Kurze Bildbeschreibung:
Claude Monet malte 1880 das „Früchtestilleben“ in Öl auf Leinwand. Es hat die Maße 65 x 80 cm und befindet sich in der Kunsthalle Hamburg. Man sieht auf einer hellblauen Decke, die wahrscheinlich über einen großen Tisch ausgebreitet ist, Früchte, die auf grünen sternförmigen ausgebreiteten, farnwedelartigen Blätter liegen. Auf den Blättern liegen grüngelbe Äpfel, goldfarbene Birnen und grüne und blaue Weintrauben dicht beisammen, leicht von der Bildmitte nach links verschoben. Am unteren rechtem Bildrand liegen zwei rote Äpfel mit ihrem blauen Schatten direkt auf der Decke. Der Hintergrund ist blau-rosé gehalten, jedoch nicht definierbar. Kurze Analyse:
Komposition: - Tisch nicht bildparallel, schräg zum Betrachter
Farbverwendung: - reine Farben, die nebeneinandergesetzt sich im Auge des Betrachters mischen
- kühles blau der Decke und des Hintergrunds
- Kalt-Warm-Kontrast (blau-rot), Komplementärkontrast (z.B. rot-grün)
- farbige Schatten
Körperhaftigkeit: - Plastizität wird durch Verdunklung vermieden
- Lichtquelle von rechts
- Farbmodulation, Glanzlichter und (Schlag-)Schatten
- keine Stofflichkeit
Räumlichkeit: - Kalt-Warm-Kontrast (rote Äpfel treten in Vordergrund)
- Überschneidungen
Materialverwendung: - Pinselduktus erkennbar
- pastoser Farbauftrag Wegbereiter der Modernen:
Bei den Wegbereitern der Moderne, Paul Cézanne und Vincent van Gogh, erlangen die Dinge eine neue Dimension. Eine meditative Versenkung in real existierende Dinge führt sie zur Umsetzung des Gesehenen.
Cézanne: Sucht nach der gültigen Form unter der Oberfläche: Die Form der verschiedenen Dinge reduziert er auf einfache Grundformen von Kugel, Kegel und Zylinder. Bildbeispiel: Paul Cézanne „Stilleben“, 1885 Kurze Bildbeschreibung:
Das Bild „Stilleben“ wurde 1885 von Paul Cézanne gemalt. Es ist Öl auf Leinwand und hat die Maße 71 x 90 cm. Zu sehen ist eine Anordnung aus gelb-roten Äpfeln, einer weißen Schale, einer grün-gelben Vase, einer weißen Zuckerdose und einem hellblauen Weinkrug, die sich auf einem hellbraunen Tisch, der eine Schublade hat, befinden. Die Schale, in der die Äpfel liegen, befindet sich in der Mitte des Tisches vor dem Weinkrug auf einem weißen Tuch. Das Tuch wird vom unteren Bildrand angeschnitten. Links vor dem Weinkrug steht die Zuckerdose und dahinter am hinteren Tischende die Vase. Im Hintergrund steht eine dunkelbraune absperrbare Kommode und am linken Bildrand sieht man die gelb-braune Tapete des Raumes. Kurze Analyse:
Komposition: - eingeleitet wird der Betrachter durch das vom Bildrand angeschnittene Tuch
Farbverwendung: - keine reinen Farbtöne
- aufgehellte Farbpalette
- Kalt-Warm-Kontrast (blau-rot). Komplementärkontrast (rot-grün) Farbansichkontrast, Hell-Dunkel-Kontrast
- leuchtende Farbigkeit (Tuch) Körperhaftigkeit: - Farbmodulation
- Schatten (z.B. Tisch)
- keine Stofflichkeit erkennbar Räumlichkeit: - Verzicht auf perspektivische Richtigkeit
Materialverwendung: - Farbauftrag pastos
- Pinselduktus erkennbar
Van Gogh: Ausdruck der Dinge und Symbolgehalt sind wichtig. Kennzeichen für ihn sind leuchtende Farben und ein bewegter Pinselduktus. (-> Rückgang von Räumlichkeit und von plastischer Modellierung)
Bildbeispiel: Vincent van Gogh, „Sonnenblumen“, 1888
(Sonnenblumen sind Symbol seiner Verehrung für die Farbe gelb und für die Sonne)
Expressionismus:
Allgemeine Merkmale:
- Farben: rein, leuchtend, kontrastreich, keine Lokalfarben
- Starke Vereinfachung:
-> Verzicht auf: - wirkliche Wiedergabe des Erscheinungsbilds
Bildbeispiel: Karl Schmidt-Rottluff „Stilleben mit weisser Vase“, 1921 Kurze Bildbeschreibung:
Das Bild „Stilleben mit weisser Vase“ wurde 1921 von Schmidt-Rottluff in Öl auf Leinwand gemalt und hat die Maße 95 x 87 cm. Man sieht zwei braunfarbene Bücher, eine weiße Vase mit grüner Pflanze, eine schwarz-braune Flasche, ein gelbes Kaktus ähnliches Gebilde und eine rote Schale, die einen Aschenbecher darstellen könnte. Die Gegenstände befinden sich auf einer hellblauen Tischdecke. Im linken senkrechten Bilddrittel liegen die zwei Bücher schräg übereinander und der Kaktus steht zwischen linkem und mittigem Bilddrittel versetzt vor ihnen. Der Hintergrund ist in diesem Bildteil in verschiedenen braun Tönen, im übrigen Bild in blau Tönen gehalten. In der Bildmitte steht die Vase mit der nicht identifizierbaren Pflanze. Vor ihr liegt am unteren Bildrand der Aschenbecher. Im rechten Bilddrittel steht die Flasche mit Korken. Kurze Analyse:
Komposition: - Bild in 3 Teile aufgeteilt
Farbverwendung: - reine Farben
Körperhaftigkeit: - kaum Modellierungen, Flächen (Vase, Kaktus, Schale)
Räumlichkeit: - Warm-Kalt-Kontrast (Kaktus und Schale treten in den Vordergrund)
- Überschneidungen Materialverwendung: - Farbauftrag lasierend -Pinselduktus erkennbar Kubismus:
Allgemeine Merkmale: Unterteilung in:
- Analythischer Kubismus (1909-1914): - Ausgangspunkt sind reale Gegenstände
- Synthetischer Kubismus (1914-1927): - Ausganspunkt sind abstrakte Formen
Zum Stillleben:
Das Stillleben ist das Hauptthema des Kubismus. Zum ersten Mal gelangen Materialien aus der Alltagswelt, wie z.B. Stoff, Papier, Zeichnungen in die Bilder. Man nennt diese Bilder Collagen. Somit wird das Bild selbst zum Objekt und stellt nicht nur Objekte dar. Bildbeispiel: Georges Braque „Violine und Krug“, 1910 Kurze Bildbeschreibung:
Das Stillleben „Violine und Krug“ malte Georges Braque 1910 in Öl auf Leinwand. Es hat die Maße 117 x 73,5 cm und befindet sich im Kunstmuseum von Basel. Auf dem hochformatigen Bild sieht man eine Violine in der unteren rechten Bildhälfte und links von der Bildmitte eine Vase. Beide Gegenstände und der Umraum sind in eckige Facetten zersplittert und in Grau- und Brauntönen gehalten. Das Bild wirkt zwei-dimensional , da kein Raum zu erkennen ist. Die Geige zeigt Simultanität, da sie von verschiedenen Seiten gemalt ist. Das einzigste illusionistisch gemalte Element ist Nagel, der sich in der Mitte des oberen Bildrandes befindet. Kurze Analyse:
Komposition: - Violine lenkt Augenmerk auf sich ->Miittelpunkt verschoben
Farbverwendung: - keine reinen Farben
- Grau- und Ockertöne mit schwarzen und weißen Konturlinien
- Hell-Dunkel-Kontrast (schwarz-weiß)
Körperhaftigkeit: keine, da Zersplitterung der Gegenstände
Räumlichkeit: nur angedeutet durch: - Kalt-Warm-Kontrast (Hintergrund grau- Violine braun)
Materialverwendung: - deckender, pastoser Farbauftrag
- Pinselduktus erkennbar Pittura Metafisica
Allgemeine Merkmale:
- einige Künstler entdeckten erneut den Gegenstand
- das Ding ist das wichtigste Darstellungsobjekt (fast immer nur Dinge dargestellt)
- extreme Licht- und Schattenseiten
- Perspektive willkürlich gewählt
- Stille ist Inhalt der Bilder
- Dinge haben eine „Seele“ (Dingmagie) -> Sie wollten dies durch Abbildung einer nicht sichtbaren Wirklichkeit zeigen Surrealismus
Stilleben ist kein Thema des Surrealismus.
Die Surrealisten wollten das Absichtsfreie Spiel der Gedanken ohne jede Vernunftkontrolle in ihren Bildern wiedergeben. Sie wollen die Bilder aus der Tiefe ihres Geistes an die Oberfläche holen und die Grenze zwischen Außen- und Innenwelt verwischen. Neue Sachlichkeit
Stilleben kein Thema der Neuen Sachlichkeit, sie beschäftigen sich mit sozialkritischen und gesellschaftsbezogenen Themen. Die Künstler zeigen in ihren Bildern die Spuren der Vergangenheit, z.B. Kriegsinvalide und wie schlecht der Mensch ist. Pop Art Allgemeine Merkmale:
- Künstler haben sich an die Realität der modernen Alltagswelt gewandt
- ihre Sujets beziehen sie aus den Medien, der Werbung und aus Comics
- wollen Konsumgesellschaft und den Starkult durch vielfache Wiederholungen von Gegenständen zeigen (lächerlich machen)
- punktartige Rasterung und zum Teil flächige Malweise ohne Handschriftlichkeit
- stark vereinfachte Formen die mit schwarzen Konturlinien umrahmt sind
- zweidimensionale Abbildungen Zum Stilleben:
Auch Stilleben können hier repräsentativ für Alltagsgegenstände als Motiv sein. Durch den homogenen und mit reduzierter Farbigkeit behandelten des Hintergrund heben sich die abgebildeten Gegenstände plakativ hervor. Die Künstler wollen nicht die Einzigartigkeit eines
Gegenstandes zeigen, sondern wollen eine verallgemeinerte Darstellung von Gegenständen erreichen.
Bildbeispiel: Roy Lichtenstein „Weintrauben“, 1972 Kurze Bildbeschreibung:
Das Bild „Weintrauben“ wurde 1972 in Öl und Magna auf Leinwand gemalt. Das querformatige Stillleben hat die Maße 50,8 x 55,9 cm. Zu sehen ist ein leicht schrägliegender Zweig voll grüner schwarz konturierten Weintrauben, der sich auf einer beigen Fläche befindet. Diese Fläche stellt wahrscheinlich einen Tisch dar. In einigen Weintrauben sind beige Kästchen gemalt, die Lichtreflexe darstellen sollen. In der Mitte des Bildes ist ein waagerechter schwarzer Strich gezogen, der die Abgrenzung des Tisches angibt. Über diesem Strich ist eine ebenfalls beige Fläche mit blauem Punkteraster versehen, die vermutlich eine Tapete ist. Kurze Analyse:
Komposition: - Weintraubenzweig in Bildzentrum
Farbverwendung: - getrübte Farben: grün, beige und blau (schwarz)
- keine Farbmodulationen, flächiger Farbauftrag
- Hell-Dunkel-Kontrast Körperhaftigkeit: - keine (viele Flächen)
Räumlichkeit: - zweidimensional
Materialverwendung: - Farbauftrag deckend
- keine Handschrift des Malers erkennbar (Siebdruck) Fotorealismus Allgemeine Merkmale:
- amerikanisch Erscheinung in der die Alltagswelt absolut real wiedergegeben wird
- Künstler zeichnen von Foto oder Dia ab
- Fotorealisten streben maltechnische Virtuosität an
- Anliegen der Fotorealisten: Die Wohlstandsträume der modernen Gesellschaft zu zeigen und sie in Frage zu stellen (ähnlich wie bei Pop Art) Bildbeispiel: Neuer Realismus Allgemeine Merkmale:
- Nachahmung von Elementen der sichtbaren Wirklichkeit,jedoch verfremdet man sie zugleich des Ausdruckswillen
- Kunstwerk i s t Realität („Ready-made“) Beispiel: Daniel Spoerri „Kichkas Frühstück“, 1960
Angeregt durch Marcel Duchamps „Ready-mades“ und dessen Einbeziehung des Zufalls lies er sich zu Stillleben aus Realgegenständen anregen.
„Kichkas Frühstück“ zeigt Restbestände einer Malzeit, die Spoerri auf eine Tischplatte festgeklebt hat und diese mit einem Stuhl senkrecht an die Wand gehängt hat, wodurch sie verfremdet wirken. Man nennt sie „Fallbilder“.
Arbeit zitieren:
Wiebke Wellein, 2000, Vom Realismus bis heute, kurze Zusammenfassung aller Stilrichtungen und jeweils eine kurze Bildanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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