Inhalt
I. Einleitung 4
I.1. Einführende Bemerkungen zum Thema der Arbeit 4
I.2. Struktur der Arbeit. 5
II. Definitionen 6
II.1. Definition von Globalisierung. 6
II.1.1. Allgemeine Definition von Globalisierung 6
II.1.2. Globalization Americanization 7
II.2. Definition von Fundamentalismus 9
II.2.1. Allgemeine Definition von Fundamentalismus 9
II.2.2. Definition von Islamischem Fundamentalismus. 10
III. Globalisierung und Fundamentalismus. 10
III.1. Fundamentalismus als sinnstiftendes Element. 10
III.1.1. Individuelle Orientierungssuche in einer globalen Welt der Moderne 10
III.1.2. Individuelle Orientierungssuche im islamischen Fundamentalismus 11
III.2. Fundamentalismus als identitätsstiftendes Element. 13
III.2.1. Verteidigung der kulturellen Identität gegen die „Universalkultur“ 13
III.2.2. Verteidigung des Wertesystems gegen die „Verwestlichung“ 14
III.3. Fundamentalismus als sozialpolitisches Element 16
III.4. Fundamentalismus als revolutionistisches Element. 18
III.4.1. Auflehnung gegen wachsende ökonomisch-soziale Ungleichheiten 18
III.4.2. Soziale Verortung der Anhängerschaft 19
III.5. Die Rolle der Medien 20
IV. Fazit. 21
V. Ausblick - Gibt es Chancen zu einer „Konfliktlösung“? 22
VI. Bibliographie 25
B ücher, Zeitungen und Zeitschriften. 25
Aufs ätze aus dem Internet 26
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„Ist uns [...] bewußt, [...] welche Folgen wir mit unserer Art des Wirtschaftens, Produzierens und Vermarktens hervorrufen, in welch unerhörtem Ausmaß wir mit diesen uns selbstverständlich erscheinenden Mechanismen in jahrhundertealte traditionelle kulturelle Praxen anderer Völker eingreifen?³ 1 , fragte Bundestagspräsident Wolfgang
Thierse kürzlich in einer Rede anläßlich der Eröffnung des
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muß die einzige Antwort auf diese Frage wohl ein eindeutiges Nein sein. Nicht einmal ansatzweise können wir noch einschätzen, welchen Konsequenzen des sich immer mehr verselbständigenden Globalisierungs- und Modernisierungsprozesses wir noch werden ins Auge blicken müssen. Ein solcher Aspekt ist sicherlich das in den letzten Jahren vermehrt auftretende Entstehen fundamentalistischer Bewegungen, und führen wir Thierses Gedanken in diesem Zusammenhang weiter, dann drängt sich sehr schnell und unweigerlich die Frage auf, inwieweit die aktuellen Entwicklungen in der islamischen Welt als Ausdrucksmodi der kulturellen Globalisierung gewertet werden können.
Fast zeitgleich mit der in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts einsetzenden letzten Globalisierungswelle 2 , auf die wir uns für gewöhnlich beziehen, wenn wir von „Globalisierung“ sprechen, nämlich mit der arabischen Niederlage im 6-Tage-Krieg von 1967 3 oder doch zumindest aller spätestens mit der iranischen Revolution von 1979 4 lassen die Experten im allgemeinen das Aufleben des sogenannten islamischen Fundamentalismus beginnen. Somit scheint der Gedanke, daß es sich dabei nicht um zwei völlig eigenständige, lediglich zufällig gleichzeitig stattfindende Prozesse handeln könnte, nicht allzu abwegig.
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1 Wolfgang Thierse, Rede zur Eröffnung des International Dialogue for Young Elites, S.4-5
2 Josef Estermann definiert in seinem Aufsatz „Religion und Gewalt - Dialektik von Globalisierung und
Fundamentalisierung“ nämlich noch zwei weitere, dieser vorangehende Globalisierungswellen: Die erste setzt er
im Römischen Reich, das seinen Einfluß wirtschaftlicher und kultureller Art auf die gesamte damals bekannte
zivilisierte Welt ausdehnen wollte, an, die zweite mit der Kolonialisierung Lateinamerikas, Afrikas und Asiens
durch europäische Mächte und den damit einhergehenden Export der abendländischen Kultur im 16. und 17.
Jahrhundert.
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2 1 3 ¡ 5 46 ¤ 5 ¥ 7 8 ' § ¨ © © 9 ¡ ¤ 4 Amr Hamzawy, , S.1
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Die beiden Begriffe „Globalisierung“ und „Fundamentalismus“ stehen schon seit längerer Zeit ganz oben auf der Liste der zeitgenössischen Schlagwörter, und seit dem 11. September ist ihre Verwendung nahezu inflationär geworden. Allerdings sind sie bereits in so unterschiedlichen Zusammenhängen gebraucht worden, und es werden inzwischen so viele unterschiedliche Aspekte unter diesen Paradigmen zusammengefaßt, daß sie mittlerweile jegliche Schärfe und Eindeutigkeit verloren haben. Aus diesem Grunde erscheint es mir unverzichtbar, der eigentlichen Untersuchung des Zusammenhangs der beiden Phänomene eine jeweils klare und voneinander unabhängige Definition der beiden Begriffe voranzustellen, um eine eindeutige Diskussionsgrundlage zu bestimmen. In einem zweiten Schritt soll dann untersucht werden, inwieweit Globalisierung (mit Bezug auf die damit einhergehenden Aspekte von Modernisierung, Säkularisierung, Rationalisierung, Individualisierung und vor allem auch Verwestlichung) das Entstehen des islamischen Fundamentalismus begünstigt hat und immer noch begünstigt.
Natürlich erhebt diese Arbeit keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Das verbietet die Komplexität des Themas und würde schon allein daran scheitern, daß ich mich im Vorfeld für jeweils eine der unzähligen Definitionen der beiden ihr zugrunde liegenden Begriffe „Globalisierung“ und „Fundamentalismus“ entscheiden mußte, wobei diese Auswahl sicher durchaus begründet auch hätte anders ausfallen können. So könnte man
z.B. in Anlehnung an Bassam Tibi 5 direkt schon anmerken, daß es GHQ islamischen
Fundamentalismus überhaupt nicht gibt. Um im Umfang dieser Arbeit aber überhaupt Überlegungen bezüglich eventuell bestehender Zusammenhänge zwischen
Globalisierung und Fundamentalisierung vornehmen zu können, habe ich mir jedoch erlaubt - vor dem Hintergrund, daß gewisse Grundtendenzen wohl in allen islamischen Fundamentalismusbewegungen zu verzeichnen sind - diesbezüglich eine Generalisierung vorzunehmen, wobei der Leser stets im Hinterkopf behalten sollte, um welch vielschichtiges Phänomen es sich in Wahrheit handelt. Ich möchte im Folgenden vielmehr anhand von fünf ausgewählten Aspekten des Globalisierungsprozesses seine
5 Bassam Tibi, ¢ ¡ ¤ £ 7 ¥ 7 § ¨ © ¤ £ § © ¤ ¡ ¤ © @ § ¨ © # " % § $ ' & ( A ) 7 ) , S.162
5
begünstigende Wirkung auf den islamischen Fundamentalisierungsprozeß aufzeigen. Auch hier könnten sicher noch unzählige weitere Themenbereiche angeführt werden, doch möchte ich mich auf die mir am wichtigsten erscheinenden beschränken, da sie meiner Meinung nach ausreichen, einen gewissen Zusammenhang offenzulegen. Im letzten Teil soll dann noch kurz auf die Konsequenzen der vorangegangenen Analyse eingegangen werden. Denn in Anbetracht der Tatsache, daß der Globalisierungsprozeß als solcher heute nicht mehr zu stoppen ist, der 11. September uns aber gezeigt hat, daß man aber auch das Erstarken islamischer Fundamentalismusbewegungen durchaus ernst nehmen muß, scheint es an der Zeit zu sein, nach einer Möglichkeit zu suchen, diese Konfliktlinie zu entschärfen.
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In ihrer allgemeinsten Bedeutung beschreibt Globalisierung „die immer dichtere und schnellere, tendenziell den gesamten Erdball umspannende Verflechtung zwischen lokalen und räumlich weit entfernten Strukturen, Prozessen und Ereignissen [und] wird mehrheitlich als herausragendes Phänomen des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts aufgefaßt.“ 6 Der Begriff impliziert Tatbestände wie „die Entstehung einer Globalökonomie mit wachsenden ökonomischen Interdependenzen zwischen vormals eigenlogischen Nationalökonomien, die zunehmende Bedeutung von global players und supranationaler Institutionen, eine ungeheure Beschleunigung der Verbreitung von Informationen mit Hilfe moderner Kommunikationstechnologien, [die Entgrenzung traditioneller Lebenswelten], eine immense Zunahme von internationalen politischen und kulturellen Austauschprozessen [und damit einhergehend die Homogenisierung von Kulturen].“ 7 Die Speerspitze bilden hierbei, laut Claus Offe, die sogenannten M-Medien
money, music, movies, mathematics, migration und moral claims. Als auslösendes Moment dieser Entwicklung gilt die 3. industrielle Revolution mit dem Übergang von
6 Henner Fürting, „Muslime in der Globalisierung“, in: § ¨ © 5 B ' C D 1 E ¤ ¡ ¤ £ 7 ¥ G F H I ¨ P 7 § ¨ ¤ 4 Q ¡ 5 £ 7 R , S.17
7 Lothar Probst, ¨ 4§ ¦ ¡ 5 TI 5 ¤ 4 U ¥ ¨ ¨ 4 Q ¡ 5 £ 7 R ¨ £ 7 TV 5 4 A ¥ ¤ ¨ © ¨ W I 4§ § ¦ ¤ © # X Y £ ¦ ¥ 9 ¥ 7 8 ¨ ` 7 a ¨ b 5 § c ¨ C ¨ 4C ¦ ¡ ¤ £ 7 ¥ ¤ 4 7 Q , S.2
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hardware- auf software- Industrien, wobei die Kommunikationstechnologien die haben. 8 Vorreiterrolle übernommen Angesichts der Dynamik des
Globalisierungsprozesses sind schnelle strukturverändernde Entwicklungen in Ökonomie, Politik und Kultur zu erwarten, 9 und auf denn ersten Blick erscheint es, als rückten Kulturen und Menschen unterschiedlicher Kulturen immer enger zusammen und die Grenzen zwischen verschiedenen Kulturen würden verschwimmen.
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„By globalization, [...], I would mean a world where both genders, all three generations, all races, all classes, all nations and all states would pull together for the sake of livelihood and dignity for all. [But] there is no such a thing as globalization in the world today. What we have is Westernization in general, and Americanization in particular,“ lautet die Globalisierungsdefinition von John Galtung. 10 Er führt damit ein völlig neues, entscheidendes Element - nämlich das der westlichen Kultur als die Globalisierung allein bestimmender oder doch zumindest dominierender Faktor - ein und gibt der doch eher abstrakten Definition aus II.1.1. eine komplett neue Richtung. Zwar werde ich im Folgenden zeigen, daß die in dieser allgemeinen Definition erwähnten Phänomene wie Modernisierung und Entgrenzung traditioneller Lebenswelten durchaus einen entscheidenden Einfluß auf das Entstehen fundamentalistischer Bewegungen im allgemeinen hatten, doch ist es gerade ganz besonders dieser Aspekt 11 : die Auffassung, daß das Phänomen der Globalisierung untrennbar verbunden ist mit einem Prozeß der Verwestlichung, welchem im bezug auf die Untersuchung des islamischen Fundamentalisierungsprozeß die meiste Aufmerksamkeit geschenkt werden muß, da ihm dabei eine Schlüsselfunktion zukommt.
Für die folgende Analyse gilt es an dieser Stelle jedoch auf jeden Fall ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß ‚Verwestlichung‘ sich hier nicht nur auf rein ökonomische Aspekte bezieht und eine Globalisierungsdefinition wie die von K.C. Abraham:
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8 Nicht zufällig ist das Internet zum Symbolbegriff des Globalisierungsprozesses geworden.
9 Lothar Probst, ¨ 4§ ¦ ¡ 5 TI 5 ¤ 4 U ¥ ¨ ¨ 4 Q ¡ 5 £ 7 R ¨ £ 7 TV 5 4 A ¥ ¤ ¨ © I ¨ W 4§ § ¦ ¤ © # X Y £ ¦ ¥ 9 ¥ 7 ¨ 8 ` 7 a ¨ b c 5 § ¨ C ¨ 4C ¦ ¡ ¤ £ 7 ¥ ¤ 4 7 Q , S.2
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F e d f § ¨ ¡ ¤ 5 £ ¦ ¥ 9 $ % I ¨ £ 7 TW ¤ £ ¤ £ ¤ 4 ¦ ( R ¨ I ¨ P 7 § ¨ ¨ 4 ¨ £ Q D 1 G 10 Johan Galtung, „Globalization and its consequences“, in: , S.258
11 Es handelt sich hierbei im übrigen nicht um eine nur von Galtung in diesem Zusammenhang angestellte
Überlegung, sondern vielmehr um ein weitverbreitetes und von de wenigsten bestrittenes Element der
Globalisierungsdefinition.
7
Arbeit zitieren:
Katja Linnartz, 2002, Islamischer Fundamentalismus-ein Globalisierungsphänomen?, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
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