Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
1. Einleitung 2
2. Kriegsende in Haren (Ems) 3
3. Kriegsgefangene im Emsland 5
4. Errichtung einer polnischen Enklaveå im Emsland 7
5. Die Ausweisung der Harener Bürger 9
6. Maczków als polnisches Zentrum in Nordwestdeutschland 12
6.1. Verwaltung und Kirche 12
6.2. Das Schulwesen in Maczków 13
7. Die Auflösung der Stadt Maczków 15
8. Schlusswort 17
9. Quellen-/Literaturverzeichnis 18
Archivalien 18
Literatur 19
1
1. Einleitung
Vertreibungen standen bei Ende des Zweiten Weltkrieges auf der Tagesordnung. Es ist allgemein bekannt, dass Millionen von Deutschen die Ostgebiete unter katastrophalen Umständen verlassen mussten. Weniger bekannt ist dagegen eine ungewöhnliche Episode, bei der ebenso die Bewohner einer deutschen Stadt ihre Heimat verlassen mussten, um Wohnraum für Polen freizugeben. Diese Polen waren zum größten Teil zuvor unter dem Naziregime selbst ihrer Heimat als Strafarbeiter oder Kriegsgefangene entrissen worden. Das Erstaunliche ist, dass die zu räumende Stadt im äußersten Westen Deutschlands, im Emsland lag, also sehr weit von Polen entfernt. Trotzdem, oder gerade deswegen gab es dort für wenige Jahre, vom Frühjahr 1945 bis ins Jahr 1948 eine Art polnischer Enklave, dessen Zentrum die Kleinstadt Haren (Ems) unter dem Namen Maczków bildete.
Dieses Thema ist in umfangreicheren Arbeiten bislang nur von zwei Historikern aufgegriffen worden. Auf deutscher Seite von Andreas Lembeck 1 und auf polnischer Seite von Jan Rydel 2 . Dieser hat eine wesentlich umfassendere und auch objektivere Abhandlung geschaffen.
In dieser Arbeit soll das Schicksal der Stadt Haren, beziehungsweise der Stadt Maczków und ihrer sowohl deutschen als auch polnischen Einwohnern dargestellt werden. Vor allem soll aber deutlich werden, welche Umstände zu dieser eigenartigen Fußnote der Geschichte geführt haben.
1 Andreas Lembeck: Befreit, aber nicht in Freiheit. Displaced Persons im Emsland 1945-1950.
Bremen 1997 (DIZ-Schriften, Bd. 10).
2 Jan Rydel: Die polnische Besatzung im Emsland 1945-1948. Aus dem Polnischen von Isabel
Röskau-Rydel. Osnabrück 2003.
2
2. Kriegsende in Haren (Ems)
Am 5. Mai 1945 kapitulierten die deutschen Truppen in Nordwestdeutschland. In Haren, das den Krieg die längste Zeit unbeschadet überstanden hatte 3 , war der Krieg schon einige Wochen vorher beendet. Eine Harenerin beschreibt die damaligen Ereignisse in ihrem Tagebuch. 4 Anfang April konnte man von Haren aus nachts britische Leuchtkugeln sehen, während Militärkolonnen durch die Stadt zogen, bis dahin scheinbar ein eher ungewohnter Anblick. Tiefflieger schossen im Harener Hafen Schiffe in Brand, so dass die aus Bedarfsgütern bestehende Ladung verbliebener Schiffe an die Bevölkerung verteilt wurde. Pioniertrupps begannen erste Brücken zu sprengen, während die Harener Bürger befürchteten, dass ihre Stadt zum Kampfschauplatz würde, wie es in der Nachbarstadt Meppen bereits der Fall war. Gerüchte aller Art verunsicherten die Bevölkerung. Am 7. April wurden einige Häuser in Brand geschossen und einen Tag später wurde schließlich die Emsbrücke von den Deutschen gesprengt und die Bevölkerung aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Die Kanadier beschossen den Ort mit ihrer Artillerie und aus verschiedenen Richtungen erklang der Lärm von Schießereien. Mittags wurden die ersten weißen Fahnen aus den Fenstern gehängt. Eine Kindergartenschwester machte den Bombardements schließlich ein Ende, indem sie auf die unter Beschuss stehende Kirchturmkuppel kletterte und eine weiße Fahne schwenkte. Der Bruder des örtlichen Pfarrers, ein Deutschamerikaner sprach daraufhin mit den Kanadiern, die dadurch endgültig den Beschuss einstellen ließen und einen Tag später, am 9. April mit ihren Panzern in die Stadt einzogen. 5
3 Vgl. Enno Meyer: Dreizehn Tage deutscher Geschichte in Niedersachsen 1932-1955. Leer
1976 (Schriftenreihe der niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung), S. 74.
4 Auszüge aus dem Tagebuch von Micke Cromme, geb. Wessels. Kopie aus dem Archiv des
Heimat- und Verkehrsvereins Haren e.V. Akte Ausstellung 8.2. - 10.3.95. Von Maczków in die
Welt.
5 Enno Meyer gibt einen entsprechenden Ablauf der Handlungen an, datiert diese aber jeweils
vier Tage später. Vgl. Meyer, S. 74.
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Es kam von Beginn an zu kleineren Plünderungen sowohl seitens der Kanadier als auch der Polen, die zunächst zur Aufgabe hatten, eine Behelfsbrücke über die Ems zu errichten, was sie bereits am 13. April erledigt hatten. 6 In einem Tagebucheintrag wird berichtet, wie einige Polen unter Waffeneinsatz Dinge entwendeten, die für ihre Schwestern in einem naheliegenden ‚Russenlagerå sein sollten, womit sehr wahrscheinlich ein Straflager für polnische Frauen gemeint war, die am Warschauer Aufstand beteiligt waren, welches einige Kilometer nördlich von Haren lag und dessen Insassinnen am 12. April vom 2. Polnischen Panzerregiment befreit wurden. 7
Schon jetzt mussten teilweise Häuser für polnische Soldaten geräumt werden, wodurch die Polen deutlich schlechter im Ansehen der Einwohner Harens standen als die Kanadier oder Briten („Wir hoffen alle, dass diese Polen bald abziehen und dann die Besatzung kommt“ 8 ), was insbesondere für untere Dienstgrade der polnischen Armee galt.
Später musste die ganze Stadt für sogenannte ‚Zivilpolenå geräumt werden. Zunächst soll aber die Lage der befreiten polnischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter geschildert werden.
6 Tagebucheintrag vom 13. April 1945. Da das angegebene Datum des Brückenbaus in etwa
mit den Angaben von Jan Rydel übereinstimmt („Die Arbeiten dauerten bis zum frühen Morgen
des 14. April“), gehe ich von der Zuverlässigkeit der Datumsangaben und von einem Irrtum
Enno Meyers aus. Vgl. Rydel, S. 59.
7 Vgl. Lembeck, S. 27.
8 Tagebucheintrag vom 15. April 1945
4
3. Kriegsgefangene im Emsland
Die Alliierten betrachteten als Displaced Persons - kurz DPs - Personen, die sich durch Kriegseinwirkung außerhalb der Grenzen ihres Staates befanden und ihrem Wunsch heimzukehren, nicht aus eigener Kraft nachgehen konnten. Offiziell galt diese Definition nur für Zivilpersonen, also nicht für Kriegsgefangene. Letztendlich fiel aber auch ehemaligen Kriegsgefangenen (ex-Prisoners of War, kurz PWX) und außerdem freiwillig nach Deutschland gekommenen Osteuropäern die gleiche Behandlung zu, so dass hier auf eine spezifische Unterscheidung verzichtet werden soll. Deutsche Flüchtlinge dagegen befanden sich innerhalb ihres eigenen Landes und hatten somit einen anderen Status. 9
Das Gebiet des heutigen Emslandes wurde unter Regie der britischen Besatzungsmacht zu polnischem Besatzungsgebiet, welches insgesamt weit über die Grenzen des Emslandes hinaus reichte und zeitweise ein Gebiet umfasste, das im Süden nördlich von Rheine begann und im Norden bis zur Nordsee reichte, im Osten über Cloppenburg und Bramsche hinausging und sich im Westen die Grenze mit den Niederlanden teilte. 10
In diesem Gebiet hielten sich bei Kriegsende etwa 43.000 DPs auf. Hiervon waren 30.000 Polen, von denen einige erst wegen des Wissens um die polnischen Besatzungseinheiten in diese Region aufbrachen. Die nichtpolnischen DPs waren in erster Linie Sowjetbürger und Italiener (je etwa 5.000 Personen) und Jugoslawen (knapp 2.000 Personen), deren
Repatriierung sehr schnell erfolgte, so dass Polen die überwältigende Mehrheit der DPs bildeten. Rydel spricht von einer „Polonisierung der DPs“. 11
9 Vgl. Lembeck, S. 31f.
10 Vgl. Rydel, S. 105 u. S. 398 (Karte).
11 Ebd., S. 168.
5
Arbeit zitieren:
Matthias Rouwen, 2004, Haren (Ems) wird zu Maczków - Zentrum für polnische Displaced Persons , München, GRIN Verlag GmbH
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