INHALTSVERZEICHNIS
I. Einleitung
II. Was ist Negation
III. Entwicklung der Negation und Ableitung
aus dem Urbantu
IV. Affirmative und ihre Negation
IV.1 Die Negation mit -si-
IV.2 Die Negation mit ha-
IV.3 Paradigma der negativen Tempora
V. Die Zeiten und ihre Negation
V.1 Die i-Zeit
V.2 Die ku-Zeit
V.3 Die ja-Zeit
V.4 Die ta-Zeit
VI. Sonderformen
VI.1 Die Negation der ki-Zeit
VI.2 Die Negation der nge- und ngali-Zeit
VI.3 Die Negation des Konjunktiv
VI.4 Die Negation des Imperativ
VI.5 Die Negation der Kopula ni
VI.6 Die Negation von -na 'Haben'
VI.7 Die Negation des Infinitiv
VI.8 Die Negation der adverbialen Bestimmung des Ortes
VI.9 Die Negation des Relativsatzes
2
VII. Die Negation des Unerwarteten
VIII. Schlussbemerkung
IX. Anhang
IX.1 Verzeichnis der Literatur
IX.2 Verzeichnis der Tabellen IX.3 Verzeichnis der Beispiele
3
I. Einleitung
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine umfassende Darstellung der Negation im Swahili. Dabei kann es nicht genügen, alle grammatikalischen Formen der Affirmation beziehungsweise deren negatives Äquivalent aufzulisten und gegebenenfalls zu erläutern. Vielmehr ist auch eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Negation als semantische Kategorie notwendig. Dabei wird schließlich festgestellt werden, dass Affirmation und Negation durchaus unterschiedliche kommunikative Konzepte vertreten. Diesem Aspekt der Negation ist ein eigenes Kapitel gewidmet. 1
Im weiteren Verlauf erfolgt ein kurzer Exkurs über die Entwicklung der Negationspartikel des Swahili aus dem Urbantu.
Eine Auflistung der Negationen der wesentlichen Zeitformen und eine Erörterung der Sonderformen 2 runden die Arbeit inhaltlich ab.
II. Was ist Negation
Im Swahili findet sich eine deutliche Asymmetrie zwischen dem Affirmativ und seiner Negation. Dazu gibt es eine These, die im wesentlichen zwei Argumente beinhaltet.
1. Die Negation ist im Allgemeinen semantisch nicht parallel zum Affirmativ. 2. Affirmative und negative Zeiten bedienen im Swahili konzeptuelle Bereiche, die zueinander nicht isomorph sind. 3
Die Negation ist nicht einfach nur eine Negierung der Aussage in sprachlicher Hinsicht, sie erfüllt auch auf logischer Ebene eine abweichende Funktion. Es besteht also eine Differenz zwischen der sprachlichen und der semantischen Ebene, die implizit nicht erkannt wird. Affirmative werden verwendet, um Informationen zu übertragen, ungeachtet der Aufmerksamkeit des Hörers. Negative werden verwendet, um Fehlannahmen zu korrigieren, die auf Fehlinterpretationen des Hörers beruhen. 4 Affirmative und Negative befriedigen also verschiedene kommunikative Bedürfnisse.
Wenn dies jedoch der Fall ist, so ergibt sich die Frage, ob sie sich nicht auch inhaltlich unterscheiden?
Eine interessante Rolle spielt die Zeitlichkeit der Ereignisse. Affirmative werden über einen spezifischen Zeitpunkt ausgesagt, negative Elemente erstrecken sich über eine Zeitspanne. 5 Demnach kann man fragen:
1 Kapitel II - Was ist Negation?
2 Eine Definition des Begriffs Sonderformen erfolgt in Kapitel VI - Sonderformen.
3 Aus CONTINI, Seite 165.
4 Aus CONTINI, Seite 168. Zitiert nach einem Aufsatz von Talma Givón 'Negation in language:
pragmatics, function, ontology' aus dem Jahr 1975. Erschienen in Working Papers in Language Universals, Nummer 18 der Standford University.
5 Aus CONTINI, Seite 168/169.
4
(1) Wann ist Michael angekommen?
Es macht jedoch wenig Sinn, zu fragen:
Wann ist Michael nicht angekommen? 6 (2)
Das Nichtvorhandensein genauer zeitlicher Definitionen scheint also ein Charakteristikum für negative Elemente zu sein und macht damit die Differenz zum Affirmativ aus. 7 Eine Analyse einer Quellensammlung des Swahili 8 , bei der die Verben anhand ihrer lexikografischen Bedeutung in statisch (z.B. -weza 'können') und dynamisch (z.B. -enda 'gehen') unterteilt wurden, ergab folgende Ergebnisse:
Statische Verben unterscheiden sich von Dynamischen im Hinblick auf ihre zeitliche Definition. Ebenso verhält es sich mit negativen und affirmativen Verben.
Affirmative
Negative
Tabelle 1: Häufigkeit der finiten Verben im Swahili. 9
Sprecher des Swahili verwenden also dynamische Verben hauptsächlich in der affirmativen Form und statische Verben eher in der negativen Form.
Eine weitere Untersuchung mit den Verben der na- und me-Zeiten zeigt, dass gewisse Verben eine statistische Vorliebe für eine der beiden Zeiten bilden. Diese Verben bilden zwei semantische Klassen:
(1) Diejenigen, die die na-Zeit bevorzugen, bestehen in erster Linie aus statischen Verben (z.B.jua 'wissen', -elewa 'verstehen') und homogenen, dynamischen, ohne intrinsische Grenze (z.B.fanya 'machen', -sema 'sagen'), (2) jene, welche die me-Zeit bevorzugen aus Ereignissen, die eine Statusänderung beschreiben (z.B. -isha 'enden', -pata 'erhalten'). Es wäre zu erwarten, dass sich dieser Trend in der Negation fortsetzt. In der Untersuchung bestätigte jedoch nur etwa die Hälfte der Verben diese Erwartung. Daraus lässt sich schließen, dass die semantische Bedeutung im Negativ nicht die selbe ist, wie im Affirmativ. 10
Der semantische Unterschied zwischen Affirmativ und Negativ kann also nicht auf eine Differenz auf der Kommunikationsebene beschränkt werden. Was das Swahili betrifft, so scheinen Affirmativ und Negativ unterschiedliche semantische Konzepte zu realisieren. 11
"Die sogenannte absolute Verneinungspartikel lautet im Suaheli bekanntlich ha (ha-tupendi 'wir lieben nicht'); sie wird von Meinhof über kha auf Urbantu nka zurückgeführt.
6 Aus CONTINI, Seite 169.
7 Aus CONTINI, Seite 169.
8 Siehe CONTINI, Seite 169.
9 Aus CONTINI, Seite 169.
10 Nach CONTINI, Seite 171.
11 Nach CONTINI, Seite 172.
5
Arbeit zitieren:
Marc Seifert, 2001, Die Negation im Swahili, München, GRIN Verlag GmbH
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