In den nächsten Jahren ergaben sich für die Karthager vor allem Probleme mit dem numidischen Nachbarn unter der Führung Massinissas. Dieser versuchte permanent sein Territorium auf Kosten Karthagos zu vergrößern. Immer wieder legte Karthago Beschwerde bei Rom ein, selbst wehren durften sie sich ja nicht, aber Rom entschied eigentlich immer zu Gunsten Numidiens.
Schließlich, im Jahre 150 wollten die Karthager diese Demütigung ihrerselbst nicht länger hinnehmen und griffen die Numider an. Der Feldzug ging völlig daneben, das karthagosche Heer wurde völlig aufgerieben; Rom jedoch hatte nun endlich einen Vorwand für den bellum iustum, einen gerechten Krieg gegen Karthago führen zu können und dieser endete nach erstaunlich langer Verteidigung 146 mit der Zerstörung der Stadt Karthago.
Welche Gründe hatte Rom nun für diesen finalen Feldzug? Rein rechtlich gesehen gab es keine Bedenken, der Friedensvertrag von 201 war klar verletzt worden. Jedoch war dies auch durch die Duldung der Schikanierungen der Karthager durch die Numider auch provoziert worden. Es muß also auch noch tiefere Gründe gegeben haben mit Karthago endlich reinen Tisch zu machen. Sicherlich gab es in Rom dauernd Stimmen die dafür plädierten, Karthago dem Erdboden gleichzumachen. Symbol für diese Partei ist Cato und sein berühmter Ausspruch: Karthago muß zerstört werden!
In der Literatur findet man vor allem drei Gründe die im Folgenden untersucht werden:
Da war zum einen die Furcht der Römer, irgendwann wieder gegen ein neu erstarktes Karthago antreten zu müssen. Vielleicht hatte man Angst vor einem neuen, an der Substanz zehrendem, Ringen.
Eine andere Theorie, die im 19. Jahrhundert aufkam, besagt, Rom hätte Karthago aus merkantilen Gründen vernichtet. Diese Theorie wirkt jedoch haltlos, wenn man sich die doch sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Denkweisen im 19. Jahrhundert nach, und im zweiten Jahrhundert vor Christus vor Augen hält. Schließlich gibt es auch noch eine dritte Möglichkeit, nämlich daß die Römer durch Eroberung der Ländereien um Karthago ein weiteres Ausdehnen Massinissas, der
ein numidisches Großreich anstrebte, verhindern wollten, um nicht irgendwann mit einem neuen, ebenbürtigen Feind ringen zu müssen.
Nach den antiken Autoren, also Quellen wie Livius und Polybios, war es vor allem die Furcht, die die Römer handeln ließ. Dagegen erhalten wir von ihnen keinen Hinweis auf die dritte Theorie, eine Furcht einer neuen Großmacht Numidien. Laut Werner Huss hätte Rom zudem genug Instrumente besessen, Massinissa in die Schranken zu weisen. Jedoch kann man das nicht so stehen lassen, denn gleiches müßte um so mehr für Karthago gelten, welches zu diesem Zeitpunkt militärisch viel schwächer war als Numidien.
Offiziell begründet wurde der neue Krieg jedenfalls vom Senat mit der Wahrung der römischen Sicherheitsinteressen nach der Vertragsverletzung von 150. Man muß sich wohl auch die Frage stellen, wie ein Verhältnis zwischen zwei Mächten aussehen kann, deren Zusammenleben in 120 Jahren aus Krieg, Kriegsvorbereitung und Diktatfrieden bestand. Zudem mußte sich Rom das allererste Mal in seiner Existenz bedroht fühlen, Karthago war ein ebenbürtiger Gegner gewesen. Das Verhältnis dieser beiden Mächte war einfach zerrüttet, Friedensverträge wurden zwar geschlossen, aber niemand vertraute ihnen. Gerade bei den Römern war die punica fides, die punische Treue, Sprichwort für Verrat. Schließlich war denn auch das römische Mißtrauen nicht ganz unbegründet, was aber an den Römern selber lag. So mußten die Karthager zwei harte Diktatfrieden akzeptieren, was in der gesamten Geschichte nie ein Volk länger getan hat, als es sich nicht erneut zur Wehr setzen konnte.
Auf jeden Fall wäre es zuwenig, wenn man als römischen Kriegsgrund nur die Angst nimmt. Die ganzen Kriegszüge gegen Karthago waren großenteils Ergebnis eines machtpolitischen Kalküls.
Nach dem ersten Punischen Krieg war aus der „Kontinentalmacht“ Rom eine „Mittelmeermacht“ geworden. Im römischen Senat gab es mit Sicherheit seit dem auch Stimmen, die man im 19. Jahrhundert imperialistisch genannt hätte. Zudem kam aber auch die Angst, daß es einer Macht gelingen könnte, Rom einmal in die
Arbeit zitieren:
Stephan-Pierre Mentsches, 2003, Roms Gründe für die Vernichtung Karthagos, München, GRIN Verlag GmbH
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