Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung
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1.1. Vorwort 9
1.2. Planung, Durchführung und Evaluation des Fragebogens 12
2. Sind Helfer das einzige Problem in der Sozialen Arbeit? 14
2.1. Was ist soziale Arbeit? 14
2.1.1. Begrifflichkeit und Zielsetzung 14
2.1.2. Spezifische Merkmale 15
2.1.3. Methoden Sozialer Arbeit 17
2.2. Die hilflosen Sozialarbeiter 18
2.2.1. Bedeutung des Helfens 18
2.2.2. Helferpersönlichkeit 21
2.2.3. Handlungskompetenz in der Sozialen Arbeit 26
2.2.4. Helfersyndrom oder „Wie gestört ?“ 28
2.3. Problemlagen des „unmöglichen Berufes“ 33
2.3.1. Belastungen durch Institution und Arbeitsfeld 33
2.3.2. Belastungen im Team 36
2.3.3. Belastungen durch Klienten 39
2.3.4. Selbstbelastungen 41
3. Von Krankheit, Gesundheit und „Gesundsein“
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3.1. Bedeutung von Krankheit 46
3.1.1. Begriffsdeutung 46
3.1.2. Abgrenzung von Befindlichkeitsstörungen 47
3.1.3. Macht Krankheit Sinn? 48
3.2. Krankheitsstatus der befragten Sozialarbeiter 52
3.3. Exkurs in typische Störungsbilder der Helfer in Sozialer Arbeit 57
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3.3.1. Psychogene Depression 57 3.3.1.1. Abgrenzung 57
3.3.1.2. Begriffsbestimmung „Depression“ 58 3.3.1.3. Epidemiologie 59 3.3.1.4. Symptomatik 60 3.3.1.5. Erklärungsansätze 61
3.3.1.5.1. Die psychoanalytische Ansicht 61
3.3.1.5.2. Theorie der erlernten Hilflosigkeit 61
3.3.1.5.3. Kognitive Theorie von Beck 61 3.3.1.5.4. Die Lerntheorie 61
3.3.1.5.5. Humanistische Theorien 62
3.3.1.5.6. Persönlichkeitszentrierte Ansätze 63
3.3.1.5.7. Lebensereignisse als Auslöser 64
3.3.1.5.8. Multifaktorieller Ansatz 64
3.3.1.6. Möglichkeiten der Intervention und Behandlung 65 3.3.1.6.1. Psychotherapie 65 3.3.1.6.2. Pharmakotherapie 66 3.3.1.6.3. Soziotherapie 68 3.3.1.6.4. Physiotherapie 68
3.3.1.6.5. Ergänzende Therapien 70 3.3.2. Burnoutsyndrom 70 3.3.2.1. Begriffsdeutung 70 3.3.2.2. Symptome 71
3.3.2.3. Burnout als Prozess 72 3.3.2.4. Epidemiologie 75 3.3.2.5. Erklärungsansätze 75
3.3.2.5.1. Persönlichkeitszentrierte Ansätze 75
3.3.2.5.2. Sozial-, arbeits- und organisationsbezogene … 76
3.3.2.5.3. Gegenseitiges Bedingen und das S-O-R-Schema 77
3.3.2.6. Bewältigungsstrategien 78
3.3.2.6.1. Möglichkeiten auf institutioneller Ebene 78
3.3.2.6.2. Möglichkeiten auf personeller Ebene 79
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3.4. Gesundheit und „Gesundsein“ 81
3.4.1. Bedeutung von Gesundheit 81
3.4.1.1. Subjektive Gesundheitskonzepte 81
3.4.1.2. Wissenschaftliche Gesundheitskonzepte 84
3.4.1.2.1. Gesundheitsbegriff der WHO 84
3.4.1.2.2. Gesundheitsmodell der Salutogenese 85 3.4.2. Gesundheitsarbeit 87
3.4.2.1. Gesundheitsförderung und Prävention 87
3.4.2.2. Auf der Suche nach Faktoren der Resilienz 91
3.4.2.3. Gesundheitsfördernde Maßnahmen in der Sozialen Arbeit 93 3.4.3. „Gesundsein“ als Weg und Ziel 96
4. Selbstreflexion 98
4.1. Das Selbst und die Reflexion 99
4.1.1. Wahres Selbst und Selbstbild 99 4.1.2. Selbstreflexion 100
4.2. Weshalb selbstreflexives Arbeiten? 101
4.3. Wie kann ich mich selbst reflektieren? 106
4.3.1. Die Arbeit am Gewahrsein oder „Bewusstheit im Alltag“ 106
4.3.2. Bewusstseinserweiternde Verfahren und Techniken 111 4.3.2.1. Psychotherapie 111
4.3.2.2. Entspannungstechniken 112
4.3.2.3. Tagebuch und Traumdeutung 113 4.3.2.4. Gebete 113 4.3.2.5. Askese 115
5. Meditation 118 5.1. Was ist Meditation? 119 5.1.1. Meditative Stimmungen 119
5.1.2. Meditation als Methode 121
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5.2. Die Arbeitsweise in der Meditation 122
5.2.1. Meditationsfördernde Bedingungen 124 5.2.1.1. Äußere Faktoren 124
5.2.1.2. Die richtige Meditationszeit 126 5.2.1.3. Meditationsritual 127 5.2.1.4. Die innere Haltung 128
5.2.1.4.1. Wesenszüge und innere Einstellung 129
5.2.1.4.2. Der ethische Unterbau 133 5.2.1.5. Die äußere Haltung 137
5.2.2. Meditationshemmende Bedingungen 140
5.3. Wirkungsweise der Meditation 144
5.3.1. Meditation und körperlich-geistige Gesundheit 144
5.3.2. Meditation und seelische Gesundheit 145
5.4. Meditationsformen 147 5.4.1. Grundlegende Stile 147
5.4.1.1. Informelle Meditation oder Achtsamkeit 147 5.4.1.2. Formelle Meditation 148 5.4.2. Eine Methode genügt! 149
5.4.3. Ausgewählte Meditationsmethoden des Buddhismus 151
5.4.3.1. Vergegenwärtigung des Atems 151 5.4.3.2. Metta - Meditation 152
5.4.3.3. Vipassana - Meditation 156
6. Abschluss 160 6.1. Zusammenfassung 160 6.2. Ausblick 164
7. Literaturverzeichnis 168
8. Anhang 181
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Verzeichnis der Experimente und Übungen
Experimente
Experiment 1: Der erste Impuls 28 Experiment 2: Gesundheit 81
Experiment 3: Einfach schauen 107 Experiment 4: Nicht denken 120
Experiment 5: Atem beobachten 124
Experiment 6: Vision ergründen 130
Experiment 7: In Würde sitzen 138
Experiment 8: Sitzen, wie ein Berg 139 Experiment 9: Stopp 148
Experiment 10: Tag der Achtsamkeit 156
Experiment 11: Vipassana - Retreat 157 Übungen Übung 1: Ein- und Ausatmung 151 Übung 2: Zwischenräume 152 Übung 3a: Metta für mich: Liebevolle Gedanken 153 Übung 3b: Metta für mich: Wünschenswerte Formeln 154 Übung 4: Metta für andere 154 Übung 5: Gasho - Meditation 155 Übung 6a: Kontemplation der Vergänglichkeit der Erscheinungen 158 Übung 6b: Kontemplation des eigenen Sterbens 158 6b.1: Tatsache meines Sterbens 159 6b.2: Was stirbt? Was bin ich? 159 6b.3: Die „Fünf Betrachtungen“ 159
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Danksagung
Ich möchte mich herzlich bei allen bedanken, die mich im Entferntesten in meiner Arbeit unterstützten:
Zuallererst, danke ich meiner Ehefrau Sabrina, die mir während des Schreibens den Rücken (und den Kopf) freihielt und oftmals viel Geduld mit mir aufbrachte;
dann danke ich meinen Kindern Maximilian und Josefin, die sich eine Zeit lang auch ohne mich beschäftigen konnten, mich des Öfteren sogar nachts schlafen ließen, sodass ich früh morgens kognitiv leistungsfähig war;
ich danke meinen mir lieben Freundinnen Tanja, Steffi und Sabrina, ihrem Ehemann Ralf, der sie mir ab und zu entlieh sowie meiner Bekannten Manuela;
ich danke allen Kommilitonen für das Ausfüllen meines Fragebogens und zuletzt, dennoch nicht weniger von Herzen
meinem Professor Dierk Trempler dafür, dass ich in vielerlei Dingen von ihm lernen durfte und er mich in meinem Weg stets ermutigte und bestärkte!
1. Einleitung
1.1. Vorwort
„In allen sozialen Berufen ist die eigene Persönlichkeit das wichtigste Instrument; die Grenzen ihrer Belastbarkeit und Flexibilität sind zugleich die Grenzen unseres Handelns.“ (Schmidbauer 2005, S.7)
Aber, wie belastbar und flexibel sind denn die Helfer im Allgemeinen? In den meisten Einrichtungen, in denen ich bisher tätig war, schienen viele Sozialarbeiter, eben gerade diese Kriterien nicht über einen längeren Zeitraum gewährleisten zu können. Oftmals wirkten sie, nach einem kurzen enthusiastischen und idealistisch motivierten Einstieg in die jeweilige Institution, sehr belastet und ließen von ihrem übersprudelnden, kreativen Potential und Tatendrang missmutig ab, um lediglich noch „Dienst nach Vorschrift“ zu verrichten. In Fachkreisen nennt sich dieses Phänomen „Burnout-Syndrom“, ausgelöst z.B. durch Überengagement, Enttäuschung, körperliche und emotionale Verausgabung, Unachtsamkeit bezüglich des eigenen Empfindens und dem „Praxisschock“. Mit meinen Erfahrungen stehe ich auch „leider“ keineswegs alleine, und zugegebenermaßen erschrocken, da: „Dass es um die seelische Gesundheit bei den Angehörigen der helfenden Berufe nicht sonderlich gut bestellt ist [(jenes ist noch eine freundliche sowie motivierende Ausdrucksweise der gravierenden Problematik)], erweisen einige statistische Studien. […] Dabei ist zu berücksichtigen, dass in keiner Berufsgruppe (psychische) Störungen so sehr vertuscht und bagatellisiert werden wie in der, die unmittelbar mit der Behandlung dieser Störungen befasst ist.“ (zit. ebd., S.16)
In meiner Diplomarbeit: „Gesundsein“ trotz Sozialer Arbeit - Selbstreflexion durch Meditation, möchte ich mich also mit dem Thema beschäftigen, weshalb gerade die Helfer in der Sozialen Arbeit, im Vergleich zu anderen Berufsgruppen überdimensional häufig von seelischen Erkrankungen betroffen sind. In diesem Sinne möchte ich die Frage beantworten, ob eher personelle Schwächen (beispielsweise das „Helfersyndrom“) oder doch mehr die aufreibende Tätigkeit der Sozialarbeiter für Erkrankungen, wie dem Burnout-Syndrom und der Psychogenen
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Depression zur Verantwortung zu ziehen sind. Des Weiteren ist es mir ein Anliegen, zu ergründen, welche individuellen Auswege existieren, um diesen Störungen vorzubeugen bzw. welche Faktoren dafür Sorge tragen, dass sich Sozialarbeiter dem „Gesundsein“ nähern. Es geht mir in diesem Rahmen also erstens, nicht um die Klienten Sozialer Arbeit, sondern um die Helfer selbst. Zweitens ist für mich weniger bedeutsam, welche äußeren Arbeitsbedingungen von sozialen Institutionen (höheres Budget, mehr Personal, verringerte Klientenzahl, mehr Entscheidungsfreiheit, Supervision etc.) zur Gesunderhaltung ihrer Beschäftigten verändert werden können. Für mich ist hier entscheidend, welche Möglichkeiten der einzelne Sozialarbeiter im strukturellen Gefüge der Institution hat, für sich selbst Sorge zu tragen, um ungeachtet eventuell auch ungünstiger Vorraussetzungen (trotz Sozialer Arbeit), gesund, belastbar und flexibel zu bleiben sowie an Selbsterfahrung zu gewinnen.
Damit ich mir als Helfer mein „Gesundsein“, was ich deutlich von der „Gesundheit“ abgrenzen möchte, erhalte, ist es für mich essentiell, äußere Belastungen überhaupt als solche wahrzunehmen. Ferner, muss ich auf die derzeitige Belastbarkeit meines Organismus eingehen und letzten Endes, dessen Widerstandsfähigkeit gegenüber auftretenden Stressoren (alltägliche Widrigkeiten, kritische Lebensereignisse und Entwicklungsaufgaben) erhöhen. Meines Erachtens, kann ich mittels der Meditation diesen Erfordernissen Rechnung tragen. Mir ist es möglich in einer Selbstreflexion zu ergründen, inwiefern sich meine Arbeitsbedingungen einschränkend auf mein Wohlbefinden auswirken und, wie es momentan überhaupt um mein seelisches Befinden bestellt ist. Meditation hilft mir darüber hinaus, etwaigen Problemen gelassener und entspannter entgegenzutreten. Meditation stellt damit ein Mittel zum Ausgleich der alltäglichen Betriebsamkeit dar, ist aber noch zu weit größerem im Stande!
Meditation ist Bewusstwerdung, „das grundsätzliche Programm des Lebens, das durch alle Zeiten geht.“ (Kuby 2006, S.221)
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1.2. Planung, Durchführung und Evaluation des Fragebogens
Mein erster Arbeitsschritt war, um diese Thematik für mich zu erschließen, einen Fragebogen zu erstellen (vgl. Anhang A) und in Lüneburg studierende und schon berufstätige Sozialarbeiter, in Form einer postalischen Befragung zu interviewen. (vgl. Bortz u.a. 2006, S.256) Dafür habe ich, im Zeitraum von Mitte Januar bis Mitte Februar 2007, 120 Fragebögen in der Universität Lüneburg sowie verschiedenen Institutionen Sozialer Arbeit (Diakonisches Jugendwohnheim, Lebenshilfe, Caritas Kinderheim) ausgegeben.
Ich entschied mich für einen, der Bandbreite der Thematik kaum gerecht werdenden (und darum auch wenig detaillierten, die Vielfalt reduzierenden), nur zwei Seiten kurzen Fragebogen, um die Mitwirkungsmotivation meiner Kommilitonen und Berufsgenossen nicht überzustrapazieren. Die hohe Rücklaufquote von 62,5 Prozent, was 75 beantworteten Bögen entspricht, gab mir recht und bestätigt meines Erachtens auch den recht interessanten bzw. brisanten Inhalt meiner Umfrage. (vgl. ebd., S.256 f.) Weitere Vorteile dieser quantitativen Methode der Datenerhebung, sind dessen Kosteneffizienz und dessen eher geringe Zeitaufwand, aufgrund seiner Standardisierung.
In meiner Felduntersuchung wollte ich verschiedene Aspekte der beruflichen Situation (Arbeitszeitbelastung; subjektive Einschätzung von Handlungskompetenz, Handlungsspielraum, Sinnhaftigkeit, äußerer Wertschätzung des Tuns; erlebter Stresshäufigkeit; Zufriedenheit mit der Arbeitssituation und der finanziellen Vergütung), der gesundheitlichen Situation im Bezug auf salutogene Bedingungen bzw. Resilienzfaktoren (im Sinne der Säulen von Gesundheit: Ernährung, Bewegung, Entspannung und Regeneration, Freizeitaktivitäten) des aktuellen Befindens, des Krankenstatus (z.B. Burnout und Depression) und der Berufsmotivation der Helfer herausstellen und in Erfahrung bringen. Meine zwei zentralen Hypothesen sind folgende: Erstens müssten subjektiv als problematisch eingeschätzte und tatsächlich schwierige Bedingungen Sozialer Arbeit, das individuelle und allgemeine Wohlbefinden der entsprechenden Person senken. Zweitens müsste die Person, sofern sie über gesundheitlich relevante
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Ressourcen verfügt und/oder sich um salutogene Bedingungen bemüht, ihre seelische Gesundheit wiedererlangen, halten bzw. stärken. Für die Einschätzung des aktuellen Befindens, bediente ich mich der Überdrussskala von Aronson, Pines und Kafry von 1983 (zit. aus Reiners-Kröncke u.a. 2003, S.133 f.; vgl. Anhang B), welche ich in meinem Fragebogen exakt übernahm, um ein genaues, empirisch abgesichertes Hilfsmittel zur Belastungsberechnung der Symptome des Burnout-Syndroms handhaben zu können.
Da ich die Fragebögen zumeist ohne mein Beisein beantworten ließ, was Zugangsängste reduziert, die Anonymität wahrt und damit wahrheitsgetreuere Antworten, als bei offenen Interviews verspricht (vgl. Flick 2006, S.86) musste ich die Fragen, trotz knapper Abfassung, leicht verständlich formulieren. Dies gelang mir anscheinend nicht immer, da ich im Nachhinein von einigen Studenten auf Ungereimtheiten angesprochen wurde. Hier kam es z.B. zu Schwierigkeiten bei den Bewertungsvorgaben im Bezug zur aktuellen Befindlichkeit. Im Nachhinein ist mir ebenfalls deutlich geworden, dass ich aufgrund des eher kurzen Fragebogens, einige Kriterien (z.B. den Aspekt der Bewegungs- und Entspannungsgewohnheiten) zu wenig spezifizierte, was mir genauere und effizientere Ergebnisse vorenthielt.
Da ich mich für vorgegeben Antwortvarianten entschied, war es mir ein leichtes, einzelne und zum Index zusammengefasste Kriterien des Fragebogens im Auszählverfahren auszuwerten. (vgl. Bortz u.a. 2006, S.143 ff. und S.254 f.; Kromrey 2002, S.177 f.) Hierbei gelang es mir zwar Zusammenhänge verschiedener Gegebenheiten festzustellen, nicht immer aber die Frage ihrer Kausalität zu beantworten.
Für die Darstellung meiner Fragebogenergebnisse verzichte ich auf ein extra dafür angelegtes bzw. vorgegebenes Kapitel. Es erschien mir plausibler und lesefreundlicher, speziell erhobene Daten, dem zugehörigen Abschnitt anzugliedern.
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Im zweiten Kapitel (der erste Abschnitt ist die Einleitung die sie gerade lesen), werde ich mich mit dem Sozialarbeiter an sich und dem sozialen Arbeitsfeld als ganzem beschäftigen. Ich thematisiere also, sowohl die spezifischen Merkmale und Problemlagen Sozialer Arbeit, als auch die Bedeutung des Helfens (u.a. der Schwierigkeit eines konstruktiven Unterstützungstransfers), der Helferpersönlichkeit und seiner Handlungskompetenz.
Abschnitt drei, dient mir dazu, auf die Dimensionen Krankheit, Gesundheit und „Gesundsein“ einzugehen, den Krankheitsstatus der Sozialarbeiter zu beleuchten, einen Exkurs in typische psychische Störungsbilder (Burnout-Syndrom, Psychogene Depression) der Sozialarbeiter aufzuzeigen und gesundheitsfördernde Maßnahmen sowie das Gesundheitsverhalten der befragten Helfer anzusprechen. Anschließend folgt meine Auseinandersetzung mit der Thematik Selbstreflexion. Hier werde ich versuchen zu erläutern, weshalb gerade in Helferberufen die Selbstreflexion und im weiteren Zusammenhang, die Selbsterkenntnis eine so bedeutsame Rolle spielt. In diesem Aspekt verdeutliche ich ebenfalls, wie selbstreflexives Arbeiten möglich ist bzw. welche bewusstseinserweiternden Techniken und Verfahren dem Helfer zur Verfügung stehen.
Mit dem Kapitel fünf, beabsichtige ich, den Sozialarbeiter (und natürlich auch den Leser) in die Meditation, einer selbstständig durchführbaren Methode der Selbstreflexion und Gesunderhaltung, einzuführen und ihm somit ein „Rüstzeug“; im Sinne der Erweiterung der eigenen Handlungskompetenz, mit auf den Weg zu geben. Ich erläutere demnach nicht nur einzelne Techniken, sondern stelle ausführlich die generelle Arbeitsweise in der Meditation, fördernde und hemmende Bedingungen sowie ihre Wirkungsweise dar.
Im sechsten Abschnitt, den Schlussfolgerungen, fasse ich die wichtigsten Ergebnisse meiner Arbeit noch einmal grob zusammen und wage in einem Ausblick den Helfer zu betrachten, der sich an seinem „Gesundsein“ erfreut, der dem gegenwärtigen Moment Aufmerksamkeit schenkt und deshalb auch von diesem mit Belastbarkeit und Flexibilität u.v.m. beschenkt wird.
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2. Sind Helfer das einzige Problem in der Sozialen Arbeit?
Bevor ich mich dem Helfen als Tätigkeit, der Persönlichkeit des Helfers an sich und anderen „Problembereichen“ des Aufgabenfeldes widme, möchte ich kurz den Terminus „Soziale Arbeit“ und deren Merkmale erläutern sowie die Ziele und Aufgaben des weitreichenden Arbeitsgebietes beleuchten.
Was ist Soziale Arbeit?
2.1.1. Begrifflichkeit und Zielsetzung
„Soziale Arbeit“ umfasst als derzeitig gebräuchlichster Oberbegriff (auch „Arbeit am Sozialen“ (May 2005, S.36)) sozialpädagogisches und sozialarbeiterisches Handeln. „Unter diesen beiden Begriffen wird eine Vielzahl von Einrichtungen und Maßnahmen zusammengefasst, die Menschen helfen sollen, sich in ihre Gesellschaft zu integrieren (SozPäd) und in ihr ein Leben zu führen, das der Würde des Menschen entspricht (SozArb).“ (Müller 2005 b, S.748) Das Ziel soll dabei nicht sein ein Individuum in gesellschaftliche Gegebenheiten einzuzwängen, sondern „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten, den Menschen dort abzuholen, wo er steht und ihn in Hilfeprozesse zu partizipieren. (vgl. Kreft u.a. 2005, S.768) Galuske (2005, S.54) bezeichnet die „Hilfe zur Selbsthilfe“ als „mittlerweile zur Worthülse verkommene Leerformel“ und kritisiert zugleich, dass in der klassischen Methodenliteratur eben doch lediglich eine Anpassung des Subjekts „an etablierte Normalitätsstandards“ gemeint wäre.
In den Kernbereichen der Sozialen Arbeit, der Alten-, Gesundheits-, Kinder- und Jugend- sowie die Sozialhilfe, werden helfende, beratende, pflegende, erziehende und bildende Tätigkeiten geleistet. (vgl. Kreft u.a. 2005, S.768) Für die kommenden Absätze und Kapitel dieser Arbeit möchte ich die Leser darauf hinweisen, dass ich die in der Sozialen Arbeit berufliche wirkenden Personen zur Vereinfachung synonym als „Sozialarbeiter“, „Sozialpädagogen“ oder „Helfer“ (frei von anderen Definitionen) bezeichnen werde. Ferner sei es mir entschuldigt, wenn ich, um eine bessere Lesbarkeit meines Aufsatzes bemüht, auf die weiblichen Bezeichnungsformen eben genannter Personengruppen verzichte. Wenn ich also
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von dem „Sozialarbeiter“ schreibe, so darf und soll sich ebenfalls die Sozialarbeiterin angesprochen fühlen.
2.1.2. Spezifische Merkmale
Würde Soziale Arbeit ausschließlich mit deren Ziel einer Hilfs- und Unterstützungsleistung bedürftiger Menschen in ihren individuell als problematisch angesehenen Lebenslagen gleichgesetzt werden, so bliebe unschlüssig, inwiefern eine Differenzierung zu anderen helfenden Professionen (z.B. Ärzte, Psychologen) erklärbar wäre und womit der Sozialarbeiter seine Bedeutung im Hilfeprozess rechtfertigen könne. Es bedarf demnach einer weiteren Spezialisierung Sozialer Arbeit, um als eigenständige Profession Anerkennung zu finden. Dies geschieht in der Herauskristallisierung von hauptsächlich vier elementaren Merkmalen, die ich nachfolgend darstellen möchte:
a) Soziale Arbeit ist durch ihre Allzuständigkeit gekennzeichnet. Jede individuelle Problemlage kann sozialpädagogische Interventionen auf den Plan rufen. Allzuständigkeit heißt jedoch nicht, dass „die Legitimation dafür geschaffen wird, sich prinzipiell in alles einzumischen. Dies wäre […] eine Überschätzung der professionellen Interventionsmöglichkeiten. Der einzelne Sozialarbeiter kann nicht Fachmann für alles sein und ist nicht Fachmann für alles.“ (Galuske 2005, S.37) Allzuständigkeit meint, dass nicht jedes Thema Sache Sozialer Arbeit ist, es aber eine enorme Vielfalt von Problembereichen gibt, die durchaus zum Thema werden können.
b) Des Weiteren findet keine Monopolisierung von Tätigkeitsfeldern bzw. keine Abgrenzung von Kompetenzbereichen statt, wie dies in anderen Professionen üblich ist. (vgl. ebd., S.38; Gildemeister 1996, S.443) Bei der Fallbearbeitung ist der Helfer meist nicht alleine zuständig. Dieser wirkt oft gemeinsam mit Ärzten, Psychologen, Psychotherapeuten, Lehrern, Juristen, Sonderpädagogen etc., aber auch mit Laien und ehrenamtlichen Mitarbeitern, also in einem so genannten multiprofessionellen Kontext. „Innerhalb dieser professionellen Arbeitszusammenhänge existiert zumeist ein Statusgefälle, das sich z.B. in ungleicher Bezahlung niederschlägt und das seinen Ausdruck zumeist in differierenden Einflusschancen auf die Gesamtarchitektur der Fallbearbeitung
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findet. Sozialpädagogische Fachkräfte sind nicht selten am unteren Ende der Statushierarchie angesiedelt, nicht zuletzt auch deshalb, weil ihnen […] ein klarer Fokus der Tätigkeit fehlt.“ (Galuske 2005, S.38)
c) Der dritte Aspekt „ist die Schwierigkeit, Kompetenzansprüche in Bezug auf Probleme durchzusetzen, die solche des täglichen Lebens sind […], so dass es für ein Laienpublikum schwer einsehbar ist, dass es hier besonderer Fähigkeiten oder besonderer >Experten< bedarf.“ (Gildemeister 1996, S.444) Laien, so auch Galuske (vgl. 2005, S.40), verstehen oftmals nicht welches spezifische Können (vgl. Kapitel 2.2.3. dieser Arbeit: Handlungskompetenz) es rechtfertigen soll, die Schwierigkeiten des Alltags anderer zu lösen, sich speziell für dieses Faktum ausbilden zu lassen und letztendlich auch noch ein Gehalt dafür zu beziehen. Doch nicht jedes Problem kann im sozialen Umfeld gelöst werden. Oftmals verfügen Klienten Sozialer Arbeit weder über einen quantitativen (Anzahl möglicher Laienhelfer), noch über einen qualitativen (für den Hilfeprozess wertvollen) Bekanntenkreis, der sich in der Fähigkeit ausdrückt, frei von Subjektivität und Eigennutz produktiv zu sein. Doch auch die Soziale Arbeit, weist in den Bereichen „Alltagsnähe, Nachvollziehbarkeit und Akzeptanz“ des Lebensumfeldes ihrer Klientel durchaus Schwächen auf, welche als Stärken der Laienhilfe gelten. Sozialarbeiter können hingegen „im besten Fall - Distanz, Rationalität, Horizont, Qualifikation und Information in die Waagschale werfen“. (zit. ebd., S.44) Es ist folglich nicht die Frage ob entweder der Laien- oder der professionellen Hilfe in Problemlagen der Vorrang einzuräumen ist, sondern wie sie sich (in einem Sowohl-als-auch) sinnvoll ergänzen können.
d) Als vierte Bedingung ist die staatliche Abhängigkeit der Sozialen Arbeit, die in bürokratische Strukturen bzw. Organisationen eingebunden ist, eklatant. Sie „agiert im Rahmen eines weit verzweigten, selbst für Fachleute kaum noch überschaubaren Sozialrechts. Professionelle Hilfe kann nur in Kenntnis und in Bezugnahme auf die sozialstaatlichen Gewährleistungsgarantien offeriert werden.“ (Galuske 2005, S.44) Ferner kann diese Hilfeleistung nur dort stattfinden, wo sie von Bund, Ländern und Gemeinden bezahlt wird. Und in
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Zeiten des knappen Staatshaushaltes fällt zudem die Bewilligung von Geldern meist geringer aus, als für den Problemlösebedarf vonnöten wäre. „Das Handeln in der Sozialen Arbeit ist damit zwei entgegengesetzten Sphären gleichzeitig verpflichtet, den pädagogisch-sozialtherapeutischen Maßnahmen auf der einen Seite und den rechtlich-organisatorischen Bedingungen auf der anderen. Dies wird unter dem Stichwort des >doppelten Mandats< angesprochen und steht einer Autonomisierung der Berufsausübung systematisch entgegen.“ (Gildemeister 1996, S.443)
2.1.3. Methoden Sozialer Arbeit
In der Professionalisierungsdebatte von Sozialer Arbeit (vgl. u.a. Galuske 2005, S.121 ff., Merten 2005, S.660 ff.) bekommen die Methoden eine besondere Bedeutung als Handlungswerkzeug zugeschrieben. Sie gelten als ein Glied der professionellen Handlungskompetenz von Sozialpädagogen. „Methoden Sozialer Arbeit sind systematische Handlungsformen für den zielgerichteten beruflichen Umgang mit sozialen Problemen. Sie speisen sich aus professioneller Ethik, Sozial-und Humanwissenschaften und reflektierter Berufserfahrung. […] Methoden enthalten Aussagen über die Ziele, Gegenstände und Mittel des reflektierten Handelns; sie sind zielgerichtet, prozessorientiert und systematisch strukturiert.“ (Krauß 2005, S.580) Die jeweiligen Methoden sind bei einem Hilfeprozess jedoch nicht als starre Handlungsrichtung zu verstehen, auch machen sie allein als technisches sozialarbeiterisches Inventar noch lange keinen guten und handlungskompetenten Sozialarbeiter aus. Wohl aber helfen sie, den Berufsalltag zu strukturieren, sowie zu vereinfachen (und dadurch zu entlasten), ferner unterstützen sie die Bearbeitung und Lösung sozialer Problemlagen. Des Weiteren bewirken sie ein selbstbewusstes und souveränes Auftreten der Helfer in ihrer beruflichen Identität (Handlungssicherheit) und mittels Evaluierung eine Steigerung sozialarbeiterischer Reflexion (die auch den Klienten zu Gute kommt). (vgl. Krauß 2005, S.581 f.) „Aus der Sicht der Klienten erhöht methodisches Handeln der Sozialarbeiter die Kalkulierbarkeit der Interventionen und bietet […] Schutz.“ (Galuske 2005, S.160)
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Die Handlungskonzepte und Methoden in der Sozialen Arbeit lassen sich in direkt interventionsbezogene Konzepte und Methoden (z.B. im Einzelfall: Soziale Einzelfallhilfe, Klientenzentrierte Beratung, Mediation; gruppenbezogen: Soziale Gruppenarbeit, Gemeinwesenarbeit, Empowerment, Streetwork, Themenzentrierte Interaktion etc.), in indirekt interventionsbezogene (Supervision und Selbstevaluation) und Struktur- und organisationsbezogene Methoden (Sozialmanagement und Jugendhilfeplanung) differenzieren. (vgl. ebd., S.167) Alle Methoden zu erklären oder ausführlich darzustellen, sprengt bei weitem diese Arbeit und ist auch nicht mein Ziel. Auf spezielle Bereiche, welche die selbstreflexive Kompetenz von Sozialarbeitern anschneiden (Selbstevaluation und Themenzentrierte Interaktion), werde ich im Kapitel der Selbstreflexion detaillierter eingehen.
Einem anderen Menschen helfen bzw. ihm helfen, sich selbst zu helfen, ist, wie ich im Abschnitt 1.1.1. dieser Arbeit dargelegt habe, das höchste Ziel und Auftrag Sozialer Arbeit. Doch was ist mit „Hilfe leisten“ gemeint? „Auffallend bei fast allen Klassifikationen ist der unspezifische Gebrauch des Begriffes >Hilfe<. […] Die Verwendbarkeit dieses Begriffes in Kommunikationen über berufliches Handeln beruht auf einem ungeklärten Konsens und auf nicht weiter hinterfragten >Gewissheitserlebnissen< der Beteiligten. […Er ist schon alleine] deshalb zu kritisieren, weil in der Sozialarbeit auch Handlungen durchgeführt werden, die man umgangssprachlich kaum als >helfen< bezeichnen würde.“ (Blinkert 1979, S.25; vgl. auch Müller 2005 a, S.418) Gemeint sind hier unter anderem Tätigkeiten der Fürsorge, Reparatur, (sozialen) Kontrolle oder sogar der Bevormundung, die entgegen einer erwarteten Definition von „Hilfe“, keine Hilfesuche ihrer Klienten als Grundlage haben und diese, sowie die individuellen Bedürfnisse der sich Anvertrauenden als scheinbar weniger relevant betrachten als etwaige Interessen der Sozialen Arbeit. (vgl. Gussone u.a. 2000, S.70 f.) Hilfe, die jedoch weder gebraucht noch gewollt wird, verliert sich „ins Leere. [Sie] trennt statt zu verbinden.“ (Hellinger 2005 a, S.14)
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Bierhoff unterteilt „nützliches Helfen“ grob in zwei Kategorien, das altruistische Verhalten und das professionelle Helfen und untersucht sie in seiner Forschungsarbeit „Psychologie hilfreichen Verhaltens“ (vgl. 1990). Altruistisches Verhalten erfolgt, wenn der Helfer „die Absicht hat, einer konkreten Person eine Wohltat zu erweisen und wenn der Akteur freiwillig handelt (und nicht im Rahmen der Aufgaben, die sich durch dienstliche Rollenverpflichtungen ergeben).“ (zit. ebd., S.9) Sollte demnach der Helfer einen Verdienst für sein Handeln (z.B. in Form von Gehalt) beziehen, so kann nicht mehr von altruistischem Verhalten gesprochen werden, da dies genügend motivieren dürfte, seinen Dienst zu verrichten. Das altruistische Sich-Einsetzen für sein Gegenüber erfolgt spontan, aus Mitleid (vgl. Schmidbauer 2007, S.200) bzw. wird im Buddhismus als Mitgefühl verstanden. Mitgefühl ist bedingungslos und allumfassend und reicht dabei von der Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und ihr Leiden bis zu einem gewissen Grade nachzuempfinden, bis hin zu der Stufe, in der „uns selbst das geringste Leid anderer derart bewegt, dass wir ein alles übersteigendes Verantwortungsgefühl ihnen gegenüber empfinden. Das veranlasst einen mitfühlenden Menschen, sich ganz und gar dem anderen zu widmen, indem er ihm dabei hilft, sowohl das Leid als auch die Ursache dieses Leides zu überwinden.“ (Dalai Lama 2003, S.138) Wenn auch vielleicht nicht in dieser Form, so ist aber gerade das altruistische Ideal des Helfens, der Wunsch, einer sinnstiftenden Tätigkeit nachzugehen, eine grundlegende Studien- und Berufsmotivation von Menschen die in sozialen Tätigkeitsfeldern arbeiten wollen. (vgl. Knüppel u.a. 1987, S.136 f. und 146 f.; Schmidbauer 2007, S.231)
Professionelle Helfer mit einer zumeist speziellen Berufsausbildung (Ärzte, Juristen, Psychologen, Sozialarbeiter etc.) „haben gemeinsam, dass sie anderen Menschen [im Rahmen ihrer Rollenverpflichtung] eine Wohltat erweisen, wenn diese sich in einer persönlichen Notlage befinden oder der Hilfe bedürfen. Mit der Wohltat wird beabsichtigt, eine Reduzierung oder Beseitigung herbeizuführen.“ (zit. ebd., S.10) Schmidbauer (2007, S.200) bezeichnet diese Form des Helfens als „rational gesteuerte, geplante Interaktion mit Tauschwertcharakter“. In dem Sinne des „Helfens als Ware“ (vgl. ebenfalls Fengler 2001, S.16) setzt die Unterstützungsleistung folgendes voraus:
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a) „Eine Person befindet sich in einer Situation, die ihr als problematisch erscheint und die sie negativ bewertet.
b) Sie sieht sich außerstande, selber ihr Problem zu lösen.
c) Sie wendet sich deshalb an andere Personen oder Instanzen, von denen sie glaubt, dass sie einen Beitrag zur Problemlösung leisten können, oder sie lehnt es nicht ab, wenn diese selbst die Initiative ergreifen.
d) Von Seiten dieser Instanz werden Bemühungen unternommen, die negativ bewertete Situation der Person zu verändern oder einen Ausgleich für die negativ bewerteten Folgen der Situation anzubieten.“ (Blinkert 1979, S.30)
Von dem gerade beschriebenen „nützlichen Helfen“, lässt sich das „egoistische Helfen“ deutlich differenzieren. Diese Form der Unterstützung dient vor allem dem (oft auch unbewussten) Ziel, sich selbst zu stützen und sein eigenes Wohlergehen vor dem der anderen zu stellen. Unbestreitbar ist zwar, dass dem professionellen Helfen ebenso egoistische Motive (z.B. Ansehen oder Gehalt) zugrunde liegen können, jedoch ist hier auch eine altruistische Komponente auffindbar. Altruismus bedeutet demnach, die Interessen und das Wohl anderer in den Mittelpunkt des eigenen Wirkens zu rücken. (vgl. Bierhoff 1990, S. 179) Egoistisches Helfen ist nach Schmidbauer (2007, S.200) die „Suche nach narzisstischer Befriedigungnach Geltung, Macht, Ansehen, nach emotionaler Nähe bei gleichzeitig erhaltener Kontrollmöglichkeit“ und setzt demnach emotionale und/oder materielle Vorteile, die überwiegend „dem Helfer helfen“, voraus.
Demjenigen, der unterstützt, ist unter anderem möglich, sein Selbstwertgefühl zu steigern, indem er den Leistungsbeziehenden seine Kenntnisse, Fähig- und Fertigkeiten, allgemein gesprochen: seine Stärken aufzeigen kann. (vgl. Bierhoff 1990, S.105) Sein omnipotenter Hilfsdienst „vergönnt“ ihm ebenfalls, sein eigenes Leiden nicht zur Kenntnis zu nehmen, seine Hilflosigkeit zu überspielen bzw. dadurch „selbst symptomfrei“ zu bleiben. (vgl. Fengler 2001, S.16; Stevens 1993, S.133) Wenn das Helfen an sich Kontaktersatz ist, so kann der Helfer seine Isolationsangst überwinden (vgl. Fengler 2001, S.15; Gerhard 1979, S.15 f.) und befriedigt auf eine sinnstiftende Tätigkeit blicken (vgl. Schmidbauer 2007, S.15).
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In der Tat dient Helfen immer auch uns selbst. Einerseits sind „wir Menschen […] in jeder Hinsicht auf die Hilfe anderer angewiesen. Nur so können wir uns entfalten. Zugleich sind wir auch darauf angewiesen, anderen zu helfen. Wer nicht gebraucht wird, wer anderen nicht helfen kann, der vereinsamt und verkümmert.“ (Hellinger 2005 a, S.13; vgl. auch Müller 2005 a, S.418) Da jedermann ebenfalls in eine Notsituation geraten kann, ist es auch gedanklich fassbar und sinnvoll, anderen einen (altruistischen) Hilfsdienst zu erbringen. (vgl. Bierhoff 1990, S.11) Die Kunst dabei ist zu reflektieren (wissen und spüren), wann diese Leistung (vom „Bedürftigen“) gewollt, möglich und in welchem Rahmen sie nötig ist. Andernfalls ist Helfenwollen „eines der gebräuchlichsten und auch weithin akzeptierten Mittel das Erleben des anderen nicht zu respektieren, […] ihn mit Hilfe zu überwältigen, wenn es ihm schlecht geht. Dies „Hilfreich-Sein“ […] hindert den Betreffenden daran, seinen Kummer und Ärger, seine Einsamkeit voll zu empfinden. Nur wenn er all dieses ganz durchlebt, kann er es akzeptieren, in den Erfahrungsschatz seines Lebens aufnehmen“ (Stevens 1993, S.133). Einerseits nicht zu helfen, wenn das Potential des Gegenübers erkannt wird (auch wenn es bislang ungenutzt blieb), gerade auch um jenes individuelle Selbst (den Subjektstatus) zu wahren, und andererseits in einer solchen Art zu helfen, „dass es im Einklang ist mit dem anderen und mit seinem Schicksal und seiner Seele und dass er daran wachsen kann und muss, das ist eine Kunst. […] Das große Helfen und das Helfen als Kunst braucht Kraft. Und es braucht Einsicht. Und es braucht diese umfassende Liebe.“ (Hellinger 2005 b, S.11 f.)
Helferpersönlichkeit
Doch inwieweit ist das geforderte Helferprofil aus Kraft, Einsicht sowie einer umfassenden Liebe (siehe oben) realistisch, sprich tatsächlich in professionellen Helferberufen gegeben - oder gleicht der Gedanke eher einer wunderbaren Vision eines altruistischen Ideals?
Wenn Helfen ein Leistungstransfer von einem Gebenden zu einem Nehmenden ist, so setzt der Vorgang voraus, dass derjenige, der gibt, etwas hat oder kann oder ist, was sein Gegenüber braucht. Der Helfer muss folglich über spezielle (materielle,
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körperliche, geistige und/oder seelische) Energien, über Fähig- und Fertigkeiten verfügen, an denen es dem „Bedürftigen“ mangelt. (vgl. Hellinger 2003 a, S.14) Welche Person interessiert sich schon für die neu entwickelten Diätformen eines übergewichtigen Ernährungsexperten, wer erhofft sich Erholung von einem gestressten Entspannungstrainer oder Besserung bei einem kranken Arzt und was könnte einen Menschen dazu bewegen, zu einem unselbstständigen Sozialarbeiter zu gehen, der sein Leben nicht „im Griff“ hat, der beziehungsunfähig und „unnormal“, also gesellschaftlich untragbar ist? Niemand, zumindest niemand, der sich selbst im Verhalten und Umgang mit anderen reflektiert. Nach meiner Erfahrung sind es jedoch nicht wenige, welche sich von hilflosen Helfern unterstützen lassen, nur um irgendwann aufzuwachen und zu bemerken, dass sie entweder noch an der gleichen Stelle stehen wie zuvor, oder sich an einem Ort befinden, zu dem sie niemals wollten. Wenn ich unhinterfragt den Sozialarbeiter als „weisen Mann“ gen Himmel stilisiere, mich selbst als Hilfebedürftigen klassifiziere und die Verantwortung für mein Leben dem Helfer in die Hand gebe, braucht es mich kaum zu wundern, dass dieser scheinbar besser weiß als ich selbst, was mir gut tut und was ich benötige. (vgl. Wartenweiler 1989, S.84)
Wenn ich allerdings ein Gespür dafür habe, was mir zum Ausgleich fehlt, wende ich mich an jemanden, der mir ein Vorbild sein kann, von dem ich glaube, er könne mich dabei unterstützen, meine Probleme (auch selbst) zu lösen. Solche „Helferinnen und Helfer sollten ein bisschen gesund, angstfrei und lebensbejahend sein und ihren Alltag bewältigen können, wenn sie beanspruchen, anderen den Weg zu diesen Eigenschaften zu weisen. Zu einem Helfer möchte man ein wenig aufsehen, ihm Respekt und Hochachtung entgegenbringen, nicht aber den Eindruck gewinnen, er sei hilfebedürftiger als man selbst.“ (Fengler 2001, S.18) Und tatsächlich gaben die Befragten meiner Felduntersuchung (siehe unten, Tabelle 1) zu 78 Prozent an, sich „niemals bis selten“ hilflos zu fühlen. Auch das „Ausgebrannt-Sein“ negierten 72 Prozent und ca. die Hälfte aller werdenden und schon in der Praxis tätigen Sozialarbeiter beschrieben, „niemals bis selten“ körperliche oder emotionale Erschöpfung zu spüren. In der Kategorie „oft bis immer“ berichteten die an der Untersuchung Teilnehmenden, zu 70 Prozent
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glücklich, zu 82 Prozent optimistisch und zu 68 Prozent tatkräftig zu sein. Sieben Prozent der Befragten aber sagten über sich selbst aus, „oft bis immer“ hilflos zu sein, zu der gleichen Kategorie zählten sich elf Prozent, die sich als grundlos traurig empfanden, und vier Prozent, die sich als lustlos einschätzten. Fraglich ist nach diesem Befund jedoch (sollten die Ergebnisse nicht nur eine Momentaufnahme der psychischen und emotionalen Faktoren sein), inwiefern diejenigen produktive Hilfsleistungen im kommunikativen Sinne der Beziehungsgestaltung offerieren können, die angaben, „niemals bis selten“ glücklich, optimistisch oder tatkräftig sowie „oft bis immer“ körperlich und emotional erschöpft, ausgebrannt, hilflos, grundlos traurig und voller Sorgen zu sein.
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(Tabelle 3, Zufriedenheit mit der beruflichen Situation)
Wie viel Energie eine Person in ihr Handeln investieren kann, sprich mit welchem Maß sie befähigt ist, anderen Menschen zu helfen, ist unter anderem davon abhängig, wie zufrieden sie mit ihrer allgemeinen Arbeitssituation ist, wie sie ihre Handlungskompetenzen bezüglich ihrer Beschäftigung einschätzt und für wie sinnvoll sie ihre Tätigkeit erlebt. (vgl. Tabelle 2)
Die Tabelle 2 zeigt diesbezüglich Korrelationen auf. Aus den angegebenen Werten der fünf Faktoren „befriedigende Arbeitssituation“, „Einschätzung eigener Handlungskompetenz“, „Einschätzung des eigenen Handlungsspielraumes“, der „Sinnhaftigkeit“ und der „Wertschätzung“ der Arbeit im sozialen Umfeld bildete ich Quersummen (QS = Indexbildung, vgl. Kromrey 2002, S.) und unterteilte diese in drei Kategorien (a, b, und c: vgl. Tabelle 2). Eine Summe bildet sich dabei aus den Zahlenwerten 1 (welche für ein sehr hohes Maß, z.B. an Zufriedenheit, steht) bis 6 (die das geringste Maß, z.B. an Zufriedenheit kennzeichnet) eines jeden Faktors (die zur Quersumme addiert werden). Zur Quersumme a können sich 27 Prozent, zu b 62 Prozent und zu c noch 11 Prozent der Befragten zählen. Anschließend brachte ich die Quersummen mit verschiedenen Kriterien in Verbindung. Die Kriterien konnten mit den Zahlenwerten 1-7 (1 = niemals; 2 = ab und zu; 3 = selten; 4 = manchmal; 5 = oft; 6 = meist; 7 = immer) bewertet werden und finden sich als Resultat (Zusammenzählung) der Tabelle 2 wieder. Als Ergebnis ist deutlich ersichtlich, dass es klare Zusammenhänge des jeweiligen Niveaus von subjektiver Zufriedenheit und von dem der individuellen Leistungsfähigkeit gibt. Sprich, umso unzufriedener ich bin (mit Arbeitssituation, Handlungskompetenz und -spielraum, Sinnhaftigkeit des Tuns und entgegengebrachter Wertschätzung), desto
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weniger erlebe ich mich glücklich und fühle mich öfter ausgebrannt, hilflos und grundlos traurig.
Ein (stark verkürztes) Beispiel aus der Praxis: Ich komme frisch motiviert in ein neues Arbeitsfeld, habe Ideen, Visionen und bin voll von Tatendrang. Mein noch offener Blick erkennt viel eher als die „betriebsblinden Alteingesessenen“ festgefahrene Handlungsabläufe und unproduktive institutionelle Strukturen. Meine kreativen Veränderungs- und Lösungsvorschläge werden jedoch immer wieder abgeblockt und zusammen mit der Energie meines Potentials vor die Tür gesetzt. Mein Körper und ein Stück Verstand verbleiben allerdings noch in dem Haus, um „Dienst nach Vorschrift“ zu verrichten. Die Lust und Liebe zur Arbeit hebe ich mir doch jetzt lieber für die Freizeit auf, denn wenn ich nicht handeln darf, wie ich kann, verliert die einst sinnstiftende Tätigkeit an Wert und mein Tun an Kompetenz (so die Einschätzung meiner Vorgesetzten, die sich im Sinne einer „Sich-selbsterfüllenden-Prophezeiung“ in meinem Geist festbetoniert). Bin ich so noch verbunden mit meinem Selbst? Ich lebe ausgebrannt! (vgl. den Burnout-Prozess bei Reiners- Kröncke u.a. 2003, S.14 ff.)
Zurück zur Umfrage (siehe Tabelle 3): Im Bezug zu ihrer derzeitigen Arbeitssituation (Studium oder Berufspraxis) betrachten 49 Prozent der Befragten sich als zufrieden oder sehr zufrieden. Mit der eigenen Handlungskompetenz liegen 64 Prozent der Untersuchten in derselben Kategorie und sogar 71 Prozent gaben an, mit der Sinnhaftigkeit ihres Tuns zufrieden bis sehr zufrieden zu sein. Hingegen ist etwa ein Viertel aller Sozialarbeiter mit der momentanen Arbeitssituation mäßig bis sehr unzufrieden und erfreulicherweise erleben sich nur rund sechs Prozent der an dieser Befragung Teilnehmenden (in der gleichen Kategorie) als wenig kompetent und ihr Wirken als wenig sinnhaft.
Ein „guter“ Helfer zeichnet sich des Weiteren aus durch altruistisches Wirken, Einfühlungsvermögen, persönliches Engagement, Sensibilität, Toleranz, Energie und Geduld sowie durch das aufmerksame Erkennen von Bedürfnissen und Interessen seiner Klienten, das ergibt eine Befragung von Studenten des Bereiches Sozialwesen. (vgl. Knüppel u.a. 1987, S.144) Zudem ist ein qualifizierter
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Sozialarbeiter durch die Eigenschaften der „Originalität, Selbsteinsicht, Herzlichkeit, Integrität und Selbstbeherrschung zu charakterisieren.“ (Fengler zum Thema: „Erfolgreicher Therapeut“ 2001, S.42)
Handlungskompetenz in der Sozialen Arbeit
Wie schon in Kapitel 2.1.2 dieser Arbeit beschrieben, ist jedoch fraglich, inwieweit sich das professionelle sozialarbeiterische/sozialpädagogische Handeln von dem alltäglichen sozialen Handeln deutlich unterscheiden lässt. Den Menschen in ihren speziellen, teils sehr schwierigen Lebensverhältnissen qualitativ zu helfen, setzt nach Kreft (vgl. 2005, S.405 ff.) ein mehrdimensionales Handlungsprofil voraus, welches sich in Wissen, Können und Haltungen unterteilen lässt:
a) Wissen: „Wissen meint hier die reflektierte Kenntnis wissenschaftlich begründeten Fachwissens der Sozialen Arbeit, sowohl in ihren Grundlegungen (Theorie der SozArb) als auch ihren fachlichen Teilbereichen als auch der sie stützenden Nebendisziplinen (z.B. Psychologie, Soziologie [Recht und Medizin]).“ (zit. ebd., S.405) Dieses Wissen (z.B. das Menschenbild, die Konzepte und Methoden betreffend) soll nicht nur passiv erlernt und als bestehend akzeptiert, sondern selbst aktiv nach dessen individueller Anwendbarkeit überprüft und kritisch bewertet werden. (vgl. Knüppel 1987, S.109)
b) Können: Können meint die konkrete Anwendung des erworbenen Wissens (Konzepte, Methoden > vgl. Kapitel 2.1.3., Techniken und Verfahren) in der Praxis. Dieses Wissen kann nicht eins zu eins in der Arbeit mit dem Klienten übernommen, sondern muss situationsbezogen verändert und auf das Individuum zugeschnitten werden. Ein solches methodisches Handeln setzt voraus, dass man angewandte Tätigkeiten analysiert, plant und nachträglich auswerten kann. „Professionelle müssen ihre Situations- und Problemanalysen, die Entwicklung von Zielen und die Planung ihrer Interventionen verständigungsorientiert, mehrperspektivisch und revidierbar gestalten. Es wird von ihnen erwartet, dass sie in ihren Handlungen transparent und intersubjektiv überprüfbar halten, dass sie diese berufsethisch rechtfertigen, unter Zuhilfenahme wissenschaftlicher und erfahrungsbezogener Wissensbestände
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[…] erklären und begründen und hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bilanzieren können.“ (Spiegel 2005, S.585) Kreft ergänzt den Bereich des „Könnens“ durch zwei weitere Aspekte: die „Kommunikative Kompetenz“ (Fähigkeit zur Kommunikation und Koordination von Klienten- und Trägerinteressen, sowohl intern, als auch extern) und die „administrative/Management-Kompetenz“ (Umsetzung geplanter Inhalte in den vorgegebenen Handlungsstrukturen der Sozialen Arbeit). (vgl. Kreft 2005, S.406 f.)
c) Haltungen: Zum einen wird erwartet, dass der Sozialarbeiter einer sozialpolitischen Grundeinstellung nach dem § 1 SGB I zur Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit und Sicherheit bejahend gegenübertritt. Er soll dabei nicht in distanzierter Haltung nur einen Auftrag ausführen, sondern in mitfühlender Art (so zumindest ist mein Anspruch an einen solchen), bestrebt sein, „ein menschenwürdiges Dasein zu sichern, gleiche Voraussetzungen für die freie Entfaltung der Persönlichkeit […] zu schaffen, die Familie zu schützen und zu fördern […] und besondere Belastungen des Lebens, auch durch Hilfe zur Selbsthilfe, abzuwenden und auszugleichen.“ (Beck-Texte 2006, S.385) Zum anderen ist die Haltung des Helfers durch eine schon schwieriger auf einen Nenner zu bringende, zutiefst individuelle Berufseinstellung (ebenfalls als „soziale Kompetenz“ deklariert, vgl. dazu Brake 1996, S.111 f., Knüppel u.a. 1987, S.111 f.) gekennzeichnet. Hier sind für den Hilfeprozess elementare persönliche Noten wie Empathie, Mitgefühl und Verstehen (Rollenübernahme) sowie eine systematische Sichtweise etc. gemeint. (vgl. ebd., S.111; Kreft 2005, S.407) Rogers (vgl. 2004, S.27 ff.) fügt, auch meines Erachtens, zwei essentielle Komponenten hinzu: die Wertschätzung im Sinne des bedingungsfreien Akzeptierens und die Echtheit (Kongruenz) des Sozialpädagogen in der Zusammenarbeit mit seinen Klienten.
Das eben beschriebene Drei-Komponenten-Modell ergänzen verschiedene Autoren um das Element der Erfahrung, der so genannten Reflexionskompetenz. (vgl. Brake 1996, S.114 f.; Galuske 2005, S.130; Knüppel u.a.1987, S.110 f.) Ein Grund ist die Sorge der drohenden „Kopflastigkeit“ der Sozialen Arbeit, wobei die Gefahr besteht, dass soziales Handeln zur Technik verkommt und sie jeder Menschlichkeit entbehrt.
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(vgl. Brake 1996, S.100) Der Bereich „Erfahrung“ bezieht sich nicht ausschließlich auf die Reflexion genutzter Handlungsansätze, zumal dieses durch die Komponenten „Wissen“ und „Können“ mit abgedeckt wird, vielmehr spricht er die Selbstreflexion des eigenen Subjekts im Umgang (in der Kommunikation) mit anderen an. „Bei der selbstreflexiven oder emotionalen Kompetenz geht es um die Fähigkeit der Selbstreflexion auf die eigenen Motive und Kompetenzkapazitäten hin, also Kompetenzen, die auf emotionale und motivationale Komponenten der Identität Einfluss haben können.“ (zit. ebd., S.114) Solche Einflussfaktoren, die es zu durchleuchten gilt, können eigene Interessen, Normen und Werte der Ursprungsfamilie, institutionelle Regeln und Pflichten und vieles mehr sein. Im Kapitel vier werde ich detailliert erläutern, dass die Fähigkeit, sein Selbst durch Beobachtung zu ergründen (Selbstreflexion) und sich um sich selbst zu sorgen (z.B. Psychohygiene), eine wesentliche Voraussetzung darstellt, um überhaupt anderen etwas geben zu können und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.
Helfersyndrom oder „Wie gestört muss ein Sozialarbeiter sein?“ […] „Die ganz ausgeglichenen, die >Super-Gesunden<, [sind] uninteressiert […] soziale Arbeit im interpersonalen und kommunikativen Sinne zu leisten.“ (zit. Junker, vgl. Gerhard 1979, S. 62 f.) Folglich ist, nach Junker, jede Person die gerne soziale Arbeit leistet, (zumindest leicht) gestört.
Experiment 1: Was ist Ihr erster Impuls, wenn Sie diese Zeilen lesen? … Lassen Sie das Zitat doch einfach für ein paar Sekunden wirken. Und nun, was denken und fühlen Sie? Sind Sie verärgert, sagen Sie: „So ein Quatsch!“ und weisen es zurück, oder denken Sie vielleicht: „Der Mann hat recht!“? Wie kann ich als werdender Sozialarbeiter auf eine solche Aussage reagieren? Nun, ich könnte mich auf den Autoren des Zitats selbst beziehen, das Werturteil postwendend zurücksenden und behaupten: „Im Feedback, sage ich mehr über mich selbst aus, als über den, den ich zu beschreiben versuche.“. Ebenfalls könnte ich mich dadurch verteidigen, dass ich mich auf den Zeitraum vor diesem Artikel beziehe (vor 1979) und erkläre: „Ja, damals vielleicht …, als von professioneller
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Sozialer Arbeit noch nicht die Rede war …!“. Wohl auch wäre es mir möglich, gesellschaftskritisch zu antworten: „Natürlich, in unserer vergleichenden Leistungsgesellschaft, in der es normal ist, gierig selbstverliebt zu sein und egoistisch zu handeln, in der man sein Selbst aufwertet, indem man das der anderen nur lächelnd hinnimmt, muss es schon störend anmuten, wenn jemand >nicht mit dem Strom< schwimmt.“.
Interessant wäre es allerdings auch, wenn ich für einen Moment innehielte, mir bei der Betrachtung meiner Atmung die seelischen Prozesse und Vorgänge bewusst machte und selbstkritisch überprüfte ob und wenn ja, in welchem Ausmaße die Aussage (z.B. im Sinne von „immer helfen müssen“) für mich als Sozialarbeiter durchaus stimmig sein könnte. Gerade das, was für andere oft offensichtlich, für mich selbst jedoch unter dem Deckmantel des Bewusstseins verborgen ist, stößt mich gewaltig (löst heftige Reaktionen in mir aus), weil es das hübsch konstruierte Selbstbild von mir (meine soziale Rolle als Helfer) doch zu arg gefährdet. Schmidbauer (zit. 1992, S.90 in Galuske 2005, S.48) sieht z.B. den Ursprung der hochmotivierten und selbstlosen Hilfeleistung vieler Sozialarbeiter (u.a. Helfer) in deren Persönlichkeitsstruktur gegeben, welche sich in folgenden Faktoren widerspiegelt: „die in der frühen Kindheit erlittene unbewusste und indirekte (1) Ablehnung seitens der Eltern, welche das Kind nur durch besonders starre (2) Identifizierung mit dem anspruchsvollen elterlichen Über-Ich emotional durchzustehen sich bemüht; die (3) verborgene narzisstische Bedürftigkeit, ja Unersättlichkeit; die (4) Vermeidung von Beziehungen zu Nicht-Hilfsbedürftigen auf der Grundlage von Gegenseitigkeit des Gebens und Nehmens und die (5) indirekte Äußerung von Aggression gegen Nicht-Hilfsbedürftige“.
Das so genannte „Helfersyndrom ist die zu einem Teil der Persönlichkeitsstruktur gewordene Unfähigkeit, eigene Gefühle und Bedürfnisse zu äußern, verbunden mit einer scheinbar unangreiflichen Fassade im Bereich sozialer Dienste und latenter Allmachtsphantasien“ (Schmidbauer 2007, S.20), die meines Erachtens im unten aufgeführten Witz gut zum Ausdruck kommt:
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„Was ist der Unterschied zwischen Gott und einem Sozialarbeiter?
Eine solche „unangreifliche Fassade“ (vor der bröckelnden Statik des Selbstwerts) des Sozialarbeiters (vgl. auch Jaeggi 2005, S.48), ein jederzeit kompetenter, heiterer, gesunder und selbstständiger Helfer zu sein, ist unter anderem aber auch darauf zurückzuführen, dass „Hilfebedürftige“ den Anspruch haben, der Helfer müsse in seiner Person die Merkmale an Handlungskompetenz aufweisen, die sie selbst zur Lösung ihrer Probleme benötigen. Sie glauben auch der Helfer komme, besser mit Alltagsproblemen und Belastungen zurecht und sprechen ihm menschliche Schwächen, z.B. Erschöpfung oder Hilflosigkeit ab. Gefährlich wird die Situation, wenn der Sozialarbeiter die Projektion übernimmt und sich nicht mehr gestattet, Angst zu haben, Trauer zu fühlen, krank zu sein und seine Hilfebedürftigkeit zuzugeben. (vgl. Fengler 2001, S.18; Schmidbauer 2007, S.33) Doch kein Mensch ist frei von Schicksalsschlägen, Verlusten oder Misserfolgen und so „zweifelt er zutiefst an sich selbst, wenn er seine […] Unvollkommenheiten nicht überwinden kann, so wie es seinem professionell ausgestalteten Menschenbild entspricht.“ (zit. ebd., S.216 f.)
Nichtsdestotrotz, soll sich das Helfersyndrom nach Schmidbauer schon in den frühen Lebensläufen von Helfern (als abgelehnte Kinder; vgl. Schmidbauer 2007, S.43) entwickeln, die Projektion seitens der Klienten würde dann nur verstärkend wirken. Wellhöfer (vgl. 1988, vgl. in Brake 1996, S.120 f.) überprüfte und bestätigte diese These in einer Untersuchung, in der er Studenten der Sozialen Arbeit mit Studenten anderer Berufssparten (Betriebswirtschaft und Technik) nach dem Kriterium und Ausmaß ihrer innerseelischen Konflikte und Stresssituationen verglich. „Im Ergebnis wurde deutlich, dass sich die Studenten des Fachbereichs Sozialwesen unzufriedener mit dem Leben fühlen, Partnerbeziehungen werden weniger gut beschrieben, sie sind mit ihrem Studium/Beruf unzufriedener und beklagen ihren bisherigen Lebenslauf, sie sehen pessimistischer in die Zukunft, leben mit sich selbst stärker in Unfrieden, sind unausgeglichener, haben ein
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geringeres Selbstvertrauen und sind häufiger schlechter Laune als die untersuchten >anderen< Studenten.“ (zit. ebd., S.121)
Dieses Ergebnis könnte eventuell auch eine Auffälligkeit meiner Untersuchung erklären. Ich nahm an, dass die mit dem „Idealismus des altruistischen Helfens“ gewappneten Sozialarbeiter im Studium noch weit zufriedener, glücklicher und optimistischer sein könnten, sich handlungskompetenter einschätzten und sich aus ihrem Wirken mehr Sinnhaftigkeit versprachen als die schon dem Alltagsstress und Praxisschock (vgl. Gussone u.a. 2000, S.64 f.) ausgesetzten, im Sozialen Berufstätigen. Wären die in Kapitel 2.3. beschriebenen diversen Problemlagen des Berufsalltages einzig ausschlaggebend (und nicht persönliche Faktoren) an dem oft miserablen Befinden der Werktätigen Sozialer Arbeit, so müssten mit Arbeitseinstieg die Belastungswerte der Kriterien „ausgebrannt sein“ und „hilflos sein“ eher steigen, und die des Glücksempfindens, des Optimismus und der Zufriedenheit eher sinken. Entgegen meiner Vermutung blieben im Vergleich von studierenden und berufstätigen Sozialarbeitern die Werte aller Kriterien etwa konstant (siehe unten, Tabelle 4) und auch eine diesbezügliche Unterteilung von Arbeitszeitbelastungen (Bereich 1: 1-10, Bereich 2: 11-24, Bereich 3: 25-45 Stunden) blieb ohne nennenswerte Differenzierungen.
Die Kriterien konnten wie in Tabelle 2 mit den Zahlenwerten 1-7 (1 = niemals; 2 = ab und zu; 3 = selten; 4 = manchmal; 5 = oft; 6 = meist; 7 = immer) bewertet werden und sind als Summenwerte aufgeführt.
Im Querschnitt gaben die Befragten, unabhängig von der ausgeführten Tätigkeit und Arbeitszeitbelastung, folgendes an: Zufriedenheit mit der Arbeit: 2,5;
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eingeschätzte Handlungskompetenz: rund 2,2; Sinnhaftigkeit der Arbeit: 2 bis 2,5 (mögliche Bewertung von 1 (höchstes Maß an Zufriedenheit) bis 6 (geringstes Maß an Zufriedenheit).). Diese Ergebnisse sind meines Erachtens ein Anzeichen dafür, dass nicht ausschließlich die Bedingungen der Sozialen Arbeit für physische, psychische und seelische Belastungen der Sozialarbeiter verantwortlich gemacht werden sollten, sondern dass ebenfalls eine biographische Grundbelastung (oder aber eine geringere Gesamtbelastungsfähigkeit) in eben diesem Personenkreis angenommen werden kann.
„Wenn die Beobachtungen Schmidbauers einen realen empirischen Sachverhalt treffen, wenn, allgemeiner gesprochen, die Bedürfnisstruktur des Helfers eine wesentliche Variable nicht nur für Erfolg und Misserfolg helfender Beziehungen, sondern auch für das Wohlbefinden des Helfers im Berufsalltag ist, dann folgen daraus für die (Erst-)Ausbildung sozialer Berufe, dass sie gezielter und angeleiteter biographischer Selbsterfahrung und Selbstreflexion breiteren Platz einräumen muss, als bislang.“ (Galuske 2005, S.49)
Laut Fengler sind Schmidbauers Thesen noch nicht ausreichend empirisch gesichert, und er kritisiert, dass das Helfen an sich denunziert werden würde. „Durch den Begriff Helfer-Syndrom ist also das Helfen insgesamt in den Verdacht geraten, etwas Unseriöses, Neurotisches, Egozentrisches oder Dummes zu sein.“ (Fengler 2001, S.37) Und tatsächlich darf das Ziel der Debatte um das Helfersyndrom, getreu dem Ausspruch: „Hilf dir selbst, sonst hilft dir ein Sozialarbeiter!“ (vgl. http://www.mziltz.de/witze/sozialarbeiter.html) nicht sein, den Sinn des Sozialen im Ganzen zu diskreditieren. Und diesen Anspruch hat das Helfer-Syndrom meines Erachtens auch nicht. Es skizziert nur einen speziellen Helfertypus und warnt davor, dass derjenige, der unterstützt, nicht den essentiellen Blick für seine eigenen Bedürfnisse verliert. (vgl. Galuske 2005, S.49; Schmidbauer 2007, S.21)
„Die Formulierung >Die hilflosen Helfer!< lässt vermuten, die Helfer seien [durchweg] hilflos oder machtlos; aber dies sind sie keineswegs. Vielmehr sind sie dem Klienten gegenüber in vielfältiger Weise hilfreich. Auch untereinander sind sie nicht hilflos, sondern durch Beratung, Therapie, Kontrollanalyse und Supervision in differenzierter Weise wirksam. Sie sind auch im Umgang mit sich selbst nicht hilflos,
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sondern [zumeist] aufmerksam, reflexiv und sorgsam. Wohl aber sind sie nach meinem Eindruck aus verschiedenen Gründen in besonderer Weise verführbar und gefährdet. So würden Formulierungen wie >Die verführbaren Helfer<, >Die gefährdeten Helfer<, >Die verstrickten Helfer< oder >Die belasteten Helfer< besser zutreffen, die Lebens- und Arbeitsbedingungen […] zu bezeichnen.“ (Fengler 2001, S.38)
Im nächsten Abschnitt werde ich aufzuzeigen versuchen, inwieweit einige andere Faktoren des sozialen Arbeitsfeldes eine außergewöhnliche Belastung für Helfer darstellen können (vgl. Gussone u.a. 2000, S.52) und weshalb sich gerade auch die Sozialarbeiter im besonderen Maße, Methoden der Psychohygiene und Selbstreflexion bedienen sollten.
Problemlagen des „unmöglichen Berufes“
Schon Freud skizzierte die Tätigkeiten des Therapeuten und Erziehers (und die Rolle des Sozialarbeiters hat mit beidem viel gemein) als „unmöglicher Berufe“ (vgl.1975, in: Gussone 2000, S.15). Unmöglich deshalb, weil der Erfolg der Zusammenarbeit von Helfer und Klient nicht allein vom Einsatz und Wissen und Wollen des Helfers abhängig ist, sondern vielerlei Variablen auf den Prozess einwirken und ihn genauso schnell zum „Kippen“ bringen können (was in der Praxis leider häufig auch geschieht). Der Blick auf den Unterstützungsverlauf (Plan und Ziel der Maßnahme) und die Gegebenheiten (Ausgangssituation) ist demnach oft auch ein pessimistischer.
Dieses Wortspiel spricht meiner Meinung nach mehrere Bedeutungsebenen an. Zum einen könnte es als kritische Aussage bezüglich des Selbstbezuges und Eigennutzes des Helfens (vgl. Kapitel 2.2.1. dieser Arbeit) gewertet werden. Zum
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anderen lässt sich die bedauernde Stimme eines Helfers vernehmen, der nicht mehr weiß, wie er in einer Institution sozial (am Menschen) arbeiten soll, wenn Arbeitsplätze wegrationalisiert werden, die Klientenzahl hingegen die gleiche bleibt oder sogar weiterhin ansteigt.
a) Aber nicht nur die Personalknappheit, welche wichtige Aufgaben unerledigt lässt, wirkt psychisch belastend, sondern auch die Tatsache, dass heutzutage eigentlich alle Arbeitsstellen unsicher sind, dass um Vertragsverlängerung gebangt werden muss und man den Einzelnen jederzeit austauschen kann. (vgl. Fengler 2001, S.80; Hagemann u.a. 2005, S.21) Weshalb sollte mir als in Wertschöpfung (gemeint ist die materialistische, nicht die emotionale) denkender Leitungsperson auch das allgemeine Wohlbefinden meiner Mitarbeiter am Herzen liegen, wenn ich, sobald die „Alten“ verbraucht und ausgebrannt sind, auf dem Arbeitslosenmarkt jederzeit neue, tüchtige und motivierte Kräfte „konsumieren“ kann (welches mir sogar von der Agentur für Arbeit bezuschusst wird)?
b) Ein weiteres Problem ist die durch die institutionellen Rahmenbedingungen festgesetzte hohe Klientenzahl. Ist es mir aus zeitlichen Gründen kaum möglich, meinem Gegenüber gerecht zu werden und kann ich den letzten Klientenkontakt emotional und selbstreflexiv nicht „verdauen“, so ist es mir schmerzlich einleuchtend, dass ich in Gefahr bin, den Kontakt zu mir selbst („meine Wurzeln“) zu verlieren und damit „außer mir“ zu sein. (vgl. Fengler 2001, S.81 f.)
c) Helfer beklagen oft eine fehlende Wertschätzung und mangelnde Unterstützung ihrer Arbeit von Seiten der Institution. Eine unzureichende Unterstützung ist nicht nur betriebsintern sondern auch extern, z.B. durch das Fehlen von Angeboten zur Supervision, feststellbar. (vgl. ebd., S.83 und 88 f.) Aus dem Arbeitsfeld sich ergebende Nöte und Sorgen werden von Vorgesetzten und Mitarbeitern oft zu persönlichen Problemen heruntergespielt: „Mit so etwas, müsse man schon mal alleine klarkommen!“, heißt es dann. Die Verantwortung wird delegiert und das Wirken in der Einrichtung als selbstverständlich hingenommen: „Dafür werden sie ja schließlich bezahlt!“. Leider ist die finanzielle Vergütung in sozialen Betrieben oftmals keineswegs als große
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Motivationshilfe zu verstehen, wenn ein diplomierter Sozialarbeiter seinen Dienst (der schnell zum „Dienst nach Vorschrift“ werden kann) nach dem Erziehergehalt vergolten sieht. Gefragt wird folglich nicht nach dem, was er „verdient“, sondern nach dem, was er „erhält“ (und meist erhält es ihn am Leben). Bevor ich allerdings in tief-theatralischem Selbstmitleid zerfließe, etwas zur Belustigung (?!):
„Ein Sozialarbeiter wird von einem Straßenräuber überfallen. „Geld oder Leben“, schreit der Räuber. „Tut mir leid“, antwortet der Sozialarbeiter, „als Sozialarbeiter besitze ich weder das eine noch das andere.“. (vgl. http://www.mziltz.de/witze/sozialarbeiter.html)
d) Das Gefühl der Unwirksamkeit der Arbeit spürte bestimmt schon ein jeder Helfer während seines Wirkens. (vgl. Fengler 2001, S.84) Sätze wie: „Ich bin einfach nur da und höre zu … das ist alles.“, sagte ich selbst des Öfteren mit der Überzeugung, eigentlich nichts (nicht genug oder nichts Besonderes) zu tun, ohne zu ahnen, welche Bedeutung das bloße Da-Sein, das „Mit-allen-Sinnen-gegenwärtig-Sein“ für mein Gegenüber haben könnte. Die mögliche soziale Dienstleistung scheint nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein“ zu sein, man könnte mutmaßen, sie wäre nicht im Stande etwas Bewegendes zu ändern (vgl. Brake 1996, S.125), gerade wenn z.B. der Klient in der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH) nur einen Bruchteil an Unterstützungsarbeit bezieht, obwohl zuvor ein weitaus größerer Hilfebedarf bei demselbigen ermittelt wurde. Soziale Arbeit ist dem Doppelten Mandat verpflichtet und eine „gesellschaftlich definierte Hilfe, die in Institutionen organisiert wird. Daraus folgt, dass sie niemals nur im >parteilichen< Sinne ihrer AdressatInnen agieren und oder gar mit dem KundInnenbegriff operieren kann. Fachkräfte sind auf beide Seiten - Institution und Lebenswelt - verwiesen und sollten dieses in ihr Berufsverständnis integrieren.“ (Spiegel 2005, S.586; vgl. auch Brake 1996, S.105 f.)
e) Im Sinne des Doppelten Mandats existiert ein zweites Problem für die frisch diplomierten, sich gerade in den Berufsalltag einfindenden Sozialarbeiter: der Praxisschock. Viele Helfer verinnerlichen während ihres Studiums vornehmlich ein „Helfer-Leitbild“, sie tragen in sich die Absicht, in altruistischer Form mit den
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Menschen umgehen zu können und gewinnen dadurch Sinn in ihrem Leben. Dass sie später im Berufsalltag jedoch ebenfalls eine „Kontrolleur-Rolle“ innehaben, ist für sie zunächst befremdlich, in der Praxis alsbald oft eine sinnraubende Realität. (vgl. Blinkert 1979, S.64 f.; Knüppel u.a. 1987, S.147)
f) Ein mögliches Problemfeld kann sich aus institutionellen Rollenkonflikten ergeben. Der Sozialarbeiter ist in seinem Aufgabenbereich einer Vielzahl von Rollenerwartungen (von Seiten der Institutionsleitung, des Teams, der Klienten etc.) ausgesetzt, die durchaus schwierig zu vereinbaren sein können. Diese unterschiedlichen Rollen können u.a. sein: „Helfer […], Freund, Kumpel, Vorbild, Mann/Frau, Erlöser, Bündnispartner, Fachmann, Verwahrer, Reparateur, Erzieher, Interessent, Mithelfer, Mitstreiter, Hilfesuchender, Lernender, Verwalter, Kontrolleur, Krisenmanager, Imagepfleger,
Klientenwerber, Kostenverwalter, Buchhalter, Zahlmeister, Ökonom, Dokumentar/ Berichter. Zwischen ihnen allen Klarheit und Balance zustande zubringen, stellt eine ungewöhnliche Anforderung an Helferinnen und Helfer dar, zumal sie sich oft weder Klienten noch Angehörige oder Träger aussuchen können und die Möglichkeit Abneigung gegen sie alle zu äußern oder sich vor ihnen zu verstecken, nicht vorgesehen ist.“ (Fengler 2001, S.86)
g) Im Bereich der Sozialen Arbeit möchte ich zuletzt den problematischen Widerspruch des diffusen Arbeitsfeldes an sich ansprechen, in dem sich Helfer „mit wenig konturierten Vorbereitungswegen und mit offenen Kontroversen über das berufliche Selbstverständnis zurechtfinden und dabei ihr Selbstbild eines freundlich helfenden Sozialarbeiters aufrecht erhalten.“ (vgl. Gaiser u.a. 1981, in: Brake 1996, S.116) Meines Erachtens ist das Problem nach über 25 Jahren mit dem Theorienstreit, der Professionalisierungsdebatte und der Methodisierung (vgl. z.B. Galuske 2005, S.121 ff.; Widersprüche 2005, Heft 96) der Sozialen Arbeit noch immer aktuell.
Belastungen im Team
„Ein Team ist eine Gruppe von Mitarbeitern, die für einen geschlossenen Arbeitsprozess verantwortlich sind und die das Ergebnis ihrer Arbeit als Produkt oder Dienstleistung an einen internen oder externen Empfänger liefern.“ (Bender
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2002, zit. in Gärtner 2003, S.51) Meinem Empfinden nach ist es sinnvoll, zunächst die Merkmale eines Teams aufzuschlüsseln, bevor diverse Probleme erörtert werden können. Gärtner u.a. (vgl. 2003, S.52) nennen sieben Kriterien, welche ein effektives Arbeiten in der Gruppe ermöglichen bzw. ein gutes Team kennzeichnen:
- eine gemeinsame Aufgabe im Hinblick auf ein zu erreichendes Ziel,
- ein enger Kontakt, der jederzeit möglich ist,
- Kooperation und Interaktion,
- eine klare Aufgaben-, Rollenverteilung und Verantwortungsübernahme,
- die Herausbildung von Gruppenwerten und Gruppennormen (z.B. wertschätzender Umgang mit dem Gegenüber)
- ein ersichtlicher Gruppenvorteil („das Ganze ist mehr als seine Teile“) und
- das daraus resultierende „Wir-Gefühl“ (starker Zusammenhalt des Teams).
Teamproblematiken können sich nun aus folgenden Bedingungen ergeben:
a) Das Team ist zu groß. Weder ist ein schneller Informationsfluss noch ein enger unmittelbarer Kontakt gegeben. Ein „Wir-Gefühl“ kommt kaum zustande, da niemand so recht weiß, wer zum „Wir“ gehört. Es bilden sich Untergruppen, wodurch die Arbeit an Effektivität einbüßt. Der Einzelne fühlt sich in seinen Belangen (in seiner Individualität) oft nicht ernst genommen und gewürdigt, er erscheint als „kleines Zahnrad der Institutionsmaschinerie“, welche sein kreatives Potential in „innerer Kündigung“ ungenutzt lässt, ersetzbar zu sein. (vgl. Fengler 2001, S.70 f.)
b) Nachteile, die sich aus einem zu kleinen Team ergeben können, sind, dass die einzelnen Mitglieder sich zu nahe stehen, sie „satt“ sind vom Anblick und Sorgen des Anderen und keine Rückzugsmöglichkeiten finden. (vgl. ebd., S.71)
c) Abgesehen von der Gruppengröße, kann sich das Team selbst durch eine nachteilige Zusammensetzung im Weg stehen. Negativ auf die Arbeit wirken sich z.B. vollständig depressive, ausgebrannte, hysterische, schizoide oder zwanghafte Teammitglieder aus. Für positive Leistungsbedingungen kann der Teamleiter schon von Anfang an sorgen, indem er Personen auswählt die (1) einen Beitrag zur Zielerreichung leisten können (kompetent sind), die (2) über
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differenzierende Fähig- und Fertigkeiten verfügen, die sich (3) in ihrer Persönlichkeit ergänzen (unterschiedliche Temperamente und
Verhaltensweisen), sich im Alter und Geschlecht voneinander unterscheiden (möglichst heterogene Zusammensetzung) und trotz aller Individualität sozial umgänglich sind. (vgl. Gärtner u.a. 2003, S.60)
d) Zwar eher in therapeutischen Arbeitsverbänden, allerdings auch in sozialarbeiterischen Teams, kann es zu konzeptionellen Unvereinbarkeiten und Konflikten bezüglich sich unterscheidender Menschenbilder kommen. Wenn Helfer mit einem variierendem Verständnis vom Menschen (dessen Sein und Werden) und differierender psychologischer Auffassung (Schulenstreit) aufeinander treffen, so ist verständlich, dass sowohl die Zielsetzung als auch die Handlungsansätze voneinander abweichen und nicht unbedingt kompatibel sein müssen. Einerseits kann dies als Bereicherung, andererseits als unzumutbare Belastung empfunden werden. (vgl. Fengler 2001, S.75 f.)
e) Auch ein angespanntes Beziehungsklima im Team, das Fehlen von Kontakt und Unterstützung, das Fehlen von Rückmeldungen, Rivalität und Neid sind entgegen meiner Vermutung (von sozial kompetenten, emotional gefestigten, selbstbewussten und psychologisch geschulten Individuen, die sich befähigt fühlen andere zu unterstützen und die Klienten auf deren Wegen zu begleiten) keine Seltenheit. (vgl. ebd., S.73 ff.) Die Gefahr des „betrieblichen Psychokrieges“, bekannt unter dem Begriff „Mobbing“, lauert gerade in sozialen Berufen. (vgl. Appelt 2005, S.600) Mobbing bezeichnet „negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen.“ (Leymann 2000, S.21) Diverse Erklärungsansätze der Ursachenforschung bringen Mobbing unter anderem auch mit dem Helfersyndrom in Verbindung (Frustration und Aggression, Macht und Kontrolle etc.). (vgl. Appelt 2005, S.600; Schmidbauer 2007, S.277) Gourmelon (vgl. 2002, S.36 ff.) und Leymann (vgl. 2000, S.149 ff.) beschreiben in diesem Sinne präventive und rehabilitative Gegenmaßnahmen. Laut Appelt (zit. 2005, S.600) bietet „auf der individuellen Ebene […] ein Leben im >Hier und Jetzt< gute Voraussetzungen, nicht
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Arbeit zitieren:
Dipl. Sozialarbeiter/Sozialpädagoge Carsten Kiehne, 2007, "Gesundsein" trotz Sozialer Arbeit - Selbstreflexion durch Meditation, München, GRIN Verlag GmbH
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