Inhaltsverzeichnis
Einf ührung 3
Ein -Satz-Monologe? 5
Der monologisierende Freiherr von Attinghausen 6
Freiherr von Attinghausen als verzweifelter Heimatverbundener. 6
Freiherr von Attinghausen als „prophetischer Seher“ 7
Form und Struktur des Monologs 9
Funktion des Monologs 10
Der Tell-Monolog 13
Monolog und Handlung 15
Form , Aufbau und Struktur. 18
Funktion des Monologs 22
Rechtfertigung 24
Figurencharakterisierung. 25
Glanzst ück für den Schauspieler 26
Sprachliche Gestaltung 27
Die dramaturgische Umsetzung des Monologs - Ein kurzer Vergleich 30
Figuren des Dramas als Sprachrohr des Autors? 33
Literaturverzeichnis 35
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Einführung
Ein Monolog soll die Abwesenheit des vermittelnden Kommunikationssystems, meist des Erzählers, im Drama kompensieren.
Demnach tritt also eine Figur aus der Handlung heraus und spricht laut mit sich selbst. Da dies in der Realität kaum der Fall ist, gilt ein Monolog prinzipiell als fiktiv und stilisiert, artifiziell und unrealistisch. Der Monolog macht den pathologischen Sonderfall des Selbstgesprächs in der Realität zum konventionellen Normalfall kommunikativen Verhaltens im Drama.
Ein Monolog soll eine gewisse Zeilenlänge haben, um aus der Handlung heraustreten zu können. Er vermittelt Gedanken- und Gefühlsketten.
Manfred Pfister, Professor für Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin, unterscheidet in seinem einschlägigen Werk „Das Drama: Theorie und Analyse“ - im Sinne einer Abgrenzung zum Dialog - zwischen zwei Formen des monologischen Sprechens: dem „monologue“ und dem „soliloquy“. 1
Der „monologue“, als ein strukturelles Kriterium, setzt einen gewissen Umfang und eine inhaltliche Geschlossenheit (Zusammenhang) einer Replik, die an ein Gegenüber gerichtet ist, voraus.
Der „soliloquy“ hingegen ist ein situatives Kriterium. Angenommen wird die Einsamkeit des Sprechers, sei es die physische oder aber auch die psychische Einsamkeit. Beim „soliloquy“ kann es sich demnach um ein Selbstgespräch oder eine Rede, die nicht an andere Figuren auf der Bühne gerichtet ist, handeln: „wenn die Figur allein auf der Bühne ist, sich allein wähnt oder von der Anwesenheit der anderen Figuren während ihrer Rede keine Notiz nimmt“ 2
1 Pfister, Manfred: Das Drama: Theorie und Analyse, erweiterter und bibliographisch aktualisierter Nachdruck der durchgesehenen und ergänzten Auflage 1988, München: Wilhelm Fink Verlag 11 2001, S. 180.
2 Ebenda S. 180.
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Nach genauerer Durchsicht von Schillers „Wilhelm Tell“ konnten fünf Textstellen erörtert werden, bei denen es sich um Monologe bzw. monologhafte Repliken handelt.
In der folgenden Arbeit soll nun unter anderem analysiert werden, um welche Form des Monologs nach Pfister es sich bei den Textpassagen handelt.
Der Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung des Tell-Monologs. Genauer betrachtet werden: Form, Struktur und Aufbau des Monologs, Monolog und Handlung bzw. Inhalt des Dramas, strukturelle und inhaltliche Funktionen des Monologs, die sprachliche Gestaltung und die Bühnenumsetzung.
Der Begriff „Monolog“ als Bezeichnung für die Replik einer einzelnen Figur wird beibehalten.
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Ein-Satz-Monologe?!
Monologhafte Replik 1
Hohes Felsenufer des Vierwaldstättensees, Schwyz gegenüber
Der See macht eine Bucht ins Land, eine Hütte ist unweit dem Ufer, Fischerknabe fährt sich in einem Kahn. Über den See hinweg sieht man die grünen Matten, Dörfer und Höfe von Schwyz im hellen Sonnenschein liegen. […] […] Ruodi (ringt die Hände). Gerechtigkeit des Himmels, 182
Wann wird der Retter kommen diesem Lande? (Folgt ihnen.)
Dieser kurze, verzweifelte Ausruf des Fischers findet ohne die Anwesenheit anderer auf der Bühne statt. Das Anflehen Gottes um Hilfe ist allerdings zu kurz, um als Monolog gesehen werden zu können. Der Satz ist komplett in die Handlung integriert und wird nicht weiter behandelt.
Monologhafte Replik 2
Bertha im Jagdkleid. Gleich darauf Rudenz.
Bertha.
Er folgt mir. Endlich kann ich mich erklären. 1585
Diese Textstelle weist zwar die physische Einsamkeit der sprechenden Figur auf, die beiden Sätze fungieren jedoch nur als Auftakt zu einer neuen Szene. Nach Pfister könnte diese Zeile eventuell als Übergangsmonolog gesehen werden.
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Der monologisierende Freiherr von Attinghausen
Freiherr von Attinghausen als verzweifelter Heimatverbundener
Ein gotischer Saal, mit Wappenschildern und Helmen verziert.
Der Freiherr, ein Greis von fünfundachtzig Jahren, von hoher edler Statur, an einem Stab, worauf ein Gämsenhorn, und in ein Pelzwams gekleidet. Kuoni und noch sechs Knechte stehen um ihn her mit Rechen und Sensen - Ulrich von Rudenz tritt ein in Ritterkleidung. […] Rudenz.
Genug hab ich gehört. Gehabt euch wohl. (Er geht ab.) Attinghausen.
Wahnsinn'ger Jüngling, bleib! - Er geht dahin! Ich kann ihn nicht erhalten, nicht erretten -945 So ist der Wolfenschießen abgefallen Von seinem Land - so werden andre folgen, Der fremde Zauber reißt die Jugend fort, Gewaltsam strebend über unsre Berge. - O unglücksel'ge Stunde, da das Fremde 950 In diese still beglückten Täler kam, Der Sitten fromme Unschuld zu zerstören! - Das Neue dringt herein mit Macht, das Alte Das Würd'ge scheidet, andre Zeiten kommen, Es lebt ein andersdenkendes Geschlecht! 955 Was tu ich hier? Sie sind begraben alle, Mit denen ich gewaltet und gelebt. Unter der Erde schon liegt Meine Zeit, Wohl dem, der mit der Neuen nicht mehr braucht zu leben! (Geht ab.)
Durch das plötzliche Verlassen der Szene von Rudenz wird aus dem Dialog zwischen Rudenz und seinem Onkel, dem Freiherrn von Attinghausen, ein ungewollter Monolog des letzteren.
Es scheint so, als ob Attinghausen zum Publikum bzw. zu einem Gegenüber spräche. Die von ihm gestellte rhetorische Frage „Was tu ich hier? 3 “, richtet sich nicht
3 Friedrich Schiller: Wilhelm Tell. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 2001, durchgesehene Ausgabe, S. 93, Vers 2428.
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an ihn selbst, sondern an einen imaginären Zuhörer. Diese Frage wird einfach in den Raum gestellt.
Attinghausen ist ein Visionär, was durch seine Reden immer wieder deutlich wird. Seine mutmaßliche Vorausdeutung ist in die Handlung integriert.
Attinghausens Monolog weist nicht nur Merkmale des „soliloquy“, wie die physische Einsamkeit, sondern auch Kennzeichen des „monologue“ auf: Er richtet seine inhaltlich geschlossene Replik an ein nicht vorhandenes Gegenüber, er philosophiert nahezu.
Aus diesem Grunde ist der Monolog eher als „monologue“ zu betrachten, da der Freiherr gar nicht wahrzunehmen scheint, dass er keinen realen Zuhörer hat.
Es ist die Rede eines verzweifelten Mannes, der mit dem Regime dieser Zeit nicht konform gehen kann - und auch gar nicht will - und ohnmächtig seine Gedanken in Worte fasst.
Eine gewisse Länge der Rede ist ebenfalls gegeben, wodurch eine Bezeichnung als Monolog durchaus berechtigt ist.
Freiherr von Attinghausen als „prophetischer Seher“
Der Freiherr, in einem Armsessel, sterbend. Walther Fürst,
Melchthal und Baumgarten um ihn beschäftigt. […] […] Attinghausen. Die festen Burgen aber in den Landen? Melchtal.
Sie fallen alle an dem gleichen Tag. Attinghausen.
Und sind die Edeln dieses Bunds teilhaftig? Stauffacher. 2415 Wir harren ihres Beistands, wenn es gilt, Jetzt aber hat der Landmann nur geschworen. Attinghausen (richtet sich langsam in die Höhe, mit großem Erstaunen).
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Arbeit zitieren:
Claudia Braito, 2005, Der Monolog in Friedrich Schillers: "Willhelm Tell", München, GRIN Verlag GmbH
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