sind und uns das Wesen zunächst unbekannt bleibt, bedeutet nicht, daß alle Beweise der Existenz hinfällig werden. Es folgt lediglich, daß das Wesen Gottes nicht als Mittelbegriff eines Beweises benutzt werden darf.

Auch der Einwand, daß die Erkenntnis bei den Sinnen ansetzt und demzufolge der übersinnliche Gott unbeweisbar bleibt, ist haltlos. Es ist ja gerade die "Kunst der Beweisens"5), von den sinnenfälligen Wirkungen auf die (nicht sinnenfälligen) Ursachen zu schließen. Wäre dies nicht möglich, so gäbe es im übrigen gar keine Wissenschaft und keine Erkenntnis, was jedoch in sich widersprüchlich ist.

Letztlich spricht für die nicht vergebliche Mühe des Beweises auch die biblische Offenbarung, die ja gerade von den "Nur-Gläubigen" gegen Thomas angeführt werden soll. So heißt es etwa in Römer 1, Vers 20 eindeutig über Gott: "Denn sein unsichtbares Wesen, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten erkannt und geschaut"6). Auch das alte Testament sagt es immer wieder, die Psalme sind voll davon: "Der HERR hat sich zu erkennen gegeben" (Psalm 9,17).

Mit diesen Ermutigungen geht es über zum nächsten Kapitel, den einzelnen Beweisen.

3. Die einzelnen Beweise

Nachfolgend werden die fünf Beweise ausgeführt, erläutert und - wo möglich - mit Beispielen belegt. Die Reihenfolge entspricht der von Thomas selbst in der "Summa theologica" gewählten. Sie ist zu finden im ersten Buch, Band 1, 2. Frage, Artikel 3. Zu Beginn steht der Beweis aus der Bewegung, es folgen diejenigen aus der Wirkursache, aus der Kontingenz und aus den Seinsstufen und schließlich derjenige aus der Weltordnung.

Wie sich zeigen wird, haben alle Wege die gleiche Struktur und zwar folgende:7)

Die Entität a steht in einem Verhältnis V zu b, abgekürzt: aVb.

Die Entität a steht nicht in diesem Verhältnis V zu sich selbst also zu a, abgekürzt: -(aVa). Das Verhältnis ist demnach nicht reflexiv, mit einem Wort irreflexiv.

Wenn die Entität a in einem Verhältnis V zu b steht und die Entität b in diesem Verhältnis V zu c, dann steht auch die Entität a in dem selben Verhältnis V zu c. Abkürzende Schreibweise für diese sog. "Transitivität" sei (aVb) & (bVc) --> (aVc).

Es folgt aus all dem: Es existiert genau eine Entität a, die zu keiner anderen Entität im Verhältnis V steht oder anders ausgedrückt zu allen Entitäten nicht im Verhältnis V steht.
Formal: $ a " b -(aVb)

Für die einzelnen Wege steht das Verhältnis V jeweils für folgendes:

Beim ersten Weg für "a wird bewegt durch b", beim zweiten "a wird bewirkt durch b", beim dritten "a hängt ab von b", beim vierten "a ist weniger wahr/gut als b" und beim fünften Weg "a wird zu einem Ziel gelenkt von/durch b". Näheres hierzu in Kapitel 4, speziell in 4.2.

Zudem sei bereits jetzt als Hilfe erwähnt, daß sich die fünf Wege auch den vier Aristotelischen Ursachen zuweisen lassen, auf die sich Thomas bekanntlich immer wieder beruft. Demnach beziehen sich Weg eins und zwei auf die Wirkursache, der eine aus Sicht des Bewirkten, der andere aus Sicht des Bewirkenden, Weg drei bezieht sich auf die Materialursache, Weg vier auf die Formursache und Weg fünf offensichtlich auf die Ziel-/Zweckursache.

3.1 Der Beweis aus der Bewegung

Dieser erste Weg, der sog. kinesiologische Gottesbeweis findet sich in der ausführlichen Form in der "Summe gegen die Heiden" und zwar im 13. Kapitel, welches überschrieben ist mit "Gründe, um zu beweisen, daß Gott ist".

Zunächst werden die Aristotelischen Gründe für den Gottesbeweis wiedergegeben (Physik, Buch 7 und 8). Dessen Argumentationen verlaufen in zwei Wegen. In dieser Arbeit soll einer der Wege, und zwar der erste induktiv verlaufende Weg demonstriert werden. Der zweite Weg ist länger und wirkt umständlicher; er bringt in unserem Zusammenhang wenig zusätzliche Erkenntnis. Der Beweis verläuft folgendermaßen:

(a) Alles, was bewegt ist, wird von einem anderen bewegt.

(b) Es gibt Bewegtes, wie durch die Sinne klar wird. Also wird es durch anderes bewegt.

(c) Entweder ist dieses Bewegende seinerseits bewegt oder es ist es nicht.

(1) Wenn es nicht bewegt ist, so ist der Beweis bereits zu seinem Schluß gekommen,

der "unbewegte Beweger" mithin Gott ist gefunden.

(2) Ist es hingegen bewegt, so ist es wiederum von einem anderen bewegt.

(2.1) Auf diese Weise gelangt man entweder zum ersten Beweger oder

(2.2) man muß ins Unendliche fortschreiten. Letzteres ist jedoch unmöglich.

Damit steht fest: Es muß ein erstes unbewegtes Bewegendes geben. Zu zeigen sind jedoch noch die beiden Sätze (a) und (2.2). Zunächst zu (a), also dem Satz: "Alles, was bewegt ist, wird von einem anderen bewegt." Dieser Satz kann auf dreifache Art bewiesen werden, von denen ich jedoch nur zwei hier aufführe.

Erste Art :

Dies ist ein indirekter Beweis, er läuft folglich auf eine reductio ad absurdum hinaus. Wenn etwas sich selbst bewegt, so hat es den Ursprung seiner Bewegung in sich. Es muß weiterhin ein "ursprünglich Bewegtes"8) sein, d.h. sich selbst als Ganzes bewegen und nicht einen Teil von sich durch einen anderen bewegen. Weiter muß das Bewegte aus Teilen bestehen, wie Aristoteles im 6. Buch der Physik (4, 234b 10-20) beweist. Dieser Beweis wird von Thomas nicht wiederholt, er verläuft vereinfacht jedoch so:

Jede Bewegung geht von etwas aus zu etwas hin. Was sich bewegt/wandelt, ist nicht mehr dort/das, wo/was es war, aber auch noch nicht dort/das, worin es endet. Ergo muß ein Teil in einem Zustand, ein anderer in einem anderen Zustand sein. Folglich muß jedes Bewegte aus mindestens zwei Teilen bestehen.

Aus dem ursprünglich Bewegt-sein ergibt sich, daß auf die Ruhe eines Teiles die Ruhe des Ganzen folgt. Wessen Ruhe jedoch auf die Ruhe eines anderen folgt, für dessen Bewegung gilt ebenfalls, daß sie auf die Bewegung eines anderen hin erfolgt. Folglich kann es kein Sich-selbst-Bewegendes geben. Als greifbarer Vergleich, wenn auch teilweise hinkend, mag hier der Lügenbaron von Münchhausen gelten, der ja bekanntlich behauptete, sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf gezogen zu haben. Eben dies ist prinzipiell unmöglich.

Zweite Art:

Nichts ist zugleich und im Hinblick auf dasselbe Akt und Potenz. Da die Bewegung "´der Akt eines in Potenz Befindlichen als solchen´ ist"9), wie Aristoteles im dritten Buch der Physik festhält, ist alles, was bewegt ist, in dieser Hinsicht in Potenz. Hieraus folgt, daß nichts, bezogen auf dieselbe Bewegung, gleichzeitig bewegend und bewegt ist, mit anderen Worten nichts sich selbst bewegt. Um auch hier wieder ein analoges und vielzitiertes Beispiel zu geben, denke man an einen Lehrer, der, bezogen auf denselben Lehrstoff, nicht gleichzeitig lehren und lernen kann, denn sonst wüßte er ja, bevor er weiß bzw. weiß und weiß gleichzeitig nicht.

Zum Abschluß dieser Beweisführung fehlt nun nur noch der Beweis des Satzes (2.2), nämlich, daß ein ins Unendliche Zurückschreiten bei der Suche nach dem ersten Beweger unmöglich und widersprüchlich ist und nichts erklärt. Auch diesen Satz beweist Thomas auf dreifache Weise, wie Aristoteles (Physik, Buch 8) es vor ihm tat. An dieser Stelle sei aber nur die einleuchtenste Art und Weise wiedergegeben. Es handelt sich erneut um einen induktiven Beweis, der kurz und prägnant so verläuft: Wenn bei einer Rückführung ins Unendliche (regressus ad infinitum) der erste und unbewegte Beweger "im Sande verläuft", also nicht existiert, so folgt notwendig, daß es auch keine "Zweit- und Drittbeweger" gibt und somit, aufgrund der fehlenden, vermittelnden Beweger letztlich gar nichts bewegt wäre. Da dies aber offensichtlich falsch ist, folgt eindeutig und notwendig, daß es den ersten unbewegten Beweger (primum motorem immobilem) geben muß und gibt.

Die gewonnenen Erkenntnisse gelten, wie Thomas betont, natürlich auch für das belebte, mithin beseelte Sein. Die Bewegung eines Lebewesens ist demnach keine Bewegung des Ganzen durch das Ganze, sondern nur die Bewegung eines Teiles durch den anderen, also die des Körpers durch die Seele.

Die Wahrheit des ersten unbewegten, somit sich nicht ändernden, Bewegers belegt überdies auch die heilige Schrift, wenn es in Jakobus 1, Vers 17 über Gott heißt: "Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten."

3.2 Der Beweis aus der Wirkursache

Der zweite Beweis der Existenz Gottes wird deutlich kürzer gefaßt als der erste und findet sich in beiden Summen. Auch hier bezieht sich Thomas ausdrücklich auf seinen Vorgänger Aristoteles und zwar in diesem Fall auf das zweite Buch der Metaphysik.

Wie in Kapitel drei bereits erwähnt, ähnelt der zweite Weg dem ersten in der Weise, daß er das Wirken betrachtet. Hier wird nun aber nicht wie im ersten Weg aus der Sicht des Bewirkten, sondern mehr aus der Sicht des Wirkenden argumentiert. Ausgangspunkt ist das metaphysische Kausal(itäts)prinzip. Es steht fest, daß in der sichtbaren, sinnlich wahrnehmbaren Welt alles einer hinreichenden Wirkursache bedarf. Wäre dies nicht so, so müßte dieses Ding seine eigene Wirk- bzw. Entstehungsursache sein, mit anderen Worten, es müßte "sich selbst im Sein vorausgehen"10). Dies ist aber unmöglich, also existieren notwendig übergeordnete Wirkursachen, die ihrerseits bewirkt sein können.

Das "Zurückverfolgen" des Wirkung-Ursache-Systems kann jedoch, wie bereits in Kapitel 3.1 bewiesen, nicht bis ins Unendliche gehen und dort die Erst-Ursache verschwinden lassen. Denn wenn die erste Ursache nicht existierte, so kann dies auch die zweite und damit alle nachfolgenden nicht. Demnach gäbe es gar keine Ursachen und deshalb auch keinerlei Wirkungen, was offensichtlich falsch ist. Es kann demnach keinen unendlichen Regreß des Bewirkten geben.

Es bleibt das logische Schluß: "Wir müssen also notwendig eine erste Wirk- oder Entstehungsursache annehmen: und die wird von allen ´Gott´ genannt."11)

Folglich ist Gott nicht nur der, der alle Materie bewegt, wie aus dem ersten Weg folgte, nein er ist auch der, der alles hervorbringt, mit anderen Wort schöpft. Diese "creatio ex nihilo" ist ein wesentlicher Fortschritt in der Erkenntnis, hatte doch Aristoteles noch die Materie als ewig und Gott vorgegeben betrachtet. Gott ist also die einzige Wirkursache im engen Sinne, die "prima causa", alle anderen Wirkursachen formen letztlich das Gegebene nur um.

Die Bibel bürgt für die Existenz Gottes als erste Wirkursache an vielen Stellen, besonders eindrucksvoll jedoch im Prolog des Johannesevangeliums (Johannes 1,1-3).

3.3 Der Beweis aus der Kontingenz

Der dritte Gottesbeweis, der sog. "Kontigenzbeweis", der (zusammen mit den ersten zwei Beweisen) auch "kosmologischer Beweis" genannt wird, findet sich nur in der Summe der Theologie und ist wie die folgenden Beweise erstaunlich kurz gefaßt.

Ausgangspunkt und Anfang bildet, wie der Name ja bereits verrät, die Kontingenz der Dinge, des Kosmos. Die Kontingenz, die gemeinhin oft auch mit "Zufälligkeit" übersetzt wird, meint aber genauer die Nicht-Notwendigkeit, die Nur-Möglichkeit. Daß alles endliche Seiende metaphysisch kontingent ist, bedeutet, daß es aus seinem Wesen zu Sein und Nichtsein indifferent ist.12) Das kontigent sein kann unmittelbar aus dem Vergehen und Entstehen erkannt werden; das Sein-Könnende hat Ende und/oder Anfang.

Da nur das Wirkliche (das Seiende) wirkt, kann sich unmöglich das (noch) nicht Seiende selbst hervorbringen; "agere sequetur esse", das Handeln folgt dem Sein. Es ist demnach auch unmöglich, daß das kontingente Sein ewig ist bzw. daß es nur kontingentes Sein gäbe, dann wäre nämlich gar nichts. Also muß es notwendiges Sein geben. Dieses ist entweder Gott selbst oder es hat eine notwendige Ursache. Diese machmal sogenannten "Realnotwendigkeiten" sind nicht im strengen Sinne notwendig. Ich nenne sie "einseitig ewig" und meine damit, daß sie sich nicht ändern und vor allem nicht vergehen, aber einen Anfang hatten.

Wie bereits oben gezeigt, führt das Suchen nach den Ursachen der Ursachen denknotwendig auf eine erste Ursache und kann sich nicht "in der Unendlichkeit verlieren". Diese erste Ursache ist in sich und durch sich notwendig, hat also keine Möglichkeit des Nicht-Seins. Dieses schlechthin notwendige Sein ist Gott, das "ens necessarium" bzw. das Sein aus sich, das "ens a se" oder auch "ipsum esse". Gott ist, Weg eins bis drei zusammengenommen der unbewegte, unbewirkte absolute Grund.

Der Schluß könnte mit anderen, um nicht zu sagen umgangssprachlichen, Worten so lauten: Wenn es das gibt, das kaputt geht, dann auch das, was nie kaputt geht. Philosophisch genauer und weitreichender ausgedrückt lautet die kürzeste Form des Kontingenzbeweises dann so: Das Kontingente setzt das Absolute voraus. Dabei reicht es selbstverständlich von einem Ding zu zeigen, daß es kontingent ist, es muß dazu nicht von jedem Einzelding dessen Kontingenz separat geprüft werden.

Auch hier belegt die Heilige Schrift den Beweis, das unbedingte, absolute Sein Gottes: Dem Moses stellt Gott sich vor als der "ICH-BIN" (2. Mose 3,14).

3.4 Der Beweis aus den Seinsstufen

Der vierte Gottesbeweis, der sog. "Stufenbeweis", findet sich wieder in beiden Summen. In der Summe gegen die Heiden verweist Thomas erneut auf die Metaphysik des Aristoteles und führt den Beweis ausgehend vom mehr und weniger Wahren. Wie von Aristoteles gezeigt, sind die Transzendentalien "wahr" und "seiend" ineinander überführbar, konvertierbar, ja austauschbar. Was also in höchstem Maße wahr ist, ist auch in höchstem Maße seiend.

So wie es mehr und weniger Falsches gibt, so auch mehr und weniger Wahres. Also gibt es auch das höchst Wahre, an dem gemessen ja nur festgestellt werden kann, daß etwas wahrer als das andere ist. Ein mehr oder weniger setzt immer einen Maßstab voraus. Mehr wahr bedeutet also, sich dem höchst Wahren nähern.

Daraus folgt, daß es auch das in höchstem Maße Seiende gibt "und dieses nennen wir Gott"13). Gott ist das allerrealste Sein, das "ens realissimum".

Die Summe der Theologie wiederholt diesen Beweis und verallgemeinert ihn dahingehend, daß nun nicht nur vom Wahren, sondern auch vom mehr und minder Guten und Edlen auf das höchst Gute und Edle geschlossen wird. Was auch immer als Anfang der "Stufenleiter" gewählt wird, Schönheit, Gutheit, Wahrheit oder Einheit, der allmähliche Aufstieg führt in jedem Fall zum Maximum bzw. Optimum. Diese erste und höchste Stufe ist Gott; in ihm laufen übrigens all jene "Stufenleitern" zusammen.

Der Stufenbeweis wurde in ähnlicher Form auch von Augustinus in seinem "De libero arbitrio" (Vom freien Willen) geführt, dort jedoch ausgehend vom Subjekt, von der menschlichen Person. Schon in der Ideenpyramide Platons, die in der "Idee der Ideen" bzw. der "Idee des Guten" gipfelt, ist die Struktur dieses Gottesbeweises gelegt.

Das Buch der Bücher bekräftigt auch diesen Beweis: Gott wird nicht nur als "der Höchste" in dutzenden Psalmen besungen (z.B. Ps 7, 9, 92), er sagt in unübertreffbarer Weise von sich selbst: Ich bin die Wahrheit (Johannes 14, 6).

3.5 Der Beweis aus der Lenkung der Dinge

Auch der fünfte Gottesbeweis, der sog. "teleologische Beweis", der teilweise "physikotheologischer Beweis" genannt wurde, findet sich in beiden Summen. In der Summe gegen die Heiden wird zusätzlich noch auf diejenigen hingewiesen, die dieses Argument bereits vor Thomas für Gott anführten. Namentlich werden Johannes von Damaskus und Averroes genannt.

Der teleologische Beweis ist wahrscheinlich der älteste Weg zu Gott, er läßt sich bis zu Anaxagoras zurückverfolgen. Ausgangspunkt ist die von jedem zu machende Erfahrung, daß die Welt aufs höchste in- und miteinander geordnet ist. Dies bewirkt beim Menschen ein ehrfürchtiges Staunen und das ist nach Aristoteles bekanntermaßen der Anfang der Philosophie.

Der Beweis läuft nun folgendermaßen ab: Sowohl die unbelebte wie die belebte, den Menschen umgebende Natur, als auch er selbst, befinden sich in einer starken Ordnung. Alle einzelnen Lebewesen und sonstigen Dinge fügen sich ideal ineinander und streben, als einzelne und als ganzes, ein Ziel (griechisch: telos) an, selbst wenn es nur die Art- oder Selbsterhaltung wäre. In der Regel sind spätestens seit Aufkommen der Ökologiebewegung aber verblüffende, ja oft unüberschaubare Gesamtzusammenhänge entdeckt worden. So entwickelt sich beispielsweise der Samen eines Baumes zielstrebig zu einem ausgewachsenen Baum. Er liefert vielen Tieren Nahrung und Schutz, die ihrerseits wiederum für die Verbreitung seines Samens sorgen usf.

Da die "Naturkörper"14), wie Thomas sie nennt, sprich die untergeistigen Dinge, wie Steine, Pflanzen und Tiere, selbst vernunft- und erkenntnislos sind, können sie diese Ordnung nicht selbst bewirken und auch nicht aus sich heraus ein Ziel anstreben. So wird ja der Pfeil beispielweise auch vom Bogenschützen ins Ziel gelenkt und führt sich nicht etwa selbst dorthin. Weil es aber auch nicht der Mensch ist, der die Weltordnung bewirkt oder gar ihr Ziel ist, bleibt - mittelbar oder unmittelbar - als Ordner und Lenker nur das übergeordnete geistige Wesen, das alle Gott nennen. Wie Thomas später zeigt ist Gott nicht nur der, von dem alles geordnet ist, sondern auch der, auf den alles hin geordnet ist.

Daß Gott der sich sorgende Lenker der Natur ist, findet sich auch in dem bereits zum Sprichwort gewordenen Bibelvers: "Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen, euer himmlischer Vater ernährt sie."15)

4. Kritik und Gegenkritik

Wie bereits in der Einleitung angedeutet, waren und sind die Gottesbeweise, und damit auch die von Thomas stets harter Kritik ausgesetzt. In den folgenden Unterkapiteln werde ich getrennt einige der bekannten Gegenargumente aufgreifen und an verschiedenen Stellen eigene hinzufügen. Wenn die Thomaskritik mehrheitlich nicht direkt zitiert wird, so liegt dies daran, daß es mir in erster Linie um die Inhalte und die Wahrheit geht und ich im Rahmen dieser Arbeit nicht die Philosophiegeschichte wiedergeben kann und will.

Aus ähnlichen Gründen werde ich auch nicht im einzelnen auf die Kritik Kants eingehen (vgl. Kapitel 2, Seite 5). Es sei nur gesagt, daß Kant den teleologischen Beweis auf den kosmologischen und diesen unzulässigerweise auf den ontologischen zurückführt. Mit der Zurückweisung des ontologischen Beweises meint Kant fälschlicherweise, er hätte alle möglichen Gottesbeweise ein für alle mal erledigt. Daß dies nicht so ist, ja seine gesamte "Metaphysik" letztlich unhaltbar ist, kann in diesem Rahmen nicht dargelegt werden. Eine recht gute Widerlegung findet sich aber unter anderem bei Wolfgang Cramer in "Gottesbeweise und ihre Kritik"16)

Die Kritik wird sich im Sinne dieser relativ kurzen Abhandlung überwiegend mit den Beweisen selbst befassen und weniger auf das Gesamtsystem des Aquinaten eingehen, obwohl dies bei einer ausführlicheren Abhandlung überaus hilfreich wäre.

Nun also zur Kritik an den jeweiligen Beweiswegen, beginnend mit demjenigen aus der Bewegung.

4.1 Zum ersten Weg

Vorab sei mir die Bemerkung erlaubt, daß es sich beim unbewegten Gott selbstverständlich nicht um ein unbewegt im umgangssprachlichen Sinne handelt. Gemeint ist nicht eine Starre, Teilnahmslosigkeit oder gar Kälte, sondern die Unveränderlichkeit, Unveränderbarkeit, Ewigkeit, Stetigkeit, man könnte auch sagen Treue (zu sich selbst) des ersten Bewegers. Doch nun zur eigentlichen Kritik.

Ein in der Vergangenheit oft genannter Angriff auf den kinesiologischen Beweis stützt sich auf das recht anschauliche Beispiel einer Billiardkugel. Es wird behauptet, von einer sich bewegenden Billiardkugel könne man mit thomistischen Argumenten (höchstens) auf eine unbewegte Billiardkugel, jedoch nicht auf Gott zurückschließen. Dazu ist zu sagen, daß diese "unbewegte" Billiardkugel nicht nur aus Billiarden bewegter Moleküle besteht, sondern sich um den Erdmittelpunkt, die Sonne und diverse andere Bezugspunkte bewegt, demnach keineswegs unbewegt ist. Nun könnte man ja auf die Idee kommen, den Mittelpunkt des Universums, um den sich (vermutlich) alles dreht als Ende der Beweiskette darzustellen. Aber auch das ist unsinnig, denn dieser "Punkt" kann unmöglich materiell sein, da er sonst erneut ein Zentrum hätte und außerdem muß das Unbewegte Bewegendes sein.

Schwieriger ist da schon das Problem, daß zwischen Bewegtem und Beweger eine Asymmetrie besteht, wie Thomas sagt. Als Gegenbeispiel wird gerne die Anziehungskraft genannt, die bekanntlich symmetrisch ist: Der Apfel zieht die Erde ebenso an wie umgekehrt, nur eben unmeßbar viel weniger. Daraus kann jedoch nicht geschlossen werden, daß Ursache und Wirkung in der Weise symmetrisch wären, daß sie austauschbar würden. Eine Ursache kann stets auch ohne die Wirkung existieren, die Wirkung aber nie ohne ihre Ursache. Die Existenz des Anziehungskraftfeldes der Erde in diesem Beispiel hängt nicht davon ab, ob sie ein Fallen eines Apfels bewirkt oder nicht.

Außerdem geht Thomas von einer simultanen, d.h. gleichzeitigen Bewirkung der Bewegung und der eigentlichen Bewegung aus. Dies scheint verletzt zu sein bei einer Billiardkugel A, die länger rollt als die Billiardkugel B, welche sie angestoßen hatte. Die Kritiker verweisen zudem häufig auf das Gesetz der Trägheit. Daß Newtons Trägheitsgesetz jedoch nicht auf alles anwendbar ist, sondern sich auf die Physik, die quantisierbaren Größen, bezieht, zeigt bereits das tierische und erst recht das menschliche Verhalten, welches so nicht erklärt werden kann. Geistiges Sein wie die menschliche Seele kann damit nicht verstanden werden. Bei den beiden Billiardkugeln handelt es sich um sekundäre Phänomene, um bewegte Beweger. Es geht Thomas bei seinem Weg zu Gott aus der Bewegung weniger um zeitliche, sondern vielmehr um logische und ontologische Beweisketten. Deshalb ist die Frage, ob eine abhängige Ursache ihre Wirkung einmal initiiert hat oder kontinuierlich und simultan bei deren Werden beteiligt ist, für den Beweis an dieser Stelle nicht der Knackpunkt. Auf jeden Fall verschwindet die Wirkung bei sich zurückziehender Ursache. Gott ist als reiner Akt und unbewegter Beweger jedoch stets und simultan wirkend, wie weiter unten noch näher erläutert wird.

Weiterhin wird das Prinzip bezweifelt, nachdem die Wirkung immer auf erhabenere Weise in der Ursache enthalten ist, also nur was irgendwie X ist, auch X oder eine X-ung bewirken kann. Als widerlegendes Beispiel soll ein Mensch dienen, der obwohl, ja weil er nicht tot ist, töten kann. Dies ist ein unzureichendes und unzulässiges Beispiel, da hier von fehlendem Sein aus argumentiert wird. Tot sein ist ebenso wie schlecht oder unwissend sein gar nichts Substantielles, sondern ein Mangel daran, in den genannten Beispielen am Leben, am Guten und am Wissen. Es gilt weiterhin: Nur das Lebendige kann Leben geben bzw. wirken. Nur das Aktuelle kann anderes (von der Potenz) in den Akt bringen.

Auch ewige Kreisbewegung scheidet als Erklärung für Bewegtes aus, nicht nur weil sie nie beobachtet wurde und auch nie beobachtet werden kann, sondern weil sie z.B. mit einem unendlichen Energieverbrauch gekoppelt wäre, denn das absolute Vakuum gibt es ebensowenig wie das Nichts. Selbst wenn es aber ewige (Kreis-)Bewegung gäbe, muß es den ersten Beweger geben, da die Bewegung keine Bedingungen hat, die sich selbst begründen. Der Kreis hat sich auch nicht selbst hervorgebracht, er muß gedacht werden. Zudem sind Kreisbewegungen immer quantisierbar, beziehen sich auf Stoffliches und dieses muß im (Da-)Sein erhalten werden, wie der zweite und dritte Weg zeigen.

Für manche Kritiker endet der Weg "ex parte motus" bei der (menschlichen) Seele und nicht bei Gott, indem sie die Seele als das sich irgendwie selbst Bewegende annehmen. Dies ist aber ebensowenig wahr, wie unser aller Personenkraftwagen, das sog. "Automobil" sich als Ganzes selbst bewegt. Hier wie da findet eine Bewegung einer Entität durch eine andere statt. Im Falle der Seele wird der Leib und im Falle des Autos die Antriebswelle und damit nachfolgend anderes bewegt. Beide verdanken aber offensichtlich ihre Kraft zur Bewegung sowie ihr Sein nicht sich selbst und weisen damit über sich hinaus.

Je nachdem, wie man den Beweisgang ansetzt, so wieder andere Kritiker, gelange man zu einem in dieser Beziehung unbewegten Beweger. Daraus sei aber nicht zu schließen, daß Gott in jeder Hinsicht unbewegt ist. Darauf muß gesagt werden, daß die verschiedenen Ausgangspunkte alle in Gott münden, dies aber nicht so leicht ohne die Hilfe der anderen Wege, insbesondere des dritten, erkannt werden kann. Man darf und kann die Wege nicht auseinanderreißen und damit geht es jetzt auch über zum nächsten Kapitel.

4.2 Zum zweiten Weg

Beim Beweis aus der Wirkursache wird häufig bestritten, daß das Ursachensystem hierarchisch ist und daß es eine bzw. eine erste Ursache geben muß. Wie schon im Kapitel 3 aufgeführt, soll der Sachverhalt zur Klärung dieses Problems noch einmal mathematisch gefaßt werden.17)

(aVb): a ist durch b bewirkt.

-(aVa): a hat sich nicht selbst bewirkt.

(aVb) & (bVc) --> (aVc): Wenn a durch b bewirkt ist und b durch c,

dann ist a (letztlich) durch c bewirkt.

Um es indirekt zu beweisen, schreiben wir jetzt folgendes:

$ a $

b (aVb) & " a -(aVa) & " a " b " c [(aVb)&(bVc) --> (aVc)] & " a $ b (aVb)

Dieser Ausdruck ist in einer endlichen Funktionenmenge immer falsch oder ander ausgedrückt nicht zu erfüllen. Daraus folgt aber, daß

- " a $ b (aVb) also $ a -$ b (aVb) wahr ist,

in Worten: Es existiert ein nicht bewirktes a!

Dabei bedeutet der Allquantor ": Für alle ...(Variable dahinter) gilt: ...

und der Existenzquantor $: Es existiert ein ...(Variable dahinter), für das gilt: ...

Damit hält die logische Struktur dieses Weges und im übrigen auch der anderen Wege der Prüfung stand und es bleibt lediglich die Transitivität oder die Irreflexibilität als mögliche Angriffsfläche. Ursache und Wirkung verhalten sich aber immer asymmetrisch, denn die Ursache kann auch ohne Wirkung sein oder bleiben, jedoch nicht umgekehrt. Aus der Asymmetrie folgt dann sofort die Irreflexivität. Auch die Transitivität zwischen Ursachen kann nicht geleugnet werden, denn ohne Frage gibt es mittelbare Ursachen, die ihr Wirken übergeordneten Ursachen verdanken und die unter bestimmten Umständen auch "übersprungen" werden können, da sie die Wirkungen quasi "durchreichen". Auch die Bezweiflung der Kausalität, insbesondere in Bezug auf das Sein, führt nicht weiter, sondern letztlich in den Irrationalismus.

Von den vier Aristotelischen Ursachen, die in zwei innere (Material- und Formursache) und zwei äußere (Wirk- und Zielursache) unterschieden werden, geht es in diesem Weg, wie bereits erwähnt, um die Wirkursache, die causa efficiens. Hierbei ist zu beachten, daß es sich bei Wirkung und Ursache um wirkliche Abhängigkeit handelt und nicht um notwendige Umstände oder Bedingungen, die zu einer Wirkung führen.

Da nach dem metaphysischen Kausalitätsprinzip jedes kontingente Seinende eine wirkende Ursache hat, ist die causa efficiens CE1 ihrer Wirkung auch simultan, da sonst eine weitere causa efficiens CE2 gefunden werden müßte, die CE1 zu einer aktiven Ursache macht.

Es bleibt, wie bei allen Wegen die Frage, ob die gefundene Größe wirklich Gott und für viele Christen die Frage, ob dies der sich selbst offenbarende Gott der Bibel ist. Näheres hierzu findet sich im Kapitel 5.

Daß es genau eine Ursache sein muß, folgt auch aus der Vollkommenheit, die wiederum aus der Übereinstimmung von Wesen und Sein Gottes folgt (vgl. den vierten Weg). Wenn es mehrere "erste" Ursachen gäbe, so hätte die eine etwas, was der anderen zur Vollkommenheit fehlt. Außerdem kann es nur ein absolutes Sein geben, wie der dritte Weg zeigt. Dies führt direkt zum nächsten Kapitel.

4.3 Zum dritten Weg

Die Kritik am Kontingenzbeweis setzt in der Regel bei der Kontingenz selbst an. Es wird von einigen bestritten, daß die Dinge kontigent und vergänglich sind oder der Begriff der Kontingenz irgendwie verwischt. Dabei kann das Vergehen und Entstehen zwar nicht ernsthaft geleugnet werden, es wird aber versucht, den Kosmos auf ewige Materie oder ewige Kreisläufe zurückzuführen. Die Unmöglichkeit von ewigen Kreisbewegungen wurde bereits im Kapitel 4.1 erwähnt. Als zusätzliches Gegenargument, daß der Kosmos nicht absolut sein kann, wie mache behaupten, sei bedacht, daß für den Kosmos mindestens die Bedingung der Vielheit und der Einheit gilt, er also nicht bedingungslos, unbedingt, unabhängig, lateinisch "absolutus" sein kann. Dasselbe gilt für die Annahme von zwei oder mehr "Erstursachen".

Weiterhin wird gegen den dritten Weg angeführt, daß aus der Möglichkeit zum Nicht-Sein nicht folgt, das die Dinge auch wirklich (alle) einmal nicht sind, wie Thomas sagt. So könnte man als Beispiel John F. Kennedy nennen, der der Möglichkeit nach durch einen Flugzeugabsturz hätte sterben können und es doch nie tat. Ja noch drastischer: In einem Wettlauf kann jeder gewinnen aber nur einer gewinnt wirklich. Daraus wird fälschlich geschlossen, daß die Dinge ebenso nie nicht, mit anderen Worten ewig sein könnten. Diese Beispiele greifen aber nicht wirklich, unter anderem weil Ewigkeit nicht mit Absolutheit verwechselt werden darf.

Als weiterer Punkt sei hier angemerkt, daß der Ausdruck "causa sui", übersetzt "Grund seiner selbst", ein Widerspruch in sich ist und viel Verwirrung gestiftet hat. Er sollte nicht verwendet werden, schon gar nicht für Gott. In Wirklichkeit ist Gott vielmehr die absolute, in sich ruhende Substanz, das absolute Sein. Man spricht deshalb zu Recht von der Aseität (lat. a se), dem reinen Aus-sich-selbst-sein.

Ich will den dritten Weg abschließend noch einmal in eine kurze und prägnante Form bringen. Die Prämissen lauten:

1. Was existiert, ist bedingt oder unbedingt (dies ist immer wahr) und

2. es ist etwas (sonst könnte im übrigen gar nicht 1. zugestimmt werden)

Schluß: Es existiert das Unbedingte.

Ein Problem, das leicht entsteht, wenn man erst einmal zum absoluten und, wie sich später zeigen wird (vgl. Kap 5), unendlichen und vollkommenen, Sein vorgedrungen ist, stellt sich in folgender Frage: "Wie ist es möglich, daß neben dem absoluten, vollkommenen und unendlichen Sein noch anderes Sein existiert? Ist durch dieses absolute Sein nicht bereits die gesamte Seinsfülle ausgeschöpft?" In die gleiche Richtung geht auch die verdrehte Behauptung: "Die Grenze des Unendlichen ist das Endliche." In Wahrheit ist es jedoch vielmehr andersherum: Das Endliche findet seine Grenze am Unendlichen. Es gilt hier sehr vorsichtig mit den Begriffen umzugehen, insbesondere mit dem der Unendlichkeit. Man darf sich nicht vom quantisierenden Denken der Naturwissenschaften so sehr beeindrucken und beeinflussen lassen, daß man meint, man könne es auf alles übertragen. Obwohl die Umgangssprache gleichwie die Mathematik oft den Begriff der Unendlichkeit benutzen, handelt es sich dort genau betrachtet um die sog. "schlechte Unendlichkeit". Unendlichkeit im wahren Sinne "entsteht" nämlich nicht durch die gedachte unendliche Addition endlicher Entitäten oder womöglich nur einen Grenzübergang gegen Unendlich. Das unendliche Sein ist nicht nur absolute Einheit, sondern auch ohne alle Begrenzungen und vor allem nicht in der Seinsebene des Denkens.

Thomas löst das Problem, daß neben Gott noch weiteres Sein existieren kann, indem er sich auf das platonische Teilhabe-Verhältnis bezieht. Sein im wirklichen Sinne kommt einzig und allein Gott zu. Damit ist tatsächlich alles Sein ausgeschöpft. Das Sein der Geschöpfe hingegen ist nicht dieses Sein durch Wesenheit (ens per essentiam), sondern nur ein Sein durch Teilhabe (ens per participationem). Das Geschaffene ahmt das Sein nur nach und erreicht es nie. Es "ist" nicht, sein Sein ist durch und durch unselbständig. Die Wesenheiten der Weltdinge haben ihr Dasein nicht unmittelbar im Gefolge, sie sind ständig abhängig von ihrem Erhalter. Bei den Geschöpfen fällt Wesenheit (essentia) und Dasein (esse) auseinander; zur Wesenheit als dem Ausdruck des Inhaltes eines Dinges muß das Dasein noch eigens hinzukommen.18) Bei Gott fällt es zusammen, er ist bloßes Sein, "esse tantum". Die subsistierenden Ideen Platons sind nebenbei bemerkt die ewigen Schöpfergedanken Gottes.

Es zeigt sich, daß der Satz "Es gibt nur Relatives." nicht nur falsch ist, sondern in gewisser Weise selbst eine absolute und wahre Aussage darstellen soll und sich selbst widerspricht. Mit dem Begriff der Wahrheit sind wir auch schon beim nächsten Kapitel, der Kritik am Weg aus den Seinsstufen.

4.4 Zum vierten Weg

Auch der vierte Weg, derjenige "ex gradibus perfectionum" blieb erwartungsgemäß nicht unkritisiert. Dabei spielte sehr oft ein Mißverständnis der (mittelalterlichen) Transzendentalien eine große Rolle. Sie dürfen keinesfalls mit dem Transzendentalbegriff Kants verwechselt werden.

Die Transzendentalien sind diejenigen notwendigen Bestimmungen des Seins, die unmittelelbar aus dem Wesen des Seins erkannt werden, die alle Einzelordnungen und Kategorien des Seins übersteigen (lat. transcendere) und somit uneingeschränkt allem Sein zukommen, ohne ihm jedoch etwas Neues hinzuzufügen. Die transzendentalen Begriffe, so Hans Meyer, "reichen in ihrer Geltung über die Weltdinge, denen sie entnommen sind, hinaus, umspannen den ganzen Seinskosmos, sie kommen Gott zuerst und in viel hervorragendem Maße als der Kreatur zu."19) Für Thomas sind dies Einheit, Wahrheit und Gutheit. In späteren Zeiten ging man dazu über, auch die Schönheit aufzunehmen. Es folgt das Wechselverhältnis, nach dem einem Seienden in dem Maße die genannten Bestimmungen zukommen, wie ihm Sein zukommt und andersherum. Als Beispiel sei der Mensch genannt, der in viel größerem Maße Einheit ist als etwa ein Stück Eisen. Sein Gut-sein und seine Teilhabe an der Wahrheit ist kraft seiner Geist-Seele ebenfalls deutlich ausgeprägter. Er hat demnach mehr Sein, eine größere Seinshöhe als das besagte Stück Eisen. Die Seinsfülle ist umso größer, je näher das Sein am Ursprung, sprich Gott ist.

Ein Einwand gegen die Argumentation von Thomas lautet, das Optimum existiert nur in der Vorstellung oder als mathematischer Grenzwert, nicht aber als reales Sein. Hier werden wieder einmal die verschiedenen Seinsmodi nicht ihrem Wesen gemäß auseinandergehalten. Die Einheit, Gutheit und Wahrheit des Seienden liegen in ihm selbst und nicht (nur) im erkennenden Subjekt.

Der Gedankengang noch einmal mit anderen Worten: Was dem Seienden nur mitgeteilt bzw. gegeben ist, was also nur Sein von anderem (ens ab alio) ist, muß eine Ursache in einem "Prinzip" haben, das dieses Sein wesensmäßig enthält. Es kann nur ein (letztes) Vollkommenheitsprinzip geben.

Aus dem Schlechten, Bösen oder Üblen kann jedoch nie auf ein höchst Böses oder ähnliches geschlossen werden, da das Böse - wie mehrfach erwähnt - nur Mangel am Guten, also dessen privatives Gegenteil ist. Von fehlendem Sein aus kann nichts in der oben genannten Weise gefolgert werden.

So wie im vorigen Kapitel das Sein nur durch Nachahmung und Teilhabe am göttlichen Sein erkannt wurde, so ist jedes Ding nur durch die Ähnlichkeit mit der göttlichen Güte gut, durch Ähnlichkeit mit der göttlichen Einheit eins etc. Gott ist absolute Einheit, ohne ontische Grenzen, Gipfel der Seinsverwirklichung, "qui est", Vollgehalt unendlichen Seins, jedoch nicht das abstrakte Sein, welches ohne Zufügung und Bestimmung nicht sein kann. Gott ist Inbegriff allen Seins, der Wahrheit sowie der Schönheit, er ist "prima veritas" d.h. erste Wahrheit.

In Gott gründen die obersten Seins- und Denkprinzipien. Er ist der Grund für die Übereinstimmung von Sein und Denken. Nur auf ihn bezogen macht es Sinn von Wahrheit als der Übereinstimmung von Sein und Denken sowie der gegenständlichen Logik zu sprechen. Nur durch die Einheit der menschlichen Person und dessen Geist kann der Mensch den Kosmos und Gott erkennen, denn Gleiches wird durch Gleiches erkannt.

Der Einwand, die Transzendentalien seien nur Axiome, der besonders gerne aus den Naturwissenschaften vorgetragen wird, führt nicht weiter. Es steht nämlich fest, "daß die Metaphysik des Seins allen realwissenschaftlichen Kenntnissen gegenüber a priori dasteht und zu Einsichten gelangt, die von den Einzelwissenschaften nicht umgestoßen werden können, vielmehr zur Vertiefung der Einzelwissenschaften herangezogen werden müssen."20) Das, was ist, ist "automatisch" damit ein Gut, nicht zu verwechseln mit dem moralischen gut. Es ist außerdem eins und nicht in der großen Kosmossuppe ununterscheidbar, sowie es auch nicht ein anderes ist. Außerdem ist es wahr, daß es ist. Es nimmt also auch an der Wahrheit, mindestens in dieser Hinsicht, teil.

Zu den Wertstufen und der (hierarchischen) Ordnung heißt es bei Thomas in seiner typischen Weise: "´Der Baumeister eines Hauses macht nicht alle Räume gleich wertvoll, sondern mehr oder weniger gut, je nach dem Erfordernis des Ganzen ... So hat auch Gott nicht alles gleich geschaffen; denn ein Universum, das nicht über viele Seinsstufen verfügt, wäre unvollkommen.´ (De an. 7)"21)

Wie nun die einzelnen Stufen und Ordnungen zusammenspielen und von Gott dirigiert werden, dazu mehr im nächsten Kapitel.

4.5 Zum fünften Weg

Der fünfte Weg (ex gubernatione) scheint, für sich genommen, der meisten Kritik ausgeliefert zu sein. Seine Gegner beziehen sich dabei oft auf die nicht zu leugnende Unordnung in der Welt, um nicht Kosmos sagen zu müssen. Kant kritisierte zum Beispiel, daß aus diesem Beweis nur ein sehr weiser, nicht ein allweiser Ordner und daß zudem nicht auf einen Weltschöpfer, sondern lediglich einen Weltbaumeister geschlossen werden könne.22) Daraus ergaben sich - weit vor Kant - nun mehrere Deutungsversuche. Die einen meinen, es gäbe letztlich gar keine Ordnung (lat. ordo), da sich ebensoviel Unordnung wie Ordnung finden ließe und alles demnach rein zufällig so zusammenkommt, wie wir es vorfinden. Andere sehen die Unordnung als Beweis für einen Dualismus, der als Zweiheitslehre alles auf Wesensgegensätze zurückführen will oder gar einen Manichäismus, der alles als einen Kampf zwischen gutem und bösem Urprinzip zu erklären sucht.

Zunächst zu denen, die Ordnung an sich abstreiten. Diese Sicht ist unhaltbar, da Erkenntnis immer Ordnung voraussetzt. "Es gibt keine Ordnung." ist ebenso wie "Es gibt keine sichere Erkenntnis." ein Widerspruch in sich, da die Sätze jeweils geordnet bzw. sicher sein sollen. Ordnungskritik setzt im übrigen immer die Ordnung des eigenen Körpers voraus.

Der Dualismus läßt sich wie der Manichäismus philosophisch nicht vertreten. Die Vielheit und Zweiheit sind niemals das Ursprüngliche, sondern auf eine Einheit zurückzuführen, die deren übersteigender Grund ist.23) Im übrigen ist das Böse selbst substanzlos und nur privatives Gegenteil des Guten.

Selbst wenn man aber zu früh stehen bleibt und auf ein übergeordnetes Gutes und ein übergeordnetes Böses schließt, so folgt immer noch, daß der Mensch nicht "ganz oben" steht und dementsprechend nicht handeln darf, wie es ihm gerade einfällt. Auch dann noch wäre der Mensch dem guten - sagen wir - Engel verpflichtet und nicht dem bösen, der ja Unordnung und fehlendes Gutes bewirkt.

Zurück zur Ordnung. Eine große Gefahr besteht darin, den gesamten Kosmos ausschließlich aus Sicht des Menschen zu betrachten, ihn dabei in den Mittelpunkt zu stellen, also anthropozentrisch zu denken. Der Mensch ist nicht alles. Er muß um Erkenntnis zu erwerben von sich selbst absehen, eine Distanz zu sich und zum Erkenntnisobjekt gewinnen, was den Tieren nebenbei bemerkt nicht möglich ist. So ist der Großteil der "Katastrophen", die selbst ordnungsgemäß ablaufen(!), in Wirklichkeit nicht eine Unordnung, sondern vielmehr eine Umordnung, die in einen Zustand größerer Ordnung führt. Ordnung ist nämlich nicht zu verwechseln mit Statik. Es gibt, das nutzen die Naturwissenschaften täglich, eben auch dynamische Gleichgewichte. Die Griechen haben deshalb zu Recht das heute so bezeichnete Weltall "Kosmos", (schöne) Ordnung genannt.

Das Universum setzt sich aus allen Geschöpfen zusammen, wie sich das Ganze aus den Teilen zusammensetzt. Die einzelnen Teile sind nicht nur um ihrer selbst oder ihrer eigenen Tätigkeit willen, sondern um der höheren Teile wegen vorhanden. Alles ist letztlich auf die Vollkommenheit des Ganzes hingeordnet und für diese im Sein. Schlußendlich dient alles der Verherrlichung Gottes.24)

Nichtsdestotrotz kann der Mensch in die Naturordnung und Naturteleologie eingreifen und diese stören, mitunter vernichten, in Grenzen wohlgemerkt. Dies sowie das Vorhandensein von nicht (direkt) menschlich bewirkter Unordnung, wird aber erst vor dem Hintergrund der Ordnung erkennbar, die Unordnung ist letztlich Randerscheinung. Die Unordnung konstituiert sich sozusagen erst aus der Ordnung. Fehler und Abweichungen gibt es nur, wenn es Ziele gibt.

Die teleologische Erklärung widerspricht zudem nicht empirisch-mechanisch-materialistischen Erklärungen.25) Letztere sind zwar in der heutigen Zeit sehr populär, aber genaugenommen betrachteten sie nur die "Wie?"-Fragen, das "Warum?" sowie die Erstursachen werden ausklammert, weshalb diese Erklärung schultechnisch ausgedrückt ungenügend sind. Erst im Licht der Teleologie und der Metaphysik kommen sie in den Bereich der echten Erkenntnis. Im Bild gesprochen kann man sagen, daß die teleologischen Ursachen die anderen Ursachen sozusagen zu sich locken.

Zu Recht weist Anthony Kenny jedoch auf den folgenden "qaulifier shift"26) hin: Aus "Alles unbewußte, untergeistige Sein wird von einem Intellekt geleitet" folgt nicht "Ein Intellekt leitet alles unbewußte, untergeistige Sein". Daß Gott trotzdem derjenige ist, der mittel- oder unmittelbar alles leitet, ergibt sich aber aus der Gesamtheit der Gottesbeweise. Er ist, wie die Bibel sagen würde, Alpha und Omega, d.h. Anfang/Ursache und Ziel allen Seins.

Interessant sind auch die Erkenntnisse aus den Naturwissenschaften, daß die Entropie, ein Maß für die Unordnung, nach den Sätzen der Thermodynamik in einem abgeschlossenen System mit vorhandenen irreversiblen Prozessen letztlich ständig zunimmt und daß Information nie von selbst entsteht oder zunimmt. Dies spricht nicht nur gegen den Evolutionismus, sondern hat auch zum sog. Entropiebeweis geführt, der auf den zeitlichen Anfang der Welt und die Existenz Gottes zurückschließt.

5. Zusammenfassung und Bewertung

Bei der Prüfung der "Fünf Wege zu Gott" hat sich gezeigt, daß die Gottesbeweise des Thomas von Aquin wesentlich tiefer und schwieriger sind, als sie auf den ersten Blick wirken. Sie setzen eine Reihe von Vor(er)kenntnissen voraus, da sie, wie in Kapitel zwei vorweggenommen, der Gipfel des philosophischen Forschens sind und vor diesem steht bekanntlich ein in der Regel nicht müheloser Aufstieg.

Der Vorwurf, Thomas würde als Christ das beweisen, was er als Glaubenswahrheit in die Prämissen investiert, hat sich als völlig unhaltbar erwiesen. Zwar kennt er als offenbarungsgeleiteter Mensch schon das Ziel der Beweise, aber er muß wie jeder Philosoph "ganz vorne anfangen" und schlüssig begründen. Der Schüler, dem der Mathematiklehrer als Tip bereits c2 verraten hat, muß genauso wie alle anderen durch Umformungen, Winkelsätze usw. zeigen, daß a2 + b2 = c2 ergibt und nicht etwa 2c oder sonst etwas. Auf manche Aussagen (über Gott) mag man von alleine nie kommen, aber eine nachträgliche Beweisführung wird dadurch nicht weniger wahr. Allgemein gehört es aber zum Wesen der Wissenschaften, Probleme und Lösungsangebote von allen Seiten aufzugreifen und einer kritischen Wahrheitsbeleuchtung zu unterwerfen. Genau das tut die Philosophie des Aquinaten in besonderem Maße, wobei es Thomas um die Harmonie von Wissen und Glauben, die Einheitlichkeit von Welt- und Lebensauffassung geht.

Die irrigen Annahmen über das Weltall, die Himmelskörper sowie verschiedene physikalische Kuriositäten, die mit den modernen Naturwissenschaften widerlegt sind, sprechen, was die Gottesbeweise angeht, nicht gegen die viel grundsätzlicheren philosophischen Argumentationen des Aquinaten. Diese gehen von immer(noch) gültigen Voraussetzungen aus und können grundsätzlich nur durch stichhaltige philosophische Gegenargumente angegriffen werden.

Da Gott, wie bereits gesagt, nicht quantisierbar ist, ist er nicht Thema der Naturwissenschaften und kann von ihnen auch nicht bewiesen, erst recht nicht als nicht existent gezeigt werden. Empirismus und Materialismus, sture Diesseitigkeit und Positivismus sowie Subjektivismus, oft in versteckten Formen, sind häufig und meist ungewußt die Wurzeln der modernen Kritik. Häufig findet sich keine Offenheit für Gottesbeweise, da man ahnt, daß diese Erkenntnis das gesamte Weltbild, ja das ganze Leben ändern würde und man plötzlich einer übergeordneten Instanz gegenüber Rechschaft ablegen muß, wobei die meisten merken, daß sie Gottes Ansprüchen aus eigener Kraft nicht genügen könnten.

Die Gottesbeweise dienen aber nicht nur der Selbstversicherung der Gläubigen, sie können, wenn auch eher selten, Nicht-Gläubige zu Gott bringen, wie der Autor aus eigener Erfahrung zu berichten weiß.

Weil jede Daß-Erkenntnis immer auch eine Was-Erkenntnis enthält, und sei sie auch noch so bescheiden, ist eine rein negative Theologie ausgeschlossen. Bisher steht von Gott folgendes fest: Er ist unbewegter Beweger, erste Wirkursache, notwendiges, absolutes Sein, höchstes, wahrstes Sein, mit Vernunft und Willen. Ebenso hat der Gott der Bibel viele Namen, weil er eben so unermeßlich ist, daß wir ihn nicht und nie ganz oder auf einmal erkennen können. Wir bedürfen der Vielzahl von Begriffen und Beweisen, obwohl Gott wesensmäßig Einheit ist.

Daß das Ende der fünf Beweisketten wirklich der persönliche Gott der Bibel ist und nicht ein blindes Prinzip, wurde bisher nur teilweise gezeigt. Es sei aber darauf verwiesen, daß Thomas sowohl in der Summe der Theologie als auch in der gegen die Heiden genau dies ausführlich philosophisch begründet. Die Gotteslehre wird im Anschluß an die Gottesbeweise überwiegend im analytisch-deduktiven Verfahren entwickelt. Besonderer Wert wird zudem auf den Weg des Heraushebens und der Verneinung gelegt: Je mehr Negationen feststehen, desto mehr verliert unsere Erkenntnis an Dunkelheit.

Um die Argumentationen anzudeuten, hier eine extrem geraffte Darstellung über den Gang der "Wesenserkenntnis" Gottes:27)

Aus der Unbeweglichkeit und Unveränderlichkeit folgt Gottes Ewigkeit. Weil Gott erste Ursache und notwendig ist, was alles Nichtseinkönnen ausschließt, ist er frei von jeder (passiven) Potenz, also reiner Akt, "actus purus". Damit ist er frei von jeder Zusammensetzung, ohne Materie und auch gleich seiner Wesenheit. Da Gott mit seinem Sein zusammenfällt, das erste Seiende, die oberste Ursache und reiner Akt ist, bleibt ihm jeder Mangel fern, er ist also vollkommen. Mit der Vollkommenheit folgt auch die All-Güte, die Einheit, die Allmacht und die Allwissenheit sowie die Tatsache, daß Gott schlechthin unendlich ist. Das Erkennen und Lenken aller Dinge setzt einen Willen voraus, und da dieser in absoluter und vollkommener Weise wirkt, folgt ebenfalls Gottes unendliche Liebe. Die vollkommene, intelligente Ursache allen Lebens und aller Personen ist nicht nur das Leben selbst, sondern auch Person. In seiner höchsten Vollendung ist Gott zudem nicht nur glücklich, sondern das Glück selbst, wie Thomas es als den Höhepunkt der natürlichen Theologie erweist.

Es ist für Christen geradezu Pflicht, die atheistischen Argumentationen zu enttarnen und entwaffnen. Dafür muß man sich aber auch mit Philosophie beschäftigen, ohne dabei der Gefahr des Rationalismus zu erliegen und kann sich nicht ausschließlich auf den Glauben zurückziehen. Die Gnade hebt die Natur (wie etwa das Erkenntnisvermögen) nicht auf, sondern vollendet sie, setzt sie also voraus. In anderen Worten: Der Glaube spricht den ganzen Menschen an, also auch dessen Erkenntnisvermögen.

Da bei Gott Washeit und Substanz zusammenfallen, hat er demzufolge genaugenommen keine Eigenschaften, sie werden ihm lediglich aufgrund der Ähnlichkeit der Wirkungen zugeschrieben. Die analoge Gotteserkenntnis gründet im Kausalverhältnis. Es muß mit der Proportionalität und nicht etwa der Proportion gearbeitet werden, da letztere nicht auf Gottes Unendlichkeit anwendbar ist. Da jedes Wirkende ein Ähnliches hervorbringt, ist jedoch nichts Gott absolut unähnlich oder positiv ausgedrückt alles ein Abglanz Gottes, in verschiedenen Hinsichten und Graden selbstverständlich.

Die Wege zu Gott haben sich zusammenfassend als stichhaltig erwiesen und führen zur später sog. "freien Gewißheit". Sie gehören, wie mehrfach erwähnt, zusammen, auch wenn der Kontingenzbeweis als der prägnanteste wahrscheinlich die größte Wirkung und Aufmerksamkeit erzielt hat.

Daß sich die gesamte Betrachtung gelohnt hat, auch wenn sie noch Fragen offen läßt, dazu abschließend noch einmal der Philosoph Thomas selbst: "Es kann sehr wohl etwas seiner Natur nach größere Gewißheit haben, uns aber weniger gewiß erscheinen, wegen der Unzulänglichkeit unseres Geistes, der sich nach Aristoteles zu jenen Gegenständen, die ´von Natur und an sich unter allen die lichtvollsten sind, verhält wie das Auge der Fledermaus zur Mittagssonne´. Etwaige [Glaubens]zweifel kommen also nicht von der Unsicherheit des Gegenstandes, sondern von der Unzulänglichkeit des menschlichen Geistes. Gleichwohl ist, wieder nach Aristoteles, die geringste Erkenntnis, die wir von diesen höchsten Wahrheiten erreichen können, wertvoller und unsere Sehnsucht würdiger als die sicherste Erkenntnis der geringfügigen irdischen Dinge."28)

6. Anmerkungen und Literaturverzeichnis

Anmerkungen:

1) vgl. Brugger, Walter: Philosophisches Wörterbuch, 21. Auflage, Freiburg 1992; S. 45 f.

2) siehe Thomas von Aquin: Summe gegen die Heiden, hrsg. u. übers. von Karl Albert u. Paulus Engelhardt, Darmstadt 1974; Kap I,14

3) Thomas von Aquin: Summe der Theologie, deutsch-lateinische Ausgabe, hrsg. vom kath. Akademikerverband, Salzburg; S. 33

4) ebd. S. 37

5) ebd. S. 37

6) Die Heilige Schrift, revidierte Elberfelder Fassung, dritte Sonderauflage, Wuppertal 1992

7) vgl. Kenny, Anthony: The Five Ways - St. Thomas Aquinas´ Proofs of God´s Existence, London 1972; S. 35 ff.

8) Thomas von Aquin: Summe der Theologie; S. 43

9) ebd. S. 45

10) ebd. S. 46

11) ebd. S. 46

12) vgl. Brugger, Walter: Philosophisches Wörterbuch, 21. Auflage, Freiburg 1992; S.201 f.

13) Thomas von Aquin: Summe der Theologie; S. 48

14) ebd. S. 48

15) Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift - ökumenischer Text, Stuttgart 1980; Mt 6, 26

16) Cramer, Wolfgang: Gottesbeweise und ihre Kritik - Prüfung ihrer Beweiskraft, Frankfurt am Main 1967

17) vgl. Kenny, Anthony: The Five Ways - St. Thomas Aquinas´ Proofs of God´s Existence, London 1972; S. 37 ff.

18) vgl. Thomas von Aquin: "De ente et essentia"

19) Meyer, Hans: Thomas von Aquin - Sein System und seine geistesgeschichtliche Stellung, Bonn 1938; S. 265

20) ebd. S. 588

21) Hirschberger, Johannes: Geschichte

der Philosophie, Sonderausgabe der 13. Auflage 1991; S. 488

22) vgl. ebd. S. 320

23) vgl. Brugger, Walter: Philosophisches Wörterbuch, 21. Auflage, Freiburg 1992; S. 71 f.

24) vgl. Grabmann, Martin: Thomas von Aquin - Persönlichkeit und Gedankenwelt, Achte Auflage, München 1949; S. 119 f.

25) Löw, Reinhard: Die neuen Gottesbeweise, Augsburg, 1994; S. 33 f.

26) Kenny, Anthony: The Five Ways - St. Thomas Aquinas´ Proofs of God´s Existence, London 1972; S. 97

27) vgl. Meyer, Hans: Thomas von Aquin - Sein System und seine geistesgeschichtliche Stellung, Bonn 1938; S. 268 ff.

28) Thomas von Aquin: Summe der Theologie; S. 15. Die Klammer wurde von mir eingefügt.

Bibliographie:

Aristoteles´ Metaphysik, griechisch-deutsch, Band 1,hrsg. von Horst Seidl, dritte verb. Auflage, Hamburg 1989

Aristoteles´ Metaphysik, griechisch-deutsch, Band 2,hrsg. von Horst Seidl, dritte verb. Auflage, Hamburg 1991

Aristoteles´ Physik, griechisch-deutsch, Band 1, hrsg. von Hans Günter Zekl, dritte verb. Auflage, Hamburg 1987

Aristoteles´ Physik, griechisch-deutsch, Band 2, hrsg. von Hans Günter Zekl, dritte verb. Auflage, Hamburg 1988

Augustinus, Aurelius: Der freie Wille, übersetzt von Carl Johann Perl, Vierte Auflage, unveränderter Nachdruck, Paderborn 1986

Brugger, Walter: Philosophisches Wörterbuch, 21. Auflage, Freiburg 1992

Cramer, Wolfgang: Gottesbeweise und ihre Kritik - Prüfung ihrer Beweiskraft, Frankfurt am Main 1967

Die Heilige Schrift, revidierte Elberfelder Fassung, dritte Sonderauflage, Wuppertal 1992

dtv-Brockhaus-Lexikon in 20 Bänden, München 1989

Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift - ökumenischer Text, Stuttgart 1980

Grabmann, Martin: Thomas von Aquin - Persönlichkeit und Gedankenwelt, Achte Auflage, München 1949

Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Sonderausgabe der 13. Auflage, Freiburg 1991

Kant, Immanuel: Kritik der reinen Vernunft, Hrsg. W. Weischedel, Darmstadt 1963

Kantische und scholastische Einschätzung der natürlichen Gotteserkenntnis, I. Band, 5. Heft in: Philosophie und Grenzwissenschaften - Schriftenreihe hrsg. von Innsbrucker Institut für scholastische Philosophie, Innsbruck 1925

Kenny, Anthony: The Five Ways - St. Thomas Aquinas´ Proofs of God´s Existence, London 1972

Löw, Reinhard: Die neuen Gottesbeweise, Augsburg 1994

Meyer, Hans: Thomas von Aquin - Sein System und seine geistesgeschichtliche Stellung, Bonn 1938

Rahner, Karl und Vorggrimler, Herbert: Kleines theologisches Wörterbuch, Vierte Auflage, Freiburg 1964

Rang, Martin: Der Christusglaube - Quellenbuch zur Kirchengeschichte und Glaubenslehre, Achte Auflage, Göttingen 1966

Reallexikon für Antike und Christentum, hrsg. u.a von Theodor Klauser, Band XI, Stuttgart 1981

Seidl, Hans (Hrsg. und Übersetzer): Die Gottesbeweise in der "Summe gegen die Heiden" und der "Summe der Theologie", Zweite Auflage, Hamburg 1986

Thomas von Aquin: Fünf Fragen über die intellektuelle Erkenntnis, übers. u. erkl. von Eugen Rolfes, Hamburg 1986

Thomas von Aquin: Summe der Theologie, deutsch-lateinische Ausgabe, hrsg. vom kath. Akademikerverband, Salzburg 1934

Thomas von Aquin: Summe gegen die Heiden, hrsg. u. übers. von Karl Albert u. Paulus Engelhardt, Darmstadt 1974

Thomas von Aquino: Summe der Theologie, hrsg. von Joseph Bernhart, dritte durchgesehene und verbesserte Auflage, Stuttgart 1985


Kommentare

Anne Schwarz
13.09.2000 22:51:39
Habe Ihre Hausarbeit doch gefunden. Sorry!
Marika Froemal
16.10.2000 18:58:07
Im Gleichschritt mit der Wissenschafft Die Wissen schafft mit Riesenkraft der Ratio neuen Lebenssaft verschafft und hingerafft ist unser Glauben generell wie kriminell!
Eraßme, Rolf
06.02.2003 09:04:55
Die von Achim Buhl geäußerte Kritik ist völlig unberechtigt. Die Variable a bezeichnet stets eine Größe. Wenn ihr ein Allquantor (umgedrehtes A) vorausgestellt ist, bedeutet dies: für alle a gilt ... Bespiel: (Allquantor) a: wenn a durch 2 teilbar ist, dann ist a auch durch vier teilbar. Wenn vor der Variablen ein Existenzquantor (umgedrehtes E) steht, bedeutet dies, dass (mindestens) ein a existiert, so dass der darauf folgende Ausdruck wahr ist. Beispiel: (Existenzquantor) a: a ist eine ganze Zahl UND a ist durch 2, durch 3 und durch 4 ohne Rest teilbar. Dies ist z.B. für a=24 wahr. All das kann außer in jedem Logikbuch auch (wie in der Arbeit angegeben) nachgelesen werden, z.B. bei: Kenny, Anthony: The Five Ways - St. Thomas Aquinas´ Proofs of God´s Existence, London 1972; S. 35 ff. Der formalisierte Beweis für die Existenz Gottes ist also korrekt! Dass Thomas mit dem "Philosophen" und dem "Weisen" häufig Aristoteles meint ist dem Autor natürlich bewußt und wird nirgendwo in der Arbeit bestritten. Der Begriff "Aquinat" ist eine nicht unübliche Bezeichung für Thomas von Aquin. Wer sich über den Begriff aufregt, zeigt dass er kein Experte ist und durch solche Manöver von sachlicher Unkenntnis ablenken will. MfG Rolf
Jule
05.12.2001 19:23:34
Eine wirklich gelungene Arbeit die, trotz der Abgehobenheit des Themas, gut verstänlich und nachvollziehbar ist. Ein dickes Dankeschön das war meine Rettung! :)
l4m3r
07.03.2002 15:18:12
Huch??? Wo bin ich denn jetzt *fg*
Achim Buhl
30.08.2002 22:38:51
Schon in der Einleitung finden sich Fehler, der Ansatz der logischen Formalisierung in Kapitel 3 "Die einzelnen Beweise" weist in dem Abschnitt "Es folgt aus all dem..." einen eklatanten Fehler auf: genau eine Entität a ist nicht $a sondern $a1; demnach die Schlußfolgerung: $a1 "b -(a1Vb). Der Grund ist einfach: a waren zuvor alle Dinge; in der Schlußfolgerung ist es nur noch EIN Ding - Gott. Nebenbei bemerkt: all das stünde in einigen Werken, die in der Literaturliste angegeben sind - namentlich Seidl - expressis verbis da. Man hätte es halt lesen sollen. Dann wüsste man auch, dass in Thomas Schriften mit dem "Weisen" immer Aristoteles gemeint ist. Und woher stammt das Wort "der Aquinat"?
Peter der grene logik beherrschen würde
09.08.2004 08:02:41
ich versteh nicht worüber ihr euch unterhaltet. danke für die arbeit trotzdem
Helmut Hansen
03.07.2007 05:20:29
Ich teile die Auffassung des Autors, dass sich die thomistischen Gottesbeweise argumentativ auf einer viel grundlegenderen Ebene bewegen, um sie von ontologisch nachgeordneten Ebenen aus sinnvoll kritisieren zu koennen. Den einzigen und zutreffenden Grund, warum man sie kritisieren koennte, ist der, den auch der Physiker Paul Davies in seinem Buch "Der Plan Gottes" vorgebracht: Sie sind nicht ueberzeugend, weil sie allesamt induktiver Natur sind. Dadurch sind sie weniger ueberzeugend als eine deduktive Beweisform, wofuer es bis heute freilich kein Beispiel gibt, weil noch niemand hat angeben koennen, welche empirische Folgen Transzendenz hat.
Achim Buhl
25.12.2007 10:53:07
Ich habe nie behauptet ein Th. v. Aquin Experte zu sein. Will ich auch nicht. Ich finde nur, daß es sich komisch anhört. Und das Lob mit der Polemik darf ich direkt wieder zurück geben ;)
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