Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... 2
1. Einleitung 3
2. Marke im Vergleich mit König Artus 3
3. Markes Beziehung zu Tristan. 6
3.1 Markes Bewunderung für Tristan 6
3.2 Marke macht sich abhängig von Tristan 7
3.3 Die Morold-Krise 8
3.4 Markes Rückzug in die Passivität 10
4. Marke und Isolde. 11
4.1 Eheschließung und erste Probleme 11
4.2 zwîvel und arcwân. 13
4.3 Die Verbannung 15
4.4 leit, geluste und Blindheit Markes. 15
5. Fazit. 17
2
1. Einleitung
Die folgende Arbeit wird sich mit König Marke im Tristan Gottfrieds von Straßburg beschäftigen. Er ist einer der schwierigsten und vielschichtigsten Charaktere des Romans, aber gerade diese Tatsache macht eine Analyse seiner Person so interessant. Zunächst soll seine Rolle als idealer Herrscher, gar vergleichbar mit König Artus, am Anfang der Geschichte dargestellt werden. Darauf folgt eine Analyse der Beziehung von Marke und Tristan vor der Heirat mit Isolde und das darin vorhandene Potential der Abhängigkeit des Königs von seinem Neffen. Erste Schwächen des Königs werden ab der Morold-Szene deutlich.
Danach soll näher auf die Ehe zwischen Marke und Isolde eingegangen werden, wobei Markes Minneauffassung besonders berücksichtigt wird. Markes Schwäche, ein Gleichgewicht zwischen seinen Emotionen und seinem Amt als Herrscher herzustellen, soll dabei deutlich werden.
Die Arbeit soll zeigen, dass Markes charakterliche Schwäche seine anfangs vorbildliche Position als König überwiegt.
2. Marke im Vergleich mit König Artus
Gottfried von Straßburg beschreibt König Marke am Anfang des Tristan als den idealen Herrscher der damaligen Zeit.
König Artus spielt in dem Werk jedoch keine Rolle.1 Dass aber eine literarische Verbindung der beiden Figuren besteht, sieht auch William C. McDonald und belegt dies mit folgender Aussage: „Verbal exchanges between Arthur and Tristan appear already in the Welsh literary tradition, according to which king Mark und King Arthur are kinsmen.“2 Markes vorbildliche Person und die Vortrefflichkeit seines Hofes sind bis über die Grenzen des Reiches hinaus bekannt: 450 ouch saget diu istôrje von im daz, daz allen den bîlanden, diu sînen namen erkanden,
1 McDonald, William C.: Arthur and Tristan. On the Intersection of Legends in German Medieval Literature.
(Tristania Monographs Series. Volume Two). Lewiston: The Edwin Mellen Press. 1991. S. 82.
2 McDonald, S. 2.
3
kein künec sô werder was als er.3
Aus diesem Grund ist es auch nicht verwunderlich, dass Riwalin (und später auch Tristan) sich auf den Weg nach Tintajol macht, um dort tugent zu erwerben, sowie seine ritterlichen und gesellschaftlichen Umgangsformen zu veredeln.4 Riwalin findet den Ruf Markes bestätigt. 498 mîn saelde hât mich wol bedâht: swaz ich von Markes tugenden ie gehôrte sagen, deist allez hie sîn leben daz ist höfsch unde guot.
„Um seine höfische Vollkommenheit zu beschreiben, hat Gottfried den jungen König Marke unübersehbar nach dem idealtypischen Bild höfischer 'werdekeit' modelliert, nach König Artus.“5 kein künec sô werder was als er (V. 453).
Marke lebt zudem auf der Burg Tintajol. Dort soll angeblich König Artus geboren sein.6 Auch die königliche milte ist eine weitere Tugend eines artusgleichen Herrschers und zeigt, „dass sämtliche Regeln des herrscherlichen Tugendkatalogs erfüllt sind“.7 Sie wird deutlich bei Riwalins Ankunft in Tintajol: lîp unde guot und swaz ich hân, / daz sol z’iuwerem gebote stân. (V. 507 f.) sowie auch an Tristan: mîn lant, mîn liut und swaz ich hân, / trût neve, daz sî dir ûf getân. (V. 4461 f.).
Einen weiteren Beleg für die Ähnlichkeit der beiden Könige kann man in der Darstellung des Mai-Festes finden (V.525 ff.). In ihrer Beziehung zu Zeremonien und Festen, sieht McDonald eine besonders wichtige Gemeinsamkeit von Marke und Artus.8
Marke hat hier die Gelegenheit sich als „vollendeter Gastgeber“9 zu beweisen und tut dies auch mit Bravour.
3 Alle Textstellen werden zitiert aus: Gottfried von Straßburg: Tristan. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2006.
4 Vgl. Hollandt, Gisela: Die Hauptgestalten in Gottfrieds Tristan. Wesenszüge, Handlungsfunktion, Motiv der
List. (Philologische Studien und Quellen. Bd. 30). Berlin: Erich Schmidt. 1966. S. 54.
5 Hauenstein, Hanne: Zu den Rollen der Marke-Figur in Gottfrieds „Tristan“.(Göppinger Arbeiten zur
Germanistik. Nr. 731).Göppingen: Kümmerle. 2006. S. 14.
6 Vgl. Ebd. S. 15.
7 Ebd. S. 17.
8 Vgl. McDonald, S. 83.
9 Hollandt, S. 54.
4
608 Dar zuo sô nam ir Marke war sô grôze und alsô rîche, daz si alle rîtlîche lebeten unde wâren vrô.
Außerdem sind die Gäste Markes so wunneclîche (V.602) untergebracht wie noch nie zuvor. Es wird ihnen die Möglichkeit geboten, sich vielseitig zu vergnügen, ob es nun beim Tanzen, Kampfspiel oder lediglich bei der Betrachtung von schönen Damen sei. Dabei ist alles noch besser als jemals zuvor.
Laut Hauenstein macht Gottfried sich hier das Stilmittel des Topos der Einzigartigkeit zunutze.10 Sie stellt außerdem fest, dass die Darstellung in Parallele zu König Artus bereits „über das Koventionelle hinaus“ geht, sowohl beim Herrscherlob in dieser Szene als auch bei der Darstellung der Naturmotive.11
Nach dem Fest kommt es zum Kampf und Marke weiß seine êre nicht nur zu repräsentieren, sondern auch durch reale Taten zu verteidigen. Es kommt also zur „Deckung von êre und faktischer Verteidigung“.12 Jedoch ist dieser Kampf der einzige im ganzen Werk, in dem Marke sich auch ritterlich bewährt.13
Später wird Tristan allein aufgrund seiner Talente zum engsten Vertrauten und ständigen Begleiter Markes. Nu suln ouch wir gesellen sîn, / dû der mîn und ich der dîn. (V. 3725 f.) Die wahre Herkunft Tristans ist ihm bis dato noch unbekannt. Auch von König Artus sagt die Legende, dass er Ritter, über die es etwas Lobenswertes zu sagen gab, an seinen Hof bat. Kurz vor der Morold-Krise, die später noch eine genauere Betrachtung findet, wird die Idealität des Markehofes wiederum betont, indem Tristan Gründe liefert, um dorthin zurückzukehren: 5672 er sol an êren rîchen und stîgen an dem muote, wil ez sich ime ze guote und ouch ze saelden kêren.
Saelde und êre sind „die höchsten Wertbegriffe ritterlichen Lebens und gesellschaftlicher
10 Hauenstein, S. 19.
11 Ebd. S. 20.
12 Vgl. Baumgartner, Dolores: Studien zu Individuum und Mystik im Tristan Gottfrieds von Strassburg.
(Göppinger Arbeiten zur Germanistik. Nr. 259).Göppingen: Kümmerle. 1978. S. 126.
13 Hauenstein, S. 23.
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Arbeit zitieren:
Anne Mey, 2007, Zwischen Herrscheridentität und persönlichem Gefühl - die Marke-Figur in Gottfrieds Tristan, München, GRIN Verlag GmbH
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