Warum Mobbing Schule macht – und umgekehrt
„Inwieweit werden Lehrer, wenn sie mit Mobbing unter Schülern konfrontiert
sind, durch ihre persönlichen Einstellungen und das Klima ihres Arbeitsumfeldes beeinflusst?“
Hausarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades eines
Magister Artium (M. A.)
an der Ludwig- Maximilians- Universität München
vorgelegt von
Alexander Ottlik
München, im September 2005
Inhaltsverzeichnis:
Inhaltsverzeichnis ... 1
Abbildungsverzeichnis ... 2
Zusammenfassung: ... 4
1 Einleitung ... 5
2 Theoretischer Hintergrund ... 8
2.1 Mobbing unter Schülern ... 8
2.1.1 Mobbing: Definitionen und Begriffsabgrenzung ... 8
2.1.2 Die Prävalenz von Mobbing ... 11
2.1.3 Mobbing als kollektiver Prozess ... 12
2.1.4 Die Geschlechterverteilung in den Mobbingrollen ... 15
2.1.5 Die Dynamik von Mobbingprozessen ... 16
2.1.6 Die Folgen von Mobbing ... 18
2.1.7 Wie nehmen die Lehrer Mobbing war? ... 21
2.2 Lehrer, Teamklima und Schulklima ... 24
2.2.1 Der Einfluss der persönlichen Einstellungen (Individualfaktoren) ... 24
2.2.2 Der Einfluss des Schulumfeldes (Kontextfaktoren) ... 26
3 Methoden ... 33
3.1 Stichprobe ... 33
3.2 Durchführung ... 34
3.3 Erhebungsinstrument ... 35
3.3.1 Persönliche Orientierung („über mich als Lehrer“) ... 36
3.3.2 Teamklima („über mein Kollegium“) ... 38
3.3.3 Schulklima („ in unserer Schule“) ... 39
3.3.4 Ressourcenwahrnehmung bei Mobbing / Bullying unter Schülern („wenn mir Schüler über Mobbing / Bullying berichten:“) ... 41
3.4 Das Mehrebenenmodell von Cronbach und Webb ... 44
4 Ergebnisse ... 47
4.1 Die persönliche Orientierung und die Ressourcenwahrnehmung der Lehrer ... 47
4.2 Das Teamklima in Verbindung mit der Ressourcenwahrnehmung der Lehrer ... 49
4.3 Der Einfluss des Schulklimas auf die Ressourcenwahrnehmung der Lehrer ... 52
4.3.1 Die Korrelationen der Subskalen ... 52
4.3.2 Mehrfach gestufte Regressionsanalysen ... 54
4.3.3 Die Mehrebeneanalyse von Cronbach und Webb ... 57
5 Diskussion ... 66
5.1 Die Mobbingunterstützung und die persönliche Einstellung der Lehrer ... 68
5.2 Die Mobbingunterstützung und das Teamklima ... 69
5.3 Die Mobbingunterstützung und das Schulklima ... 70
5.4 Praktische Implikationen und Ausblick ... 75
6 Literaturverzeichnis ... 79
7 Anhang ... 87
1 Einleitung
Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist Mobbing unter Schülern einerseits und Lehrer im Kontext von Schul- und Teamklimaprozessen andererseits. Beide Themen werden durch die Frage verbunden, welchen Einfluss Individual-, Teamklima- und Schulklimafaktoren auf die Wahrnehmung der Lehrer ausüben, wenn sie mit Mobbing unter Schülern konfrontiert sind.
Mit Beginn der 90er Jahre ist es vor allem Olweus, der Mobbing mit dem Schulkontext in Verbindung bringt und systematisch untersucht. Nach Olweus kann von Mobbing dann gesprochen werden, "...wenn ein Schüler wiederholt und über einen längeren Zeitraum den negativen Handlungen eines oder mehrerer Schüler oder Schülerinnen ausgesetzt ist" (Olweus, 1996, S.22).
Aktuelle Studien kommen weitestgehend übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass ca. 14% der Schulkinder Opfer von Mobbing sind und somit in nahezu jeder Schulklasse Mobbing nachgewiesen werden kann. Hierbei hat sich gezeigt, dass die schulorganisatorischen Gegebenheiten (stabile Klassen) und die Schulpflicht als solches das Phänomen Mobbing überhaupt erst ermöglichen. Denn auf der Suche nach den notwendigen Voraussetzungen für dauerhafte Mobbingprozesse konnte gezeigt werden, dass Mobbing dann erfolgreich ist, wenn es innerhalb eines streng gefügten, hierarchischen Rahmens ohne Ausweichmöglichkeiten für die Opfer stattfindet.
Erschwerend kommt hinzu, dass Mobbing nicht nur Opfer und Täter betrifft, sondern als kollektives Phänomen im Klassenzimmer bezeichnet werden kann. Das impliziert Gruppendynamiken, unter denen letztendlich die ganze Klasse in unterschiedlicher Schwere leidet. Die Tatsache, dass es sich also um ein Klassenproblem handelt, identifiziert die Lehrer als Personen, die diesen Prozess am effektivsten beeinflussen können. Aus der Ernsthaftigkeit des Problems und den Folgen für das Opfer ergibt sich die Notwendigkeit für ihr Handeln.
Die Lehrer ihrerseits sind diversen Einflussfaktoren ausgesetzt. Neben ihrer Einstellung gegenüber Karriere und Beruf, hat vor allem auch ihr Arbeitsumfeld einen ent-scheidenden Einfluss auf die subjektive und objektive Arbeitsbelastung. Diese steht wiederum in negativem Verhältnis zur Motivation der Lehrer und ihrem Engagement im Arbeitskontext.
Es ist also eine äußerst relevante Frage, wie die Ressourcen der Lehrer im Umgang mit Mobbing in diesen Kontext einzuordnen sind und in welchem Verhältnis Individual- und Kontextvariablen stehen.
Zum Aufbau der Arbeit:
Im Theorieteil werde ich zunächst die Hintergründe und den gegenwärtigen Wissensstand zum Phänomen Mobbing unter Schülern erläutern. Anschließend soll ein Überblick über individuelle Einstellungen und das Klima des Schulumfeldes in ihrer Bedeutung für den Lehrerberuf gegeben werden. Das Kapitel endet mit einer Zusammenfassung und der wichtigsten Fragestellung dieser Untersuchung.
Im dritten Kapitel werden die der Arbeit zugrunde liegende Konzeption der Untersuchung und methodische Aspekte der Untersuchung erörtert. Es wird das Erhebungsinstrument vorgestellt und die verwendeten Auswertungsverfahren erläutert. Um die Fragestellung dieser Untersuchung zu überprüfen, wurden neben Varianz-, Korrelations- und Regressionsanalysen auch Mehrerebenenanalysen verwendet. In Kapitel 3.4 wird das Mehrebenenmodell von Cronbach und Webb und das analytische Verfahren näher vorgestellt.
Der Ergebnisteil ist in drei Unterpunkte gegliedert: Es werden die persönliche Einstellung, das Teamklima und das Schulklima jeweils in Bezug zu den Ressourcenwahrnehmungen der Lehrer im Ungang mit Mobbing gesetzt. Die Daten werden auf Schul- und Individualebene analysiert.
Zur Berechnung der Daten werden Korrelationsanalysen nach Pearson, lineare mehr-fachgestufte Regressionsanalysen, ANOVAS und Mehrebenenanalysen verwendet.
Das Schlusskapitel enthält eine zusammenfassende Diskussion und Interpretation der Ergebnisse. Auf Basis der empirischen Befunde dieser Arbeit werden Konsequenzen und Umsetzungsmöglichkeiten für die pädagogische Praxis diskutiert. Darüber hinaus werden weiterführende Fragestellungen an die Forschung, zum Einfluss von individuellen Einstellungen sowie Team- und Schulklimaprozessen auf die Ressourcenwahrnehmung der Lehrer im Umgang mit Mobbing erörtert.
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Mobbing unter Schülern
Nachfolgende Zeilen legte mir ein Lehrer handschriftlich dem ausgefüllten Fragebogen bei:
"Thema Mobbing?
Wir in der Hauptschule haben mit anderen Problemen zu kämpfen:
Disziplinlosigkeit, Antriebslosigkeit, Mangel an Durchhaltevermögen gepaart mit Selbstüberschätzung und Anspruchsdenken. Zu Hause auseinanderbrechende Familien, die mit der Erziehung überfordert sind.
Innerhalb der Klassengemeinschaft hat es ein gewisses Maß an Mobbing immer gegeben, weil die Neigung zum Mobbing auch in der Natur des Menschen liegt.
"Was ist ein gewisses Maß? Wann ist dieses Maß überschritten? Was ist überhaupt Mobbing?
2.1.1 Mobbing: Definitionen und Begriffsabgrenzung
Seit Mobbing Anfang der siebziger Jahre in Schweden von Heinemann (1969, 1972) und Olweus (1973, 1978) erstmals beschrieben und systematisch untersucht wurde, erfreut sich das Thema eines stetig steigenden Forschungsinteresses (vgl. Smith, Mo-rita, Junger-Tas, Olweus, Catalano & Slee, 1999).
Bei Durchsicht der drei großen pädagogisch- psychologischen Datenbanken PsycIN-FO, PSYNDEXplus und ERIC kann man diese Entwicklung übereinstimmend feststellen (siehe Abbildung 1). Während in den Jahren 1970 bis 1979 in allen drei Datenbanken unter den Stichworten Bullying oder Mobbing gerade mal 26 Veröffentlichungen erschienen sind, sind es in den zehn Jahren darauf bereits 90. Exponentiell steigen die Zahlen über die 90er (717 Veröffentlichungen) bis hin zur Hälfte der ersten Dekade nach dem Jahrtausendwechsel (bereits 1335 Veröffentlichungen).
[....]
Arbeit zitieren:
M.A. Alexander Ottlik, 2005, Warum Mobbing Schule macht - und umgekehrt, München, GRIN Verlag GmbH
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