Dennoch blieb der Sieg des Arminius nicht ohne Folgen. Die Römer unternahmen zwar unter dem Kommando des Germanicus noch drei Feldzüge (14-16 n. Chr.) in das rechtsrheinische Germanien, doch seid der Varusschlacht verblieb dieser Teil Germaniens endgültig außerhalb des römischen Machtbereichs.
I. Mögliche Ursachen für den Aufstand des Arminius
Der Niederlage vorausgegangen war eine Fehleinschätzung Roms, das Germanien den Status einer Provinz gab, obwohl es keine vergleichbare Strukturen in Bezug auf Verwaltung und Rechtswesen wie in Gallien gab. Weiterhin war die Kontrolle des Landes keinesfalls gesichert, da das Gebiet nur sporadisch von Truppen besetzt wurde. So schreibt Dio: ,, Die Römer hatten gewisse Teile davon in Besitz, nicht zusammenhängende Gebiete, sondern nur solche Bezirke, wie sie gerade unterworfen worden waren, (...)." 3 In der Literatur finden sich drei möglichen Ursachen, warum es in Germanien zu diesem verheerenden Aufstand kommen konnte 4 .
1. Die erste mögliche und wahrscheinlichste Ursache ergibt sich aus den ältesten Quellen von
Cassius Dio 5 , Vellius Paterculus 6 und Lucius Annaeus Florus 7 . Wenn sich der Ablauf des Geschehens bei den Autoren auch unterscheidet, so haben doch alle die selbe Ausgangslage beschrieben. Sie werfen Varus vor, daß er bei der Romanisierung des neu erworbenen Gebietes viel zu unüberlegt und zu forsch vorgegangen sei. So heißt es bei Cassius Dio: ,, (...), da drängte er darauf, die Menschen rascher umzustellen, und erteilte ihnen nicht nur Befehle, als wenn sie tatsächlich römische Sklaven wären, sondern trieb sogar von ihnen wie von Unterworfenen Steuern ein." 8 Florus macht ihm Vorwürfe, diese besondere Situation in Germanien nicht erkannt zu haben: ,, Sed difficilius est provincias optinere quam facere; viribus parantur, iure retinentur. (...). quippe Germani victi magis quam domiti erant moresque nostros magis quam arma sub imperatore Druso suspiciebant; postquam ille defunctus est, Vari Quintili libidinem ac superbiam haut secus quam saevitiam odisse coeperunt." 9 Ob Varus allerdings wirklich ein so strenger Statthalter war, wie Florus ihm das vorwirft, ist umstritten, da Florus der einzige antike Autor ist, der dies behauptet. Besonders aber wird Varus von Vellius Paterculus, dem einzigen Zeitzeugen, angegriffen. Vellius sagt nämlich, das er als Statthalter für Germanien überhaupt nicht geeignet war, weder in politischer, noch in militärischer Hinsicht. Er beschreibt ihn als einen Mann, der dem Geld sehr angetan, und eher für das Forum in Rom geschaffen war als für das Lagerleben eines Feldherrn in Germanien. In seinem Buch heißt es: ,, Varus Quintilius inlustri magis quam
nobili ortus familia, vir ingenio mitis, moribus quietus et corpore et animo immobilior, otio magis castorum quam bellicae adsuetus militae, pecuniae vero quam non contemptor, (...); is cum exercitui, qui erat in Germania praeesset, (...) [homines] quique gladiis domnari non poterant, posse iure mulceri." 10 All diese Vorwürfe können aber wohl dadurch erklärt
werden, daß man in der römischen Geschichte einen einzelnen Sündenbock für diese Katastrophe brauchte, da es unwahrscheinlich ist, daß Augustus einen unerfahrenen Statthalter nach Germanien geschickt hätte. Denn Varus kam aus Syrien, und mußte dort sogar militärisch eingreifen, was er auch mit Erfolg tat. 11 Trotzdem geschah es wohl, das unter den germanischen Fürsten Unzufriedenheit und Unruhe ausbrach, da sie ihre Lebensweise, und durch die versuchte Einführung der römischen Rechtsprechung, ihre Machtstellung durch Varus gefährdet sahen.
2. Die zweite Möglichkeit resultiert aus dem Motiv, daß Arminus ein Königreich unter seiner
Führung anstrebte, wie nach dem Vorbild des Marbods. Dieses Ziel war nur zu erreichen, wenn er unangefochten der Führer in seinem Stamm war und sich der Loyalität der benachbarten Stämme versichern konnte. Das konnte er am besten durch einen überragenden militärischen Sieg schaffen, wo die Aussicht auf genug Beute vielversprechend war. 12 Denn nur wenn er sein Ansehen und seinen Einfluß bei den verbündeten Sippen steigern kann, hat er die Möglichkeit den Thron zu besteigen.
3. Die letzte Überlegung beinhaltet eine Meuterei der germanischen Hilfstruppen unter
Arminius Kommando, als er noch Offizier in der römischen Rheinarmee war. Weil es bei der Soldauszahlung zu Unregelmäßigkeiten kam, rebellierten die Germanen gegen ihre Dienstherren. Dieses Szenario ist dann allerdings eine Meuterei und muß deshalb als eine interne Angelegenheit des römischen Militärs angesehen werden, und nicht als Volksaufstand. 13 14 II. Der Weg in die Katastrophe
Sollte der Plan der Verschwörer gegen Rom erfolgreich sein, mußte Arminius die Antwort auf drei entscheidende Fragen finden. Nämlich Wann, Wo und Wie der Aufstand, der die vollständige Vernichtung der römischen Legionen in Germanien erreichen sollte, stattfinden soll? Denn anhand der zu treffenden Vorbereitungen und dem Ausmaß der Niederlage, kann man erkennen, daß diese Revolte von langer Hand geplant, und nicht das Ergebnis einer zufällig entstandenen Gelegenheit gewesen sein muß.
1. Die Frage ,,Wann ?"
Diese Frage läßt sich relativ schnell beantworten, wenn man sich die Situation in der römischen Provinz Illyrien anschaut. Dort brach im Jahre 6. n. Chr. ein sehr heftiger Aufstand los, der das römische Militär drei Jahre lang beschäftigen sollte, und den Römern einen hohen Blutzoll gekostet hatte. Die Lage war für Rom anfangs nicht ungefährlich, so daß Kaiser Augustus einen geplanten Feldzug gegen König Marbod in Böhmen verschieben mußte, und 150.000 Soldaten aus Germanien nach Illyrien verlegte. Das die Kontrolle Germaniens nicht gefestigt war, wurde bereits erwähnt, und ließ sich mit den zurückgelassenen Legionen zwar behaupten, aber nicht weiter ausbauen. Arminius sah 9 n. Chr. womöglich den letzten Zeitpunkt gekommen, da sich die Lage in den Krisengebieten für die Römer zu bessern schien. 15
2. Die Frage ,,Wo ?"
Diese Frage ist nicht leicht, da hier viele Faktoren zusammenfließen, wo man nicht mit Sicherheit sagen kann, das Arminius wirklich alle diese Punkte berücksichtigt hat. Zum Einen mußte der Ort so gewählt werden, das er in der Nähe der Marschroute des Varus lag, aber immer noch weit genug von den Lagern und Heerstraßen der Römer entfernt, so daß ein Rückzug oder Hilfe von außen, nachdem man die Legionen eingekesselt hatte, unmöglich war. Weiterhin mußte der Überfall noch innerhalb des Gebietes geschehen, das für die Römer als befreundet galt, und zudem für die Kriegstaktik der Römer vollkommen ungeeignet war. Besonders wichtig war, daß das Gelände für die römischen Späher nicht überschaubar sein durfte, denn Arminius mußte dort mindestens so viele Soldaten in den Hinterhalt legen können, wie Varus selbst zur Verfügung hatte, was immerhin die stattliche Anzahl von 18.000 bis 25.000 Mann gewesen sein muß.
3. Die Frage ,,Wie ?"
Auf die Frage nach der Vorgehensweise mußte Arminius eine Taktik anwenden, die man heute Guerilla- oder Partisanentaktik nennen würde. Er durfte eine offene Feldschlacht nicht riskieren, die ohne weiteres die Niederlage bedeutet hätte, denn die unkoordinierte Aufstellung der Germanen, mit ihren unzureichend gepanzerten Truppen, war der bestens organisierten römischen Schlachtordnung, mit ihren unterschiedlichen Heeresgruppen, wie Fußsoldaten, Bogenschützen und Reiterei, die zudem auch bestens ausgerüstet waren, hoffnungslos unterlegen. Von dieser Überlegung aus, einschließlich der Erfahrung, die er als
römischer Offizier gesammelt hatte, und der Gewißheit den Ort zu kennen, wo die Schlacht stattfinden wird, nämlich in einem für den Heerestroß des Varus schwer zu durchdringenden Wald, konnte er den Ablauf planen. 16 Hier galt die Kriegstaktik der Germanen, die mit ihrer
leichten Bewaffnung ohne große Probleme dort agieren konnten. Die auseinander gezogene Kolonne und der ungeeignete Weg würden dafür sorgen, daß es den Römern nicht möglich sein sollte, ihre gewohnte Marschordnung aufzunehmen, und sie so zunehmend verwundbarer machte, da sie auf dem engen Raum nicht ihre schwere Ausrüstung und ihre Reiterei nutzen konnten. Ein überfallartiger Angriff mußte sich also verheerend auswirken, wenn Arminius sich ausnahmslos die Vorteile des Geländes und die eines schnell beweglichen Heeres zu nutze machte. 17
III. Die Verwirklichung des Plans
,, Dort [im Cheruskerland] zeigten sie sich höchst friedlich und freundschaftlich und erweckten damit in ihm [Varus] den Glauben, sie könnten auch ohne die Anwesenheit von Soldaten ein unterwürfiges Leben führen" 18 Um das Vertrauen des Varus zu gewinnen, mußten die Verschwörer Arminius und Segimerus keine besondere List anwenden. Während der Sommerzeit im Jahre 9. n. Chr., als Varus mit der 17., 18. und 19. Legion im rechtsrheinischen Germanien lag, waren sie oft im Lager des römischen Statthalter zu Gast, baten ihn um Rat und Rechtsbeistand und lobten den positiven Einfluß des römischen Rechtssystem, welches ihr Leben friedsamer machte. So berichten Cassius Dio und Vellius Paterculus : ,, Hauptverschwörer und Anführer bei dem Anschlag wie bei dem Krieg waren neben anderen Arminius und Segimerus, Varus dauernde Begleiter und wiederholt auch Tischgenossen." 19 ,, (...), in summam socordiam perduxere Quintilium, usque eo, ut se praetorem urbanum in foro ius dicere, non in mediis Germaniae finibus exercitui praeesse crederet." 20 Dies, und die Tatsache, daß sich die Cherusker im Pannonisch-Dalmatischen Krieg als treue und zuverlässige Soldaten herausstellten, machte es für Varus um so schwieriger zu glauben, daß er sich in Gefahr befinden würde. Als Folge dieser Täuschung, ließ er sich sogar dazu überreden, Teile seiner Soldaten an schwache Gemeinden abzustellen, um diese besser schützen zu können. ,, Varus behielt daher seine Legionen, wie es in einem Feindesland richtig gewesen wäre, nicht beisammen, sondern verteilte viele seiner Soldaten an schwache Gemeinwesen, die ihn darum baten, (...), 21 was sich noch als ein schlimmer Fehler herausstellen sollte. Gravierend aber wirkte sich auch das Vertrauen aus, das Varus Arminius gegenüber hatte. Dadurch, das der Cheruskerfürst das römische Bürgerrecht hatte und Angehöriger des Ritterstandes war, war er für Varus über jeden Zweifel
erhaben. Nicht einmal der Verrat des Segestes, der Varus über die Absichten des Arminius informierte, konnte ihn überzeugen, irgendwelche Maßnahmen zu treffen. 22 ,, So fühlte sich der römische Feldherr sicher und rechnete mit nichts Schlimmen; all denen aber, welche die Vorgänge argwöhnisch verfolgten und ihn zur Vorsicht mahnten, schenkte er keinen Glauben, ja machte ihnen sogar noch Vorwürfe, als seien sie ohne Grund beunruhigt und wollten seine Freunde nur verleumden." 23 Nun konnte Arminius daran gehen den vermeintlichen Aufstand
und den Hinterhalt vorzubereiten.
Als Varus den Befehl gab, im September das Sommerlager abzubrechen um das Winterquartier zu beziehen, da spielte ihm Arminius eine fingierte Meldung zu. In dieser hieß es, das sich ein entfernter lebender Stamm in Aufruhr befinde. Dio sagt dazu :,, Dann kam es zu einer ersten Aufstandsbewegung, und zwar bei den Völkerschaften, die von ihm entfernt wohnten, ein wohl überlegter Plan." 24 Wer dieser Stamm war, ist nicht ganz geklärt, aber es wird vermutet, das es entweder die Chatten oder die Marsen gewesen sind. Varus entschloß sich dazu, die Aufständischen auf seinem Rückweg wieder zur Räson zu bringen. Damit war der Hinterhalt gelegt. ,, Varus sollte gegen diese Unruhestifter zu Felde ziehen und auf dem Marsch durch angeblich befreundetes Gebiet mit geringer Mühe überwältigt werden, anstatt daß er sich, wie bei einem allgemeinen, plötzlichen Ausbruch von Feindseligkeiten gegen ihn zu erwarten war, besonders in acht nahm." 25
IV. Der Anmarsch
,, Die Berge, ohne Ebenen, waren nämlich von Schluchten durchzogen, außerdem standen Baumriesen dicht nebeneinander, so daß die Römer bereits vor dem feindlichen Überfall mit dem Fällen der Bäume, der Anlage von Wegen und der Überbrückung von Geländeabschnitten, wo solches nötig war, Mühe genug hatten." 26 Wir können annehmen, daß Arminius als ehemaliger römischer Offizier und Angehöriger des Ritterstandes zu den Beratern des Varus gehört hatte, da er das Land und die Menschen kannte. 27 Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, daß es Arminius war, der die Marschroute in das Gebiet der Aufständischen ausgesucht und vorgeschlagen hatte.
Nachdem die Römer die gesicherte Heerstraße verlassen hatten, gaben Arminius und seine Verbündeten Varus noch eine Zeitlang das Geleit, wiegten ihn in Sicherheit, trennten sie sich dann von ihm mit der Begründung, das sie ihre Hilfstruppen sammeln müßten, um ihm dann zur Hilfe zu eilen. Die Boten, die nun das verabredete Zeichen für den Hinterhalt an die anderen Stämme überbrachten, bedeuteten gleichzeitig den Tod der kleineren Garnisonen, die
Varus vorher zurückgelassen hatte. ,, (...), nachdem man allerorts die dort befindlichen, zuvor erbetenen Garnisonen niedergemacht hatte." 28 Die Tatsache, daß die Cherusker eigentlich
Verbündete der Römer waren, sollte sich hier als besonders hilfreich herausstellen, denn auf die Art konnte Arminius Truppenverbände aufmarschieren lassen, ohne das die römischen Besatzungen, die immer noch im Land stationiert waren, Verdacht hegten. Denn ihnen wäre eine so große Ansammlung von bewaffneten Germanen sicher verdächtig vorgekommen. ,, : Zuerst gaben ihm die Verschworenen beim Ausmarsch das Geleite, dann beurlaubten sie sich, um angeblich die verbündeten Kontingente zu sammeln und ihm damit rasch zur Hilfe zu kommen, (...)." 29 Um zu verhindern, das den Römern Hilfe von außen zukommt, mußten die
Germanen so lange warten, bis das gesamte römische Heer in den Wald eingedrungen war. Dann erst konnte der Hinterhalt gelingen. Dies erreichte Arminius, indem er den Weg durch umgestürzte Bäume immer wieder blockieren ließ, dadurch wurde die Spitze aufgehalten, während das Ende der Kolonne aufrückte. Cassius Dio schreibt zwar, das die Baumwipfel durch den an diesem Tag herrschenden Sturm herabgerissen wurden, aber es ist doch eher anzunehmen, das diese absichtlich dort plaziert wurden, denn umgestürzte Bäume lösen bei einem professionellem Heer keine Unruhe aus, es sei denn, es fallen ungewöhnlich viele Bäume auf den Weg. ,, Bruch und Sturz der Baumwipfel sorgten für weitere Verwirrung." 30 Der einsetzende Sturm machte die Lage für die römischen Truppen noch unübersichtlicher, so das die Marschordnung noch weiter auseinander gezogen wurde und sämtlicher Überblick verloren ging. ,, Inzwischen kam auch starker Regen und Sturm auf, was die Marschierenden weiterhin von einander trennte, und der Boden, um die Wurzeln und Stämme her schlüpfrig geworden, machte jeden Schritt höchst unsicher." 31 Jetzt war für die Germanen der Zeitpunkt
gekommen anzugreifen.
V. Der Hinterhalt
1. Der erste Tag
,, (...), inclusus silvis, paladibus, insidiis ab eo hoste ad internecionem trucidatus est, quem ita semper more pecudum trucidaverat, ut vitam aut mortem eius nunc ira nunc venia temperaret." 32 Es waren drei Umstände, die einen Angriff gegen die Römer erfolgversprechend machten: Guerillataktik, Urwaldgelände und aufgeweichter Boden.
Die Taktik des Arminius sah wie folgt aus. Nachdem die Legionen im Wald eingeschlossen waren, schlugen die Germanen plötzlich aus dem Unterholz auftauchend zu. Sie griffen
erstmal nur aus einiger Entfernung mit Speeren an, und nur an Stellen, die entweder strategisch von Vorteil, oder wo man dem Gegner zahlenmäßig überlegen war. Als man sah, das der römische Widerstand sehr gering war, da keine feste Ordnung herrschte, und der Feind schon einige Verluste erlitten hatten, gingen Arminius Soldaten zum Nahkampf über. ,, (...), sie konnten sich auch nirgendwo leicht zu einer Gruppe zusammenschließen, und da sie überall den jeweiligen Angreifern zahlenmäßig unterlegen waren, hatten sie selbst schwer zu leiden, ohne etwas dagegen ausrichten zu können." 33 Die militärische Führung mußte mit der
Situation vollkommen überfordert gewesen sein. Da der schmale Waldweg überfüllt war mit Soldaten, Reitern, Wagen und Pferden, war ein Überbringen von Befehlen äußerst schwierig, eine Truppenverschiebung an besonders umkämpfte Stellen des Zuges gar unmöglich. Wichtig war erstmal eine Position zu finden, wo man sich verteidigen konnte, wo der hinderlich Troß nicht störte und die römischen Waffen zur Geltung kamen. Erst am Abend dieses ersten Tages konnte Varus die Lage etwas ordnen, als man einen Platz gefunden hatte, wo es den Römern möglich war, ein der Situation entsprechendes Lager aufzuschlagen. Um für den nächsten Tag besser vorbereitet zu sein, wurde dort der überflüssige Heerestroß verbrannt, damit ein schnelleres marschieren möglich werden sollte. Die Germanen unterließen es ihrerseits, daß Lager des Varus anzugreifen, da dies unnötige Verluste bedeutet hätte. Arminius wußte ja, das Varus irgend wann wieder in den Wald zurück mußte, wollte er die rettende Heerstraße erreichen.
2. Der zweite Tag
Anderntags ging der Marsch geordneter weiter, nicht jedoch ohne Verluste. Die Römer gelangten sogar auf freies Gelände, das es ihnen ermöglichte ihre gewohnte Schlachtordnung auszubauen. 34 Die Germanen aber gingen kein Risiko ein, und blieben in den Wäldern. Sie mußten wieder nur darauf warten, daß Varus unweigerlich in den Wald zurückkehrte, denn sein Ziel war immer noch die Heerstraße.
3. Der dritte Tag
An diesem Tag sollten die Legionen des Varus ihr Ende finden. Die Römer mußten von der Ebene in den Wald zurückkehren, und versuchten durch den gleichzeitigen Einsatz von Reiterei und Soldaten sich den Weg freizukämpfen. Doch die Germanen hatten das Glück auf ihrer Seite. Aufgrund des engen Raumes und des wieder einsetzenden Regens behinderten sich die beiden Heeresabteilungen mehr gegenseitig, als das sie erfolgreich gegen die feindlichen Heerscharen vorgingen. Hinzu kam, das durch den Regen die Ausrüstung der
Legionäre größtenteils unbrauchbar wurde. Dio beschreibt diese Szene wie folgt:,, Denn auf engen Raum zusammengepreßt, damit Schulter an Schulter Reiter und Fußvolk den Feinden entgegenstürmen können, stießen sie vielfach aufeinander oder gegen die Bäume.(...), und erneut überfielen sie heftiger Regen und starker Wind, die sie weder weitergehen noch festen Stand finden, ja nicht einmal mehr die Waffen gebrauchen ließen. Sie konnten sich nämlich nicht mehr mit Erfolg ihrer Bogen und Speere oder der ganz und gar durchnäßten Schilde bedienen." 35 Was aber bei den Römer ein Nachteil war, erwies sich für die Germanen als
Glück. Sie waren größtenteils nur leicht bewaffnet und trugen auch kaum Rüstung, so das sie sehr beweglich waren. Während unter den römischen Soldaten die Verluste drastisch anstiegen, kamen auf germanischer Seite immer mehr Kämpfer zum Einsatz, die von der Vorstellung Beute zu machen, zum Schlachtfeld zogen. ,, Die Feinde hingegen, größtenteils nur leicht gerüstet und imstande, ungefährdet anzugreifen und sich zurückzuziehen, hatten weniger unter den Unbilden zu leiden. Außerdem hatte sich ihre Zahl stark vermehrt, da viele von den anderen, welche zunächst nur abgewartet hatten, sich ihnen jetzt -vor allem in Hoffnung auf Beute - anschlossen." 36 Als Varus einsah, das sie diese Schlacht nicht überleben werden, wählten er und seine Offiziere, wie auch schon sein Vater und Großvater vor ihm, den Freitod, um einer Gefangenschaft und somit einem möglichen Opfertod zu entgehen. ,, Duci plus ad moriendum quam ad pugnandum animi fuit: quippe avitique successor exempli se ipse transfixit." 37 Als die noch lebenden Soldaten sahen, daß ihr Feldherr tot war, erlosch bei ihnen der Kampfgeist, und sie ließen sich von den Germanen erschlagen oder begingen Selbstmord. ,, Als sich die Kunde davon verbreitete, leistete vom Rest der Leute , selbst wenn er noch bei Kräften war, auch nicht mehr Widerstand, vielmehr ahmten die einen das Beispiel ihres Feldherren nach, während die anderen selbst ihre Waffen wegwarfen und sich vom nächstbesten, der da wollte, niedermachen ließen; denn Flucht war unmöglich, wie sehr sie einer auch ergreifen wollte."
38
Literaturverzeichnis
· Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft Bd 2,1; Arminius, 1190-
1200
· Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft Bd 49,1; Quintilius Varus, 907-984
· Werner Völker; Als die Römer frech geworden...; Verlag Klaus Wagenbach; Berlin 1984
· Werner Böcking; Die Römer am Niederrhein und in Norddeutschland; Societäts-Verlag; Frankfurt / Main 1974
· Arminius und die Varusschlacht: Geschichte - Mythos - Literatur; hsg. von Rainer Wiegels und Winfried Woesler; Padderborn, München, Wien, Zürich; Schöningh, 1995
· Wilhelm Leise; Wo Arminius die Römer schlug; Aschendorff; Münster; 1987
· Werner Hilgers; Deutsche Geschichte/Ereignisse und Probleme - Deutsche Frühzeit/Geschichte des römischen Germanien; hsg. von Walter Hubatsch; Ullstein Verlag;
1976
· Walter Böckmann; Als die Adler sanken; Gustav Lübbe Verlag; Bergisch Gladbach 1984
· Herwig Wolfram; Die Germanen; Verlag C. H. Beck, 3. Auflage, München 1997
1 Vell. II 118,2
2 Tac. ann. II 88
3 Cass. Dio 56 18,1
4 Werner Hilgers, Deutsche Geschichte, Geschichte des römischen Germanien, S. 41, HG
Walther Hubatsch, Frankfurt/M-Berlin-Wien 1976
5 Cass. Dio 56 18-23
6 Vell. II 117 ff
7 Florus II 30, 29 ff
8 Cass. Dio 56 18,3
9 Florus II 30, 29 ff
10 Vell. II 117,2 f
11 Werner Völker, Als die Römer frech geworden..., S. 114, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin
1984
12 Werner Hilgers, Deutsche Geschichte, Geschichte des römischen Germanien, S. 41, HG
Walther Hubatsch, Frankfurt/M-Berlin-Wien 1976
13 vgl. 11
14 vgl. Dieter Timpe, Arminius Studien, Heidelberg 1968
15 Walter Böckmann, Als die Adler sanken, S. 114, Gustav Lübbe Verlag, 1984
16 Wilhelm Leise, Wo Arminius die Römer schlug, S. 106, Aschendorff Münster, 1987
17 Walter Böckmann, Als die Adler sanken, S. 108, Gustav Lübbe Verlag, 1984
18 Cass. Dio 56 18,5
19 Cass. Dio 56 19,2
20 Vell. II 118,1
21 Cass. Dio 56 19,1
22 vgl. Vell. II 118,4 und Cass. Dio 56 19,3
23 Cass. Dio 56 19,3
24 Cass. Dio 56 19,3
25 Cass. Dio 56 19,4
26 Cass. Dio 56 20,1
27 Wilhelm Leise, Wo Arminius die Römer schlug, S. 106, Aschendorff Münster, 1987
28 Cass. Dio 56 19,5
29 Cass. Dio 56 19,4
30 Cass. Dio 56 20,3
31 Cass. Dio 56 20,3
32 Vell. II 119,2
33 Cass. Dio 56 20,5
34 Cass. Dio 56 21,1
35 Cass. Dio 56 21,2 f
36 Cass. Dio 56 21,4
37 Vell. II 118,3
38 Cass. Dio 56 22,1
Arbeit zitieren:
Jens Messerschmidt, 1999, Arminius und die Varusschlacht, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Vorgeschichte, Umfeld, Hintergründe, Ursachen der Varusschlacht
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 19 Seiten
Die Schilderung der Varusschlacht in den antiken Quellen
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hauptseminararbeit, 19 Seiten
Neue Erkenntnisse der Varusschlacht
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 12 Seiten
Die Varusschlacht in der Beschreibung von V. Paterculus
Hauptseminararbeit, 15 Seiten
Fugenelemente bei Substantivkomposita mit nominalem Erstglied
Hauptseminararbeit, 20 Seiten
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Hauptseminararbeit, 15 Seiten
Die vermuteten Funktionen der Fugenelemente in der Wortbildung
Hausarbeit, 9 Seiten
Die Wirtschaftsrubrik einer Zeitung - inhaltliche und sprachliche Merk...
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Hauptseminararbeit, 25 Seiten
Die Statue des Aristodikos und ihre Stellung in der Entwicklung des gr...
Hauptseminararbeit, 21 Seiten
Jens Messerschmidt hat den Text Arminius und die Varusschlacht veröffentlicht
Jens Messerschmidt hat einen neuen Text hochgeladen
biba butzemann hat den Text Arminius und die Varusschlacht kommentiert
biba butzemann
?.
VIIIEEEEEEEEEEEEEEEl zu lang !!!!!
Komplizuert, langweilig, unverständlich!!!
am Tuesday, July 16, 2002-