Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Begriffserklärungen 4
2.1 Literacy 4
2.2 Funktionaler Analphabetismus 4
3 Analphabetismus 5
3.1 Definitionen zum Analphabetismus 6
3.2 Die Lebenssituation von funktionalen Analphabeten 7
4 Prävention 10
4.1 Präventionsfeld Kindergarten 10
4.2 Präventionsfeld Schule 11
4.3 Präventionsfeld Familie 13
4.4 Präventionsfeld Gesellschaft 14
5 Präventionsprojekt „ Family Literacy“ 16
5.1 Das Family Literacy Konzept 16
5.2 Das deutsche Projekt „Family Literacy“ 18
6 Zusammenfassende Bewertung und Ausblick 20
Literaturverzeichnis 21
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1. Einleitung
Seit PISA (Programm for International Student Assessment) ist es amtlich, die Lesekompetenz der deutschen Schüler liegt unter dem OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) Durchschnitt. PISA versteht unter Lesekompetenz mehr als „nur“ lesen zu können. Lesen ist demnach ein wichtiges Hilfsmittel, für das Erreichen persönlicher Ziele, als Bedingung für die Weiterentwicklung des eigenen Wissens und der eigenen Fähigkeiten und als Voraussetzung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben (Stanat, Artelt, Baumert, Klieme, Neubrand, Prenzel, Schiefele, Schneider, Schümer, Tillmann, Weiß 2002 S.6).
Da in Deutschland die allgemeine Schulpflicht gültig ist, ist es noch immer verwunderlich, dass in neun Jahren Pflichtschulzeit, noch beängstigend viele Schüler am Ende ihrer Schullaufbahn über zum Teil nur sehr geringe Lesekompetenz verfügen. Und auch das Schreiben von einfachen Texten fällt vielen Kindern schwer. Das allgemeine Vorurteil, dass es sich bei diesen Schülern nur um Schüler aus Migrantenfamilien handelt ist nicht haltbar. Vielmehr handelt es sich um Kinder, die aus einer eher nicht-literalen Familie mit einem problematischen Hintergrund stammen. Die Nationalität spielt bei diesem Aspekt die nicht die Hauptrolle. Wie muss unser Bildungswesen umstrukturiert werden, damit auch Kinder aus bildungsfernen Familien am Ende ihrer Schullaufbahn in einem ausreichendem Maße Lesen und auch Schreiben können, um an unserer Gesellschaft teilhaben zu können?
In Deutschland sind 2004 nach Schätzungen 0,6% der Erwachsenen totale sowie zwischen etwa 6,5% und 11,2% funktionale Analphabeten (Wikipedia 2008). Mit der größeren der beiden Gruppen, soll sich diese Arbeit befassen. Es sollen mögliche Präventionsmaßnahmen vorgestellt und erläutert werden. Im ersten Teil dieser Arbeit sollen die verschiedenen Formen des Analphabetismus und seine Folgen für die Betroffenen dargestellt werden. Im zweiten Teil sollen dann die möglichen Präventionsfelder von Analphabetismus aufgezeigt werden und abschließend das Präventionskonzept „Family Literacy“ vorgestellt werden. Ziel dieser Arbeit soll es sein, einen Überblick über die verschiedenen Präventionsfelder zugeben und deren Vorbeugende Maßnahmen gegen die Verbreitung von Analphabetismus aufzuzeigen. Aus Gründen einer einfacheren
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Lesbarkeit wird auf Schreibweisen wie „Schüler/ innen“ o.ä. verzichtet und nur die männliche Form verwendet- gemeint sind jedoch jeweils sowohl männliche als auch weibliche Personen.
2. Begriffserklärungen
2.1 Literacy
Zum besseren Verständnis dieser Arbeit soll an dieser Stelle eine Erklärung und Abgrenzung des Begriffs Literacy gegenüber Literarität und Literalität. Unter Literarität versteht man die Beherrschung der Schrift als Kulturtechnik. Dazu zählt nicht nur das Lesen- und Schreibenkönnen, sondern auch die Fähigkeit Sachtexte, Grafiken und Tabellen, lesen und entschlüsseln zu können. Literalität kennzeichnet dagegen Rezeptionskompetenzen, die zur
Auseinandersetzung mit Literatur, Theater, etc. von Bedeutung sind (Brandenburg 2006 S.11-13).
Diese beiden Kompetenzen sind ein zentrales Element von Literacy, aber es beinhaltet noch mehr. Literacy umfasst breit gefächerte Aktivitäten des Lesens, Schreibens, Sprechens, zu denen auch mathematische, naturwissenschaftliche und mediale Grundbildung gehören. Somit beinhaltet dieser Begriff alle Kompetenzen, die das Fundament für die Befähigung zur aktiven Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen benötigt werden und ist auch eine Tür zur sozialen Selbstbestimmung eines jeden Individuums (Brandenburg 2006 S.11-13).
2.2 Funktionaler Analphabetismus
Der Begriff des funktionalen Analphabetismus ist ein zentraler Begriff dieser Ausarbeitung und bedarf einer Einordnung im Rahmen dieser Arbeit. Die UNESCO (1962 in Nickel 2002) versteht unter einem funktionalen Analphabeten: “a person who cannot engage in all those activities in which literacy is required for effective functioning of his group and community and also for enabling him to use reading and writing and calculation for his own and the community’s development.”
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Für Nickel (2002) beschreibt der Begriff „Funktionaler Analphabetismus“ nicht An- Alphabetismus im wörtlichen Sinn, nämlich das eine Person nicht des Alphabets mächtig ist, sondern für ihn ist ein funktionaler Analphabet, vielmehr eine Person die Schrift nicht verwenden kann.
In der Definition von Hubertus (1991 in Döbert, M., Hubertus, P. 2000 S.21) spielen nicht nur die individuellen Lese- und Rechtschreibkenntnisse einer Person eine Rolle, sondern vielmehr auch, welcher Grad an Schriftsprachentwicklung innerhalb der konkreten Gesellschaft, in der diese Person lebt, erwartet wird. Wenn die Kenntnisse einer Person niedriger sind, als das was in der Gesellschaft, in der sie lebt, als selbstverständlich angesehen wird, liegt funktionaler Analphabetismus vor.
Somit müssen innerhalb der Industriestaaten, mit ihren hohen Anforderungen an die Beherrschung der Schriftsprache, auch diejenigen Personen als funktionale Analphabeten angesehen werden, die nur über begrenzte Lese -und Schreibkenntnisse verfügen.
In diesem Sinne soll der funktionale Analphabetismus innerhalb dieser Arbeit verstanden werden. Funktionaler Analphabetismus ist keine festgeschriebene Größe, sondern ist immer von der Gesellschaft und deren Anforderungen an ihre Mitglieder abhängig. Diese Anforderungen können sich z.B. durch technische Fortschritte rapide verändern. 3. Analphabetismus
Laut Wikipedia (2008) galten 2003 weltweit 862 Millionen Menschen als Analphabeten. Analphabetismus ist somit ein weltweites Problem. Menschen in Entwicklungsländern stellen den größten Anteil an Analphabeten. Besonders betroffen sind Frauen die in Entwicklungsländern leben, denn ihnen wird noch am häufigsten der Schulbesuch verwehrt. Normalerweise geht man davon aus, dass alle Menschen die ein gewisses Maß an Zeit in der Schule verbracht haben, Lesen und Schreiben gelernt haben. Doch dies ist ein Irrtum (Nickel 2002). Eine der wichtigsten Forderungen an Schule ist es, dass die Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen beigebracht bekommen. Deshalb sollte Schulpflicht und Analphabetismus sich eigentlich ausschließen. Der Schulbesuch war vor wenigen Jahrhunderten noch eine Ausnahme und auch das Alphabet zu beherrschen oder
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seinen Namen schreiben zu können war eher die Ausnahme. Durch die schnelle wirtschaftliche Entwicklung und den Handelsbeziehungen über immer größere Entfernungen begann jedoch allmählich die Ausbreitung der Schriftsprache. Ab 1692 wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt, die aber zum Teil nur sehr selten strikt eingehalten wurde. Die meisten Kinder wurden nur in den Jahreszeiten unterrichtet, in denen ihre Hilfe auf dem Feld nicht gebraucht wurde. Doch im Laufe der Jahre wurde es eher die Ausnahme Analphabet zu sein. In Deutschland gilt das Analphabetentum seit 1912 offiziell als beseitigt( Döbert, M., Hubertus, P. 2000 S.16-18). Etwa Ende der siebziger Jahre, wurde in Deutschland und in anderen Industriestaaten deutlich, dass eine beträchtliche Anzahl von Menschen nicht im ausreichenden Maße Lesen und Schreiben gelernt haben und dies trotz Schulpflicht. Daraufhin wurden an Volkshochschulen die ersten Alphabetisierungsklassen für Erwachsene eingerichtet. Die beträchtliche Anzahl von Analphabeten, die Ende der siebziger Jahre offensichtlich wurde, war kein Zufall. Analphabeten hat es immer schon gegeben, doch konnten sie diese Tatsache lange und gut verheimlichen. Im Zuge der wirtschaftlichen Weiterentwicklung und in Folge neuer Technologien, gab es immer weniger Arbeitsplätze für die keine oder nur geringe Lese- und Schreibkenntnisse nötig waren. In der heutigen Gesellschaft ist ein „normales Leben“ ohne ausreichende Lese- und Schreibkenntnisse kaum zu bewältigen (Nickel 2002). Da wird schon der Kauf einer Zugkarte am Automaten unmöglich. 3.1 Definitionen von Analphabetismus
Analphabeten sind keine homogene Gruppe, sondern es erfolgt eine differenziertere Aufteilung. Somit ergeben sich verschiedene Gruppen von Analphabeten.
Zum einen gibt es die totalen oder primären Analphabeten. Unter primären Analphabetismus wird verstanden, dass die Person keine Buchstaben kennt, nicht in der Lage ist zu lesen oder zu schreiben und die Fähigkeiten auch nie gelernt hat. Primäre Analphabeten sind z.B. Menschen die Aufgrund einer körperlichen oder geistigen Behinderung nicht in der Lage sind Lesen und Schreiben zu lernen. Eine weitere Gruppe stellen jene Personen mit Migrationshintergrund dar, die weder in ihrem Herkunftsland noch in ihrem neuen Heimatland eine Schule besucht haben
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Arbeit zitieren:
Carolin Walter, 2008, Analphabetismus - Eine Untersuchung möglicher Präventionsmaßnahmen, München, GRIN Verlag GmbH
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