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1 Prolog 4
2 Die Entwicklung des Portraits
Von der Antike bis zum Manierismus 4
3 Sandro Botticelli 6
3.1 Biographie 6
4 Raffael 9
4.1 Biographie 9
4.1.1 Die Florentiner Periode 10
4.1.2 Die römische Periode 11
5 Tizian 13
5.1 Biographie 13
5.1.1 Tizians Frühwerk 14
5.1.2 Tizians Spätwerk 16
6 Botticelli Bildnis einer jungen Frau 18
6.1 Analyse 18
7 Raffael Bildnis Maddalena Doni 20
7.1 Analyse 20
8 Tizian Bildnis Isabella von Portugal 23
8.1 Analyse 23
9 Bildvergleich 25
10 Literaturverzeichnis 28
3
1 Vorwort
Den Kern dieser Arbeit bilden die Abschnitte 6 bis 9, in denen ich gezielt auf die drei zu behandelnden Werke eingehe. Um darauf vorzubereiten, kläre ich in Abschnitt 2 den damaligen Entwicklungsstand des Portraits. Des Weiteren habe ich mich eingängig mit den Lebensläufen der drei berühmten Künstler beschäftigt und führe in den Abschnitten 3 bis 5 die wichtigsten Fakten auf.
Die teils ausführlichen Erläuterungen zu Personen und Fachbegriffen sollen auch dem Laien ermöglichen, einen Gesamteindruck von Botticellis, Raffaels und Tizians Arbeit und Umwelt zu gewinnen. Diese Fußnoten zu überlesen, beeinträchtigt nicht das Textverständnis.
2 Die Entwicklung des Portraits
Von der Antike bis zum Manierismus
Bei den frühesten Portraits handelte es sich um Grabfiguren von Herrschern und Adeligen, die man in altägyptischen Gräbern entdeckte. Die aus dem Alten Reich stammenden Figuren (um 2755 bis 2255 v. Chr.) sind meist stark stilisiert und betonen besonders die Würde des Betreffenden, der in seiner sozialen Funktion und nicht als Individuum wiedergegeben ist. Persönlichere Darstellungen 1 findet man erst in der Zeit des Neuen Reiches (um 1570 bis 1070 v. Chr.).
Bei den Portraitskulpturen aus der griechischen Antike (5. und 4. Jahrhundert v. Chr.) handelt es sich um idealisierte, geglättete Darstellungen eines vorbildlichen Menschentypus’ ohne Anspruch auf individuelle Ähnlichkeit. Die Portraitplastiken der hellenistischen Zeit, insbesondere die zahlreichen Herrscherbildnisse, zeichnen sich dagegen durch eine realistische, oft pathetische Darstellung aus.
Erst die Römer schufen Portraits, die versuchten, individuelle Züge der dargestellten Person einzufangen. Seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. schufen sie kunstvoll gearbeitete Stein- und Bronzestatuen und lebensgroße Büsten, besonders als Grabmonumente. Während die Portraits aus der Zeit der Römischen Republik streng wirken, sind diejenigen aus der Kaiserzeit lebendiger und stärker im Ausdruck.
1 wie die Portraits von König Echnaton und seiner Gemahlin Nofretete
4
Im Zentrum der Portraitkunst des christlich geprägten Mittelalters standen Bildnisse von Herrschern, Adeligen, Kirchenfürsten und Religionsstiftern, die in typisierter Form ohne ausgeprägte individuelle Züge auf Wappenbildnissen, Grabplastiken oder an Kirchenfassaden, aber auch auf Wandmalereien, Altarbildern, Buntglasfenstern und in der Buchmalerei dargestellt wurden. Die Romanik neigte zu stilisierten Symbolfiguren, in der Gotik setzte eine Entwicklung zur realistischen Darstellung von Individuen ein.
Während der Renaissance kam es zu einer Wiederentdeckung der Antike. Ein neues Selbstbewusstsein und das Interesse am Individuum führten zu einer neuen Blüte der Portraitkunst, deren Schwerpunkt von nun an auf der Entfaltung individueller Züge lag. In der Florentiner Frührenaissance des 15. Jahrhunderts widmete sich der Bildhauer Donatello besonders der Stein- und Bronzeplastik und fand darin zahlreiche Nachfolger. Pisanello fertigte Portraitmedaillen, die die Dargestellten zunächst noch eher streng im Profil zeigten. Eine fortschreitende Entwicklung hin zum realistischeren Individualportrait zeigen die Fresken und Tafelbilder von Renaissancekünstlern wie Benozzo Gozzoli, Ghirlandaio, Sandro Botticelli, Andrea Mantegna, Giovanni Bellini oder Piero della Francesca, wenngleich sie trotz realistischer Ansätze primär repräsentativ und geglättet wirken. Die Meister der Hochrenaissance, wie Leonardo da Vinci, Raffael, Andrea del Sarto, Giorgione oder Tizian, führten diese Entwicklung fort und steigerten den individuellen Ausdruck besonders durch Farbgebung und Lichteffekte.
Erst die Portraits der flämischen und niederländischen Renaissancemaler legten das Hauptgewicht auf eine möglichst realistische Darstellung und Detailgenauigkeit in Physiognomie und Kleidung und zeigten eine zunehmende Tendenz zur psychologischen Durchdringung ihrer Modelle. Die Tafelbilder von Jan van Eyck, Rogier van der Weyden oder Hans Memling und die Zeichnungen und Gemälde Albrecht Dürers oder Hans Holbeins des Jüngeren stellen Höhepunkte der europäischen Portraitmalerei dar. 2
2 Vgl. Encarta 97 Enzyklopädie.
5
Die Portraits des Manierismus 3 neigten als Reaktion auf den ausgewogenen Klassizismus der Hochrenaissance zu Übertreibungen bezüglich Farbgebung, Proportionen und Lichtwirkung. Beispiele dafür sind die Werke der Italiener Bronzino und Tintoretto oder die äußerst individuellen, stark übersteigerten Portraitdarstellungen des Spaniers El Greco. 4
3 Sandro Botticelli
Sein bürgerlicher Name war Alessandro di Mariano Filipepi und lebte von 1445 bis 1510. Er zählt zu den führenden Malern der Florentiner Frührenaissance. Botticelli entwickelte einen äußerst individuellen, sensiblen Stil, der durch eine strenge Formensprache, elegante Linienführung und eine große Wirklichkeitsnähe in der Darstellung gekennzeichnet ist. 5, 6
3.1 Biographie
Sandro Botticelli wurde als Sohn eines Gerbers in Florenz geboren. Seinen Spitznamen »Botticelli« (italienisch für „Fässchen“), unter dem er später bekannt werden sollte, erhielt er entweder durch seinen älteren Bruder, der Makler war, oder durch den Goldschmied, bei dem er zunächst in die Lehre geschickt wurde. Nachdem man sein außergewöhnliches Zeichentalent
3 Als Manierismus bezeichnet man die Phase des Übergangs von der Renaissance zum Barock. Er entwickelte sich etwa um 1520 und reichte teilweise bis ins 17. Jh.. Ausgehend von Italien, wurzelt der Manierismus in der Kunst der Hochrenaissance (Raffael, Michelangelo), deren Prinzipien er häufig in ihr Gegenteil verkehrte. Stilmerkmale sind: Streckung, Überlängung, Drehung und Entkörperlichung der Figur, Brechung der Farben, flackernder Wechsel von Hell und Dunkel. Kühler Formalismus (Parmeggianino, A. Bronzino, G. Vasari, I. da Pontormo, B. Spranger) wird mit gesteigertem Ausdruck vereint (Tintoretto, El Greco). In der Plastik (Giovanni da Bologna, B. Cellini, B. Ammanati, A. de Vries) setzte sich die Allansichtigkeit der Figurenauffassung durch, verbunden mit einer künstlich schraubenförmig gewundenen Komposition (›Figura serpentinata‹) und polierter Oberfläche. Vgl. Encarta 97 Enzyklopädie.
4 Boehm, G. (1985): Bildnis und Individuum. Über den Ursprung der Portraitmalerei der italienischen Renaissance.
5 was auch in »Bildnis einer jungen Frau« zum Ausdruck kommt 6 Grömling, A. / Lingesleben, T. (1998): Alessandro Botticelli. S.6ff.
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entdeckt hatte, erhielt er Unterricht bei Fra Filippo Lippi 7 , der ihn stilistisch ebenso stark beeinflusste wie Antonio del Pollaiuolo 8 und Andrea del Verrocchio 9 .
Seit etwa 1470 unterhielt Botticelli eine eigene Werkstatt in Florenz und arbeitete den größten Teil seines Lebens für die mächtigen Florentiner Patrizierfamilien, besonders die Medici 10 , für die er viele seiner bedeutendsten Werke schuf, darunter zahlreiche Einzelportraits. In seinem für die Kirche Santa Maria Novella geschaffenen Bild »Die Anbetung der Könige« (um 1476 bis 1477, Uffizien, Florenz) zeigen einige der innerhalb der anbetenden Menschenmenge dargestellten Figuren starke Ähnlichkeit mit verschiedenen Mitgliedern der Medici-Familie. Durch seine Beziehungen zu den Medici erhielt Botticelli nicht nur zahlreiche Gemäldeaufträge, sondern kam auch in Kontakt mit dem gebildeten humanistischen Kreis aus Künstlern und Intellektuellen am Hofe Lorenzo de’ Medicis 11 , der unter dem Einfluss des
7 Fra Filippo Lippi lebte von ca. 1406 bis 1469 und gab der florentinischen Malerei des Quatrocento wichtige Impulse. 1421 legte er sein Mönchsgelübde ab. Sein Malstil ist stark von Masaccio beeinflusst, dessen Einführung der Perspektive ein neues Zeitalter in der Malerei eröffnete. Nach 1440 fand Lippi immer mehr zu einem eigenständigen Stil mit schmalen Gestalten in eleganter Linienführung, schwingendem Faltenwurf und poetisch verklärender Farbigkeit. Nachdem er sich von seinem Gelübde hatte befreien lassen, heiratete er 1461 seine Geliebte und Mutter seines Sohnes Filippino, die ehemalige Nonne Lukrezia Buti, in der viele das Modell seiner Maria sehen.
Bekannte Werke von ihm sind u.a. das Fresko »Bestätigung des Karmeliterordens« (1432, Forte di Belvedere, Florenz), »Verkündigung des Todes an Maria« (1437-1438, Uffizien, Florenz), »Maria mit Kind und zwei Engeln« (1465, Uffizien, Florenz) und der Freskenzyklus »Szenen aus dem Leben des heiligen Johannes und des heiligen Stephanus« (1452 bis ca. 1466, Chorkapelle des Domes von Prato). Lippis großer Einfluss ist beispielsweise auch an der Landschaft von Leonardo da Vincis »Madonna in der Felsgrotte« (1483-1486, Louvre, Paris) abzulesen. Vgl. Encarta 97 Enzyklopädie.
8 Antonio del Pollaiuolo lebte von 1432 bis 1498 und war Bildhauer, Maler und Goldschmied. Auch er erhielt zahlreiche Aufträge der Medici. Seine Figuren zeigen kompliziert verschränkte Bewegungen und klare Umrisse. Er schuf u. a. den Kupferstich »Kampf der nackten Männer«, die Grabmäler für Sixtus IV. und Innozenz VIII. in Rom und auch Fresken wie »Herkules und die Hydra« (1460, Florenz, Uffizien). Vgl. Encarta 97 Enzyklopädie.
9 Der Bildhauer und Maler Andrea del Verrocchio lebte von 1435 bis 1488. Er war Wegbereiter der Hochrenaissance, führte ab 1465 eine vielseitige Werkstatt in Florenz und war u. a. Lehrherr von Leonardo da Vinci. Er schuf Bronzewerke (Portraitbüsten und die Davidstatue, um 1470), das Grabmal für Piero und Giovanni de’ Medici in San Lorenzo (1472) sowie die Thomas-Gruppe (1483) für Or San Michele. Ab 1486 arbeitete er in Venedig an dem Modell des Reiterdenkmals des Bartolomeo Colleoni. Seine Gemälde wie beispielsweise die »Taufe Christi« (um 1470/80) zeigen niederländische Einflüsse. Vgl. Encarta 97 Enzyklopädie.
10 Die Medici waren eine florentinische Bankiersfamilie, die ab dem 15. Jahrhundert bis zu ihrem Erlöschen 1737 faktisch Florenz bzw. die Toskana beherrschte. Sie sind seit dem frühen 13. Jahrhundert als Händler und Bankiers in Florenz bezeugt und seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts auch in öffentlichen Ämtern der Stadt. Weit reichende Handelsverbindungen und Geldgeschäfte in ganz Europa machten die Medici zu einer der reichsten Familien im Italien des 15. Jahrhunderts. Vgl. Encarta 97 Enzyklopädie. 1993-1996 Microsoft Corporation.
11 Der von 1449 bis 1492 lebende Lorenzo de’ Medici war Stadtherr von Florenz und einer der bedeutendsten Förderer von Kunst und der Wissenschaft in der Zeit der Renaissance.
Selbst hervorragend gebildet und ein talentierter Dichter, versammelte Lorenzo die bedeutendsten Künstler und Intellektuellen seiner Zeit an seinem Hof. Zu denen, die in den Genuss seiner Kunstfreundschaft kamen, gehörten neben Botticelli auch Michelangelo, die Philosophen Marsilio Ficino und Giovanni Pico della Mirandola sowie der Humanist und Dichter Angelo Poliziano. Lorenzo baute die Biblioteca Medicea Laurenziana in Florenz aus und prägte als Bauherr das Gesicht seiner Stadt. Sein unübertroffenes Mäzenatentum und sein staatsmännisches
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Arbeit zitieren:
René Baldus, 2002, FRAUENPORTRAITS - Botticelli: Bildnis einer jungen Frau (1475), Raffael: Bildnis Maddalena Doni (1506), Tizian: Bildnis Isabella von Portugal (1548), München, GRIN Verlag GmbH
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