Rekorde der Urzeit
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Eines der lustigsten Fotos von Fossilien zeigt den sogenannten „Hamburger Bryozoen-Kammerchor“. Dabei handelt es sich um eine Kolonie von etwa einen Millimeter langen Moostierchen der Art Murinopsia francqua aus der oberkreide- zeitlichen Schreibkreide von Basbeck bei Hemmoor in Niedersachsen. Der Fund wird im Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Hamburg aufbewahrt.
Rekorde der Urzeit
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Inhalt
4. Das Land Seite 23 Vorwort Seite 9
Das älteste feste Land Die größte Land-
masse Die letzte Verbindung zwischen 1 Die Zeit Seite 11
Nordamerika und Europa Präkambrium Erdaltertum Erdmit-
telalter Erdneuzeit Menschheitsge-
schichte
5. Gebirge und Täler Seite 27
Die höchsten Berge und Gebirge Die
ersten Gebirgsbildungen Die Mittelge- 2 Weltall Erde Mond
birge Deutschlands Die Alpidische und Meteoriten Seite 15
Gebirgsbildung Die ersten Täler Das
Die ersten Sterne Die Anfänge der Erde
größte Urstromtal Deutschlands im Eis- und des Mondes Meteorkrater
zeitalter Das bekannteste Trockental
Deutschlands
6. Meere und Inseln Seite 33
Das erste Meer Die größte Meeres-
überflutung Deutschlands Die mächtig-
sten Meeresablagerungen in Deutschland
Der größte Ozean im Erdaltertum Die
wärmsten Meere Deutschlands Der frü-
heste Vorläufer der Ostsee Die ersten
Inseln Die älteste Insel Deutschlands im
Erdaltertum Die größte Insel aller Zei-
ten
7. Die Vulkane Seite 39
Der älteste Vulkanismus in Deutschland
Die mächtigsten vulkanischen Schich-
ten Deutschlands aus dem Devon Die
imposantesten Zeugnisse von Vulkanis-
mus in Mittel- und Südeuropa Der stärk-
ste Vulkanismus während des Erdmit-
3. Das Klima Seite 19
telalters und der Erdneuzeit Die letzte
Die höchsten Temperaturen auf der Erde
Vulkankatastrophe Deutschlands im
Die ersten Eiszeiten Wüstenklima
Eiszeitalter Der jüngste Vulkan Deutsch-
Trocken- und Regenzeiten Gletschervor-
lands
stöße
7 Rekorde der Urzeit
8. Die Flüsse / Seite 43 Die ältesten Erdölvorkommen – Die größ-
Die ersten Graptolithen und Korallen – größter Tiefe entstandenen Mineralien –
Rekorde der Urzeit
8
Die ersten Ammoniten, Belemniten und Dinosaurier – Der größte und der kleinste
Notostraken – Die größte Spinne – Die Dinosaurier – Der größte Raubdinosaurier
ersten geflügelten Insekten – Das größte – Der größte Dinosaurier Deutschlands –
Fluginsekt – Der älteste Käfer – Die älte- Das kleinste Hirn der Dinosaurier – Die
sten Ahnen der Schmetterlinge – Die äl- ältesten Flugsaurier – Der größte Flugsau-
teste Ameise – Die ersten Fische mit Kie- rier – Die ersten Krokodile – Die ersten
fern – Der größte Hai Deutschlands – Das Schildkröten – Die ersten Schlangen – Die
älteste Amphibium – Die größten Urlur- ältesten Urvögel – Die ältesten Halbaffen
che – Das älteste Reptil – Die ersten Ech- Deutschlands – Die ältesten Pferde – Das
sen und Eidechsen – Die ältesten Gleit- größte Landsäugetier – Die ersten Affen
flugechsen – Die ersten Warane – Die er- – Die ältesten Rüsseltiere – Die ersten
sten Brückenechsen – Die ersten Pflaster- Menschenaffen – Das größte Kamel – Die
zahnsaurier – Die ersten Fischsaurier – größten Löwen Deutschlands – Das größte
Die ersten Flossenechsen – Die ersten Faultier
9 Rekorde der Urzeit
Vo r w o r t
intensives Literaturstudium in Fachbiblio- Wann entstanden die ersten Meere, Inseln,
Berge, Täler, Seen, Flüsse und Moore? Wo findet man heute noch Spuren vorzeitli- cher Vulkane oder Meteorkrater? Seit wann gibt es Leben auf unserem „blauen Planeten“? In welcher Zeit wuchsen die frühesten Landpflanzen, die ersten Wäl- der, Nadelbäume, Laubbäume, Blumen und Gräser? Wann tauchten die ersten Dinosaurier, Flugsaurier, Vögel, Affen, Elefanten, Löwen und Pferde auf?
Auf all diese und viele andere Fragen aus der Urzeit vor etwa 4,6 Milliarden Jahren bis Christi Geburt gibt das Buch „Rekor- de der Urzeit“ eine Antwort. Es schildert die Entstehung der ersten Ozeane, gibt einen Einblick in die Gebirgsbildung und des.
die unvorstellbaren Kräfte, die hierbei auftraten, beschreibt die Eroberung des Der Inhalt des Buches ist weitgehend Festlands durch Pflanzen, Insekten und
Das Wissen über diese „Rekorde der Ur- zeit“ ist in unzähligen Büchern, Fachpu- blikationen, Zeitungs- und Zeitschriften- artikeln verstreut, die häufig den Laien nicht bekannt, zugänglich und manchmal schen nicht behandelt.
auch nicht verständlich sind, da sie in fremden Sprachen oder einer zu wissen- schaftlichen Sprache abgefaßt wurden. Das Material für dieses Buch wurde durch Ernst Probst
11 Rekorde der Urzeit
1. Die Zeit
Szene aus der Steinzeit vor mehr als 500000 Jahren: Frühmenschen der Art Homo erectus mit primitiven Waffen und Tiere jener Zeit (Waldnashorn, Gepard, Affe).
Rekorde der Urzeit
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nen Namen dem Vorkommen von Gestei- Das älteste und längste Zeitalter der Erd-
nen dieser Periode am Westhang des Ural geschichte ist das Präkambrium vor etwa
im ehemaligen russischen Gouvernement 4,6 Milliarden bis 570 Millionen Jahren.
Perm.
Das Präkambrium währte mehr als 4 Mil-
liarden Jahre und dauerte damit mehr als
siebenmal so lange wie die übrigen Zeit- Die längste Periode des Erdaltertums ist
alter zusammen. Es begann mit der Ent- das Ordovizium vor etwa 510 bis 436
stehung der Erde und endete mit dem Be- Millionen Jahren. Es dauerte etwa 74
ginn des Erdaltertums. Präkambrium heißt Millionen Jahren.
zu deutsch „vor dem Kambrium“.
Die kürzeste Periode des Erdaltertums ist
Die meisten Perioden unter den Erdzeit- das Silur vor etwa 436 bis 410 Millionen
altern weist das Erdaltertum (auch Paläo- Jahre. Es währte nur etwa 26 Millionen
Jahre.
zoikum genannt) vor etwa 570 bis 250
Millionen Jahren auf. Das Erdaltertum
dauerte etwa 320 Millionen Jahre. Es wird Als „Zeitalter der Saurier“ gilt das Erd-
in sechs unterschiedlich lange Perioden mittelalter (auch Mesozoikum genannt).
eingeteilt. Diese heißen Kambrium (etwa Denn während dieses Zeitalters vor etwa
570 bis 510 Millionen Jahre), Ordovizium 250 bis 65 Millionen Jahren beherrschten
(etwa 510 bis 436 Millionen Jahre), Silur die Saurier die Erde. Das Erdmittelalter
(etwa 436 bis 410 Millionen Jahre), De- wird in drei ungleich lange Perioden ge-
von (etwa 410 bis 355 Millionen Jahre), gliedert. Dies sind die Trias (vor etwa 250
Karbon (etwa 355 bis 290 Millionen Jah- bis 205 Millionen Jahren), der Jura (vor
re) und Perm (etwa 290 bis 250 Millio- etwa 205 bis 135 Millionen Jahren) und
nen Jahre).
die Kreide (vor etwa 135 bis 65 Millio-
Das Kambrium ist nach den Vorkommen nen Jahren). Der Name Trias beruht auf
von Gesteinen dieser Periode in Großbri- der ursprünglichen Dreiteilung dieser Pe-
tannien benannt (lateinisch: Cambria = riode in Europa in die Epochen Buntsand-
Nordwales). Der Begriff Ordovizium er- stein (etwa 250 bis 238 Millionen Jahre),
innert an das Vorkommen von Gesteinen Muschelkalk (etwa 238 bis 231 Millionen
dieser Periode im Gebiet des keltischen Jahre) und Keuper (etwa 231 bis 205 Mil-
Stammes der Ordovizer in Nordwales. lionen Jahre). Der Jura ist nach dem Jura-
Das Silur wurde nach dem keltischen gebirge in der Schweiz und Süddeutsch-
Stamm der Silurer bezeichnet, in deren land benannt, dessen helle Kalksteine in
Verbreitungsgebiet in Großbritannien der Jurazeit entstanden sind. Die Kreide
Gesteine dieser Periode bekannt sind. Das wurde nach der Schreibkreide der Ostsee-
Devon ist nach dem Vorkommen von Ge- insel Rügen bezeichnet, die in der Kreide-
steinen dieser Periode in der südwest- zeit gebildet wurden.
englischen Grafschaft Devonshire be-
zeichnet. Das Karbon (lateinisch: carbo, Die längsten Perioden des Erdmittelalters
carbonis = Kohle) heißt zu deutsch „Stein- sind der Jura (vor etwa 205 bis 135 Mil-
kohlenzeit“. Und das Perm verdankt sei- lionen Jahren) und die Kreide (vor etwa
13 Rekorde der Urzeit
ken). So ist das Paläozän (griechisch: 135 bis 65 Millionen Jahren). Sie dauer-
heute noch lebenden Weichtiere (Mollus- der Herstellung von ersten Steinwerk-
Rekorde der Urzeit
14
zeugen und endete mit dem Aufkommen
etwa 2300 v. Chr. und endete um 800 v. der Bronze. Steinwerkzeuge kennt man
Chr. In Norddeutschland dagegen währte aus Afrika bereits vor mehr als 2 Millio-
sie von etwa 1600 bis 500 v. Chr.
nen Jahren, in Europa und Asien jedoch
erst vor 1 Million Jahren. Die Steinzeit
Der zweite und kürzere Abschnitt der so- wird in Europa in drei unterschiedlich lan- ge Abschnitte geteilt: Die Altsteinzeit
Vorrömische Eisenzeit von etwa 800 v. (Paläolithikum, griechisch: palaios = alt,
Chr. bis Christi Geburt. In dieser Zeit hat lithos = Stein) dauerte von etwa 1 Mil-
man Werkzeuge, Waffen und Schmuck lion bis 10000 Jahren bzw. 8000 v. Chr.
aus Eisen angefertigt. Der ältere Teil der Sie fiel in das Eiszeitalter und ist das Zeit-
Vorrömischen Eisenzeit wird im südlichen alter der Jäger und Sammler. Die Mittel-
Mitteleuropa als Hallstatt-Zeit benannt. Er steinzeit (Mesolithikum, griechisch:
dauerte etwa von 800 bis 450 v. Chr. und mesos = mitten) währte von etwa 8000 v.
ist nach dem Fundort Hallstatt in Ober- Chr. zu Beginn der Nacheiszeit bis vor
österreich bezeichnet. Der jüngere Teil der 5000 v. Chr. und ist das Zeitalter der Jä-
Vorrömischen Eisenzeit wird im südlichen ger und Fischer. Die Jungsteinzeit (Neo-
Mitteleuropa als La-Tène-Zeit bezeichnet. lithikum, griechisch: neo = neu, jung) dau-
Er währte von etwa 450 v. Chr. bis Chri- erte vor mehr als 5000 bis etwa 2000 v.
sti Geburt und erinnert an den Fundort La- Chr. und ist das Zeitalter der ersten Bau-
Tène am Neuenburger See in der Schweiz. ern. Als Kennzeichen der Jungsteinzeit
gelten Ackerbau, Viehzucht und Töpferei. Die ersten einfachen Sonnenuhren gab es
Da diese Errungenschaften in manchen um 3000 v. Chr. in Babylon.
Gebieten früher oder später eingeführt
wurden, gelten gebietsweise andere Zah- Die früheste Erwähnung einer Sonnenuhr
lenangaben.
in Ägypten stammt aus der Zeit um 2000
v. Chr.
Als erste und längere der sogenannten Die ersten Wasserauslaufuhren wurden Metallzeiten in Europa gilt die Bronze- vor mehr als 2000 v. Chr. in Ägypten er-
zeit vor mehr als 2000 bis etwa 800 v. Chr. funden. Eine solche Wasseruhr bestand
In dieser Zeit wurden Werkzeuge, Waf- aus einem Gefäß, das mit Wasser gefüllt
fen und Schmuck aus Bronze hergestellt. wurde. Während der Zeit, in der das Was-
Bronze ist eine Metalllegierung aus Kup- ser aus einem Loch des Behälters tröpfel-
fer und Zinn. Die Bronzezeit hatte in ei- te, gab der sinkende Wasserstand entlang
nigen Gebieten eine andere Zeitdauer. So von Markierungen die Zeit an.
begann sie in Süddeutschland schon vor
15 Rekorde der Urzeit
2. Weltall, Erde, Mond
und Meteoriten
zeugen von Zusammenstößen mit Meteoriten. Rechts auf dem Foto der vor 1 Milliarde Jahren entstandene Krater Kopernikus.
Rekorde der Urzeit
16
Die ersten Sterne entstanden vor schät- Am schnellsten drehte sich die Erde vor
rund 4,5 Milliarden Jahren. Damals rotier- zungsweise 15 bis 20 Milliarden Jahren
te sie mehr als doppelt so schnell wie heute kurz nach dem sogenannten „Urknall“.
um ihre Achse. Das hatte zur Folge, daß Dieser kosmischen Explosion wird die
ein Erdentag nur schätzungsweise 10 bis Entstehung des Weltalls zugeschrieben.
12 Stunden währte. Ein Jahr gegenwärti-
Um die Entwicklung zu veranschaulichen,
ger Dauer hatte zu dieser Zeit mehr als haben Wissenschaftler die unvorstellbar
730 Tage. Grund für die „Abbremsung“ lange Zeitspanne von der Entstehung des
der Erde ist die Anziehungskraft des Mon- Weltalls bis heute in ein einziges Kalen-
des.
derjahr gedrängt: den sogenannten „kos-
mischen Kalender“. In diesem fällt der
„Urknall“ auf den 1. Januar.
Die geringste Entfernung zwischen Mond
und Erde gab es vor etwa 4,4 Milliarden
Jahren. Der Erdtrabant war damals weni- Die Entstehung der Erde reicht bis vor 4,6
ger als 200000 Kilometer von unserem Milliarden Jahren zurück. Damals wurde
Planeten entfernt, heute sind es etwa unser Planet aus einem Gasnebel „gebo-
384000 Kilometer. Die kürzeste Distanz ren“. Unzählige winzige Gaspartikel, Ele-
mentarteilchen und Moleküle zogen sich zwischen Mond und Erde führte dazu, daß
der Erdtrabant die Umdrehung der Erde zusammen und bildeten allmählich einen
damals stärker bremste, als dies heute der diffusen rundlichen Körper: einen Proto-
Fall ist. Durch die abnehmende Umdre- planeten. Dieser „Ball“ begann sich zu
hungsgeschwindigkeit der Erde wurden drehen. Durch die fortwährende Verdich-
die Tage immer länger.
tung seiner Bestandteile wurde er immer
heißer, was zur Bildung erster stabiler
chemischer Elemente führte. Dabei wan-
Dem stärksten Beschuß durch Meteorite derte ein großer Teil der in dem Proto- war die Erde vor etwa 4 Milliarden Jah- planeten vorhandenen Elemente Eisen
ren ausgesetzt. Weil damals die Erdkru- und Nickel zum Zentrum und bildete den
ste noch nicht stabil gewesen ist, zerbrach Erdkern.
sie gebietsweise immer wieder durch die
Einschlagskraft der Meteorite. Auch der
Mond stand zu dieser Zeit ebenfalls unter Als einer der frühesten Zusammenstöße
per aus dem Weltall.
menprall der Erde mit einem großen Him-
melskörper oder mit mehreren Himmels-
körpern vor ca. 4,5 bis 4,4 Milliarden Jah- Der größte Meteorkrater auf dem Mond ren. Beim Einschlag eines schätzungswei- ist das Mare Imbrium (Regenmeer) mit
se 1000 Kilometer großen Himmelskör- einem Durchmesser von etwa 1000 Kilo-
pers oder mehrerer kleiner Objekte wur- metern. Dieser Krater wurde vor etwa 4
Milliarden Jahren geschlagen und vor de viel Materie aus der Erde gerissen, ins
Weltall geschleudert und in eine Erdum- etwa 3,5 Milliarden Jahren durch mächti-
laufbahn gebracht. Daraus soll sich nach ge Lavagüsse ausgefüllt. Als zweitgröß-
einer Theorie der Mond gebildet haben. ter Meteorkrater auf dem Mond gilt das
17 Rekorde der Urzeit
Rieses, der kleinere auf die etwa 40 Kilo- Mare Crisium (Meer der Gefahren) mit
Rekorde der Urzeit
18
Meteoroid. Ein Himmelskörper, der die kleinen Himmelskörpern ihre Bahnen zie-
Erdoberfläche erreicht hat, wird Meteorit hen. Die größten davon erreichen einen
genannt. Und das von einem Meteorit ge- Durchmesser bis zu 1000 Kilometern, die
schlagene Loch heißt – laut Duden – meisten sind jedoch kleiner. Himmelskör-
Meteorkrater, obwohl ein Meteor eigent- per von unter 1 Kilometer bis zu mehre-
lich eine Lichterscheinung ist. Unter den ren 1000 Kilometern Durchmesser nennt
auf der Erde entdeckten Meteoriten kennt man Asteroid, Planetoid oder kleiner Pla-
man inzwischen aber auch solche, die vom net. Das Bruchstück eines Asteroiden, das
Mars stammen.
in die Erdatmosphäre eintaucht, heißt
Rekorde der Urzeit
20
Die höchsten Temperaturen auf der Ober- Die eisigsten Zeiten, die Brasilien und
fläche der Erde herrschten im frühen Nordwest-Afrika erlebten, fielen in das
Präkambrium vor etwa 4,6 Milliarden Jah- Ordovizium vor etwa 510 bis 436 Millio-
ren. Damals war die Oberfläche unseres nen Jahren. Anfangs lagen vermutlich der
Planeten mindestens 1600 Grad heiß, was Nordosten Brasiliens oder Guyana unter
der Schmelztemperatur von Gesteinen dem Südpol, später geriet Nordwest-Afri-
entspricht. Es gab also noch keine feste ka in diese Position. Damals lastete eine
Erdoberfläche. kilometerdicke Eiskappe auf großen Tei-
len von Brasilien und Nordwest-Afrika.
Andere Teile Brasiliens und der Sahara Die ersten Ozeane bildeten sich im Prä-
waren Flachmeergebiete, in denen große kambrium vor etwa über 4 Milliarden Jah-
Eisberge trieben. Der heutige Pazifische ren. Bis dahin waren die Temperaturen auf
Ozean befand sich unter dem Nordpol. der Erdoberfläche zu hoch, um Wasser
entstehen zu lassen. Es kann sich bei mehr
als 100 Grad Celsius nicht bilden. Daher Zu den heißesten Gebieten im Silur vor
gab es in der Uratmosphäre unseres Pla- etwa 436 bis 410 Millionen Jahren gehör-
neten lediglich Wasserdampf.
ten Südskandinavien, Südgrönland, die
Hudson-Bay, die nordwestlichen USA und
Nordaustralien. Dort verlief damals der Die ältesten Hinweise auf warmes Klima
Äquator. Zu jener Zeit entstanden in Nord- stammen aus dem Präkambrium vor etwa
amerika und Sibirien durch die Verdun- 3,4 Milliarden Jahren. Dabei handelt es
stung von Meerwasser mächtige Salzlager sich um Algenriffe, die nur bei warmem
und auf Gotland in Südschweden die er- Klima und in flachem Wasser entstehen
sten großflächigen Korallenriffe. Das süd- können. Reste solcher Riffe kennt man aus
liche Afrika lag dagegen unter dem Süd- Gesteinen in Westaustralien.
pol, weswegen dort eisige Verhältnisse
herrschten.
Die ersten Eiszeiten haben im Präkam-
brium vor etwa 2,4 Milliarden Jahren und
vor etwa 700 Millionen Jahren stattgefun- Zu den kältesten Regionen im Devon vor
den. Geologische Zeugnisse der Eiszeit weniger als 410 Millionen Jahren gehör-
vor etwa 700 Millionen Jahren kennt man te Südafrika. Es befand sich zu jener Zeit
aus der Normandie, Schottland und Nor- unter dem Südpol, wie unter anderem
wegen. Vereisungsspuren auf dem Tafelberg bei
Kapstadt zeigen. Afrika wanderte damals
über den Südpol, Südamerika und Südaf- Die ältesten Belege für ein wüstenhaftes
rika waren Teil einer Kaltwasserregion. Klima im Erdaltertum vor etwa 570 bis
Eine der grimmigsten Eiszeiten im Erd- 250 Millionen Jahren wurden im Kam-
altertum fand vor weniger als 355 Millio- brium vor mehr als 510 Millionen Jahren
nen Jahren im Karbon statt.
gefunden. Dabei handelt es sich um Salz-
lager in Sibirien und Indien, die entstan-
den, als große Mengen von Meerwasser Zu den heißesten Gebieten im Perm vor
verdunsteten.
weniger als 290 Millionen Jahren zählte
21 Rekorde der Urzeit
Europa, das zu Beginn dieser Periode in Eine der gravierendsten Klimaänderungen
che Kilometer westlich von Mainz floß. Holzzellreihen markieren eine Trocken-
zeit, weite Abschnitte mit jeweils 40 bis
50 Holzzellreihen dagegen eine Regen-
Das letzte Eiszeitalter begann vor etwa 2,3
zeit. Nehden bei Brilon ist eine Dinosau-
rier-Fundstelle.
10000 Jahren. Es war durch einen ständi-
Rekorde der Urzeit
22
gen Wechsel von teilweise sehr grimmi- Als letzte Eiszeiten mit Gletschervor-
gen Kaltphasen und milden Warmphasen stößen in Deutschland gelten die nord-
gekennzeichnet. Die Kaltphasen werden deutsche Weichsel-Eiszeit und die süd-
als Kaltzeit bezeichnet, wenn keine deutsche Würm-Eiszeit vor etwa 115000
Gletschervorstöße bekannt sind; gab es bis 10000 Jahren (8000 v. Chr.). Der
aber Gletschervorstöße spricht man von weichsel-eiszeitliche Ostseegletscher
einer Eiszeit. Die Warmphasen heißen breitete sich vor etwa 20000 Jahren bis
Warmzeit. Im Eiszeitalter waren Europa, Flensburg, Kiel, Hamburg und Branden-
Amerika und Asien von großräumigen burg aus. Die würm-eiszeitlichen Alpen-
Vereisungen betroffen. In den kältesten gletscher bedeckten das Alpenvorland
Phasen des Eiszeitalters betrugen die vom Bodensee in Süddeutschland bis nach
Durchschnittstemperaturen im Juli zwi- Salzburg in Österreich. Zwischen den nor-
schen plus 5 und 10 Grad Celsius.
dischen und alpinen Gletschern lag ein
etwa 600 Kilometer breites, eisfreies Ge-
biet.
Die ältesten Spuren von Gletschervor-
stößen in Norddeutschland werden in die
norddeutsche Elster-Eiszeit vor etwa Der älteste Abschnitt der Nacheiszeit
400000 Jahren datiert. Damals bedeckten (auch Holozän genannt) heißt Präboreal
die skandinavischen Gletscher ganz Nord- oder Vorwärmezeit. Er dauerte von etwa
deutschland. Sie drangen darüber hinaus 8000 bis 7000 v. Chr. Damals betrug die
bis in die Gegend von Dresden (Sachsen), mittlere Julitemperatur in Mitteleuropa
Erfurt (Thüringen), Soest, Recklinghau- etwa 8 bis 12 Grad Celsius. Zwischen
sen und Kettwig (alle Nordrhein-Westfa- etwa 5800 und 3800 v. Chr. lag die Durch-
len) vor. schnittstemperatur im Juli bereits bei etwa
18 Grad Celsius.
Die weitesten Vorstöße der alpinen Glet-
scher in Deutschland erfolgten in der süd- Das wärmste und feuchteste Klima der
deutschen Mindel-Eiszeit vor etwa Nacheiszeit (auch Holozän genannt)
400000 Jahren. Sie reichten bis Biberach herrschte im Atlantikum bzw. in der Mitt-
an der Riss, Ottobeuren, Mindelheim, Für- leren Wärmezeit. Diese schloß sich an das
stenfeldbruck, Erding, Mühldorf am Inn Boreal (auch Frühe Wärmezeit genannt)
und Burghausen an der Salzach. In der an und währte von etwa 5000 bis 3800 v.
süddeutschen Riss-Eiszeit vor etwa Chr. Im Atlantikum lag die Durchschnitts-
200000 Jahren rückten die alpinen Glet- temperatur im Juli bei etwa 18 Grad Cel-
scher fast bis München und Augsburg vor. sius.
Arbeit zitieren:
Ernst Probst, 1992, Rekorde der Urzeit, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
Der Begriff der Freundschaft in der Nikomachischen Ethik des Aristotel...
Philosophie - Philosophie der Antike
Hausarbeit, 16 Seiten
Konstruktivismus und der klassische Bildungsbegriff
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Hausarbeit, 21 Seiten
Paläontologie: neuer Text Rekorde der Urzeit wurde hinzugefügt
Doris Probst's Text Rekorde der Urzeit ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Doris Probst hat den Text Rekorde der Urzeit veröffentlicht
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