Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Die Hintergründe zu Heinrich Heine und Johann Wolfgang von Goethe 4
2.1. Leben und Werk Heines im zeitlichen Überblick. 4
2.2. Goethes Leben und Werk im Überblick 6
2.3. Zeitleiste (Visualisierung) 8
3. Das Verhältnis Heines zu Goethe. 9
3.1. Heines Verhältnis zu Rahel und Karl August Varnhagen von Ense. 10
3.1.1. Beschäftigung mit Goethe 10
3.1.2. Kurzzeitiger Bruch in der Beziehung zu Varnhagens. 13
3.2. Andere Schnittstellen zwischen Heine und Goethe. 16
3.3. Das Treffen zwischen Heine und Goethe 18
3.3.1. Bemühungen Heines um die Gunst Goethes 18
3.3.2. Goethe als Vorbild junger Dichter. 20
3.3.3. Heines Goethe Bild nach dem Besuch in Weimar 21
3.3.4. Zusammenfassung der Einstellungen Heines gegenüber Goethe im Laufe
der Jahre. 24
3.3.5. Das Treffen zwischen Heine und Goethe in Heines Harzreise 25
3.3.5.1. Entstehung der Harzreise 26
3.3.5.2. Der verschwiegene Besuch in der Harzreise. 27
3.4. Goethe über Heine. 30
4. Schlussbetrachtung 32
5. Literatur 34
6. Anhang. 36
2
1. Einleitung
Fragt man nach den großen deutschen Dichtern, so werden einem oft Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und Heinrich Heine genannt. Zuweilen werden diese drei gar in dieser Reihenfolge genannt. Betrachtet man auf der anderen Seite die Lebensdaten dieser Schriftsteller, fallen Parallelen auf: Johann Wolfgang von Goethe lebte von 1749 bis 1832, Friedrich Schiller von 1759 bis 1805, Heinrich Heine von 1797 bis 1856. Allein dadurch, dass sie etwa zur gleichen Zeit lebten, sollten sie ein Bild von dem jeweils Anderen haben. Derart produktive Schriftsteller wie die eben genannten, haben sicherlich etwas über ihre Konkurrenten verfasst. Dies gilt es hier herauszufinden: Die vorliegende Arbeit will sich mit dem Goethe-Bild Heinrich Heines beschäftigen. Es sollen Aspekte der Sympathie Heines zu Goethe ebenso aufgezeigt werden, wie Aspekte der Antipathie beider. Ebenso will die Arbeit versuchen darzustellen, welche Gesichtspunkte für ein bestimmtes Goethebild Heines dominieren und ob dabei ein Wandel festzustellen ist. Die Arbeit verfolgt einen literaturgeschichtlichen Ansatz. Auf die verschiedenen Lesarten des Deutschen in den Werken Heines und in denen Goethes soll nicht mehr als die Sache es erfordert eingegangen werden. Es werden für Goethes Texte die Weimarer Ausgabe und für Heines die Düs-seldorfer Ausgabe herangezogen; ferner wird die Heine Säkularausgabe für Briefwechsel und Ähnliches benutzt.
Zunächst sollen die Lebensdaten beider Autoren in einen zeitlichen Zusammenhang zueinander und gebracht werden. Im dritten Teil soll aufgezeigt werden, wie die Schriftsteller zueinander standen. Dazu soll der Besuch Heines bei Goethe erläutert sowie gemeinsame Bekannte beleuchtet werden.
1 Heinrich Heine an J.W. v. Goethe am 29.12.1821. HSA XX, S. 46
3
2. Die Hintergründe zu Heinrich Heine und Johann
Wolfgang von Goethe
2.1. Leben und Werk Heines im zeitlichen Überblick
Heinrich Heine wird am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf als Harry Heine geboren. Er ist der erste Sohn des jüdischen Tuchhändlers Samson Heine und seiner Frau Betty van Geldern. Samson Heine ist ein ärmlicher Tuchhändler, der recht erfolglos später bankrot geht und von seinen Brüdern entmündigt wird. Er steht im Gegensatz zu seinem Bruder Salomon Heine, der sehr wohlhabend ist und seinem Neffen Heinrich schließlich nach missglückter Kaufmannslehre das Studium der Jura ermöglicht. In die Tochter des Onkels, seine Cousine Amalie verliebt sich Heinrich bei einem Aufenthalt in deren Landhaus bei Hamburg 1816. Die Liebe wird allerdings nicht erwidert und Heine trägt Zeit seines Lebens schwer an dem sogenannten Amalien- Erlebnis 2 .
Heines „merkantilistische Seifenblase“ 3 war geplatzt, sein Geschäft, das der Onkel im eingerichtet hatte, wurde wegen bevorstehenden Bankrotts liquidiert. 1820 schreibt sich Heine an der jungen Universität Bonn ein, an der erst im Jahr zuvor die Lehre begonnen hatte. Obgleich er Recht studiert, hört er eine einzige Vorlesung zum römischen Recht und beschäftigt sich eingehend mit der Philosophie und Literatur. Es entstehen erste Publikationen, so etwa das Drama „Almansor“.
1819/1820 wechselt Heine an die traditionsreiche Universität Göttingen, die er aber im Folgejahr aufgrund eines Universitätsbeschlusses wegen eines Duellversuchs verlassen muss. 4 Im April 1822 setzt Heine sein Jurastudium in Berlin fort. Er beschäftigt sich allerdings auch hier eher mit Literatur und lernt beispielsweise Rahel und Karl August Varnhagen von Ense kennen. Karl August vermittelt den Kontakt zur Maurerschen Buch-handlung in Berlin, bei der schließlich Gedichte (1821), Über Polen
2 Vgl.: Edda Ziegler: Heinrich Heine. Leben - Werk - Wirkung. Zürich 1993, S. 30
3 Vgl.: Ziegler: a.a.O., S. 26
4 Vgl.: Ziegler: a.a.O., S. 39f.
4
(1823), Tragödien nebst einem lyrischen Intermezzo (1823) oder auch William Ratcliff (1822) erschienen.
Der Onkel verlängert die Finanzierung des Studium nur unter der Voraussetzung, dass Heine sein Studium innerhalb von zwei Jahren in Göttingen beendet. 1824 kommt Heine zurück nach Göttingen und unternimmt im gleichen Jahr auch die Fußreise durch den Harz, bei der er in Weimar schließlich auf Johann Wolfgang von Goethe trifft. Erst im Juni 1825 wird er in Heiligenstadt auf den Namen Heinrich protestantisch getauft. Nur so hätte er eine Anstellung im Staatsdienst annehmen können. 5 Einen Monat später nimmt Heine seine Promotionsurkunde in Empfang. Anschließend reist Heine durch Norddeutschland, weilt einige Zeit bei den Eltern in Lüneburg. Durch die Bekanntschaft zu Julius Campe erscheinen viele Werke im Verlag Hoffmann und Campe. Fortan ist Heine Schriftsteller von Beruf und reist durch Europa. 1826 erscheint bei Campe der erste Teil der Reisebilder, 1827 schon Band zwei. 1828 reist Heine nach Italien, bis Ende November. Anfang Dezember stirb der Vater in Hamburg. Im Dezember des drauffolgenden Jahres erscheint der dritte Teil der Reisebilder.
Die Nachricht der französischen Julirevolution erreicht Heine auf der Insel Helgoland. Heine setzt große politische Hoffnungen auf die Revolution. 6 Nachdem im Jahr 1831 die Nachträge zu den Reisebilder, Band IV, erschienen war, siedelte Heine im Mai nach Paris über. Im Jahr darauf wird „Französische Zustände“ veröffentlicht, so wie „Der Salon“ Band I., der unter anderem „Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski“ enthielt. Ein Jahr später erscheint „Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland“. Seit diesem Jahr, 1834, lebt Heine mit Crescienta Eugenie Mirat zusammen, die er 1841 heiratet. Durch das Bundestagsverbot vom 10. Dezember 1835 wird Heine untersagt, in den deutschen Ländern zu veröffentlichen. 1836 wird „Die Romantische Schule“ herausgegeben., während in den Folgejahren 1837 und 1840 zwei Bände des „Salon“, III und IV, erscheinen. Diese enthalten un-
5 Vgl.:Ziegler, a.a.O., S. 53-58
6 Vgl.: Joseph A. Kruse (Hrsg.): Großer Mann im seidenen Rock. Heines Verhältnis zu Goethe. Stuttgart, Weimar 1999, S. 33
5
ter anderem die „Florentinische Nächte“ und den „Rabbi von Bacherach“. Ebenfalls 1840 schreibt Heine „Ludwig Börne. Eine Denkschrift.“ 1843 und 1844 reist Heine zweimal nach Hamburg. „Als literarisches Ergebnis der Deutschlandreise von 1843 entsteht ‚Deutschland. Ein Wintermärchen’, das wichtigste Dokument von Heines Deutschlandkritik und seiner Gesellschaftsutopie.“ 7 Im Jahr 1847 erscheinen „Atta Troll“ und „Der Doktor Faustus“, zu dem Heine schon 1824 bei seinem Besuch bei Goethe Pläne haben soll. 8
Ab 1848 fesselt eine schwere Krankheit ans Bett: Heine spricht von seiner Matratzengruft. Zuletzt verliebt sich Heine 1855 in die 27-jährige Schriftstellerin Elise Krinitz, die er die „Mouche“ nennt, und die ihn zu seinen letzten großen Liebesgedichten inspiriert. Er verbringt acht Jahre unter bedauerlichen Umständen im Bett liegend, bis er schließlich 1856 stirbt.
2.2. Goethes Leben und Werk im Überblick
Johann Wolfgang Goethe wird am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren und am folgenden Tag protestantisch getauft. 1765 beginnt Goethe als Sechzehnjähriger sein Jurastudium in Leipzig, das er aber noch im selben Jahr aufgrund einer Erkrankung abbrechen muss. Schon vor Studienbeginn versucht der Vater, das Interesse für die „juristischen Gegenstände“ zu wecken und arbeitet mit ihm zwei Grundlagenwerke durch. 9 Seine juristischen Kenntnisse, so schreibt Bachmeier, erweitert Goethe in seiner Leipziger Studienzeit nur unwesentlich und scheint sich, ähnlich wie Heine, für die Jurisprudenz nie wirklich begeistern zu können. 10 Während des Studiums beschäftigt sich Goethe ebenfalls lieber mit Poesie, klassischer Altertumswissenschaft und Fechten. 11 1770 schließlich wechselt Goethe nach Straßburg, um dort sein Jurastudium zu beenden. Doch auch hier gilt sein Interesse den Medizin, Chirurgie, Che- 7 Kruse:a.a.O., S. 33
8 Vgl.: Maximilian Heine: Erinnerungen an Heinrich Heine und seine Familie. Berlin 1868, S. 123
9 Vgl.: Helmut Bachmeier: Goethe und seine Zeit. Salzburg 1982, S. 51
10 Vgl.: ebenda
6
mie, Geschichte und Staatswissenschaften. Im folgenden Jahr entstehen aus der Bekanntschaft mit Friederike Brion die Seesenheimer Lieder. Brion wird er nach seiner Promotion verlassen. Zuvor wurde seine Promotion über Kirchenrecht, De Legislatoribus, abgelehnt. Erst im August des Jahres promoviert Goethe zum Lizentiaten der Rechte. Er wird den Titel Doc-tor iuris führen, da der deutsche Doktortitel dem Straßburger Lizentiatentitel entspricht. „Vermutlich einen Tag nach der Promotion ist Goethe in Seesenheim, um Abschied von Friederike zu nehmen (ohne ihr allerdings dessen Endgültigkeit zu gestehen).“ 12 Ende August stellt Goethe in Frankfurt den Antrag zur Zulassung als Rechtsanwalt. Zusammen mit dem Vater eröffnet er eine Kanzlei, deren ganze Arbeit bald der Vater übernimmt, da Goethes Interesse an der Jurisprudenz immer noch mäßig ist. Goethe widmet sich den Straßburger Manuskripten. Gegen Ende des Jahres schreibt er die Urfassung des Götz. 13 Während seiner Zeit als Rechtspraktikant beim Reichskammergericht in Wetzlar entsteht 1773 Götz von Berlichingen. Fortan stützt sich Goethe mehr und mehr auf die Schriftstellerei denn auf die Jurisprudenz. 1774 erscheinen „Die Leiden des jungen Werther“, die in kürzester Zeit zum Kultbuch werden. „Eine Werther- Epidemie bricht aus: Werther- Mode, Werther- Feiern, Werther- Selbstmorde.“ 14 1775 verlobt sich Goethe schließlich mit Lili Schönemann. Im selben Jahr siedelt Goethe nach Weimar über, auf Einladung des Herzogs Carl August von Sachsen- Weimar- Eisenach. Dort lernt er auch Charlotte von Stein kennen, zu der er bis 1786 eine enge Beziehung hat. 15 Im Winter 1777 reist Goethe durch den Harz.
1779 entsteht Iphigenie auf Tauris. Im gleichen Jahr wird Goethe auch zum Geheimen Rat ernannt. Der Jahre später bereits erhält er von Kaiser Joseph II. den erblichen Adelstitel.
11 Vgl.: Bachmeier: a.a.O., S.51
12 Bachmeier: a.a.O., S. 76
13 Vgl.: ebenda
14 Kruse: a.a.O., S. 25
15 Vgl.: ebenda
7
Nach der Rückkehr von der Italienreise 1788 lebt er in Weimar mit Christiane Vulpius zusammen, die er 1806 heiratet. Nur ein Sohn von fünf Kinder erreicht das Erwachsenenalter, wird aber vom Vater überlebt. 1792 und 1793 nimmt Goethe an Feldzügen gegen Frankreich teil. Er kämpft gegen Frankreich und besetzt mit Revolutionstruppen Frankfurt und Mainz für Preußen. 16
Nachdem Goethe 1794 Bekanntschaft mit Friedrich Schiller geschlossen hatte, arbeiteten sie teilweise zusammen und verfassten beispielsweise die Xenien. 1808 schließlich erscheint „Faust. Der Tragödie erster Teil“, ein Jahr später „Die Wahlverwandtschaften“, 1811 „Dichtung und Wahrheit“. Goethe beschäftigt sich ab 1816 auch als Herausgeber der Zeitschrift „Über Kunst und Altertum“. In diesem Jahr stirbt seine Frau Christiane Vulpius. 1823 schließlich begegnet er in Karlsbad der 19-jährigen Ulrike von Levetzow. Ihr stellt er einen Heiratsantrag, den sie jedoch ablehnt. Als Reaktion darauf entsteht die Marienbader Elegie. 17 Darin entsagt Goethe endgültig der Jugend und Erneuerung. Als 1824 Heine, der etwa fünfzig Jahre jünger ist, Goethe besucht, wird er ihm als jungen Mann etwas ressentimentgeladen gegenüberstehen. 18
1831 schließlich wird Goethe „Faust. Der Tragödie zweiter Teil“ abschließen. Weniger als ein Jahr später stirb Johann Wolfgang von Goethe am 22. März 1832 in Weimar. 19
2.3. Zeitleiste (Visualisierung)
Um die zeitlichen Verhältnisse anschaulicher zu gestalten, wurden die Lebensdaten beider Autoren grafisch aufgearbeitet. Dabei sind zwei Balken entstanden, die die jeweiligen Lebensdaten symbolisieren. Auf die Balken wurden wichtige Lebensdaten und Werke aufgetragen, so dass der Betrachter einen Eindruck über die zeitlichen Abläufe gewinnen kann.
16 Vgl.: Kruse: a.a.O., S. 27
17 Vgl.: Kruse: a.a.O., S. 29
18 Jost Hermand: Von Mainz nach Weimar (1793- 1919). Stuttgart 1969, S. 132
19 Vgl.: Kruse: a.a.O., S. 29
8
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Alexander Gehmlich, 2002, Heine von Göttingen - Heinrich Heines Goethe-Bild und sein Verhältnis zu Goethe, München, GRIN Verlag GmbH
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