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Hauptseminararbeit, 2006, 22 Seiten
Autor: Kristian Kloth
Fach: Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Details
Institution/Hochschule: Universität Hamburg (Seminar für Philosophie und Geschichtswissenschaft)
Tags: Bewusstsein, Willensfreiheit, Wolf, Singers, Determinismus, Bewusstsein
Jahr: 2006
Seiten: 22
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 25 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-89889-8
ISBN (Buch): 978-3-638-90507-7
Dateigröße: 168 KB
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Zusammenfassung / Abstract
„Der Stachel sitzt tief, den Hirnforscher in unsere Kopfhaut getrieben haben.“ Ihre Thesen wurden deshalb auch viel in den öffentlichen Medien, wie dem Fernsehen und Zeitungen, diskutiert. Es geht hierbei nämlich nicht um eine Kleinigkeit, sondern wenn die Hirnforscher, allen voran Gerhard Roth und Wolf Singer, mit ihren Theorien Recht behalten, stellt ihre Denkweise eine Revolution des Menschenbildes dar. Es geht um folgendes: „Notwendige Voraussetzung für einen selbstinitiierenden Willen ist ein Bewußtsein, das nicht nur eine Folge körperlicher Vorgänge ist.“ Genau hier setzt der Angriff der Hirnforscher an. Wolf Singer, dessen Theorie ich in dieser Arbeit darstellen und diskutieren möchte, behauptet, dass das Bewusstsein vollkommen determiniert ist und somit der freie Wille eine bloße Illusion ist. Damit berührt das Thema die „Wurzel unserer Ansichten über die Natur des Menschen und darüber, welche Beziehungen wir zum Universum und den Naturgesetzen unterhalten.“ Einsprüche und Kritik gegen die Theorien der Hirnforscher kamen vor allem aus den Reihen der Philosophen, z.B., um nur zwei zu nennen, von Peter Bieri und John R. Searle. Doch auch andere Wissenschaften, wie die Geschichts- und Rechtswissenschaft, und auch die Psychologie, beteiligten sich an dem Diskurs. Die Kritik richtete sich z.B. an die theoriestützenden Experimente und Messverfahren der Hirnforscher, an die Sprachwahl, mit denen die Ergebnisse verfasst wurden, und an die Deutungen selbst. Dabei haben die Naturwissenschaften noch gar keine eindeutigen Beweise für das was sie behaupten, sondern nur Indizien. Singer selbst beschreibt den Forschungsstand so: Es „lässt sich lückenlos nachvollziehen, wie Umweltreize in neuronale Aktivität umgesetzt werden, wie es zur Definition von Merkmalen und Kategorien kommt, wo welche Leistungen erbracht werden, wie sich Veränderungen in der Aufmerksamkeit neuronal manifestieren und welche Schritte bei der Programmierung von motorischen Aktionen durchlaufen werden. Noch ungelöst sind Fragen nach der Struktur der invarianten Repräsentationen von Wahrnehmungsobjekten, nach den Vorgängen bei Entscheidungsprozessen und nach den Mechanismen, die emotionale Bewertung vornehmen.“ Singer hält es aber für möglich, dass diese Fragen mit der gleichen Forschungsstrategie beantwortet werden können und dass man dann alle Hirnleistung – also auch das Bewusstsein – auf neuronale Wechselwirkungen reduzieren kann. In dieser Arbeit möchte ich zuerst Singers Theorie beleuchten und danach auf die angesprochenen Kritikpunkte eingehen.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Hamburg, Seminar für Philosophie und Geschichtswissenschaft
Hauptseminar: Bewusstsein, Sommersemester 2006
Bewusstsein und Willensfreiheit - Wolf Singers Determinismus
von
Kristian Kloth
Gliederung
1. Einleitung... 3
2. Wolf Singers biologischer Determinismus... 4
2.1. Wolf Singers Theorie... 4
2.2. Die Evolution des Bewusstseins... 5
2.3. Vom Bewusstsein zum Selbstbewusstsein... 5
2.4. Das Bindungsproblem... 7
3. Diskussion... 8
3.1. Allgemeine Bedenken zu Singers Bewusstseinstheorie... 8
3.2. Bedenken an den theoriestützenden Verfahren der Neurowissenschaften... 10
3.3. Was sich überhaupt im Gehirn finden lässt – über Kategorienfehler... 12
3.4. Determinismus vs. Indeterminismus... 13
4. FAZIT... 15
5. Literaturverzeichnis... 17
1. Einleitung
„Der Stachel sitzt tief, den Hirnforscher in unsere Kopfhaut getrieben haben.“1 Ihre Thesen wurden deshalb auch viel in den öffentlichen Medien, wie dem Fernsehen und Zeitungen, diskutiert. Es geht hierbei nämlich nicht um eine Kleinigkeit, sondern wenn die Hirnforscher, allen voran Gerhard Roth und Wolf Singer, mit ihren Theorien Recht behalten, stellt ihre Denkweise eine Revolution des Menschenbildes dar. Es geht um folgendes: „Notwendige Voraussetzung für einen selbstinitiierenden Willen ist ein Bewußtsein, das nicht nur eine Folge körperlicher Vorgänge ist.“2 Genau hier setzt der Angriff der Hirnforscher an. Wolf Singer, dessen Theorie ich in dieser Arbeit darstellen und diskutieren möchte, behauptet, dass das Bewusstsein vollkommen determiniert ist und somit der freie Wille eine bloße Illusion ist. Damit berührt das Thema die „Wurzel unserer Ansichten über die Natur des Menschen und darüber, welche Beziehungen wir zum Universum und den Naturgesetzen unterhalten.“3 Einsprüche und Kritik gegen die Theorien der Hirnforscher kamen vor allem aus den Reihen der Philosophen, z.B., um nur zwei zu nennen, von Peter Bieri und John R. Searle. Doch auch andere Wissenschaften, wie die Geschichts- und Rechtswissenschaft, und auch die Psychologie, beteiligten sich an dem Diskurs. Die Kritik richtete sich z.B. an die theoriestützenden Experimente und Messverfahren der Hirnforscher, an die Sprachwahl, mit denen die Ergebnisse verfasst wurden, und an die Deutungen selbst. Dabei haben die Naturwissenschaften noch gar keine eindeutigen Beweise für das was sie behaupten, sondern nur Indizien. Singer selbst beschreibt den Forschungsstand so: Es „lässt sich lückenlos nachvollziehen, wie Umweltreize in neuronale Aktivität umgesetzt werden, wie es zur Definition von Merkmalen und Kategorien kommt, wo welche Leistungen erbracht werden, wie sich Veränderungen in der Aufmerksamkeit neuronal manifestieren und welche Schritte bei der Programmierung von motorischen Aktionen durchlaufen werden. Noch ungelöst sind Fragen nach der Struktur der invarianten Repräsentationen von Wahrnehmungsobjekten, nach den Vorgängen bei Entscheidungsprozessen und nach den Mechanismen, die emotionale Bewertung vornehmen.“4 Singer hält es aber für möglich, dass diese Fragen mit der gleichen Forschungsstrategie beantwortet werden können und dass man dann alle Hirnleistung – also auch das Bewusstsein – auf neuronale Wechselwirkungen reduzieren kann. In dieser Arbeit möchte ich zuerst Singers Theorie beleuchten und danach auf die angesprochenen Kritikpunkte eingehen.
2. Wolf Singers biologischer Determinismus
2.1. Wolf Singers Theorie
Singers Theorie wendet sich gegen die weit verbreitete Meinung, dass unser Selbst „in einem biologischen begründeten Organismus residiert […], daß ihm [aber] ein anderer ontologischer Status zukommt als dem Organismus.“5 Mit dieser Position wären mentale Phänomene, im Rahmen naturwissenschaftlicher Beschreibungssysteme, reduktionistisch nicht zu erklären. Diese subjektiven Phänomene der Ersten-Person-Perspektive gehören einer anderen ontologischen Kategorie an als die objektivierbaren Phänomene, deshalb kann es nach Singer kein durchgängiges Beschreibungssystem geben. Er hält jedoch die Belege dafür immer glaubhafter, „daß wir unser Dasein und Sosein einem kontinuierlichen evolutionären Prozess verdanken, in dessen Verlauf es keinen Hinweis auf ontologische Sprünge gibt.“6 Nach Singer wird es deshalb immer notweniger, sich neu mit der Emergenz mentaler Qualitäten zu beschäftigen.
„Im Wettbewerb um Überleben und Reproduktion kam es vorwiegend darauf an, aus der Fülle im Prinzip verfügbaren Informationen nur jene aufzunehmen und zu verarbeiten, die für die Bedürfnisse des jeweiligen Organismus bedeutsam sind.“7 Singer hält in diesem Zusammenhang die Großhirnrinde für die letzte große Erfindung der Evolution. „Spätestens seit Abschluss der Sequenzierung des humanen Genoms steht fest, dass sich die molekularen Bausteine von Nervenzellen im Laufe der Evolution kaum verändert haben […] Dies gilt für die molekularen Bestandteile ebenso wie für die anatomische Grundstruktur, für die Mechanismen der Signaltransduktion innerhalb der Zellen ebenso wie für die Kommunikation zwischen Nervenzellen“8 Die Gehirne von Primaten und letztendlich auch die der Menschen unterscheiden sich gegenüber denen der niederen Wirbeltiere demnach im wesentlichen in dem Volumen der Groshirnrinde. Daraus folgt für Singer, dass alles, was den Menschen vom Primaten unterscheidet, auf die Großhirnrinde zurückgeführt werden muss: „Die Frage nach der biologischen Bedingt- und Besonderheit des Menschseins ist somit eng verbunden mit der Frage nach den Funktionen der Großhirnrinde.“9 Dass die den Menschen kennzeichnenden, emergenten Qualitäten von der Funktionsentwicklung der Großhirnrinde abhängen, lässt sich nach Singer nicht nur an der Evolution, sondern auch an der Individualentwicklung beobachten. Das menschliche Gehirn ist bei der Geburt noch nicht voll ausgereift, sondern entwickelt sich bis zur Pubertät vor allem an der Großhirnrinde weiter. Von besonderem Interesse ist in Singers Kontext, „daß zwischen diesen protrahierten Entwicklungsprozessen und der Expression mentaler Leistungen eine faszinierend enge Korrelation besteht.“10
2.2. Die Evolution des Bewusstseins
[...]
1 Geyer, Christian (Hrsg.): Hirnforschung und Willensfreiheit. Zur Deutung der neuesten Experimente, Frankfurt am Main 2004, S. 9
2 Lüderssen, Klaus: Ändert die Hirnforschung das Strafrecht?, in: Hirnforschung und Willensfreiheit. Zur Deutung der neuesten Experimente, hg. v. Christian Geyer, Frankfurt am Main 2004, S. 99
3 Libet, Benjamin: Haben wir einen freien Willen?, in: Hirnforschung und Willensfreiheit. Zur Deutung der neuesten Experimente, hg. v. Christian Geyer, Frankfurt am Main 2004, S.268
4 Singer, Wolf: Ein neurobiologischerErklärungsversuch zur Evolution von Bewußtsein und Selbstbewußtsein, in: Selbst und Gehirn. Menschliches Selbstbewußtsein und seine neurobiologischen Grundlagen, hg. v. K. Vogeley, Paderborn 2000, S. 336
5 Ebd., S. 333
6 Ebd.
7 Singer, Wolf: Selbsterfahrung und neurobiologische Fremdbeschreibung. Zwei konfliktreiche Erkenntnisquellen, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 52. Jg, Heft 2, Berlin 2004, S.235
8 Ebd., S.240
9 Singer, Wolf: Ein neurobiologischer Erklärungsversuch, S. 334
10 Ebd., 336
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