Inhalt
1. Einleitung: Goethes Euripidesvorlage als Zeugnis der antiken Kultur: Thematische
Eingrenzung
2. Kategorien des Umgangs mit der Antike in der "Iphigenie"
2.1 Abweichungen von Euripides
2.1.1 Bedeutung des Mythos in den beiden Versionen 4
2.1.2 Die Figuren
2.1.3 Die Götternamen
2.1.4 Die Form
2.2 Der Einfluß von Goethes religiösen Vorstellungen auf den Umgang mit der Antike
2.3 Goethes Umdeutung der Vorlage im Sinne des Autonomiegedankens
2.3.1 Die Autonomie auf der Ebene des Mythos
2.3.2 Die Autonomie auf der Ebene der Figuren
2.3.2.1 Iphigenie und der König
2.3.2.2 Schuld und Sühne des Orest
3. Schlußbetrachtung
4. Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Goethes Euripidesvorlage als Zeugnis der antiken Kultur: Thematische Eingrenzung Wenn man sich mit dem Thema "Goethes Umgang mit der Antike in der ‘Iphigenie’" befaßt, so läuft man schnell Gefahr, das Augenmerk zuerst auf Antike im Titel zu lenken. Sicher liegt dies nahe: Goethes Vorlage für seine Bearbeitung des Stoffs, der den Tantalidenmythos thematisiert, war eins der beiden Iphigeniendramen des Euripides, dt.: Iphigenie bei den Taurern.
Es geht aber nicht primär um die Antike, sondern um den Umgang damit. Die Arbeit wird sich daher nicht mit der Antike selbst befassen. Es muß also um das Aufzeigen von Veränderungen gehen, denn "[es] kann kein Zweifel darüber herrschen, daß sich beide Werke in ihrer dramatischen Auffassung sehr voneinander unterscheiden." Umgangim Sinne des Themas ließe sich also mit gezielte Veränderungen paraphrasieren. Der Umgang mit der Antike wird in der Arbeit kategorisiert. Zuvor sei noch dargelegt, in welchem Sinne der Antike - Begriff gemeint ist. Dieser steht mit seiner Vielfalt und Weitläufigkeit der Spezifität des Themas entgegen und muß daher konkretisiert werden. Aufgrund des großen Zeitabstandes zwischen der Euripideischen Vorlage und der Bearbeitung des Stoffs durch Goethe zeichnet den Umgang mit Antike immer ein "ungenügendes Verständnis für antike Realien und Gedankengänge" aus. Die Aussagen über Antike werden daher unter der Prämisse getroffen, daß das Stück von Euripides ein Zeugnis der griechischen Kultur ist. Kultur soll in diesem eingeschränkten Zusammenhang als Interdependenz von Literatur und Gesellschaft verstanden werden. Die Kategorisierung soll unter folgenden Gesichtspunkten vorgenommen werden: 1. Abweichungen von Euripides 2. Der Einfluß von Goethes religiösen Vorstellungen 3. Goethes Umdeutung der Vorlage im Sinne des Autonomiegedankens
2.Kategorien des Umgangs mit der Antike in der "Iphigenie"
2.1 Abweichungen von Euripides
2.1.1 Bedeutung des Mythos in den beiden Versionen
Zu den in der Einleitung zur Sprache gebrachten antiken Realien ist etwa der Umstand zu zählen, daß die antike Tragödie aus kultischen Handlungen entstanden ist. Wie, also, geht Goethe mit der kultischen Handlung Tragödie um?
Bei Euripides waren die antiken Mythen noch lebendig. Dies zeigt sich schon in der polytheistischen Gottesvorstellung. Dieser Polytheismus spiegelte sich in den Sagen von den Göttern und in dramatisierter Form wider. Die Sagen wurden von Generation zu Generation tradiert. Die Götter und ihre Taten wurden nicht nur im Inhalt der Tragödien verarbeitet und heroisiert, sondern auch die Tragödie selbst, als Kunstform, geht auf einen Kult zurück:
Als die Tragödie zum erstenmal in das Licht der Geschichte trat, war sie bereits fest eingebunden in den Kult eines Festes, das die Athener [...] zu Ehren des Dionysos feierten. [...] Die Dionysen wurden [im] 6. Jh. [...] zum festen Kultus erhoben und erhielten schon bald ein eigenes Theater[...]
Die Tragödie war in der Antike eine Kunst, weil die Mythen auf diese Weise nachgeahmt wurden und deren Fabeln als Handlung dargestellt wurden. Dies gilt auch für den Tantalidenmythos, den Euripides in seinen beiden Iphigenien -Tragödien behandelt.
Für Goethe ist die antike Kultur nicht mehr lebendig. Er hat damit auch keine Möglichkeit, die Tragödie von ihrem kultischen Ursprung her zu begreifen und zu behandeln. Bei ihm ist die Darstellung des Mythos nur eine Wiederbelebung der Antike. Der Mythos bildet dabei die Fabel für ein Drama. Bei Euripides war der Inhalt des Mythos dagegen Wirklichkeit im Sinne eines historischen Stoffes. Als Fabeln dienten ihm die Inhalte der einzelnen Sagen. Für Goethes Zeitgenossen genügt es, den Tantalidenmythos zu kennen, ohne ihn als realistisch zu begreifen, um die Handlung seiner "Iphigenie" zu verstehen. Goethes Drama braucht also den Mythos nicht nachzuahmen.
Dies ermöglichte Umgestaltungen im Ablauf der von Euripides dargestellten mythologischen Ereignisse und damit Abweichungen von der Struktur des Originals. So offenbart Iphigenie ihre Vergangenheit und damit ihre Identität erst im ersten Dialog mit Thoas, und nicht, wie bei Euripides, zu Beginn im Monolog. Diese Positionierung ihrer Offenbarung in Dialogform und damit diese Art, mit der Antike umzugehen, hat eine Funktion: Goethe setzt diesen Teil des Tantalidenmythos gezielt ein, um Thoas und Iphigenie als opponierende Figuren zu installieren. Diese Stelle wird noch für das in 2.3 diskutierte Autonomiekonzept relevant.
2.1.2 Die Figuren
Die Figuren sind in Goethes "Iphigenie" Repräsentanten einer "Spätzeit", die sich nach dem Vergangenen sehnen. Als Beispiel sei hier auf die Verse 681 - 696 verwiesen. Bei Euripides, hingegen, bilden sie das Personal für einen nachgeahmten Mythos. Der antike Zuschauer sollte den Mythos im Sinne von Phobos, Elleos und Katharsis miterleben und wiedererkennen. In beiden Dramen ist Iphigenie die zentrale Figur, die anderen Charaktere sind jedoch auf verschiedene Weise um sie gruppiert, was ihnen eine jeweils andere Bedeutung zukommen läßt.
Das Personal bei Goethe ist symmetrisch um Iphigenie angeordnet: einerseits Orest und Pylades, auf der anderen Seite finden sich Thoas und sein Vertrauter Arkas. Euripides kennt eine solche Symmetrie nicht. In seiner Iphigenie steht zwar auch die Iphigenienfigur im Zentrum der Handlung, was sich aber in der Konstellation nicht widerspiegelt. Man könnte hier von einer Asymmetrie sprechen, denn zwar sind auch hier Orestes und Pylades auf der einen und Thoas auf der anderen Seite. Der Unterschied ist aber der, daß Thoas im Vergleich zum Goethe - Stück ein schwach ausgeprägte Charakter ist und erst im 3. Episodon auftritt, wenn die Flucht schon längst beschlossene Sache ist. Dies läßt den Schluß zu, daß Euripides, im Gegensatz zu Goethe, die Figur des Thoas als Nebenfigur angelegt hat. Goethe verzichtet zudem auf einen Chor, der bei Euripides, wie in der attischen Tragödie überhaupt, die Öffentlichkeit repräsentiert. Auch findet sich bei ihm keine "dea ex machina", zum Beispiel in Gestalt der Athene, wie bei Euripides.
Arbeit zitieren:
Gregor Legerlotz, 1997, Goethes Umgang mit der Antike in der "Iphigenie", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Iphigenie des Euripides - Bearbeitung des Mythos durch Goethe -
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 17 Seiten
Aufbau und Struktur der Novelle am Beispiel "Kleider machen Leute...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 16 Seiten
Schiller, Friedrich - Kabale und Liebe - Kritik an der höfischen Gesel...
Referat / Aufsatz (Schule), 11 Seiten
Brecht: Struktur und Leistung der Parabel am Beispiel des guten Mensch...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 34 Seiten
Unterrichtseinheit für die Sek.I.: Wegbeschreibung/Identifier un traje...
Französisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 21 Seiten
Angst und Burnout im Lehrberuf
Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung
Seminararbeit, 24 Seiten
Symbole und Leitmotive im "Helmbrecht" Wernhers des Garten...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 23 Seiten
Der Helmbrecht als Familientragödie
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 17 Seiten
Iphigenies Entwicklung auf Tauris
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Die napoleonische Fremdherrschaft und die Auswirkungen auf Deutschland
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Referat / Aufsatz (Schule), 7 Seiten
Die Parodie in Wernher der Gaertners Helmbrecht
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 18 Seiten
Arthur Schnitzlers 'Fräulein Else': 'Die Monolognovelle...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 22 Seiten
GIS-gestützte Bodenbewertung als Entscheidungshilfe in der ökologische...
Dargestellt am Beispiel einer ...
Geowissenschaften / Geographie - Geologie, Mineralogie, Bodenkunde
Diplomarbeit, 117 Seiten
Iphigenie auf Tauris, das klassische Humanitätsdrama
Referat / Aufsatz (Schule), 12 Seiten
Goethe, Johann Wolfgang von - Iphigenie auf Tauris
Referat / Aufsatz (Schule), 13 Seiten
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur: Goethes Umgang mit der Antike in der "Iphigenie" ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Gregor Legerlotz hat den Text Goethes Umgang mit der Antike in der "Iphigenie" veröffentlicht
Gregor Legerlotz hat einen neuen Text hochgeladen
Floh
Super.
Einach Super, ich habe hier viel für mein eigenes Referat gefunden!
am Friday, November 23, 2001-