Inhalt
Inhalt 2
1. Einleitung 4
2. Lukas 15 , 1 32 4
2.1 Textkritik 4
2.1.1 Äußere Textkritik 5
2.1.2 Innere Textkritik 6
2.1.3 Ein weiteres Beispiel zur Textkritik 7
2.1.4 Die Übersetzung 7
2.2 Literarkritik 9
2.2.1 Einleitungsfragen 9
2.2.2 Kontext, Quellen und synoptischer Vergleich 10
2.2.3 Abgrenzung 13
2.2.4 Literarische Analyse 14
2.2.5 Gliederung 17
2.2.6 Wortfeldanalyse 19
2.3 Formkritik 20
2.3.1 Traditionsgeschichte 20
2.3.3 Rückfrage nach dem ursprünglichen Jesusgut, Funktion und Sitz im Leben 26
2.4 Redaktionskritik und Traditionskritik 27
2.4.1 Redaktion und Tradition von Lukas 15 27
2.4.2 Komposition und Intention des Lukas 31
3. Lukas 19 , 1 10 33
3.1 Der Text 33
3.2 Literarkritik 33
3.2.1 Abgrenzung 33
3.2.3 Literarische Analyse 34
3.2.4 Einheitlichkeit 35
3.2.5 Gliederung: 35
3.2.6 Wortfeldanalyse 35
3.3 Tradition und Redaktion 36
3.4 Formkritik 38
3.4.1 Gattungs- und Überlieferungsgeschichte, Sitz im Leben (und Redaktion) 38
3.5 Zur Besonderheit der Zachäusperikope 39
2
4. Abschließende Betrachtung 40
5. Literaturverzeichnis 43
5.1. Bibelausgaben und Übersetzungen 43
5.2 Hilfsmittel 43
5.3 Kommentare/Sekundärliteratur 43
3
1. Einleitung
Im Folgenden mache ich mir zur Aufgabe, die so bekannten Perikopen vom Verlorenen (Lk 15, Vom verlorenen Schaf, Von der Verlorenen Drachme, Vom verlorenen Sohn und Lk 19,1-10, Zachäus) historisch-kritisch zu untersuchen, also einmal anders zu beleuchten, als sie aus Grundschule und Kindergottesdienst bekannt sind.
In dieser Arbeit möchte ich die Zweiquellentheorie, die letztendlich auch nur Hypothese ist, zu Grunde legen. Sie besagt, dass das Markusevangelium sowohl Matthäus als auch Lukas als Quelle vorgelegen hat. Damit ist Markus das älteste Evangelium. Lukas und Matthäus haben zudem unabhängig voneinander die so genannte Logienquelle Q verwendet, die Markus unbekannt war. Außerdem haben Lukas und Matthäus so genanntes Sondergut benutzt, Überlieferungsstoff, der nur jeweils einem von ihnen vorgelegen hat. 1 Ich werde so vorgehen, dass ich die wesentlichen Methodenschritte der neutestamentlichen historisch-kritischen Exegese, Textkritik, Literarkritik, Formkritik und Redaktionskritik zuerst für Lukas 15, im Anschluss bezogen auf Lk 19,1-10 nacheinander abhandeln werde. Überschneidungen werden sich dabei allerdings nicht vermeiden lassen. Abschließend soll eine zusammen schauende Schlussbetrachtung vorgenommen werden.
2. Lukas 15, 1-32
2.1 Textkritik
Am Anfang einer Exegese gilt es, die ursprüngliche Textgestalt oder die älteste erreichbare Textgestalt wiederherzustellen und eine Übersetzung des griechischen Textes vorzunehmen 2 . Dies soll hier vorerst anhand des 15. Kapitels des Lukasevangeliums geschehen. Weil die Perikopen Vom verlorenen Schaf (VV 15, 4-7), Von der verlorenen Drachme (VV 15,9-10) und Vom verlorenen Sohn (VV 15, 11-32) mir aufgrund der Einleitung (VV 15,1-3), die die Situation beschreibt, in der alle drei Gleichnisse „gesprochen“ werden, als zusammenhängend erscheinen 3 , werde ich sie hier nicht aufspalten, sondern zusammen mit ihrer Einleitung als Ganzes darstellen.
1 Vgl. Conzelmann, Hans; Lindemann, Andreas, Arbeitsbuch zum Neuen Testament, Tübingen 13 2000, S. 73f..
2 Ich richte mich bezüglich der Methodik, wo nicht anders erwähnt, nach den Handreichungen des neutestamentlichen Proseminars von Frau Lipphardt und im Falle der Textkritik auch nach Herrn Merkels.
3 Siehe Literarkritik (2.).
4
2.1.1 Äußere Textkritik
Bei meiner Überprüfung dieses Kapitels mit Hilfe des Textkritischen Apparates der 27. Auflage des Nestle-Aland 4 schien mir aufgrund der Kriterien der Äußeren Textkritik, die, um die ursprüngliche Form eines Textes wiederzugewinnen, nach Alter, Qualität und Quantität der eine Textgestalt überliefernden Handschriften fragt, zunächst der im Nestle-Aland abgedruckte Text übernommen werden zu können, weil dieser den Text der besten und ältesten Zeugen darstellt. 5
Ein Blick in Kommentare und Sekundärliteratur weckte bei mir allerdings Zweifel an meinen Ergebnissen der äußeren Textkritik: So betrachten sowohl Wolfgang Wiefel 6 als auch François Bovon 7 das in V 16 bei Nestle-Aland stehende χορτασθη̃ ναι (gesättigt sein) als sekundär, weil es eine Abschwächung des ursprünglichen γεμισαι την κοιλιαν αυτου (sich den Bauch füllen) darstelle. Bovon erklärt, dass die frühen Gelehrten diesen „vulgären“ Ausdruck als schockierend empfunden und ihn deshalb ersetzt hätten 8 . Deshalb möchte ich diese Stelle hier genauer untersuchen:
Der Ausdruck χορτασθη̃ ναι wird bezeugt von P 75 א B D L f 1.13 579.1241.2542 pc e f (sy c ) sa. γεμισαι την κοιλιαν αυτου ist die Variante der Handschriften A Θ Ψ M lat sy s.p.h bo. Betrachten wir diese nach Alter, Qualität und Quantität: Die erste Variante χορτασθη̃ ναι überliefert
P 75: das Bodmer-Papyrus, das die älteste erhaltene Lukashandschrift, nach Aland der Kategorie II zugehörig ist, also eine „Handschrift ganz besonderer Qualität“9 darstellt, :א der Codex Sinaiticus, der um 350 nach Christus entstanden ist und von Aland der Kategorie I zugeordnet ist,
B: der Codex Vaticanus, ebenfalls um 350 nach Christus, Kategorie I, D: Bezea Cantabrigiensis, 5. Jahrhundert, Kategorie I,
L: 8. Jahrhundert, Kategorie II, eine Handschrift besonderer Qualität, die allerdings fremdbeeinflusst ist,
die Minuskelfamilien f 1 aus dem 12. bis 14. Jh. und die Minuskelfamilie f 13 aus dem 11. bis
15. Jahrhundert der Katergorie III, die für die Rekonstruktion des ursprünglichen Textes
4 Nestle-Aland, Novum Testamentum Graece, Stuttgart 27 1993.
5 Vgl. Nestle-Aland, Novum Testamentum Graece, S. 210f. Zu Alter und Qualität der Handschriften vgl. Reader Lipphardt sowie Aland, Kurt u. Barbara, Der Text des Neuen Testaments, Stuttgart 1982, S. 167f. Und Nestle-Aland, Novum Testamentum Graece, Stuttgart 26 1979, S. 684ff. 6 Vgl. Wiefel, Wolfgang, Das Evangelium nach Lukas, ThHK 3, Berlin 1988, S. 285.
7 Bovon, François, Lukas in neuer Sicht. Gesammelte Aufsätze, Biblisch-theologische Studien; 8, Neukirchen-Vluyn 1985, S. 146.
8 Diese Erklärung ist ein Argument der inneren Textkritik, zuerst möchte ich nun aber den äußeren Überlieferungsstand ins Auge fassen.
9 Aland, Kurt u. Barbara, Der Text des Neuen Testaments, Stuttgart 1982, S. 167.
5
gebraucht werden, oft aber einen selbständigen Text enthalten und in erster Linie für die Textgeschichte wichtig sind 579 aus dem 13. Jh.. Kategorie II,
1241 aus dem 12. Jahrundert der Kategorie III, , 2542, Kategorie III aus dem 13. Jahrhundert und wenige griechische Textzeugen sowie die altlateinischen Schriften e und f aus dem 5. und
6. Jahrhundert und der Cureton-Syrer aus dem 5. Jahrhundert sowie der sahidische Text.
Die zweite Variante wird bezeugt von
A: Codex Alexandrinus aus dem 5. Jahrhundert, davon Evv der Kategorie III zugehörig, Θ: aus dem 9. Jahrhundert, Kategorie II, Ψ: aus dem 8. und 9. Jahrhundert, Kategorie III,
M: Der Mehrheitstext, oft von geringerer Qualität, dazu gehört z.B. der byzantinische Text der Kategorie V.
lat: Ein Teil der Altlateiner und die Vulgata,
und der Sinai-Syrer aus dem 4. und 5. Jahrhundert, die Pesschitta, die Harclensis und die bohairische Übersetzung. 10
Ergebnis: Da die erste Variante die älteren und besseren Zeugen aufweist, sehe ich vorerst keinen Grund anzunehmen, dass die zweite Variante die ursprüngliche ist. Dass der Mehrheitstext die zweite Variante enthält, die Quantität der Handschriften mit dieser Version also größer ist, ist kein Argument für die zweite Variante, weil die Qualität das entscheidende Kriterium ist.
2.1.2 Innere Textkritik
Nach den Kriterien der inneren Textkritik könnte χορτασθη̃ ναι sekundär und eine Glättung der
Abschreiber sein, denen γεμισαι την κοιλιαν αυτου zu schwierig, zu lang oder zu anstößig war. Bovon führt an, dass die Gelehrten sich bei dieser Glättung von Lukas 16, 21 (επιθυμών (Strich) χορτασθη̃ ναι) inspirieren ließen11.
Weil er stärker ist, finde ich den Ausdruck γεμισαι την κοιλιαν αυτου im Grunde inhaltlich passender, denn schließlich ist es anstößig, dass der jüngere Sohn die Schweineschoten essen will, trotzdem scheinen mir die Argumente der Äußeren Textkritik hier weitaus gewichtiger
10 Vgl. Nestle-Aland, Novum Testamentum Graece, S. 210f. Zu Alter und Qualität der Handschriften vgl. Reader Lipphardt sowie Aland, Kurt u. Barbara, Der Text des Neuen Testaments, Stuttgart 1982, S. 167ff. Und Nestle-Aland, Novum Testamentum Graece, Stuttgart 26 1979, S. 684ff. Und S. 7ff.
11 Vgl. Bovon, Lukas in neuer Sicht, S. 146.
6
und eindeutiger zu sein, so dass die Kriterien insgesamt damit für χορτασθη̃ ναι als ursprüngliche Lesart sprechen. Ich werde in meiner Übersetzung die deutsche Version von γεμισαι την κοιλιαν αυτου in Klammern anführen.
2.1.3 Ein weiteres Beispiel zur Textkritik
Eine Erkenntnis der äußeren und inneren Textkritik erscheint mir außerdem interessant: Die Verfasser der Handschriften א B D 33 u.a., die zur Kategorie I gehören und beide ersteren zu den ältesten Textzeugen, fügen in V 21 anders als die Handschriften P 75 A L W Θ Ψ f 1.13
M und einige Übersetzungen, die außer P 75 nicht der ersten Kategorie angehören, den
zweiten Teil aus V 19 ποιησον με ως ενα των μισθιων σου ein, so dass der jüngere Sohn in V 21 genau das sagt, was er sich in V 19 vorgenommen hatte. Inhaltlich scheint es aber wahrscheinlicher, das eben genannter Teil aus V 19 ursprünglich nicht zu den Worten des Sohnes gehörte, weil der Vater keinen Bezug auf diesen Satz nimmt und wahrscheinlich so schnell handelt, dass der Sohn gar nicht mehr dazu kommt, ihn zu sagen, so dass es sich um eine spätere Angleichung handeln und die Lesart der ältesten Lukashandschrift hier die ursprüngliche sein wird. 12
2.1.4 Die Übersetzung
Nun möchte ich mit Hilfe der Interlinearübersetzung griechisch-deutsch und dem Vergleich ausgewählter Bibeln13 das 15. Kapitel des Lukasevangeliums auf Deutsch darstellen. Meine Intention ist, den Text so wiederzugeben, dass er möglichst nah am griechischen Wortlaut bleibt, aber dennoch grammatikalisch dem heutigen Deutsch entspricht. Auffällige Unterschiede zwischen den Übersetzungen werde ich in Anmerkungen kommentieren.
15 1 Es näherten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. 2 Und es murrten sowohl die Pharisäer als auch die Schriftgelehrten und sagten: Dieser nimmt Sünder an und isst mit ihnen.
12 Vgl. Bovon, Lukas in neuer Sicht, S. 146.
13 Ich verwende hier: Das neue Testament. Interlinearübersetzung griechisch-deutsch, griechischer Text nach der Ausgabe von Nestle-Aland (26. Auflage), Stuttgart 4 1981; Die Bibel. Altes und Neues Testament. Einheitsübersetzung, Stuttgart 1980; Stuttgarter Erklärungsbibel. Die Heilige Schrift nach der Übersetzung Martin Luthers. Mit Einführungen und Erklärungen, Stuttgart 2 1992; Das Neue Testament. Revidierte Elberfelder Übersetzung, Wuppertal 1992; Münchener Neues Testament. Studienübersetzung, Düsseldorf
2 1989.
7
Er sprach aber zu ihnen dieses Gleichnis und sagte: 4 Welcher Mensch 14 unter euch, der 3
hundert Schafe hat und eins von ihnen verloren hat, lässt nicht die die neunundneunzig in der Einöde zurück und geht dem Verlorenen nach, bis er es findet? 5 Und wenn er es gefunden hat, legt er es auf seine Schultern und freut sich; 6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und die Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 7 Ich sage euch: So wird mehr Freude im Himmel sein über einen Sünder, der umkehrt 15 , als über neunundneunzig Gerechte, die der Umkehr nicht bedürfen.
8 Oder welche Frau, die zehn Drachmen hat, zündet nicht, wenn sie eine davon verloren hat, eine Lampe an, kehrt das Haus und sucht sorgfältig, bis sie sie findet? 9 Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir, weil ich die Drachme gefunden habe, die ich verloren hatte! 10 So, sage ich euch, herrscht Freude bei den Engeln Gottes über einen umkehrenden Sünder!
Er aber sprach: Ein Mensch 16 hatte zwei Söhne. 12 Und der jüngere von ihnen sagte zum 11
Vater: Vater, gib mir den Teil des Vermögens, der mir zukommt. Er aber teilte ihnen die Habe zu. 13 Und als er nach nicht vielen Tagen alles zusammengebracht hatte, zog der jüngere Sohn fort in ein fernes Land und verschleuderte dort sein Vermögen, indem er zügellos lebte. 14 Aber als er alles aufgebraucht hatte, kam eine gewaltige Hungersnot in jenes Land und er begann, Mangel zu leiden. 15 Und er ging und hängte sich an einen Bürger jenes Landes, der ihn auf seine Felder schickte um Schweine zu hüten. 16 Und er begehrte, sich von/mit den Schoten, die die Schweine fraßen, zu sättigen (seinen Bauch zu füllen 17 ) und niemand gab sie ihm. 17 Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Überfluss an Brot, ich aber komme hier vor Hunger um.
18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und will zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; 19 ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen, mache mich zu einem deiner Tagelöhner! 20 Und er machte sich auf und ging zu
14 Im Griechischen steht hier ανθρωπος (), nach dem Griechisch-deutschen Taschenwörterbuch zum Neuen Testament bedeutet dieses Wort 1. Mensch, 2. Ehemann, 3. unbetont: jemand, einer. Ich werde hier wie auch die Lutherbibel, die Elberfelder Übersetzung, das Münchener Neue Testament entgegen der Interlinearübersetzung, die mit „Mann“ übersetzt, mit „Mensch“ übersetzen. Die Einheitsübersetzung verwendet das unbetonte „einer“. Als Doppelgleichnis zum Gleichnis Die verlorenen Drachme betrachtet, dessen Protagonistin eine Frau ist, könnte an dieser Stelle aber auch „Mann „ als Gegenstück zu Frau gemeint sein.
15 Im Nestle-Aland: μετανοουντι (Partizip). Nach dem Preuschen: μετανοέο: ich ändere meinen Sinn, ich bekehre mich, emfpinde Reue, tue Buße. Die Interlinear-Übersetzung setzt umdenken, Luther und Elberfelder Bibel Buße tun, die Einheitsbibel umkehren, das Münchener NT umkehren.
16 Hier steht im Griechischen wieder ανθρωπος ()
17 Die Interliearübersetzung, die sich nach dem Nestle-Aland Text richtet, übersetzt „begehrte, sich zu sättigen“, gemäß des χορτασθη̃ ναι. So übersetzt auch das Münchner NT. Luther und Elberfelder Bibel übersetzen hingegen mit „begehrte, seinen Bauch zu füllen“. Sie berufen sich also auf die Handschriften der oben dargestellten zweiten Variante.
8
seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und empfand Erbarmen und lief, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 21 Der Sohn aber sagte zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. 22 Aber der Vater sagte zu seinen Knechten: Schnell, bringt das beste Gewand heraus und zieht es ihm an, und tut einen Ring an seine Hand und Sandalen an seine Füße, 23 und bringt das gemästete Kalb her und schlachtet es und lasst uns beim Essen fröhlich sein! 24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. 25 Sein älterer Sohn war aber auf dem Feld und als er kam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Reigen, 26 und er rief einen der Knechte zu sich und fragte, was dieses sei. 27 Er aber sagte zu ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund zurückerhalten hat. 28 Er aber wurde zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater kam aber hinaus und bat ihn. 29 Er antwortete aber, indem er zu seinem Vater sagte: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und ich habe nie ein Gebot von dir übertreten und mir hast du niemals ein Böckchen gegeben, damit ich mit meinen Freunden fröhlich sei, 30 als aber dieser dein Sohn gekommen ist, der deine Habe mit Huren aufgezehrt hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. 31 Er aber sagte zu ihm: Kind, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, ist dein, 32 aber man musste doch fröhlich sein und sich freuen, weil dieser dein Bruder tot war und wieder lebendig geworden, verloren war und gefunden worden ist.
2.2 Literarkritik
2.2.1 Einleitungsfragen
Nun sollen die zu untersuchenden Perikopen als Teil eines literarischen Werkes betrachtet werden. Darum werde ich zuerst das dritte Evangelium in den Blick nehmen (das zusammen mit der Apostelgeschichte das Doppelwerk des Lukas bildet), indem ich einleitend nach Verfasser, Entstehungsort und Entstehungszeit frage.
Zwar spricht er als einziger Evangelist von sich selbst als „ich“ 18 , dennoch kennen wir den Namen des Verfassers nicht, „Lukas“ ist eine spätere Hinzufügung, die aber auf Erinnerung basieren könnte. 19 Lukas besitzt eine hellenistische Bildung, zitiert griechische Dichter und
18 So in Lk 1,3 und Apg 1,1. Vgl. Conzelmann, Hans; Lindemann, Andreas, Arbeitsbuch zum Neuen Testament, Tübingen 13 2000, S. 342.
19 Vgl. Conzelmann, Lindemann, Arbeitsbuch., S. 342 und Roloff, Jürgen, Einführung in das Neue Testament, Stuttgart 1995, S. 175.
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Judith Overbecke, 2006, Die Perikopen vom Verlorenen, München, GRIN Verlag GmbH
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