Contents
1 Einleitung 3
2 Markierung von Aktanten 3
2.1 Semantische Markierung 3
2.2 Syntaktische Markierung und Gruppierung 5
2.2.1 Ergativ-Akkusativ-Konfiguration 6
3 Ergativität und Akkusativität 7
3.1 Ergativität im Deutschen? 10
3.2 Syntaktische Ergativität 11
3.2.1 Ergativität und Passiv 12
4 Split-Phänomene 13
4.1 Aktiv-Inaktiv-Konfiguration 14
4.2 Split-Akkusativität. 15
4.2.1 im Deutschen 15
4.2.2 und in den romanischen Sprachen 16
1 Einleitung
Ergativität gilt vielen als ein exotisches Phänomen und nicht wenige vertreten noch heute die Meinung, dass sich das Denken in Ergativsprachen grundsätzlich von dem in den ‚gewöhnlichen‘ Akkusativsprachen unterscheiden müsse. Demgegenüber möchte ich versuchen zu zeigen, dass Ergativität einfach nur eine unter mehreren Möglichkeiten ist, wie die Aktanten in transitiven und intransitiven Sätzen markiert sein können, und dass die meisten Sprachen von mehreren dieser Möglichkeiten Gebrauch machen.
2 Markierung von Aktanten
In allen Sprachen lassen sich Verben danach einteilen, wie viele Nominalphrasen sie als Argumente notwendigerweise brauchen, um ein Prädikat und somit einen vollständigen Satz zu bilden. Nach Tesnière (1959, pp. 283ff) bezeichnet man diese Eigenschaft als Valenz oder Wertigkeit und die Verben entsprechend als null-, ein-, zwei-, oder dreiwertig. Eine herausgehobene Stellung nehmen hierbei die einwertigen, intransitiven und die zweiwertigen, transitiven Verben ein, da sie bei weitem die größte Gruppe bilden und in allen Sprachen als solche identifizierbar sind 1 .
Ob sie jedoch auch gut voneinander unterscheidbar sind oder ob ein Verbstamm gleichzeitig transitiv und intransitiv gebraucht werden kann, hängt von der Einzelsprache ab: so sind fast alle lateinischen Verben entweder ausschließlich intransitiv oder transitiv, während im Englischen und im Deutschen die meisten transitiven Verben auch intransitiv gebraucht werden können (Dixon, 1994, p. 6). Die romanischen Sprachen hingegen stehen noch sehr stark in der Tradition des Lateinischen und verfügen nur über recht wenige Verben, die gleichzeitig transitiv und intransitiv verwendet werden können.
2.1 Semantische Markierung
Die zentrale Frage dieser Arbeit lautet nun, wie die Argumente oder Aktanten 2 von transitiven und intransitiven Verben im Satz markiert werden.
Zu unterscheiden sind hierbei zwei - zumindest theoretisch - recht unterschiedliche Möglichkeiten (Dixon, 1994, p. 23): Die erste besteht darin, dass die Nominalphrasen jeweils entsprechend ihrer tatsächlichen semantischen Rollen markiert werden, die alleine durch die Semantik
1 Dixon baut seine gesamte Theorie der Ergativität auf der Dichotomie transitiv/intransitiv auf und be-
hauptet, dass ein drittes „core argument“ immer durch eine Prä- oder Postposition ausgezeichnet werde
(Dixon, 1994, p. 7) und somit nicht denselben fundamentalen Rang habe wie die Argumente transitiver
und intransitiver Verben. Mir scheint dies - bereits im Hinblick auf das Deutsche - etwas fragwürdig.
2 Als Aktanten bezeichne ich in dieser Arbeit allgemein die notwendigen Argumente (engl. core argu-
ments) eines Prädikats, ohne dass damit - wie bei Tesnière - etwas über deren semantische Rollen aus-gesagt wird.
3
des Verbs in der konkreten Äußerungssituation festgelegt sind. Um das Prinzip dieser als direkt oder semantisch bezeichneten Markierung zu verdeutlichen, soll kurz die tibeto-
burmanische Sprache Manipuri vorgestellt werden (Dixon, 1994, pp.28ff). Die konkreten semantischen Rollen werden hier durch die folgenden drei Suffixe, die sowohl an Substantive als auch an Pronomen angehängt werden, angezeigt:
-n@
bezeichnet denjenigen, der die Handlung kontrolliert,
-bu
ein belebtes Wesen, das von einer Handlung direkt betroffen ist und von ihr in Mitleidenschaft gezogen wird und schließlich
-Nond@
jemanden, der von einer Handlung nur indirekt betroffen ist. Sollte der Aktant eines Satzes keine dieser drei Rollen erfüllen, bleibt er unmarkiert.
In den folgenden beiden intransitiven Sätzen (Dixon, 1994, p. 29) ist der Unterschied zu erkennen zwischen einem kontrollierenden und somit mit -n@ markierten Aktanten und einem der die Handlung nicht kontrolliert und daher auch nicht mit -n@ markiert wird.
(1) @y-n@ celli.
ich(-n@) lief ‘Ich lief.’
(2) @y sawwi.
ich wurde.wütend. ‘Ich wurde wütend.’
Im Falle von transitiven Verben ist der zweite Aktant immer markiert, jedoch wird abhängig von seiner Betroffenheit entweder -bu oder -Nond@ verwendet, wie die folgenden Sätze (Dixon, 1994, p. 29) zeigen.
er(-n@) ‘Er schaute mich an.’
er mich(-Nond@) ‘Er sah mich.’
Hier ist noch einmal schön die unterschiedliche Markierung eines kontrollierenden und eines nicht-kontrollierenden ersten Aktanten in Abhängigkeit von der Verbsemantik zu erkennen: Anschauen ist eine willentliche, kontrollierbare Handlung (man kann z.B. je-manden bewusst nicht anschauen), während Sehen ein weitgehend unwillkürlich ablaufender und daher kaum steuerbarer Prozess ist. Für den zweiten Aktanten bedeutet dies aber nun, dass er vom Sehen immer nur indirekt betroffen sein kann und im Manipuri daher mit - Nond@ markiertwerden muss, während er vom Anschauen direkt betroffen ist, was durch das Suffix -bu zum Ausdruck kommt.
Aber dennoch besteht i.A. keine feste Beziehung zwischen der Markierung des ersten und des zweiten Aktanten, wie die folgenden beiden Sätze (Dixon, 1994, p. 30) zeigen.
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ich(-n@) ‘Ich berührte Tomba absichtlich.’
ich Tomba(-bu) ‘Ich berührte Tomba unabsichtlich.’
2.2 Syntaktische Markierung und Gruppierung
Wie an den Übersetzungen der Beispielsätze (und auch an der Wahl der Sprache Manipuri) zu erkennen ist, verwendet das Deutsche ebenso wie die übrigen indoeuropäischen Sprachen ein anderes System, um die Aktanten im Satz zu markieren. Bei dieser syntaktischen oder prototypischen Markierung ist die semantische Rolle im konkreten Satz kaum von Relevanz. Stattdessen werden die Aktanten eines Verbs entsprechend dessen Grundbedeutung markiert und zwar in allen Sätzen (Dixon, 1994, pp. 23) , so dass eine Unterscheidung wie zwischen Satz und im Deutschen oder den romanischen Sprachen auf der Ebene der Aktantenmarkierung i.A. nicht zum Ausdruck gebracht werden kann. Dies schließt aber nicht aus, dass die konkrete semantische Rolle sich in syntaktisch markierenden Sprachen nicht doch manchmal in der Aktantenmarkierung niederschlägt, wie an den folgenden beiden Sätzen aus dem Englischen zu sehen ist (Dixon, 1994, p. 24). (7) John kicked the ball. (8) John kicked at the ball (and missed it).
Dieses Beispiel zeigt, dass sich semantische und syntaktische Markierung - wie die meisten linguistischen Kategorien - theoretisch zwar recht gut unterscheiden lassen, in der Praxis aber selten in Reinform auftreten, obwohl meistens eine der beiden als die dominierende angesehen werden kann.
In syntaktisch markierenden Sprachen lassen sich die beiden Aktanten transitiver Verben aufgrund ihrer prototypischen semantischen Rollen als Agens und Patiens identifizieren, wobei die Agensrolle über fast alle Sprachen hinweg angesehen werden kann als „that role which is most likely to be relevant to the success of the activity“ (Dixon, 1994, p. 8). In ähnlicher Weise kann auch der einzige Aktant eines intransitiven Satzes entsprechend seiner semantischen Rolle als Agens oder Patiens (Bossong, 2003, p. 21) oder in der Terminologie von Plank (1995, p. 1185) als Aktiv oder Inaktiv bezeichnet werden. Der Unterschied zwischen diesen beiden Rollen lässt sich schön an folgenden Beispielsätzen aufzeigen:
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Arbeit zitieren:
Peter Baumann, 2007, Ergativität und Akkusativität, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Typisierung von Referenten und Aktanten
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