INHALTSVERZEICHNIS
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS II
ABBILDUNGSVERZEICHNIS II
1.Einleitung 3
2. Europäischer Qualifikationsrahmen 4
2.1 Hintergründe der Entstehung eines EQR 5
2.1.1 Freizügigkeit von Arbeitnehmern 5
2.1.2 Politische Entwicklung 5
2.2 Rechtliche Grundlagen des EQR 7
2.3 Ziele des EQR 7
2.4 Systematik des EQR 8
2.4.1 Grundbegriffe 8
2.4.2 Zentrale Elemente des EQR 9
2.4.2.1 Referenzniveaus 9
2.4.2.2 Instrumentarium 11
2.4.2.3 Gemeinsame Grundsätze und Verfahren 12
2.5 Zusammenfassung. 12
3. Berufliche Bildung in Deutschland 13
3.1 Das duale System im europäischen Vergleich 13
3.2 Das Duale System und der organisatorische Rahmen 14
3.3 Strukturmerkmale der dualen Ausbildung 16
3.3.1 Ziele und Organisationsprinzipen von Ausbildungsberufen 16
3.3.2 Berufskonzept 16
3.3.3 Ausbildungsordnungen 17
3.3.4 Handlungskompetenz 18
3.3.5 Korporatismus 19
3.4 Probleme der dualen Ausbildung 19
3.5 Modernisierungsbemühungen 20
3.5.1 Zielsetzungen 20
3.5.2 Reformansätze 20
3.6 Zusammenfassung. 21
4. Konsequenzen der Einführung des EQR für die berufliche Bildung in Deutschland 22
4.1 Analyse ausgewählter Elemente des EQR in Bezug auf die deutsche Berufsbildung 22
4.1.1 Outcome-Orientierung 22
4.1.2 Kompetenz-Ansatz 25
4.1.3 Modul -Orientierung 26
4.2 Nationaler Qualifikationsrahmen 29
4.3 Schlussbetrachtung 30
5. Ausblick 31
LITERATURVERZEICHNIS 33
I
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
BBiG Berufsbildungsgesetz BIBB Bundesinstitut für Berufsbildung DGB Deutscher Gewerkschaftsbund ECTS European Credit Point System ECVET European Credit System for Vocational and Educational Training EGV Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft EQR Europäischer Qualifikationsrahmen EU Europäische Union NQR Nationaler Qualifikationsrahmen
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Die acht Referenzniveaus des EQR nach Lernergebnissen .... 10 Abbildung 2: Institutioneller Rahmen der Berufsausbildung ....................... 15
II
1. Einleitung
Durch die Globalisierung und Internationalisierung der Wirtschaft, neue Technologien und Prozesse und den Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft, entstehen immer mehr und immer schneller neue Qualifikationsanforderungen an die Arbeitsgesellschaft in Europa. Die europäischen Mitgliedsstaaten befinden sich in einem immer größer werdenden Wettbewerb mit immer komplexeren Herausforderungen. Dies führte dazu, dass die europäische Zusammenarbeit im Bereich der Berufsbildung in den letzten Jahren erheblich ausgebaut und weiterentwickelt wurde. Es entstanden gemeinsame Projekte, um die Arbeitsmobilität zu fördern, gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen zu verbessern und mehr Transparenz zwischen den länderspezifischen Bildungssystemen zu schaffen. Im Zentrum dieser Entwicklung steht momentan das Vorhaben der Europäischen Union (EU) einen Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) einzuführen. Dieser EQR soll als ein übergeordneter Rahmen, an dem sich die Staaten in Zukunft orientieren können, dabei helfen, Qualifikationen und Kompetenzen auf dem europäischen Arbeitsmarkt einfacher und schneller einzuordnen und zu vergleichen. Da die Europäische Kommission in der Berufsbildungspolitik auf Grund des im EU-Recht verankerten Harmonisierungsverbotes 1 nur eingeschränkte Zuständigkeit besitzt, kann ein EQR nur auf freiwilliger Basis, ohne rechtliche Verpflichtungen, umgesetzt werden. Es wurde den Ländern jedoch empfohlen „einen Prozess in Gang zu setzen, durch den bestehende Qualifikationsstrukturen und -systeme zum EQR in Bezug gesetzt werden können.“ 2 In Deutschland dominiert das System der dualen Berufsausbildung, das in dieser Form nur in einigen wenigen europäischen Ländern angewandt wird. Es ist gekennzeichnet durch die Kombination einer betrieblichen und einer schulischen Ausbildung. Von Bedeutung sind hierbei der Lernprozess und der Erwerb eines staatlich anerkannten Berufsbildes. Ablauf und Inhalte der Ausbildungen sind in Ausbildungsordnungen vorgegeben. Der EQR sieht inhaltlich eine Ausrichtung an Lernergebnissen, „die Integration von Subsystemen der Berufsbildung (also eine vertikale Durchlässigkeit dualer Berufsausbildungen zur Hochschule und zu anderen Bildungsgängen oder systematische Übergänge von Aus- und Weiterbildung), Standards der Bewertung informell erworbener Kenntnisse 3 und Kompetenzen und standardisierte
1 Art. 149 u. 150 EG-V: Verantwortung und Entscheidungsrecht der Gestaltung und Durchführung von Ausbildung liegt bei den Mitgliedsländer; die EU kann nur beraten, unterstützen und neue Impulse geben, vgl. http://europa.eu.int/eur-lex/de/treaties/dat/C_2002325DE.003301.html (Stand: 29.06.07).
2 Kommission der Europäischen Gemeinschaften, 2005, S.38.
3 informelles Lernen: Lernen, das im Alltag, am Arbeitsplatz, im Familienkreis oder in der Freizeit stattfindet. Es ist (in Bezug auf Lernziele, Lernzeit oder Lernförderung) nicht organisiert oder strukturiert. Informelles Lernen ist in den meisten Fällen nichtintentional und führt normalerwei-
3
Module und Niveaustufungen innerhalb der Ausbildungsgänge“ 4 vor. In Deutschland ist eine Reihe von Diskussionen über den Umgang der Einführung eines EQR und dessen Auswirkungen auf die deutsche Berufsbildung entstanden.
Mein Anliegen ist es, die Systematik der dualen Berufsausbildung und des EQR zu beschreiben, indem ich zentrale Strukturelemente der beiden Systeme auswähle und erläutere. Ziel dieser Arbeit ist es herauszustellen welche Konsequenzen die Einführung des EQR für die berufliche Bildung in Deutschland hat Es stellt sich die Frage, unter welchen Umständen der EQR in Deutschland eingeführt werden kann und ob möglicherweise Veränderungsprozesse stattfinden werden bzw. müssen Um dies herauszufinden, möchte ich einige aktuell ausgewählte deutsche Stellungnahmen zu dem Thema analysieren und darstellen, wie man die mögliche Übernahme der zentralen Strukturelemente des EQR in Deutschland beurteilt und welche Risiken und Chancen für das duale System bestehen.
Am Anfang der Arbeit steht ein Überblick über die Hintergründe des Entwurfes und dem politischen Entstehungsprozess des EQR. Anschließend folgt die Darstellung der beiden Systeme. Zunächst werden Grundlagen und die wichtigsten Aspekte des EQR erläutert und darauf folgend die der dualen Ausbildung. Nach diesen in das Thema einführenden Kapiteln folgt nun das Zusammentreffen der vorher erläuterten Systeme. Dafür möchte ich vor allem die Aspekte der Orientierung an Lernergebnissen und Kompetenzen, sowie der Modularisierung hervorheben und herausstellen, wie sie in der aktuellen Debatte beurteilt werden. Hauptaugenmerk liegt auf der Frage ob sie in Deutschland anwendbar wären und welche Auswirkungen sie haben könnten. Weiterhin möchte ich aufzeigen, welche Vorschläge in dieser Hinsicht gemacht werden um die Einführung des EQR zu ermöglichen.
Abschließend möchte ich persönlich Stellung zu den Konsequenzen beziehen und Überlegungen äußern, wie die zukünftige Entwicklung aussehen könnte.
2. Europäischer Qualifikationsrahmen
Die Entstehung des Entwurfs für einen EQR kann auf einen weitreichenden Entwicklungsprozess zurückgeführt werden. Er beinhaltet die Entwicklung bestimmter Begrifflichkeiten und neuer Instrumente sowie gewisser Strukturelemente, die seine Gestalt entstehen lassen.
se nicht zur Zertifizierung, Tissot, S.77.
4 Severing, 2006 a, S.79.
4
2.1 Hintergründe der Entstehung eines EQR
Im Folgenden wird zunächst ein Überblick über die Hintergründe der Entstehung eines EQR gegeben.
2.1.1 Freizügigkeit von Arbeitnehmern
Ein wichtiger Aspekt für den Hintergrund dieser Entwicklung, ist die im EGV 5 festgesetzte Grundfreiheit der Arbeitnehmerfreizügigkeit. Das bedeutet, dass es jedem Arbeitnehmer möglich gemacht werden soll, in anderen Mitgliedsländern zu leben und zu arbeiten. Die Gewährleistung dieser Freiheit ist allerdings auf Grund der großen Verschiedenartigkeit der europäischen Berufsbildungssysteme mit Schwierigkeiten verbunden. Die Systeme sind in jedem Land „durch eine Vielfalt nationaler Besonderheiten gekennzeichnet, die eine Systematisierung und Abgrenzung nicht immer problemlos ermöglichen.” 6 Eine gegenseitige Anerkennung von beruflichen Qualifikationen wird dadurch erschwert und behindert die gewünschte Arbeitsmobilität. Die Erlangung dieser Freizügigkeit wurde zu einem antreibenden Faktor des Entwicklungsprozesses. Die EU machte es sich zur Aufgabe Projekte zu entwickeln, um berufliche Qualifikationen innerhalb Europas transparenter und vergleichbarer zu gestalten.
2.1.2 Politische Entwicklung
Im Jahr 1963 gab es die erste politische Entscheidung für eine Zusammenarbeit der europäischen Mitgliedsstaaten in der Berufsausbildung. In den folgenden Jahrzehnten entstanden viele Versuche und Herangehensweisen, um mehr Transparenz und bessere Anerkennung herbeizuführen. Es wurden viele Studien, Forschungs- und Aktionsprogramme 7 gestartet und der Wissensaustausch zwischen den Ländern gefördert. Im Laufe der Jahrzehnte erhielt die Berufsbildung im Zuge des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels, fortlaufend immer mehr Bedeutung. Der politische Rahmen orientierte sich an aktuellen Umständen und wurde dahingehend vielfach bearbeitet. Berufsbildung entwickelte sich zu einem wichtigen Instrument der Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik. 8 Die vereinbarte gemeinsame Politik
5 Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, ursprünglich auch Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, 25. März 1957,
URL: http://europa.eu.in/eur-lex/de/treaties/dat/C_2002325DE.003301.html, Stand: 20.06.07.
6 Scheit/ Haubrich, 1994, S.33.
7 Wie z.B. Aktionsprogramm für die Berufsbildung Jugendlicher und zur Vorbereitung Jugendlicher auf das Erwachsenen- und Erwerbsleben (Petra),1987, oder das Aktionsprogramm zur Förderung von Innovationen in der Berufsbildung in der Folge des technologischen Wandel in der Europäischen Gemeinschaft (Eurotecnet), 1989, vgl. Bainbridge/ Murray, 2000, S. 10.
8 vgl. Bainbridge/ Murray, 2000, S.5.
5
der Berufsausbildung ersetzte 1992 im Maastrichter Vertrag 9 die Berufbildungspolitik der Gemeinschaft zur Unterstützung und Ergänzung der Maßnahmen der Mitgliedsländer. 10 Mit der Jahrtausendwende begann eine neue Dynamik in der europäischen Berufsbildungspolitik. Der Europäische Rat setzte sich in Lissabon im Jahr 2000 das Ziel, Europa bis zum Jahre 2010 zum „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten, wissenbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen - einem Wirtschaftsraum, der fähig ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhalt zu erzielen.“ 11 Die Berufsbildungspolitik in Europa wurde von nun an strategisch auf wirtschafts- und wettbewerbspolitische Ziele hin ausgerichtet. Um die Strategie umzusetzen beschloss man, nicht nur einen Umgestaltungsprozess in der europäischen Wirtschaft, sondern auch eine Modernisierung der europäischen Bildungssysteme in Angriff zu nehmen, um so die Schaffung eines gemeinsamen Bildungsraumes einzuleiten. Noch im selben Jahr, veröffentlichte die Europäische Kommission ein „Memorandum über Lebensbegleitendes Lernen“ 12 , welches hauptsächlich Vorschläge zur Weiterentwicklung von Instrumenten, die die gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen, Abschlüssen und Berufserfahrungen verbessern sollten, behandelte. 2002 erklärten sich die EU-Staaten auf dem Gipfel des Europäischen Rates in Kopenhagen bereit, verstärkt zusammenzuarbeiten und setzten sich folgende Ziele für die berufliche Bildung:
Stärkung der europäischen Dimension durch verbesserte Kooperation und Mobilitätsförderung.
Transparenzsteigerung durch die Zusammenführung bereits bestehender Instrumente in ein gemeinsames Rahmenwerk.
Entwicklung gemeinsamer Referenzsysteme für eine verbesserte Anerkennung von beruflichen Qualifikationen und Kompetenzen, sowie einem europäischen Punktesystem für die berufliche Bildung.
Stärkung der Qualität durch den Austausch von Modellen und Methoden, sowie der Entwicklung gemeinsamer Qualitätskriterien. 13
Weitere Projekte und Forschungsarbeiten in den kommenden Jahren führten dazu, dass man 2004 in Maastricht die Einführung eines Europäischen Qualifikationsrahmens zur Realisie-
9 Durchdiesen Vertrag fand ein neuer Schritt in Richtung europäischer Integration statt, da er die Verfolgung gemeinsamer Politiken einleitete, vgl. Vertrag von Maastricht über die Europäische Union, http://europa.eu/scadplus/treaties/maastricht_de.htm (Stand: 30.06.07).
10 ebd., S.5.
11 Schlussfolgerung des Vorsitzes, Europäischer Rat, Lissabon 23./24.März 2000, http://europarl.europa.eu/summits/lis1_de.htm (Stand: 26.6.07).
12 Kommission der Europäischen Gemeinschaften, 2000, URL: http://europa.eu/scadplus/leg/de/cha/c11047.htm (Stand 13.06.07).
13 Kommission der Europäischen Gemeinschaften, 2002, S.2-3.
6
rung dieser Zielsetzungen beschloss. Der Entwurf des EQR wurde in der darauf folgenden Zeit in einem umfassenden Konsultationsprozess mit den Mitgliedsländern, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteuren weiterentwickelt und ausgearbeitet. Im letzten Jahr präsentierte die Kommission die Ergebnisse der Konsultationen, und legte dem europäischen Parlament und Rat einen endgültigen „Vorschlag für eine Empfehlung der Einführung eines EQR für lebenslanges Lernen“ 14 vor. Es wird erwartet, dass dieser in den nächsten Monaten verabschiedet wird.
2.2 Rechtliche Grundlagen des EQR
Aufgrund des bereits zuvor erwähnten Harmonisierungsverbotes und der Einhaltung des Subsidiaritätsprinzipes 15 der EU, wird der EQR auf die Länder keine rechtsverbindlichen Auswirkungen haben. Rechtsgültigkeit in diesem Bereich be-sitzt bisher immer noch die im Jahr 2005 verabschiedete Richtlinie 16 über die An-erkennung von Berufsqualifikationen. Die EU verfolgt mit der Einführung des EQR eine Politik der „offenen Koordinierung“. Nationale Politiken sollen auf die Verwirklichung gemeinsamer Zielvorstellungen hingeführt werden. Im Bereich der Berufsbildung kann die Kommission den Staaten auferlegen, Reformpläne auszuarbeiten, die dann mit festgelegten Instrumenten bewertet werden. So entsteht ein Vergleich unter den einzelnen Ländern. Sie können voneinander lernen. und gleichzeitig werden die besten Lösungen ermittelt. Auf diese Weise kann die EU neue Impulse vorantreiben, die Entwicklung überwachen und die Zusammenarbeit fördern. Vorrausetzug einer Einführung des EQR für die Mitgliedsstaaten ist folglich nur, dass sie sich verbindlich verpflichten die gemeinsamen Ziele, Grundsätze und Verfahren des EQR einzuhalten. 17
2.3 Ziele des EQR
Mit der Einführung des EQR werden vorherige europäische Aktionslinien zusammengeführt. Hierbei sind drei wichtige Hauptziele und die damit verbundenen Funktionen zu nennen: 18 Transparenz - Förderung von nationaler und internationaler Arbeitsmobili-
14 Kommissionder Europäischen Gemeinschaften, 2006.
15 Gesetze und Regelndürfen nur dann auf europäischer Ebene erlassen werden, wenn die damit verbundenen Ziele nicht von den Mitgliedsländern in ausreichendem Maß erreicht werden können und ein gemeinsames Handeln nachweislich bessere Ergebnisse verspricht,
Das Europäische Parlament-online, URL: http://europarl.de/europa/ (Stand: 30.06.07).
16 Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments und Rates 7. 9.2005, URL: http://europa.eu/scadplus/leg/de/cha/c11065.htm (Stand: 30.06.07).
17 vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften, 2005, S.39.
18 vgl. Hanf, 2006 a, S.54.
7
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Patricia Schmidt, 2007, Konsequenzen der Einführung eines Europäischen Qualifikationsrahmens für die berufliche Bildung in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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