1. Einleitung
Das Kartenblatt L 5710 Koblenz zeigt einen Ausschnitt aus dem Rheinischen Schiefergebirge. Vier Mittelgebirge grenzen hier aneinander: Westerwald und Taunus auf der rechtsrheinischen, sowie Osteifel und Hunsrück auf der linksrheinischen Seite. Mit Rhein, Mosel und Lahn durchziehen drei bedeutende Flüsse das Kartenblatt Aus politischer sich zählt der Raum zum Bundesland Rheinland-Pfalz und hat Anteile an den Landkreisen Mayen-Koblenz, Westerwaldkreis, Rhein-Lahn-Kreis, Rhein-Hunsrück-Kreis, Cochem-Zell sowie der kreisfreien Stadt Koblenz, wobei letztere Stadt neben Lahnstein und Boppard auch die wichtigste Siedlung im Kartenblatt darstellt. Großräumig ist das Gebiet in das Städtenetz Köln, Bonn, Trier, Mainz und Wiesbaden einzuordnen.
Wie eingangs erwähnt zeigt die Karte Ausschnitte aus mehreren Landschaften und damit auch aus verschiedenen morphologischen und geologischen Einheiten. Für den physiogeographischen Teil bietet sich folglich ein länderkundlicher Vergleich an. Die Kulturgeographie als jahrhunderte langer Entwicklungsprozess lässt sich dagegen besser historisch-genetisch über das ganze Blatt darstellen. Zusammenhänge zwischen Physischer und Kulturgeographie lassen sich an zahlreichen Stellen im Kartenblatt belegen.
2. Physiogeographische Detailuntersuchung
Abb. 2: Geologie
2.1. Mittelgebirge
2.1.1. Hunsrück
Das Teilgebiet Ia markiert die nordöstlichen Ausläufer des Hunsrücks und wird von Mosel und Rhein begrenzt. Wie das gesamte Gebiet gehört es zur Rhenohercynischen Zone der Varisziden. Mit 451m liegt in diesem Gebiet der höchste Punkt des Kartenblattes (93,5/66,5). Nach allen Seiten fällt das Gebirge steil ab, da die begrenzenden Flusstäler deutlich tiefer
liegen. Bis auf einige Rodungsinseln ist das gesamte Gebiet bewaldet, ein Indiz, welches auf ungünstige Bodenverhältnisse schließen lässt (wobei hier auch die Steilheit des Reliefs zum Tragen kommt). An einigen Stellen finden sich Felssignaturen, die für hartes, anstehendes Gestein sprechen. Flussparallel verläuft im zentralen, höchsten Teil die lokale Wasserscheide zwischen Mosel und Rhein. Die Höhen werden durch zahlreiche Flüsse entwässert, die sich in Form von V-Tälern tief in das Gebirge eingeschnitten haben. Der Hunsrück ist Teil des linksrheinischen Schiefergebirges, somit also im Wesentlichen aus devonischen Schiefern aufgebaut, die Felssignaturen sind Quarzitgänge (s. Signatur „Quarzit“ 90/67). Nach der Hebung des Gebietes während der variskischen Orogenese, wurde das Relief im Perm flächenartig eingeebnet. Mit der erneuten Hebung im Zuge der alpidischen Orogenese kam es zum einschneiden der Flüsse Rhein und Mosel. Hier handelt es sich folglich um antezendente Durchbruchstäler. Des Weiteren wurden im Perm Rumpfflächen unter wechselfeucht- tropischen Bedingungen gebildet, ein Charakteristikum deutscher Mittelgebirgslandschaften (z.B. 95,5/66,5). Ebenfalls kam es zur Einschneidung der kleineren Flüsse, die sich vermutlich im Zusammenhang mit der saxonischen Bruchtektonik an tektonisch angelegten Störungslinien orientieren. In der Karte wird dies an einigen Stellen durch die orthogonal zur variskischen Streichrichtung verlaufende Fließrichtung der Gewässer deutlich. Mit der stufenweise erfolgenden Einschneidung des Rheins bildete dieser Terrassen aus. Reste solcher Flächen sind u.a. westlich von Spay (02/68) zu erkennen. Aufgrund ihrer flächigen Ausbildung werden diese heute landwirtschaftlich genutzt. Vermutlich sind hier Kiesvorkommen zu finden.
2.1.2. Taunus/Westerwald
Neben dem Hunsrück sind die Ausläufer der ebenfalls zur Rhenohercynischen Zone zählenden Mittelgebirge von Taunus und Westerwald abgebildet. Sie gehören zum rechtsrheinischen Schiefergebirge. Durch das Lahntal werden sie voneinander abgegrenzt. Ihre Genese und ihr Aufbau entspricht im Wesentlichen der des Hunsrücks. Nur im Westerwald machen sich Unterschiede in Form der landwirtschaftlichen Nutzung bemerkbar. Dies ist zurückzuführen auf das Laacher See-Ereignis, das im Folgenden Kapitel näher erläutert wird.
2.2. Beckenlandschaften
2.2.1. Maifeld
Das Maifeld zeigt ein völlig anderes Gesicht als die oben beschriebenen Mittelgebirge. Dies wird insbesondere durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung deutlich. Ferner ist das Relief wesentlich flacher. Gemeinsam mit dem Neuwieder Becken gehört es zur Osteifel und damit auch zum linksrheinischen Schiefergebirge, wobei die Schiefer hier nicht an der Oberfläche anstehen wie in Teilgebiet I. Auch dieser Raum ist randlich stark zertalt. Die Ursache dafür ist auch hier die tektonische Anlage von Grabenstrukturen, die von den Flüssen als Ablaufbahn genutzt werden. Ein Kiesvorkommen kann als Beleg für Flussterrassen der Mosel herangezogen werden, da eine glazial bedingte Akkumulation in diesem Gebiet ausgeschlossen werden kann. Die ackerbauliche Nutzung sowie die Verbreitung von Hohlwegen lassen hier auf eine Lössauflage schließen. Als zonaler Bodentyp kommt in diesem Fall die Parabraunerde in Frage, die sich auf Löss entwickelt.
2.2.2. Neuwieder Becken (auch Pellenz möglich) Phänotypisch ist das Neuwieder Becken nicht scharf vom südlich gelegenen Maifeld abzugrenzen. Dennoch ist das Gebiet welliger und besonders von vulkanischem Vorkommen geprägt. Dies steht im Zusammenhang mit dem Laacher See-Ereignis, welches sich vor etwa 12900 Jahren hier abspielte. Dabei wurden unter phreatomagmatischen wie plinianischen Bedingungen große Massen Magma zutage gefördert. Die Aschen verbreiteten sich über mehrere hundert Kilometer und sind noch in Skandinavien nachweisbar. Größere Ablagerungen finden sich aber vor allem hier in direkter Nähe zum Eruptionszentrum, also im Neuwieder Becken und im südwestlichen Ausläufer des Westerwaldes. Dies wird in Form von zahlreichen Lava-Steinbrüchen (Basalt, Lava: u.a. 87/81) deutlich. Mit dem Karmelenberg (88/78) und dem Korretsberg (82/83) finden sich vulkanartige Vollformen (Schlotfüllungen, in der Nähe Basalt!). Einige Tonvorkommen könnten auf verwitternde Laven zurückzuführen sein.
2.3. Flusstäler
Die Flusstäler von Rhein, Mosel und Lahn bilden ihrerseits wiederum eigene Landschaftseinheiten. Ihre Genese ist definitiv antezendent, (d.h. Der Flusslauf war bereits vor der Hebung der Gebirge angelegt) wobei sie tektonisch Anlagen nutzten. An einigen Stellen sind typische fluvial entstandene, morphologische Formen wie Mäander, Gleithang (99/66,5) und Prallhang (98,5/66,5) zu erkennen. Sie dienen heute sowohl als Verkehrswege sowie Siedlungs- und Verkehrsleitlinien. An südexponierten Hängen findet man Weinbau. Wo der Rhein das Kartenblatt verlässt liegt mit 59m der niedrigste Punkt.
3. Kulturgeographische Detailuntersuchung
3.1. Siedlungsgenese und Siedlungsformen
Zu zeigen (fast immer):
Flüsse + Agrarische Gunsträume = Altsiedelland; Waldflächen später besiedelt
Arbeit zitieren:
Matthias Schopp, 2007, Karteninterpretation L 5710 Koblenz, München, GRIN Verlag GmbH
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