Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Lehrstuhl für Soziologie und Sozialanthropologie
Seminar
Verhalten in Institutionen Wintersemester 2001/2002
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Eingereicht als Teilprüfung gemäß CP-Ordnung als „soziologische Handlungskompetenzen“
Christiane Sevegnani Stefanie Gentele Sozialwissenschaften Sozialwissenschaften
9. Semester 8. Semester
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2.1 Terrorismus - eine Definition 3
2.2 Hintergründe zum religiös motivierten Terrorismus 3
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3.1 Theoretische Grundlagen politischer Öffentlichkeitsarbeit
3.1.1 Beziehungen zwischen Medien und Politik
3.1.2 Herstellen von Öffentlichkeit 3.2 Die kritisch-normative Funktion der Massenmedien
3.2.1 Medien im „Krieg“
3.2.2 Die Verzerrung der Wirklichkeit durch Berichterstattung
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4.1 Die Funktion der Massenmedien bei der Visualisierung des Terrors 12
4.2 Auswertung der Berichterstattung in den USA, insbesondere CNN 13
4.3 Meinungsbildung in der deutschen Presse 15 4.4 Erfolge mit dem Terror 16
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5.1 Zur Handlungslogik des Afghanistankrieges 16
5.2 Reaktion der Medien auf die Politik oder Reaktion der Politik auf die Medien? 18
5.3 Medien und politisches Handeln 20
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6.1 Regionale und weltinnenpolitische Handlungsmöglichkeiten 21
6.2 Konkretes politisches Handeln und gesetzliche Neuregelungen in
6.2.1 Das Terrorismusbekämpfungsgesetz
6.2.2 Auswirkungen der gesetzlichen Regelungen 6.3 Armutsreduzierung als Aufforderung an die Entwicklungspolitik 28
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Der 11. September 2001 - ein Datum, das in die Geschichte einging. Islamische Fundamentalisten entführten zwei Flugzeuge und flogen diese in das World Trade Center in New York und brachten das Gebäude kurze Zeit später zum Einstürzen. Nur ein paar Minuten versetzt, hatte ein weiteres Flugzeug in Washington Teile des Pentagons zerstört.
Seit diesen Ereignissen ist der Terrorismus ein allgegenwärtiger Phänomen, das sich durch die Medien, die Politik und die öffentliche Meinung zieht. Aus diesem Grund soll in dieser Arbeit der Frage nachgegangen werden, in welcher Beziehung diese drei Begriffe stehen. Zur Analyse der Medienreaktion wurden 32 Artikel zur Medienberichtserstattung des Terroranschlages und dessen Auswirkungen selektiv gelesen. Die Auswahl der Texte erfolgte in Hinblick auf Wahrheitstreue bzw. Verzerrung der Wirklichkeit, Bildung der öffentlichen Meinung und Reaktionen der Politik. Letztendlich sind in die Analyse 24 Artikel, aus der Wochenzeitung „Die Zeit“, und den beiden Magazinen „Spiegel“ und „Focus“ eingegangen.
Die politischen Reaktionen auf regionaler Ebene wurden bis zur Verabschiedung der Gesetze zur Terrorismusbekämpfung am 08. November 2001 in der Arbeit mitberücksichtigt. Die Beschreibung der gesetzlichen Neuregelungen bezieht sich ausschließlich auf Deutschland. Hingegen wird die Handlungslogik zu den militärischen Einsätzen auf das Handeln der USA in Afghanistan bezogen. Dabei wurden theoretische Lösungen zur Terrorismusbekämpfung untersucht und mit dem Handeln der Politik im Inn- und Ausland verglichen.
Generell zieht sich durch die Arbeit die Fragestellung nach der Einflussnahme der Medien auf die Politik und umgekehrt. Der Einfluss der beiden Komponenten auf die Bildung der öffentlichen Meinung soll hierbei nicht außen vor bleiben und nimmt einen weiteren Schwerpunkt in der Diskussion ein.
Das genauere Vorgehen der Autoren wird im folgenden Schaubild verdeutlicht.
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Quelle: eigene Darstellung
Wie aus dem oben dargestellten Schaubild ersichtlich ist, ist der Ausgangspunkt der Analyse und fortlaufenden Diskussion der Terroranschlag vom 11. September. Ausge- hendvon diesem Datum wird zum einen die wechselseitige Abhängigkeit zwischen der Politik auf der einen Seite und den Medien auf der anderen Seite dargestellt. Im Zentrum der Überlegungen steht die öffentliche Meinung (ÖM), welche auf Basis der Einflüsse von Politik und Medien entsteht. Vorerst wird die öffentliche Meinung als „Blackbox“ verstanden, da zu Beginn der Untersuchungen noch nicht feststand, in welchem Ausmaß sowohl die politischen Handlungen als auch die Berichterstattung in den Medien die Bildung der öffentlichen Meinung beeinflussen, entstehen lassen, beschleunigen und verändern. Diese oben genannten Fragestellungen sollen nun auf Basis des Schaubilds im Fortlauf dieser Arbeit diskutiert und kritisch reflektiert werden. Stefanie Gentele befasst sich in ihren Ausführungen insbesondere mit den Hintergrundinfomationen zum Terrorismus (Kapitel 2). Weiterhin analysiert sie die Handlungslogik im Afghanistankrieg (Kapitel 5.1) und widmet sich in ihrer Diskussion den regionalen bzw. weltinnenpolitischen Handlungsmöglichkeiten (Kapitel 6.1) sowie das konkrete politische Handeln in Deutschland (Kapitel 6.2).
Hingegen gibt Christiane Sevegnani die Grundlagen für die Analyse der politischen Öffentlichkeitsarbeit bzw. definiert die Funktionen von Massenmedien (Kapitel 3). Ferner beschäftigt sie sich grundlegend mit dem Zusammenwirken von Öffentlicher Meinung, Reaktionen der Medien und Politik nach den Anschlägen (Kapitel 4.5.2 und Kapitel 5.3). Zuletzt gibt sie einen Ausblick auf die Anforderungen zur Bekämpfung des Ter-rorismus (Kapitel 6.3).
Insgesamt können die einzelnen Kapitel jedoch nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Alle Bausteine der Analyse bauen nicht nur aufeinander auf, sondern sind eng miteinander verwoben.
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Was ist Terrorismus? Kaum ein Begriff ist seit den Ereignissen des 11. Septembers häufiger in den Medien zu finden. Allerdings haben viele Menschen nur eine vage Vorstellung über die eigentliche Definition des Wortes. Nach Hoffman (1998) wird der Begriff „Terrorismus“ für eine ganze Skala von Gewalttaten verwendet. Dazu können neben dem Anschlag auf ein Gebäude, wie das World Trade Center, die Ermordung eines Staatsoberhauptes, Massaker an Zivilisten, Guerillakämpfe, Geiselnahmen und Vergiftung von Lebensmitteln gezählt werden. Tatsächlich werden viele Gewalttaten, die gegen die Gesellschaft gerichtet sind, als „Terrorismus“ verstanden. Dabei ist es anscheinend gleichgültig, wer die Akteure sind. Ob Kleinerpresser, regierungsfeindliche Dissidenten oder die Regierung selbst. Die neueste Beschreibung des Terrorismus bezieht sich vor allem auf die Publikumsbezogenheit des Phänomens, da durch terroristische Anschläge, die meist plötzlich und ohne Vorwarnung geschehen, Schock und Angst unter der Bevölkerung verbreitet werden. Nach einer Definition von Hoffman ist „Terrorismus
• unausweichlich politisch hinsichtlich seiner Ziele und Motive;
• gewalttätig;
• darauf ausgerichtet, weitreichende psychologische Auswirkungen zu haben, die über das jeweilige unmittelbare Opfer und Ziel hinausreichen;
• von einer Organisation mit einer erkennbaren Kommandokette oder konspirativen Zellenstruktur durchgeführt;
• von substaatlichen oder nichtstaatlichen Gebilden begannen“ (Hoffmann, 1998:55).
Auf die Anschläge von New York und Washington trifft diese allumfassende Definition nahe zu 100%ig zu, vor allem was die psychologische Auswirkungen betrifft. Die Ereignisse des 11. Septembers zeigen, dass auch hoch entwickelte Nationen, wie Amerika und Deutschland potentiell verwundbar sind und schüren so Angst in der Gesellschaft. Um die Hintergründe des Anschlags zu untersuchen, ist das Motiv für den Anschlag von Bedeutung. Der Fall zeigt, dass es sich um einen religiös motivierten Terrorismus handelt, dessen Handlungslogik außerdem durch Armut geprägt ist (vgl. hierzu Kapitel 6.3).
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Bruce Hoffmann (1998) stellt fest, dass der Gewaltgebrauch für religiöse Terroristen vor allem ein „sakramentaler Akt“ sei, dessen Legitimierung sich direkt von Gott oder
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einer anderen transzendentalen Macht herleite. Im Unterschied zum weltlich orientierten Terrorismus, zielen gläubige Terroristen also weit weniger auf die Legitimation durch eine äußere Gruppe. Terrorismus im Dienste eines höheren, jenseitigen Zieles erlaubt mithin die „Sanktionierung von beinahe unbegrenzter Gewalt gegen eine praktisch endlose Kategorie von Zielen: das heißt, gegen jeden, der nicht Angehöriger der Religion der Terroristen ist.“ Das erklärt auch die Rhetorik , von denen in den Manifesten über den „heiligen Terror“ gesprochen wird (vgl. Hoffmann. 1998:123). Gegenwärtig lässt sich von keiner der großen Weltreligionen behaupten, gegen die immer wiederkehrende Mischung aus Glauben, Fanatismus und Gewalttätigkeit immun zu sein. So hat sich schon zu Beginn der 90er Jahre der Anteil der religiös motivierten Terrorgruppen an den aktiven terroristischen Organisationen insgesamt beträchtlich gesteigert. Zudem hatten die gravierendsten Terrorakte des Jahrzehnts allesamt signifikante religiöse Dimensionen und Beweggründe. Dazu zählen u.a.:
• Der Nervengasangriff auf das Tokioter U-Bahn-Netz im März 1995 durch die apokalyptisch ausgerichtete Aum-Sekte;
• Das Sprengstoffattentat im April 1995 auf das Gebäude der US-Bundesbehörden in Oklahoma City mit 168 Todesopfern, begangen von „christlichen Patrioten“;
• Der Sprengstoffanschlag im Jahre 1993 auf das World Trade Center, durchgeführt von islamischen Terroristen;
• Das Massaker an 85 ausländischen Touristen im November 1997 durch islamische Terroristen im ägyptischen Luxor;
• Das gnadenlose Blutvergießen durch islamische Terroristen in Algerien, bei dem seit 1992 angeblich bis zu 75 000 Menschen ums Leben kamen. (vgl. Hoffmann. 1998:119ff)
Deutlich wird an dieser Aufzählung bereits eine Dominanz terroristischer Anschläge, die auf das Konto islamischer Terroristen geht. Im islamischen Fundamentalismus liegt gegenwärtig die bedeutendste Motivation eines religiösen Terrorismus. Der von diesen Fundamentalisten vertretene absolute Anspruch auf die Errichtung eines Gottesstaates, in dem die Gesetze der „Scharia“, des islamischen Sittengesetzes herrschen, rechtfertigt dabei den „Heiligen Krieg“, den „Dschihad“, gegen alle ungläubigen Nicht-Moslems, in dem auch terroristische Mittel erlaubt sind. Selbstmordkommandos, wie auch beim Anschlag vom 11. September, stellen besonders auffällige Akte terroristischer Gewalt dar. Sie betonen in drastischer Weise den grenzenlosen Glauben der Täter, denen letztlich die Rücksicht auf das eigene Leben selbst abhanden gekommen ist. Für diese Gewalttäter, die sich als „Heilige Krieger“ begreifen, stellt die terroristi-
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Stefanie Reitberger, Christiane Sevegnani, 2002, Terrorismus, Medien, öffentliche Meinung, politisches Handeln, München, GRIN Verlag GmbH
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