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Inhaltsangabe
1. Einleitung 3
2. Der historische Hintergrund 6
a) Sparta und Athen 6
b) Persien 7
3. Die Symmachie bis zum ersten Drittel des 5. Jahrhunderts 9
4. Die Gründung der Symmachie gegen die Perser 11
a) Die Voraussetzungen 11
aa) Die Peloponnesische Symmachie 11
bb) Die Verbindung Spartas mit Athen 12
b) Die Gründung 13
aa) Die konstituierende Versammlung 13
bb) Die Mitglieder 13
cc) Der Name. 14
dd) Die Organisation 15
5. Die Zeit der gemeinsamen Aktionen der Symmachie gegen die Perser 19
a) Die militärischen Vorgänge bis zur Bundeskonferenz auf Samos 19
b) Die inhaltliche Weiterentwicklung der Symmachie gegen die Perser 20
c) Von der Schlacht bei Plataiai zur Schlacht am Mykale 20
d) Sparta und Athen in der Symmachie gegen die Perser 21
6. Die Auflösung der Symmachie gegen die Perser 24
1. Einleitung
"Jetzt versammelten sich alle treu hellenisch gesinnten Städte der Hellenen, hielten eine Beratung ab und schlossen einen Bund. (...) Sie wollten versuchen, ganz Hellas zu einigen und zu gemeinsamem Handeln zu bewegen, da doch alle Hellenen ohne Unterschied bedroht seien." 1
Herodot von Halikarnass, selbst kurz vor dem Zug des Xerxes gegen Hellas geboren 2 und somit von allen Historikern der Epoche der Perserkriege am nächsten, erwähnt hier als erster den Bund der Hellenen, den die Griechen schlossen, um die aus Persien kommende Gefahr bannen zu können. Auf dem Zusammenschluß der stärksten Land- und der stärksten Seemacht Griechenlands, Spartas und Athens, basierte der Sieg über die Perser 3 , der so entscheidend war für den Fortlauf der griechischen Geschichte im Allgemeinen und die Entwicklung des klassischen Griechenlands im 5. Jh. im Speziellen. Dieser Arbeit soll daher die Fragestellung zugrunde liegen, unter welchen Voraussetzungen dieses Bündnis entstand, wie es seine Aktionen durchführte und wie es sich schließlich wieder auflöste. Nun ist die Geschichte der Antike keine besonders gut dokumentierte, und dies ist auch das Problem, das die Beschäftigung mit dem Bund der Hellenen gegen die Perser aufwirft: ein Vertragsformular ist nicht überliefert 4 , eine auch nur halbwegs pointierte Darlegung selbst bei dem für diese Epoche wichtigsten Historiker Herodot ist nicht vorhanden. So muß versucht werden, die entscheidenden Fakten dieses Komplexes zu rekonstruieren. Die antike Quelle, auf der diese Rekonstruktion beruht, ist dabei vor allem der Pater historiae Herodot mit seiner Arbeit über die Perserkriege; aber auch Thukydides mit seinem Abschnitt über die Pentekontaetie 5 , Plutarch mit den Biographien von Themistokles, Aristeides und Kimon sowie Diodor von Sizilien mit dem elften Buch seines vierzigbändigen Werkes "Biblioqhkhs istorikhs", dem wie für die gesamte bei ihm geschilderte klassische Zeit die Historien des Ephoros von Kyme zugrunde liegen 6 , diese Autoren müssen in vorliegenden Zusammenhang herangezogen werden. 7
1Herodot 7,145.
Es wird in dieser Arbeit davon abgesehen, längere Zitate auf Griechisch zu liefern. Übersetzungen und Zitate aus den Originalen der Primärliteratur stammen aus den im Quellenverzeichnis angegebenen Ausgaben.
2A. Lesky: Geschichte der griechischen Literatur, Bern/ München 2 1963 (künftig zitiert als Lesky), 337.
3P.A. Brunt: The Hellenic legue against Persia, in: Historia. Bd.2, 1953/4, 135-163 (künftig zitiert als Brunt),
135.
4E. Baltrusch: Symmachie und Spondai. Untersuchungen zum griechischen Völkerrecht der archaischen und klassischen Zeit (8.-5. Jahrhundert v. Chr.), Berlin/ New York 1994 (künftig zitiert als Baltrusch), 30.
5Thukydides, der für die Pentekontaetie, zu der es ansonsten kaum eine zeitgenössische Überlieferung gibt, die wichtigste Quelle darstellt, bietet für diese Zeit wenig Unterstützung: Er behandelt sie in nur dreißig Kapiteln (1, 89-118), so daß viele Vorgänge keine oder nur kurze Erwähnung finden können. Hinzu kommt, daß er zu diesem Abschnitt nicht als Primärquelle gilt. (M. Steinbrecher: Der delisch-attische Seebund und die athenisch-spartanischen Beziehungen in der kimonischen Ära, Stuttgart 1985 (künftig zitiert als Steinbrecher),
11 f.)
6Lesky 831.
7A. Tronson: The Hellenic League of 480 B.C. - Fact or ideological fiction?, in: Acta Classica. Bd. 34, 1991,
93-110 (künftig zitiert als Tronson), 95 geht davon aus, daß alle in der Zeit nach Herodot verfaßten Berichte
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Folgende Aspekte sollen in dieser Arbeit erörtert werden: Nach einer Beleuchtung des historischen Hintergrundes, vor dem sich die griechische Koalition zusammenschloß, erfolgt eine allgemein gehaltene Beschreibung des Phänomens der Symmachie, die die "übliche Grundlage für die außenpolitische Zusammenarbeit in der klassischen Zeit Griechenlands" 8 darstellte. Als nächstes werden die entscheidenden Aspekte der Gründung dieser Koalition dargelegt: die Vorbedingungen, unter denen sie erfolgte, die Gründungsmitglieder, ihr Name und ihre Organisation. Darauf ist ein kurzer ereignisgeschichtlicher Abriß notwendig, der die Grundlage für eine Untersuchung der im Verlauf des Bündnisfalls zwischen Sparta und Athen aufgetretenen Konflikte darstellt. Daß es in der Zeit vor der Schlacht bei Plataiai im Jahre 479 zu einer Weiterentwicklung des Bündnisses gegen die Perser kam, verlangt ebenfalls eine eingehendere Betrachtung, bevor dann der Prozeß seiner Auflösung zum Thema wird. Dieser Prozeß reicht bis ins Jahr 461, dem Jahr, in dem die letzte positive Verbindung zwischen Athen und Sparta aufgekündigt und ein weiterer Grundstein für die Griechenland aufreibenden Peloponnesischen Kriege gelegt wurde.
Diese Arbeit kann zu den verschiedenen Aspekten lediglich einen Überblick bieten, es soll versucht werden, auf den jeweiligen Forschungsstand einzugehen, jedoch vermag dieser -in Relation zu seiner recht weiten Fragestellung- kleine Aufsatz nicht in die Details zu gehen, was, um nur zwei Beispiele zu nennen, die hochinteressanten Themengebiete der Symmachie im Allgemeinen und des Eides von Plataiai im Speziellen betrifft. In solchen Fällen kann nur auf weiterführende Literatur verwiesen werden.
Zur Literaturlage: Es gibt zwar keine umfassende Darstellung der Symmachie gegen die Perser, aber recht gründlich haben sich Brunt 9 und Baltrusch 10 mit der vorliegenden Problematik auseinandergesetzt. Baltrusch macht dabei in seiner Untersuchung klar, daß zwischen den teilweise gegeneinanderstehenden griechischen Bündnissystemen durchaus Kontinuitäten feststellbar sind, die von dem bereits im Laufe der zweiten Hälfte des 6. Jh. entstandenen Peloponnesischen Bund bis zum Delisch-Attischen Seebund reichen. Erwähnt werden sollen an dieser Stelle auch zwei neuere Arbeiten von Giovannini und Gottlieb 11 sowie von Tronson, die von der communis opinio abweichende Thesen vertreten.
(außer dem des Thukydides) auf dessen Erzählung der Perserkriege zurückgreifen; alles, was darüber hinausgehe, seien eigene Interpretationen des Herodot-Berichtes oder zufällige weitere, das Thema betreffende Informationen, die von Herodots Zeitgenossen (wie z.B. Hellanikos mit seinen "Persika", Tronson 105 Anm. 19) oder seinen Nachfolgern übernommen worden seien.
8Baltrusch 3.
9Brunt setzt sich in seiner Arbeit ausführlich mit B.D. Meritt, H.T. Wade-Gery, M.F. McGregor: The Athenian Tribute Lists. Bd. 3, Princeton 1950 (künftig zitiert als ATL) auseinander und korrigiert deren Ergebnisse in weiten Teilen, zurecht, wie die vorliegende Literatur glauben macht.
10Baltrusch 30-51. Grundlegende Bemerkungen erfolgen in seiner Arbeit desweiteren u.a. zum Wesen der Symmachie, zum Peloponnesischen Bund und zum Delisch-Attischen Seebund.
11A. Giovannini, G. Gottlieb: Thukydides und die Anfänge der athenischen Arche, Heidelberg 1980 (künftig zitiert als Giovannini/ Gottlieb).
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Giovannini und Gottlieb vertreten die völlig neue 12 Ansicht, es habe gar keinen Delisch-Attischen Seebund gegeben, sondern es sei lediglich zu einem Hegemoniewechsel innerhalb der antipersischen Symmachie gekommen. 13 Tronson bestreitet in seiner Arbeit dagegen die Existenz eines von der Peloponnesischen Symmachie gesonderten Bündnisses gegen die Perser, für ihn handelt es sich dabei um eine ideologische Fiktion der Athener, die ihre eigene Rolle, die sie als Symmachoi Spartas im Peloponnesischen Krieg gespielt hätten, hervorheben wollten. Die Symmachie gegen die Perser sei also die Peloponnesische Symmachie selbst gewesen. Tronsons Arbeit soll in diesem Aufsatz nicht gesondert diskutiert werden; daß die darin zum Ausdruck kommende Theorie jedoch nicht überzeugend ist, wird in der Folge deutlich werden.
"For the first and last time in Greek history consciousness of community in race, language, religion and customs formed the basis for common political action" 14 , und so verhinderte der Hellenenbund ein Eingreifen Persiens in innergriechische Belange; er konnte aber nicht die Entwicklung zur Selbstzerstörung der griechischen Poleis unter ihren beiden Hegemonen verhindern, die ihren Abschluß vorerst in den Peloponnesischen Kriegen fand. Dies zu zeigen soll das Ziel dieser Arbeit sein.
12Steinbrecher 66.
13Genaueres dazu s.u. S. 28 f. dieser Arbeit.
14Brunt 135.
2. Der historische Hintergrund
Nachdem die territoriale Ausdehnung der Stadt Sparta Mitte des 6. Jh. abgeschlossen war, war sie hauptsächlich darauf bedacht, ihre Machtstellung auf der Peloponnes zu erhalten. 15 Die beiden Seiten, von denen Gefahr drohte, waren das Helotenproblem einerseits, die Konfrontation mit der zuvor stärksten Macht auf der Peloponnes, Argos, andererseits. Um dieser beiden Probleme Herr zu werden, begann Sparta, ein militärisches Bündnissystem aufzubauen, die Peloponnesische Symmachie 16 , die in der Antike als "oi Lakedaimonioi kai oi summacoi" bezeichnet wurde. In dieses System wurden bis zum Ende des 6. Jh. alle peloponnesischen Gemeinden bis auf Argos und Achaia eingegliedert, so daß Sparta zur stärksten Macht Griechenlands avanzierte. 17 War ein entsprechender Anlaß gegeben, versammelte es seine Verbündeten zu gemeinsamen Beratungen über die Feldzüge, wie es beispielsweise bei den Planungen für die Wiedereinsetzung des Hippias als Tyrann von Athen geschah. 18
Was die Außenpolitik betrifft, berichtet Herodot von einem Bündnis 19 und einer geplanten Unterstützungsaktion für die Lyder unter ihrem König Kroisos gegen die Perser im Jahre 547/6, das aber deswegen ausfiel, weil die Lakedaimonier die Botschaft erhielten, daß Sardeis, die Hauptstadt der Lyder, von Kyros und seinen Mannen eingenommen und König Kroisos gefangengenommen war. 20
Außerdem haben die Spartaner in vielen Städten Tyrannenherrschaften beseitigt 21 , in Athen haben sie, Herodot zufolge 22 , viermal interveniert. Das Ziel, von sich abhängige aristokratische Herrschaften einzurichten 23 , vermochten die Spartaner aber auch in Athen nicht zu erreichen; auf den Peisistratiden Hippias folgte der Demokrat Kleisthenes, gegen den vorzugehen sich schließlich die meisten der spartanischen Bundesgenossen sträubten 24 . Dabei ist der Versuch der Athener, mit den Persern ein Bündnis gegen "ihre Feinde, die
15Steinbrecher 117.
16Da der Begriff "Bündnis" nicht das Wesen einer Symmachie beinhaltet, halte ich es ähnlich wie Steinbrecher 52 und 117 für angemessener, von der Peloponnesischen Symmachie zu sprechen.
17Ders. 117 f.
18Herodot 5, 91-94, vgl. dazu Baltrusch 20.
19Herodot 1, 69 f.
20Ders. 1, 82 f.
21Thukydides 1, 18.
22Herodot 5, 62-76.
23Vgl. Steinbrecher 120 f.
24Herodot 5, 92.
Arbeit zitieren:
Philipp Wehmann, 1997, Die Symmachie der Hellenen gegen die Perser, München, GRIN Verlag GmbH
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