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2.1 Sozialgeschichtlicher Ansatz 2.1.1 Rezeptionsgeschichtlicher Ansatz 2.1.2 Ökonomischer Ansatz
2.2 Werkgeschichtlicher Ansatz 2.2.1 Ästhetischer Ansatz 2.2.2 Biographisch orientierter Ansatz
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3.1 Quellen zur Sozialgeschichte 3.2 Quellen zur Werkgeschichte
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„Heute dürfte wohl niemand bestreiten, dass dieses Jahrzehnt eine in jeder Hinsicht bemerkenswerte Zeit war, eine Zeit, wie wir sie womöglich nie wieder erleben werden. Im Nachhinein erstrahlt jede verflossene Ära in einem nostalgischen Glanz, und damals war keinem der Beteiligten das Besondere an den Siebzigern bewusst. (...) In einer Kultur, die sich sogar an den Schock des Neuen gewöhnt hat, in der das Neue von heute schon morgen Geschichte ist und entweder völlig vergessen oder auf unsäglich abgeschmackte Art recycelt wird, haben die Filme der Siebziger nichts von ihrer beunruhigenden Kraft eingebüßt.“ 1 Bereits in dieses Zeilen spiegelt sich die Problematik, mit der sich diese Arbeit beschäftigen will, wieder. Wie ist es möglich, geschichtliche Fakten wissenschaftlich zu analysieren ohne dabei völlig in die Subjektivität abzugleiten? Wie geht man vor, wenn man Phänomene vergangener Epochen adäquat beschreiben will?
Gerade die Zeit gegen Ende der Sechziger bis in die Siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ist geprägt von überkochenden Emotionen und von einer Eigendynamik, die besonders Zeitzeugen aus der geschichtlichen Distanz heraus leicht zur hemmungsloser Nostalgie verleitet. Was zudem erschwerend hinzukommt ist die Tatsache, dass gerade im Falle Hollywood „nur sehr wenige Dinge von Belang schriftlich fixiert werden“ 2 , weswegen also zwangsläufig auf die mündlichen Erinnerungen von Zeitzeugen zurückgegriffen werden muss. Nicht nur aus diesen Gründen ist bei der Quellenrecherche äußerste Vorsicht angebracht.
Gegen Ende der 60ger Jahre, gerade als sich die amerikanische Filmindustrie in einer ihrer schlimmsten Krisen befand - die großen Studios waren durch die schwindende Zahl der Kinobesucher finanziell schwer angeschlagen - kam es in Hollywood zu einer Bewegung, die „von der Presse sofort mit dem Begriff New Hollywood“ 3 bezeichnet wurde. Im Zuge dieser Entwicklung wurden viele im amerikanischen Mainstreamkino bis dato tabuisierten Themen von hoher tagespolitischer und damit vor allem gesellschaftlicher Relevanz durch das Kino an die breite Öffentlichkeit getragen. „Alles Alte war schlecht, und alles Neue war gut. Nichts war heilig, und nichts war unmöglich.“ Die Zeit war reif für eine „Kulturrevolution“ 4 , und das Kino war mehr oder weniger (verzögert) daran beteiligt.
Inwieweit also revolutionierte die Entwicklung Hollywoods in der ungefähren Zeitspanne von 1968 bis 1980 das bis dato vorherrschende amerikanische Mainstreamkino? Mit der
1 Peter Biskind: Easy Riders, Raging Bulls; Rogner & Bernhard Verlag, Hamburg 2000, S.12 f.
2 Peter Biskind, a.a.O., Vorwort, S.7
3 Peter Biskind, a.a.O., S.10
4 Peter Biskind, a.a.O., S.9
4
vorliegenden Arbeit versuche ich diese Thematik mittels verschiedener historischer Ansätze näher zu beleuchten. Zur Beantwortung der Frage stehen verschiedenste Methoden zur Verfügung, die allgemein zusammen mit einer fundierten Quellenrecherche das Grundgerüst für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Geschichte bilden.
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Auch der wissenschaftlich arbeitende Historiker kommt nicht ohne entsprechende Werkzeuge aus, die ihm bei seiner Arbeit helfen. Um zu einem sinnvollen und objektiven Ergebnis zu kommen ist es notwendig, das passende Werkzeug, also den jeweils geeignetsten Ansatz- je nach zu behandelndem Thema und spezieller Fragestellung - auszuwählen. Bei der Herangehensweise reicht es meist nicht aus, eine einzige Methode anzuwenden, vielmehr kommt es darauf an, die passenden Methoden richtig miteinander zu kombinieren. Erst dann ist es möglich, ein einigermaßen wertfreies und umfassendes Bild der jeweiligen Zeit wiederzugeben und deren Phänomene zu ergründen.
Wie geht man also vor, wenn man erörtern will, wie und warum „ New Hollywood“ entstanden ist und was für diese Bewegung so bezeichnend war? Der Begriff des „ neuen“ Hollywood ist natürlich nicht zufällig entstanden, sondern „ impliziert (...) [auch] ein Old Hollywood.“ 5 Ohne den filmhistorischen sowie sozialgeschichtlichen Gesamtkontext, allem voran natürlich Hollywoods Vorgeschichte speziell Mitte der Sechziger Jahre ist es logischerweise kaum zu erklären, was an Hollywood und seinen Filmen ab 1968 so neu war. Bevor man jedoch ein dumpfes „ Vorher-Nachher-Schema“ erstellt, sollte man sich darüber klar werden, welche spezifischen Bereiche von Gesellschaft und Film in dieser Zeit eher mehr und welche weniger wichtig waren. Hatten die gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit Auswirkungen auf die formale bzw. inhaltliche Ästhetik oder die Ökonomie der Filmindustrie? Inwieweit veränderte sich die Art und Weise, Filme zu machen und vor allem auch das Rezeptionsverhalten des Zuschauers? Um diese Fragen zu beantworten, kommt man natürlich nicht umhin, die Filme dieser Zeit zuschauen, sie gegebenenfalls zu analysieren, die Filmemacher in ihrem biographischen Kontext zu berücksichtigen und das System Hollywood mit seinen Hierarchien und seinem sozialen Gefüge an sich zu durchschauen. Wie aus Obigem leicht ersichtlich wird, erscheint mir der sozialgeschichtliche Ansatz am wichtigsten, um zu erklären, wie Hollywood auf gesellschaftliche Umbrüche reagierte. Diese Methode dient auch hervorragend dazu, die sozialen Veränderungen innerhalb der Studios in Bezug auf die Kompetenzverteilung und Autonomie der am Film beteiligten Personen zu
5 Peter Biskind, a.a.O., S.15
5
erklären. Wenn man den sozialgeschichtlichen Aspekt betrachtet, kommt man auch auf keinen Fall um eine Untersuchung der Rezeptionsgeschichte vorbei. Inwieweit spiegeln sich die Bedürfnisse, Wünsche oder auch Ängste des Zuschauers dieser Zeit in den Filmen wieder? Wurden die Filme begeistert angenommen oder kritisch abgelehnt? Beide Methoden, wie andere Ansätze auch, können keinesfalls isoliert voneinander behandelt werden. Weiterhin spielt bei einer von finanziellen Mitteln so hochgradig abhängigen Unterhaltungs-oder Kunstform wie dem Film selbstverständlich auch die ökonomische Geschichte eine Rolle. Wer subventionierte in dieser Zeit wen und warum? In Hollywood war Film schon immer auch ein großes Geschäft. Dieser Komponente muss hohe Beachtung geschenkt werden, denn
„ war das New Hollywood [in seiner ambitioniertesten Form doch] eine Bewegung, die das Kino von seinem bösen Zwilling, dem Kommerz, befreien wollte, um es in den Olymp der Kunst aufsteigen zu lassen.“ 6
Da sich diese Arbeit schließlich mit einem Kapitel der )LOPgeschichte befasst, ist es also auch
unumgänglich die für diese Epoche bezeichnenden Werke mit einzubeziehen. Um den Rahmen nicht zu sprengen, kann dies hier leider nur in begrenztem Umfang stattfinden. Die für den damaligen Zeitgeist wichtigsten Filme und ihre Wirkung auf das Kinopublikum muss natürlich in Wechselwirkung mit dem sozialgeschichtlichen Ansatz betrachtet werden. Darüber hinaus sollten herausstechende Einzelbiographien der Exponenten des New Hollywood exemplarisch mitberücksichtigt werden, um einen Einblick in den Werdegang der Regisseure der Siebziger Jahre zu bekommen, die noch heute für viele Filmbegeisterte „ schimmernde Denkmäler“ 7 hinterlassen haben.
Diese Methoden sehe ich als unerlässlich für einen umfassenden Einblick in die Zeit um die siebziger Jahre und die in diesem Rahmen stattgefundene Filmographie. Andere Methoden, wie zum Beispiel der feministische oder auch der technische Ansatz erscheinen mir zu viel speziell, würden zudem zu weit von meiner eigentlichen Fragestellung weg führen und finden daher keine Berücksichtigung.
Gegen Ende der Arbeit versuche ich schließlich herauszustreichen, welche Quellen man - je nach gewähltem Ansatz - als Grundlage für das wissenschaftliche Arbeiten sinnvoll auswerten sollte, um zu verhindern, dass die Filmgeschichte ohne stichhaltige Belege im luftleeren Raum stattfindet.
6 Peter Biskind, a.a.O., S.14
7 Peter Biskind, a.a.O., S.23
6
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Um die Erneuerung im amerikanische Mainstreamkino verstehen zu können, ist es in erster Linie wichtig, den sozialen Kontext zu kennen. In den 60ger und 70ger Jahren wurde nicht nur Amerika von einer Aufbruchsstimmung erfasst - kulturell sowie politisch. Breite Massen demonstrierten für den Frieden und die freie Liebe. Mit Slogans wie „ make love not war“ protestierte vor allem die westliche Jugend gegen die Jahre des Kalten Krieges, den Krieg in Vietnam, der sich insbesondere für Amerika von einem unscheinbaren Scharmützel zur blutigen Alltagsrealität entwickelte und gegen die Atombombe. Amerikaner wie Europäer wurden zunehmend sensibilisiert, aktiv an der Welt teilzunehmen. Es entstanden Bürgerrechtsbewegungen, die sich für kulturelle und ethnische Minderheiten engagierten, gegen Diskriminierung, Rassenhass (1968 wurde Martin Luther King ermordet) und Imperialismus aufbegehrten und von der Idee einer neuen, gerechteren Welt träumten. Gleichzeitig entstand ein großes Verlangen nach Aufklärung jeglicher Art und so kam es zu einer Liberalisierung alter, überkommener Werte. Insbesondere junge Leute fingen an alternative Lebenspläne zu entwerfen und experimentierten nicht nur im Zuge der aufkeimenden Hippie-Bewegung mit Drogen. Es entstand eine ablehnende Grundhaltung gegen Autoritäten jeglicher Art, egal ob Eltern, Schule, Uni, Militär oder Staat, alles was zum „ Establishment“ gehörte, wurde von der jugendlichen Gegenkultur verteufelt, die sich vor allem auch in der zeitgemäßen Rock- und Popmusik ausgedrückt sah. Die Rebellion der Jugend fand ihren politischsten Ausdruck in den Studentenrevolten der Sechziger Jahre. Inwieweit also beeinflussten diese sozialgeschichtlichen und kulturellen Umwälzungen dieser Zeit die Filmemacher? Bei diesem Ansatz wird Film in erster Linie als soziales Phänomen betrachtet. In diesem Zusammenhang erscheint es mit sinnvoll, die in „ Movies and Society“ von Ian Jarvie vorgeschlagenen vier Fragen zur Soziologie von Film zu erörtern. (übersetzt:) „ 1. Wer machte die Filme und warum? 2. Wer sah die Filme und warum?
3. Was waren die Inhalte und wie und warum wurden sie gesehen? 4. Wie wurden die Filme bewertet, von wem und warum?“ 8
Schon bei diesen grundlegenden Fragen wird deutlich, dass der sozialgeschichtliche Ansatz keinesfalls für sich stehen kann. Wenn es um die Frage geht, wer die Filme dieser Zeit gemacht hat, ist es natürlich von Belang die Filmemacher dieser Zeitspanne mit ihrer individuellen Biographie damit auch der Chronologie ihres Schaffens zu betrachten, was im Zuge des werkgeschichtlichen und biographisch orientiertem Ansatzes stattfinden soll.
8 Robert C. Allen, Douglas Gomery: Film History - Theorie and Practice, McGraw-Hill, New York 1998, S.154
7
Arbeit zitieren:
Roman Seda, 2002, New Hollywood - Inwieweit revolutionierte die Entwicklung Hollywoods von 1968 bis 1980 das bis dato beherrschende amerikanische Mainstreamkino?, München, GRIN Verlag GmbH
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