Danksagung III
Danksagung
An dieser Stelle bedankt sich der Autor vor allem bei seinen Eltern für die ihm gebotenen Möglichkeiten und die grenzenlose Unterstützung während der gesamten Studienzeit.
Diese Arbeit ist auf Anregung durch Frau Prof. Dr. Huber-Jahn entstanden. Ich möchte ihr für die Betreuung, die Anregungen sowie Ihrer Geduld während der Anfertigung der Diplomarbeit danken. Dank gilt Ihr auch für die wertvollen Tipps und Hilfestellungen während meines Studiums außerhalb dieser Diplomarbeit.
Dank gilt auch meiner Freundin die mich während der Anfertigung immer unterstützt hat sowie ihrem Vater, der mir die Möglichkeit gegeben hat ein Rating an einem praktischen Beispiel durch zu führen.
I Inhaltsverzeichnis IV
I Inhaltsverzeichnis
II Abbildungsverzeichnis. VII
III Tabellenverzeichnis. VIII
IV Abkürzungsverzeichnis IX
V Einleitung X
1 Mittelständische Unternehmen in Deutschland 1
1.1 Quantitative Definition des Mittelstandes. 1
1.1.1 EU Definition 1
1.1.2 IfM Bonn Definition 2
1.2 Qualitative Definition des Mittelstandes. 3
1.2.1 EU Definition 3
1.2.2 IfM Bonn Defintion 3
1.3 Allgemein gültig vertretene Meinungen zur Einteilung von KMU´s 4
1.4 Gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Mittelstandes in Deutschland 6
1.5 Gegenwärtige Situation des Mittelstandes 6
2 Die Baseler Eigenkapitalanforderungen und deren Auswirkungen auf die
Unternehmensfinanzierung bei KMU´s 8
2.1 Die 3 Säulen 11
2.1.1 Mindesteigenkapitalanforderungen. 12
2.1.1.1 Der Standard Ansatz 12
2.1.1.2 Der IRB Ansatz 12
2.1.1.3 Anmerkungen. 13
2.1.2 Überprüfungsverfahren 14
2.1.3 Marktdisziplin 14
2.2 Die Mittelstandskomponente 15
2.2.1 „Retail - Portfolio“ 15
2.2.2 „Size Factor“ 16
2.2.3 Der gehobene Mittelstand 16
2.3 Allgemeines zum heutigen Stand von Basel II 16
3 Rating als Notwendigkeit für Unternehmen zur Beschaffung von
Fremdkapital und Banken zur Vergabe von Krediten. 19
3.1 Arten von Ratings 22
3.1.1 Bankinternes Rating 22
3.1.1.1 Das Rating der Genossenschaftsbanken 24
I Inhaltsverzeichnis V
3.1.1.2 Berücksichtigung von Sicherheiten 51
3.1.2 Externes Rating 52
3.1.2.1 Interne Nutzenpotentiale 54
3.1.2.2 Externe Nutzenpotentiale 54
3.1.3 Internationale Ratingagenturen 56
3.1.4 Nationale Mittelstands Ratingagenturen 57
3.2 Internes vs. Externes Rating. 59
3.3 Der Ratingprozess 64
3.3.1 Vorbereitungsphase. 65
3.3.2 Ratingphase. 67
3.3.3 Kommunikationsphase. 69
3.3.4 Wiederholungsphase 70
4 Optimierungsmöglichkeiten zur Ratingverbesserung 60
4.1 Transparenz und Kommunikation. 62
4.2 Optimierung des Jahresabschlusses 63
4.3 Verbesserung der Risikolage 64
4.3.1 Risikomanagement. 64
4.4 Controlling 66
4.5 Kennzahlensystem 68
4.6 Selbstrating. 68
4.7 Steigerung des Unternehmenswerts 70
4.8 Allgemeines 71
5 Fremd- und Beteiligungsfinanzierung durch Rating. 73
5.1 Leasing 75
5.2 Factoring 76
5.3 Weitere Neuartige Finanzierungsstrategien 79
5.3.1 Asset Backed Securities 79
5.3.2 Netting. 81
5.3.3 Unternehmensanleihen (Corporate Bonds/Hybrid Bonds) 82
5.3.4 Beteiligungsfinanzierung 83
5.3.5 Private Equity. 84
5.3.6 Venture Capital 85
5.3.7 Business Angels 85
5.4 Hybride Finanzierungsformen 86
I Inhaltsverzeichnis VI
5.4.1 Mezzaninefinanzierung 86
5.4.1.1 Nachrangdarlehen 89
5.4.1.2 Verkäuferdarlehen. 89
5.4.1.3 Stille Beteiligung. 90
5.4.1.4 Partiarisches Darlehen. 91
5.4.1.5 Genussrechte 91
5.4.1.6 Wandelanleihen. 92
VI Fazit und Zusammenfassung 93
VII Literaturverzeichnis. 95
VIII Anlagen 99
II Abbildungsverzeichnis
II Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Die 3 Säulen von Basel II
Abbildung 2: Risikokomponenten
Abbildung 3: Ablauf Prüfung eines Kreditantrages.
Abbildung 4: Inhalte des BVR II Ratings
Abbildung 5: Kennzahlen Mittelstandsegment.
Abbildung 6: Kennzahlen Privatvermögen.
Abbildung 7: Kennzahlen Segment Oberer Mittelstand
Abbildung 8: Nutzenpotentiale eines externen Ratings
Abbildung 9: Ratingablauf.
Abbildung 10: Vorbereitungsphase eines Ratings
Abbildung 11: Ratingphase.
Abbildung 12: Kommunikationsphase.
Abbildung 13: Wiederholungsphase eines Ratings
Abbildung 14: Überblick Risikomanagement.
Abbildung 15: Regelkreis Controlling
Abbildung 16: Finanzierungsarten.
Abbildung 17: Alternative Finanzinstrumente.
Abbildung 18: Mezzanine Instrumente
III Tabellenverzeichnis VIII
III Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: KMU Schwellenwerte. 2
Tabelle 2: IfM Definition 2
Tabelle 3: Historie Basel II 9
Tabelle 4: Unterschiede der 3 Ratingansätze 13
Tabelle 5: Einzureichende Unterlagen bei der Bank. 24
Tabelle 6: Ratingskala internationale Ratingagenturen 57
Tabelle 7: Internes vs. Externes Rating 59
Tabelle 8: Unterschiede zwischen Bankinternen- und Externen Ratings 60
Tabelle 9: Abgrenzung Eigenkapital - Mezzanine Kapital - Fremdkapital 87
IV Abkürzungsverzeichnis IX
IV Abkürzungsverzeichnis
Afa Absetzung für Abnutzung aktivierungspfl. aktivierungspflichtig AV Anlagevermögen
betriebswirtschaftl. betriebswirtschaftlich Dipl.-Betriebsw. Diplom-Betriebswirt Dipl.-Ing. Diplom-Ingenieur Dipl.-Kfm. Diplom-Kaufmann EDV Elektronische Datenverarbeitung EK Eigenkapital EU Europäische Union FH Fachhochschule GuV Gewinn- und Verlustrechnung i. V. m. in Verbindung mit KWG Kreditwesengesetz Mio € Millionen-Euro ROI Return on Investment S & P Standard & Poor’s SAP Systeme, Anwendung, Produkte SCHUFA Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung T € Tausend-Euro UV Umlaufvermögen Wirt.-Ing. Wirtschafts-Ingenieur www world wide web zuzügl. zuzüglich sog. sogenannte
V Einleitung X
V Einleitung
Nach der großen Herausforderung Basel II die zum 01.01.2007 eingeführt worden ist wurde die internationale Bankenwelt erneut kräftig aufgeschüttelt. Die Immobilienkrise in den USA hat für viel Aufregung gesorgt. Z. B. die Sächsische Landesbank musste, um sie vor der Insolvenz zu retten, verkauft werden. Die West LB oder auch die staatliche IKB haben die Finanzkrise nur knapp überstanden und stehen sehr angeschlagen da. Internationale Top Investment Banken entlassen an einem Tag mehr als 1.000 Mitarbeiter (Morgan Stanley) und auch, bzw. vor allem im Rating Markt ist es zu weit reichenden Konsequenzen gekommen. Während Moody´s „nur“ ihre Niederlassungen in Europa reorganisieren und umstrukturieren, traf es die kanadische DBRS Ratingagentur härter. Die in ihrem Heimatland Kanada Marktführende Agentur, musste mit sofortiger Wirkung ihr erst 2005 gegründetes Europageschäft komplett auflösen. Den Ratingagenturen wird in der Medienberichterstattung vorgeworfen viele Anlage zu gut bewertet zu haben. Somit bleibt der Begriff Rating weiterhin Bestandteil der aktuellen Wirtschaftspressen. Vor kurzem noch war Rating eher mit „Basel II“ in Verbindung gebracht und in diesem Zusammenhang von neuen Herausforderungen für den Mittelstand, von Kreditverknappung und von Zinssteigerungen gesprochen worden. Auch wenn es hierzu noch kein Richtungsweisendes Studienergebnis gibt, so soll mit dieser Arbeit dennoch ein aktueller Überblick über die Thematik gegeben werden.
Während die Dresdner Bank mit einer groß angelegten Werbekampagne Mittelstandskunden für Firmenkredite locken will, erklärte die Deutsche Bank sie wolle ihre Kundenzahl bei den Mittelständlern auf 1.000.000 Kunden ausbauen. Dies zeigt uns deutlich, dass trotz der neuen Anforderungen an die Kreditvergabe und der befürchteten Kapitalverknappung der deutsche Mittelständler ein begehrter Kunde bei den Banken darstellt. Der Autor wird in der folgenden Diplomarbeit die Definition von Mittelstand herausarbeiten, alles Wissenswertes über Basel II in Verbindung mit der Kreditvergabe und dem Mittelstand darstellen und dann im Kern der Arbeit das eigentliche Rating, wie es zur Kreditbeschaffung Voraussetzung ist, vorstellen. Die Diplomarbeit ist unter der Prämisse verfasst worden einen ersten Leitfaden für
V Einleitung XI
mittelständische Unternehmen darzustellen und welche Veränderungen durch „Basel II“ bei der Kapitalbeschaffung auf sie zugekommen sind. Anschließend werden noch Möglichkeiten, das eigene Rating zu optimieren behandelt und weitere Finanzierungsformen vorgestellt. Im Anhang wird auch ein praktisches Fallbeispiel eines Ratings dargestellt werden, welches der Autor bei der Firma XY vor Ort mittels standardisierter Ratingsoftware durchgeführt hat. Die Firma wurde in dieser Arbeit aus Geheimhaltungsgründen anonymisiert.
1 Mittelständische Unternehmen in Deutschland 1
1 Mittelständische Unternehmen in Deutschland
Wenn man das „Rückgrat“ der deutschen Wirtschaft, nämlich die klein- und mitteständischen Betriebe, meist noch Inhaber/Familien geführt, untersuchen soll, so ergibt sich bereits zu Anfang die besondere Schwierigkeit für die KMU´s eine einheitliche Definition in der Literatur und Praxis zu finden. Diese ist bis heute nicht einheitlich festgelegt worden. Verallgemeinert kann man sagen, dass die derzeit wichtigsten Definitionen, die KMU-Definition der EU, sowie die Definition des Institutes für Mittelstandsforschung in Bonn darstellen. Dennoch hat sich jede Bank, öffentliche- oder privat Bank, eine eigene Definition als Kriterium für die Bereitstellung eines Kredites zugelegt.
In den folgenden Kapiteln werden u. a. die Begriffe Mittelstand, mittelständische Betriebe, Klein- und Mittelbetriebe, sowie kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) als gleichwertige Synonyme verwendet. Außerdem wurde auf eine Unterteilung in verschiedene Branchen verzichtet.
1.1 Quantitative Definition des Mittelstandes
1.1.1 EU Definition
In der EU Kommissions - Empfehlung vom 06. Mai 2003 wird grundsätzlich ein Unternehmen als klein oder mittelständisch betrachtet wenn es: 1
nicht mehr als 250 Beschäftigte hat und
Nicht mehr als 50 Millionen € Jahresumsatz und/oder Eine Bilanzsumme von weniger als 43 Millionen €
vorzuweisen hat.
1 ) Vgl. IfM Bonn, http://www.ifm-bonn.org, 2007
1 Mittelständische Unternehmen in Deutschland 2
Die KMU Schwellenwerte seit dem 01.01.2005 sehen folgende Eckdaten vor:
Tabelle 1: KMU Schwellenwerte
1.1.2 IfM Bonn Definition
Das Institut für Mittelstandsforschung sieht hingegen folgende quantitativen Eckdaten vor:
„Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn definiert Unternehmen mit bis
zu neun Beschäftigten respektive weniger als 1 Million € Jahresumsatz als
kleine und solche mit zehn bis 499 Beschäftigten bzw. einem Jahresumsatz von
1 Million € bis unter 50 Millionen € als mittlere Unternehmen. Die Gesamtheit
der KMU setzt sich somit aus allen Unternehmen mit weniger als 500
Beschäftigten respektive 50 Millionen € Jahresumsatz zusammen.“ 2
2 ) Vgl. IfM Bonn, http://www.ifm-bonn.org, 2007
1 Mittelständische Unternehmen in Deutschland 3
1.2 Qualitative Definition des Mittelstandes
Analog zu Kapitel 1.1 soll als erstes ergänzend die qualitativen Merkmale der Mittelstandseinteilung der EU erläutert werden. Danach folgt weiterhin analog die Definition des IfM Bonns. Da in der gängigen Praxis allerdings die qualitativen Merkmalsausprägungen deutlich überwiegen, werden im Kapitel 1.3 noch die allgemein gültigen Meinungen aufgezeigt.
1.2.1 EU Definition
In der qualitativen Ausformulierung der Rahmenwerte für ein Klein- und Mittelbetrieb heißt es hier nur, dass eine weitgehende Unabhängigkeit gefordert ist. D. h. dass kein anderes Unternehmen einen Anteil von mehr als 25% des betreffenden Unternehmens besitzen darf. 3
1.2.2 IfM Bonn Defintion
Im Gegensatz dazu definiert das IfM Bonn Klein und Mittelbetriebe in seiner qualitativen Merkmalsbeschreibung als Familienunternehmen im engeren Sinn. Darunter fallen diejenigen Unternehmen, bei denen Eigentums- und Leitungsrechte bei der Person des Unternehmers vereint sind. Familienunternehmen im engeren Sinne sind demnach eigentümergeführte Unternehmen ohne weitere Größenbeschränkung. Die Eigentümerführung wird als gegeben angesehen, wenn: 4
- bis zu zwei natürliche Personen oder ihre Familienangehörigen mindestens 50 % der Anteile eines Unternehmens halten und - diese natürlichen Personen der Geschäftsführung angehören.
3 ) Vgl. IfM Bonn, http://www.ifm-bonn.org, 2007
4 ) Vgl. IfM Bonn, http://www.ifm-bonn.org, 2007
1 Mittelständische Unternehmen in Deutschland 4
1.3 Allgemein gültig vertretene Meinungen zur Einteilung von KMU´s
Kurz gefasst kann man die qualitativen Merkmale zur Begriffsbestimmung auch aus der Personengebundenheit und der zentralen Bedeutung des Unternehmers für das Unternehmen ableiten. Daraus ergibt sich das in der Person des Unternehmers sich „Eigentum und Leistung, Risiko und Erfolg, Gewinnerzielung und Gewinnverwendungsentscheidung“ 5 vereinen sollte. Weitergehend kann man in der Literatur dazu noch viele definierende Indikatoren ausmachen, die im folgendem einen groben, aber keinesfalls vollständigen Katalog darstellen: 6
• Der Unternehmer ist typischerweise zugleich wesentlicher Eigenkapitalgeber, damit auch hauptsächlicher Risikoträger, und ebenso wesentlich an der Unternehmensleitung beteiligt. Außer dem Unternehmer sind keine oder nur wenige andere Personen an der Unternehmensleitung beteiligt, zumeist Familienmitglieder. • Das Unternehmen wird erwerbswirtschaftlich geführt und stellt für den Unternehmer und die übrigen Eigenkapitalgeber zumeist die entscheidende, wenn nicht sogar die alleinige Einkommensquelle dar. Bei der Ausführung der unternehmerischen Aktivitäten wird der Einkommenssicherung und der Erhaltung der Autonomie
gleichermaßen große Bedeutung zugemessen. Autonomie bedeutet dabei die weitgehende Unabhängigkeit vom Willen und der Kontrolle unternehmensfremder Dritter.
• Der Unternehmer prägt das Unternehmen durch seine Persönlichkeit. • Persönliche Beziehungen (Netzwerk) des Unternehmers entscheiden maßgeblich über den Erfolg von KMU.
• KMU zeichnen sich durch die Prädominanz persönlicher Kontakte zwischen den Mitarbeitern sowie zwischen diesen und dem Unternehmer aus.
5 ) Vgl. Kayser/Kokalj, S. 26; Kayser, Gunter/Kokaly, Ljuba (2002): Mittelständische Unternehmen in
Deutschland - Anmerkungen zur Finanzierung nach Basel II, ZfgK, 3-4/2002
6 ) Vgl. Clasen, Jan P. (1992) Turnaround Management
1 Mittelständische Unternehmen in Deutschland 5
• Die KMU weisen einen geringen Formalisierungsgrad auf. I. d. R. erfolgt eine funktional orientierte Bildung der Abteilungen/Stellen. Die Anzahl der funktionalorientierten Abteilungen beträgt im Durchschnitt vier. Die durchschnittliche Anzahl der Hierarchiestufen bewegt sich um drei. • Vorherrschend ist eine Leitungsstruktur in Form eines auf den Unternehmer zugeschnittenen Einlinien-Systems mit wenigen Führungskräften, in wenigen Fällen in Form des Stab-Linien-Systems. • Mit der Leitungsstruktur einher geht eine Entscheidungszentralisation, die auch Routineentscheidungen umfasst. Traditionell kommt es dabei zu einer Überlastung der Unternehmensspitze, i. d. R. des Unternehmers. Eine Delegation von Entscheidungen erfolgt lediglich in den marktnahen Aufgabenbereichen Beschaffung/Materialwirtschaft und Absatz/Vertrieb/Marketing.
• Die finanziellen Mittel sind begrenzt. Eine Emissionsfähigkeit besteht aus Gründer der Unternehmensgröße oder der Rechtsform noch nicht. • Die kurzfristige Orientierung steht im Vordergrund des Denkens und Handelns in KMU. Eine Unternehmensplanung gibt es selten. • KMU zeigen in der Regel eine besondere Fähigkeit zur Erstellung von Leistungen nach Maß (individuell, differenziert). • KMU sind selten branchenmäßig differenziert. • Die Geschäftstätigkeit besteht seit mindestens 5 Jahren. • Es handelt sich um keinen Land- oder Forstwirtschaftsbetrieb, Finanzdienstleister oder um ein Immobilienunternehmen.
Die beschriebenen Merkmale sind hilfreich für eine erste Einteilung der Unternehmen. Problematisch wird es allerdings, wenn Unternehmen im Zuge der Unternehmensentwicklung an Größe gewinnen und so die Entpersonalisierung des Unternehmens, sowie eine Neuorganisation erforderlich werden.
Eine weitere Einteilung findet sich im Anhang 1 (Mittelstandsegmente der BVR) und Anhang 2 (Mittelstandsegmente des DSGV), die exemplarisch einen
1 Mittelständische Unternehmen in Deutschland 6
kleinen Überblick für die unterschiedlichen Einteilungen der Banken geben sollen.
1.4 Gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Mittelstandes in Deutschland
„Ein starker, innovativer, kreativer und investitionsfähiger Mittelstand ist Motor für Wachstum und Beschäftigung.“ 7 Dieser Satz im Vorwort der Dokumentation: „Der Mittelstand in der Bundesrepublik Deutschland: Eine volkswirtschaftliche Bestandsaufnahme“ bringt den Stellenwert des Mittelstandes in der Politik deutlich auf den Punkt. Derzeit sind ca. 99,6% aller Unternehmen in Deutschland dem Mittelstand zuzurechnen. Ca. 70,8% aller Arbeitnehmer sind bei einem mittelständischem Unternehmen angestellt und 82,9% der, in Deutschland so wichtigen, Ausbildung wird in KMU´s durchgeführt. Außerdem erwirtschaftete der Mittelstand ca. 46,7% der Bruttowertschöpfung. 8
1.5 Gegenwärtige Situation des Mittelstandes
Trotz des derzeit anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwungs kommt der deutsche Mittelstand aus einer beinahe Rezessionsphase und hat noch mit den damaligen Gesetzes- und Steuerreformen zu kämpfen. Nach einer Bundesbankstatistik liegt die durchschnittliche Eigenkapitalquote aller deutschen Unternehmen bei etwa 18% und sinkt bei abnehmender Unternehmensgröße auf ein Niveau von 1,2 - 3,3% bei Unternehmen bis 5 Millionen Jahresumsatz. Unternehmen aus angelsächsischen Ländern kommen teilweise auf die doppelte Eigenkapitalausstattung. Negativ fällt auch auf, dass mehr als 50% der kleinen Betriebe kein oder nur ein negatives Eigenkapital aufweisen können. Im Gegensatz dazu stellen Bankkredite immer noch den größten Anteil des Fremdkapitals dar. Da KMU´s die Aufbau- und
Ablauforganisation, sowie die Geschäftsstrategie eher mangelhaft
7 ) Schauerte, Hartmut (Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft u
Technik); 2007
8 ) Vgl. IfM Bonn, http://www.ifm-bonn.org, 2007
1 Mittelständische Unternehmen in Deutschland 7
dokumentieren; eine große Konjunktur- und Branchenabhängigkeit besteht und selten über ausgeprägtes Planungs- und Rechnungswesen, Controlling, oder Nachfolgeregelungen verfügen sind sie stark von den
Umstrukturierungen im Bankensektor berührt worden. 9 Im allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung der Bundesrepublik Deutschland ist aber auch zu großen Stücken der Mittelstand beteiligt und wird von der derzeitigen Koalition wieder in den Mittelpunkt gerückt. Hier soll es eine groß angelegte Mittelstandsinitiative geben. U. a. werden folgende Punkte in der aktuellen Tagespolitik behandelt:
die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen (Steuerpolitik),
einen systematischen Abbau von bürokratischen Hemmnissen, eine Existenzgründungsoffensive als Startschuss für mehr Gründungen, die Stärkung der Innovationsfähigkeit des Mittelstandes, die Weiterentwicklung des Ausbildungspaktes und der beruflichen Bildung,
eine Verbesserung der Finanzierungssituation zur Erleichterung der Investitionstätigkeit,
die Mobilisierung von mehr Wagniskapital für High-Tech-Gründer und junge Technologieunternehmen,
eine stärkere Unterstützung des Mittelstandes auf Auslandsmärkten. 10
9 ) Vgl. Hundt Irina (Rating als Chance) 2003
10 )BMWI, Dokumentation Nr. 561, S. 51
2 Basel II und die Auswirkungen auf KMU´s 8
2 Die Baseler Eigenkapitalanforderungen und deren
Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung bei
KMU´s
Wie Kapitel 1 ist auch dieses Kapitel eine Hinführung an das eigentliche Kernthema dieser Arbeit, nämlich Ratings im Mittelstand. Man kommt bei dieser Thematik aber der Vollständigkeit halber nicht umhin die Grundzüge und Neuerungen die Basel II im Finanzsektor hervorgebracht hat kurz zu umreißen und darzustellen.
Die übliche Bezeichnung für eine internationale Übereinkunft, die von den so genannten G-10-Staaten 11 2004 getroffen wurde, ist in Wirtschafts- und Finanzkreisen „Basel II“. Dabei handelt es sich um ein Konsultationspapier, bzw. Rahmenvereinbarung, die im wesentlichen Empfehlungen für die Eigenkapitalsicherung der Kreditinstitute dieser Staaten gibt. Die Vereinbarung beruht sich auf Vorschläge des Baseler Ausschusses 12 für Bankenaufsicht, daher die Bezeichnung „Basel II“. Grundlage war die Übereinkunft Basel I, in Deutschland bekannt als Grundsatz I des früheren Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen (heute: Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungen).
Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) wurde Anfang des Jahres 2007 in Kraft gesetzt, durch die Umsetzung in nationales Recht, und ersetzte die alte Regelung aus dem Jahr 1988. Kern der neuen, auf drei Säulen basierenden Eigenkapitalvereinbarung ist, dass Kreditinstitute künftig ihre Ausleihungen entsprechend dem individuellen Risiko der Kreditnehmer mit Eigenkapital zu unterlegen haben. Es kommt somit zu einer Modifizierung des bisherigen Grundsatzes 1. Die individuelle Bonität jedes gewerblichen Kreditnehmers muss künftig mit Hilfe eines Ratings ermittelt werden. Zudem wird demnächst zusätzlich auch für die operationellen Risiken einer Bank Eigenkapital vorzuhalten sein.
11 ) Bei die G-10-Staaten handelt es sich um folgende 11 Staaten: Belgien, Deutschland, Frankreich,
Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Niederlande, Schweden, Schweiz und die USA
12 ) Beim Baseler Ausschuss handelt es sich um ein Gremium der internationalen Bankenaufsicht
bestehend aus den G-10-Staaten und Luxemburg
2 Basel II und die Auswirkungen auf KMU´s 9
Ziel ist es letztlich, dass sich die Höhe des Kreditzinssatzes an der Güte des Rating-Ergebnisses der Kreditnehmer orientiert.
Deutschland ist Europaweit mehr von den Änderungen betroffen, da die hiesige Volkswirtschaft im Vergleich zu anderen Ländern wie z. B. Großbritannien deutlich stärker von den so genannten KMU geprägt wird.
Eine bessere Übersicht über die zeitlichen Rahmeneckpunkte bei der Einführung von Basel II gibt folgende Tabelle:
Tabelle 3: Historie Basel II
2 Basel II und die Auswirkungen auf KMU´s 10
Im folgendem sollen noch einmal die Grundzüge von Basel II beschrieben werden:
Der Baseler Ausschuss hat sich das Ziel gesetzt, die Stabilität des Finanzsektors zum Schutz des Verbrauchers sicherzustellen. Basel I stellte dafür bereits verschiedene Anforderungen an Kreditinstitute.
Die Regelungen aus Basel I schrieben Banken vor, für jeden vergebenen Kredit an Unternehmen pauschal 8 % des Kreditvolumens als Eigenkapital (Solvabilitätskoeffizient) zu hinterlegen. Die Rücklageverpflichtung von 8% wurde danach noch mit einer Risikogewichtung 13 multipliziert und daraus ergaben sich die nötigen Eigenmittel der Kredit vergebenen Bank. Dies diente als Sicherheit und zum Schutz der Kunden der Bank, sowie der Stabilisierung des weltweiten Finanzsektors im Falle einer möglichen Insolvenz. Diese pauschale Eigenkapitalhinterlegung wurde durch Basel II, wie oben beschrieben, weiterentwickelt und abgeschafft.
Durch die Einführung von Basel II durch nationales Gesetz gibt es seit dem 01.01.2007 keine pauschale Eigenkapitalhinterlegung von 8 % mehr, sondern die Höhe der Rücklage ist abhängig vom Risiko des gewährten Kredits. Für Finanzierungen mit hohem Risiko muss die Bank dann mehr als 8 % hinterlegen, für Finanzierungen mit geringem Risiko weniger. Die pauschale Solvabilitätskoeffizient von 8% wird zwar auch künftig noch weiter bei behalten, allerdings löst Basel II die starre Risikogewichtung für Unternehmen von 100% auf. 14 Aus diesem Grund sind im Vorfeld einer Kreditvergabe systematische und transparente Methoden zur Bewertung des Finanzierungsrisikos nötig. Dies geschieht über das Rating. So kann die Bank durch externe, sowie interne Ratings ihre Risikogewichtung für Unternehmen mit erstklassiger Bonität auf bis zu 20% senken. Unternehmen mit schlechter Bonität hingegen können mit einem Anstieg der Risikogewichtung auf bis zu 150% rechnen. 15
13 ) In Basel I wurde die Risikogewichtung pauschal eingeteilt in: Staaten 0%, Banken 20%, sowie
Unternehmen/Assets 100%
14 ) Vgl. Hartmann-Wendels, (2003), S. 20 Abb. 6
15 ) Vgl. Hartmann-Wendels, (2003), S. 20
2 Basel II und die Auswirkungen auf KMU´s 11
Für die Kreditvergabe ist also eine Einschätzung notwendig, wie risikoreich eine Finanzierung für die Bank ist. Es muss hier die Wahrscheinlichkeit des Ausfalls, sowie unter Umständen auch der Ausfallbetrag, möglichst genau vorherbestimmt und eingeschätzt werden. Früher war dies alleinig entscheidend für die Kreditzusage (Bonitätsanalyse), heute beeinflusst dies auch die Höhe der Eigenkapitalhinterlegung durch die Bank. Banken wenden Ratings zwar schon seit geraumer Zeit an, sind aber erst seit der Novellierung des KWG und der damit verbundenen Umsetzung von Basel II in nationales Recht, verpflichtet ein Rating als Grundlage einer Kreditvergabe durchzuführen.
2.1 Die 3 Säulen
Die neuartigen Anforderungen an die Banken werden in Basel II durch 3 Säulen beschrieben. Hier verschafft die folgende Abbildung einen guten Überblick:
16 )Vgl. Szczesny, Andrea: ZEW Wirtschaftsanalysen Band 67, 2003
2 Basel II und die Auswirkungen auf KMU´s 12
2.1.1 Mindesteigenkapitalanforderungen
Um dies zu gewährleisten haben Banken die Möglichkeit verschiedene Ansätze zu wählen um das Ausfallrisiko eines Kredites zu bestimmen:
2.1.1.1 Der Standard Ansatz
„Gemäß der Baseler Rahmenvereinbarung "Internationale Konvergenz der Kapitalmessung und Eigenkapitalanforderungen" (Basel II) können (müssen) Banken bei der Bestimmung der Risikogewichte im Standardansatz Bonitätsbeurteilungen (Ratings) externer Ratingagenturen verwenden, sofern die Ratingagenturen von der nationalen Bankenaufsicht anerkannt worden sind. Die nationalen Aufsichtsbehörden müssen dabei die Ratings der anerkannten Ratingagenturen den Risikogewichtungskategorien
(Bonitätsstufen) im Standardansatz zuordnen (sog. Mapping).“ 17
2.1.1.2 Der IRB Ansatz
Der Basisansatz
„Ab 1. Januar 2007 können Institute und Institutsgruppen ihre Kreditrisiken mittels eigener Ratingsysteme messen und darauf aufbauend die regulatorischen Eigenkapitalanforderungen bestimmen (auf Internen Ratings Basierender Ansatz - IRBA).“ 18
Der fortgeschrittene IRB - Ansatz
Die Anwendung des erweiterten (fortgeschrittenen) IRB - Ansatzes ist grundsätzlich erst ab dem 01.01.2008 möglich. Dieser besagt, dass die Bank neben der Schätzung der Ausfallwahrscheinlichkeit auch den Ausfallbetrag selber schätzen darf und muss, sowie Bürgschaften stärker mit einbeziehen kann. Die erhöhten Anforderungen an die Banken werden durch eine geringere Eigenkapitalhinterlegung honoriert.
17 ) www.bundesbank.de/bankenaufsicht/bankenaufsicht_basel_kreditrisiko.php (16.10.2007)
18 ) www.bundesbank.de/bankenaufsicht/bankenaufsicht_basel_irbazulassung.php (16.10.2007)
2 Basel II und die Auswirkungen auf KMU´s 13
Tabelle 4: Unterschiede der 3 Ratingansätze
2.1.1.3 Anmerkungen
Der IRB Basisansatz und der IRB Fortgeschrittener Ansatz unterscheiden sich in Umfang und Aufwendigkeit der eigenen Erhebung der Banken bei den Variablen ihrer Ratings. Es handelt sich dabei um Daten, die die Wahrscheinlichkeit des Ausfalles (Probability of Default; PD), den Ausfallbetrag (Loss Given Default; LGD), die Gewichtung des Geschäftes (w), die erwartete Höhe der ausstehenden Forderung (Exposure at Default, EAD), sowie die Restlaufzeit (Maturity, M) in mathematischen Formel näher beschreiben.
Arbeit zitieren:
Clemens Broch, 2008, Rating von mittelständischen Unternehmen - Optimierungsmöglichkeiten und neuartige Finanzierungsformen, München, GRIN Verlag GmbH
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