Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
1. Einleitung 1
1.1. Impressionen 3
1.2. Entwicklung des Kachelofens 6
2. Ofenkachel 6
3. Kachelöfen in den einzelnen Stilepochen 9
Gotik (ca. 1200-1500) 9
Renaissance (ca. 1500-1650) 10
Manierismus (ca. 1600-1620) 10
Barock (ca. 1670-1750) 10
Rokoko (ca. 1725-1790) 10
Louis -Seize-Stil (ca. 1770-1790) 11
Klassizismus (1775-1850) 11
Empire (ca. 1795-1815) 11
Biedermeier (ca. 1825-1850) 11
Gr ünderzeit (ca. 1872-1895) 12
Jugendstil (ca. 1895- 1910) 12
3.1. Weitere Entwicklung 12
4. Brennstoffe. 14
5. Überblick Warmluft-Kachelofen 21
5.1. Genaue Betrachtung der Kachelofen-Warmluftheizung 22
5.2. Funktion 26
5.3. Umwandlung von Strahlungs- in Konvektionswärme 27
5.4. Heizeinsatz 28
5.5. Heizölbetriebene Heizeinsätze 29
5.6. Brenngasbetriebene Heizeinsätze 30
5.7. Nachheizkasten 31
5.8. Luftführung 32
5.9. Wärmebedarf 33
5.10. Bauablauf eines Warmluftkachelofens 35
6. Überblick Kachelgrundofen 42
6.1. Genaue Betrachtung des Kachelgrundofens oder Grundofens 43
II
6.2. Heizfläche 45
6.3. Ausführung des Kachelofens 46
6.4. Fundamente 48
6.5. Feuerraum 51
6.6. Rahmenbedingungen für den Bau des Feuerraums 54
6.7. Größe des Feuerraums 54
6.8. Feuergeschränk-Ofentüren 56
6.9. Gasschlitz 57
6.10. Abmessung der Gasschlitze 59
6.11. Der Weg vom Feuerraum zum Schornstein 60
6.12. Zugsystem. 62
6.13. Rauchgasrohr 64
7. Kombi-Ofen 64
8. Weitere Ofensysteme 65
8.1. Heizkamin 65
8.2. Kachelherde und Backöfen 67
8.3. Kaminofen 69
9. Schornstein 71
9.1. Funktion des Schornsteins 73
9.2. Schornsteinquerschnitt 74
9.3. Gründung von Schornsteinen 75
9.4. Anordnung von Reinigungsöffnungen 75
9.5. Schornsteine für offene Kamine 75
9.6. Raumluftabhängige Feuerstätten 77
9.7. Raumluftunabhängige Feuerstätten 78
9.8. Allgemeine Anforderungen an Abgasanlagen 79
9.9. Brandschutz 79
9.10. Dichtheit 81
9.11. Feuchteschutz 82
9.12. Anordnung von Abgasanlagen 83
10. Offener Kamin 85
10.1. Entwicklung 85
10.2. Offener Kamin und Raumgestaltung 89
10.3. Anwendungsbereiche von offenen Kaminen 92
III
10.4. Bauteile des offenen Kamins 93
10.4.1. Feuerraumboden 93
10.4.2. Ascheraum 93
10.4.3. Sicherheitsfläche 93
10.4.4. Kaminöffnung 94
10.4.5. Feuerraum 95
10.4.6. Kaminrost 96
10.4.7. Rauchsims. 97
10.4.8. Rauchkammer 97
10.4.9. Rauchklappe 98
10.4.10. Rauchschürze 99
10.5. Baustoffe und Baumaterialien 99
10.6. Brennmaterialien 100
10.7. Bedienung und Betriebsweise 102
10.7.1. Anheizvorgang 102
10.7.2. Weiterheizen 103
10.7.3. Entaschung 103
10.7.4. Reinigung. 104
10.8. Kamin-Zubehör 104
10.9. Funktion des offenen Kamins 105
11. Gestaltung 109
11.1. Kreationen 111
11.2. Preis 112
11.3. Design 112
11.3.1. Form 113
11.3.2. Funktion 114
11.3.3. Konstruktion 114
11.4. Physiologische Wirkung der Farben 115
12. Wohnbehagen 118
13. Kachelofen und die Solarenergie 120
a) Das Niedrigenergiehaus 122
b) Die Feuerstelle mit Heizkesselteil 122
c) Die Solaranlage 123
d) Die Speichereinheit 123
IV
e) Die Wandheizung 124
14. Bilderverzeichnis VI
15. Literaturverzeichnis X
Verordnungen: XI
Normen : XI
Internetseiten: XII
V
Die Urform bestand aus einem
1. Einleitung
walzenförmigen Steingebilde mit einem Tonnengewölbe aus Lehm als Oberbau. Wer heute vom „guten alten Kachelofen“
Die Steine hatten schon damals die spricht, schwelgt meist in nostalgischer
Aufgabe, die Wärme zu speichern. Damit Begeisterung. Aus Überlieferungen
war es dem Menschen erstmals wissen wir, welche wichtige Bedeutung
gelungen, die Glut des offenen Feuers solch ein Prunkstück früher hatte. Es war
zu bewahren und in Strahlungswärme die einzige Wärmequelle im ganzen
umzuwandeln. Ab dem 10. Jahrhundert Haus. Seine gemütliche Atmosphäre
gewann der Lehm- oder Steinofen mit lockte Mensch wie Tier an. Nicht selten
dem Rauchabzug über einem eigenen gab es Zank um die begehrten Plätze auf
Schornstein an Bedeutung. Diese Öfen der Ofenbank.
sind gemauert und bestehen aus einem Die Urform der heutigen
kubischen Unterbau mit einem wärmespeichernden Öfen findet man in
gewölbten Oberbau. Solche über 1000 den Pfahlbauten der Bronzezeit. Schon
Jahre alte Ofenformen sind heute noch vor 4500 Jahren wurden diese Öfen im in Südtirol anzutreffen. 2 süddeutschen Alpenvorland gebaut. 1
Bild 1: Kachelofen
1 2 Hebgen: Ratgeber Kachelöfen S. 96 Hebgen: Ratgeber Kachelöfen S. 96
1
In der weiteren Entwicklung wurden Mit Beginn des Industriezeitalters geriet Becher und Schüsseln aus Keramik zur die traditionelle Bauweise immer mehr in Verbesserung der Heizwirkung Vergessenheit. Der massenhaft
eingesetzt. Daraus haben sich die ersten produzierbare Kachelofen mit einem Ofenkacheln entwickelt. Als es den Metalleinsatz wurde geboren. Mit der Töpfern gelang aus den runden Entwicklung der Zentralheizung zu keramischen Schüsseln quadratische Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Kacheln zu fertigen, war es möglich die Kachelofen aus den Wohnzimmern der Ummantelung des Kachelofens komplett Menschen verdrängt. aus Kacheln herzustellen. Mit der Energiekrise der siebziger Jahre Im Laufe der Jahrhunderte veränderte besann man sich seiner wieder als sich die Kachel mit den wechselnden unabhängige Zusatz-und
Stilrichtungen, von der Gotik, über das Übergangsheizquelle. Während der
Barock, Rokoko, Biedermeier bis in die achtziger Jahre sorgte der
heutige Zeit. Vor mehr als 500 Jahren Treibhauseffekt für Gesprächsstoff, um setzte sich dann das Prinzip des das Image von Holzheizungen zu verbessern wurde die CO 2 -Neutralität Grundofens durch. Anfänglich wurde mit des Holzes postuliert. Gleichzeitig sehr einfachen Materialien gebaut wie z. entwickelte sich ein neues, verstärktes B. Bachsteine und Lehm. Im Alpenraum Bewusstsein für unsere Umwelt, der wurde auch Speckstein verwendet. Wunsch nach mehr Lebens- und Wohnqualität stieg. Der Kachelofen Durch die zunehmende Erfahrung im wurde wieder ein fester und schöner Ofenbau wurde nicht nur eine
Bestandteil innerhalb des Wohnbereichs. Verbesserung in der Funktionsweise Zu diesem Zeitpunkt orientierte sich die erzielt, sondern auch die Möglichkeiten Gestaltung und Form der Kachel noch der Gestaltung blieben nicht unerkannt. überwiegend an der traditionellen Schüsselkachel. Nur langsam entwickelte Mit den üppigen Dekorationsformen des sich ein, dem Zeitgeist entsprechendes, Barock war im 16. und 17. Jahrhundert eigenes Kacheldesign. eine Blütezeit des Ofenbaus erreicht. Allerdings war diese Form der
verkachelten Öfen nur den reichen Bürgern vorbehalten.
2
Bild 2: Schüsselkacheln umfassend ist und damit auch die Anwendungsmöglichkeiten des
Die Entwicklung des Kachelofens ist ein
Kachelofens sehr vielseitig sind. Stück Geschichte der Gestaltung, aber auch ein Stück Geschichte der Technik.
Diese Definition möchte ich dieser Arbeit Die Kachelofenbauer waren und sind
zugrunde legen und die Vielfalt sowohl auch weiterhin bestrebt neue
im technischen als auch im
Erkenntnisse der Wärmelehre und der
gestalterischen Bereich des Kachelofens modernen Feuerungstechnik im
herausarbeiten. Kachelofenbau zur Anwendung zu
bringen. Schon vor 500 Jahren gab es 1.1. Impressionen
ein Bestreben dem Kachelofen eine gute Jeder kennt das unbeschreiblich schöne
technische und wirtschaftliche Gefühl: Draußen vor dem Haus auf einer
Innengestaltung in der Konstruktion zu Bank in der Sonne zu sitzen, an die
geben. Das zeugte vom hohen warme Wand sich anzulehnen und zu
handwerklichen und technischen Können entspannen, die Alltagssorgen vergessen
des Kachelofenbauers. und die Sonnenstrahlen „bis ins Herz“ eindringen lassen, tief einatmen und das
Nach dem heutigen Stand der Technik Glück richtig spüren.
wird der „Kachelofen“ in den technischen Was diesen Augenblick ausmacht, ist die
Bestimmungen und Normen Strahlungswärme von Sonne und
folgendermaßen definiert: Hauswand. Sie durchwärmt den ganzen Körper und regt den Geist zum sensiblen
„Als ortsfeste Kachelöfen alle im Fühlen, zum positiven Denken und zum
Verwendungsort erbauten Öfen, die aus neugierigen Erleben an. Sie wirkt
keramischen Baustoffen bestehen und beruhigend auf Kreislauf und Nerven wie
die mit festen, gasförmigen oder flüssigen Brennstoffen sowie mit
3 Schiffert: Kachelofen 2000 S. 11
3
Bild 5: Schema Grundofen
die ungestüme Energie des Feuers in sich auf und geben sie langsam als milde Fast wäre der Grundofen in
Strahlungswärme an den Raum ab. Vergessenheit geraten. Seit geraumer Zeit aber entscheiden sich gerade junge Familien wegen des besseren
Raumklimas und der unvergleichlichen Vorteile wieder für die traditionelle Art des Heizens mit Holz und somit für einen Grundofen.
Es gibt zwei Arten von Kachelöfen. So genannte Warmluftkachelöfen, die die
4
Raumluft zum Heizen verwenden und die bereits vorgestellten Grundöfen.
Ein Unterscheidungsmerkmal Kachelöfen ist die Art und Weise, wie sie die Wärme weitergeben. Bild 6: Konvektion
Beim Warmluftkachelofen wird ein Metalleinsatz aufgestellt und Der Grundofen hingegen stellt die seit angeschlossen und mit Kacheln oder Jahrhunderten bewährte traditionelle Mauerwerk als optisch ansprechende Kachelofen-bauweise dar. Er hat keinen Attrappe umbaut. Der Metalleinsatz heizt Metalleinsatz und keine Luftschlitze. Er sich rasch auf und gibt seine Wärme, wird von „Grund“ auf aus schweren, schon nach kurzer Zeit, vorwiegend als keramischen Werkstoffen wie
heiße Luft an den Raum ab. Die Schamotte, Speckstein oder Feuerbeton Funktionsweise kann mit der Heizung im aufgemauert. Sie werden von Feuer und Auto verglichen werden, die Rauch aufgeheizt und geben ihre Wärme Wärmestrahlung spielt dabei eine vorwiegend als Strahlungswärme ab, untergeordnete Rolle. Es dominiert die ähnlich wie die Sonnenstrahlen auf der auch gern als „schnelle Wärme“ Bank vor dem Haus. Das Besondere an hochgelobte Konvektion mit den der Strahlungswärme ist, dass sie nur bekannten Nachteilen: hoher feste Körper erwärmt. Die Raumluft Energieverbrauch, kaum kann sich deshalb nicht überhitzen und Speicherleistung, riechbar trockene, mit keinen Hausstaub aufwirbeln. Die Hausstaub angereicherte, drückend Durchwärmung der Ofenmasse benötigt heiße Luft. Folgeerscheinungen können zwar etwas Zeit, dafür bleibt die Wärme ein heißer Kopf und kalte Füße sein. aber für einen langen Zeitraum erhalten. Die kurze Aufheizzeit von Warmluftsystemen wird gerne
überbewertet und die unangenehmen Auswirkungen von Konvektion auf Energieverbrauch und Wohlbefinden werden unterschätzt.
5
so genannte „Gewölbekachelofen“, 1.2. Entwicklung des
„Augenofen“, „Duttenofen“ oder der Kachelofens
„Altdeutsche Kachelofen“. Die damaligen Hand in Hand mit der Wandlung der
Ofenerbauer benutzten die Kacheln bzw. offenen Feuerstelle vollzieht sich auch
Töpfe um den Ofen zu verschönern und die Entwicklung des Kachelofens. Wie
eine höhere Wärmespeicherung zu bereits in der Einleitung erwähnt kann
ermöglichen. Dabei erkannten sie, dass ein Backofen, bestehend aus einem
sich durch den Einbau von Topfkacheln Gewölbe von Lehm oder Lehmziegeln,
die Heizfläche vergrößert und somit eine als die Urform des Kachelofens
bessere Wärmeabgabe erfolgt. angesehen werden. Dieser stand
ursprünglich außerhalb des Hauses. Um
Die Kacheln und Töpfe wurden zur seine wärmespeichernde Eigenschaft zu
Verschönerung glasiert. Dabei bedienten nutzen wurde er im Laufe der Zeit ins
sie sich der ältesten und einfachsten Haus verlegt. Aufgrund geschichtlicher
Töpferglasur, der Bleiglasur. Mit Kupfer Überlieferungen wird vermutet, dass
ließen sich damals grüne Glasuren und ungefähr um das Jahr 700 zum ersten
mit Mangan braune Glasuren für die Mal Töpfe in Lehmöfen eingebaut
Veredelung der Kacheln nutzen. worden sind.
In den meisten Fällen besaßen die Kachelöfen noch keine verschließbare
Bild 7: Lehmofen
2. Ofenkachel
Anhand von Feststellungen wird der Die Entstehungsgeschichte der
Ofen einer slawischen Herkunft
Ofenkachel lässt sich bis in die Antike
zugeordnet. Daraus entwickelte sich der zurückverfolgen. Dabei machten sich
6
einige Kulturvölker die hohe gestaltet. In der Hitze des Feuers Feuerbeständigkeit und werden die getrockneten Teile gebrannt Wärmespeicherfähigkeit keramischer und erhalten damit Festigkeit und Härte. Materialien zu Nutze. So belegen 2500 Jahre alte Funde die Verwendung von Die besondere Fähigkeit der Ofenkachel
Topf- und Schüsselkacheln, „caccabus“ 4 besteht darin, Wärme aufzunehmen, zu genannt, zur Beschleunigung der speichern und allmählich wieder
Wärmeabgabe früherer Lehmöfen. Aus abzugeben.
der Bezeichnung „caccabus“ entwickelte Die Hitze des Feuers dringt in die Kachel sich im späteren Sprachgebrauch der ein und wird dort gespeichert. Ein Vorrat Begriff „Kachel“. bildet sich, der über mehrere Stunden wieder gleichmäßig als Wärme an die Was aber macht die Ofenkachel so Umgebung abgestrahlt wird. besonders?
Die Kachel besteht durch und durch aus Damit lässt das optimierte
natürlichen Materialien. Grundbestandteil Kachelmaterial mit seiner moderaten ist Ton, der fast überall in der Natur Wärmeleitfähigkeit in der Regel ein vorkommt. Dieser entsteht durch unbesorgtes Anfassen des Kachelofens Verwitterung von Urgestein, also durch zu.
die Wirkung von Hitze und Kälte, Wasser und Eis, Wind und Bewegung. Ton Ofenkacheln haben eine lange Tradition besteht somit aus feinsten Teilchen in der sie sich nicht nur mit ausgewechselnder Zusammensetzung und wogenen Eigenschaften als Struktur, die auch unverwitterte Wärmespeicher, sondern auch durch die Gesteinsreste wie Feldspat, Glimmer und Qualität der Oberflächen bewährt haben. Quarz enthalten. Aufgrund der Oberflächenglasur widerstehen sie den täglichen Ausgesuchter Ton wird seit vielen Belastungen der Benutzung. Sie
Jahrhunderten für die Töpferei und die behalten für immer ihre originalen Herstellung von Ofenkacheln genutzt. Farben. Dies sind typische Eigenschaften Auch heute noch wird die geschmeidige für qualitativ hochwertige Keramik-Masse aus Ton und Wasser von produkte. Meisterhand geformt und vielfältig
4 Glöckel: Die Kachel S. 4
7
Bild 9: Eckbordüre Die schöne glatte Oberfläche der Ofenkachel verspricht einfache Pflege Aufgrund dieser vielfältigen und leichte Reinigung. Die Möglichkeiten lassen sich Kacheln für Glasur sorgt dafür, dass Schmutz immer jeden Wohn- und Einrichtungsstil finden. auf der Oberfläche bleibt und von dort Farbige Glasuren veredeln die ohne großen Aufwand an Zeit und Mühe Kacheloberflächen. Diese bewahren mit Wasser und Schwamm entfernt Individualität mit vielfach gezielt werden kann. erzeugten, lebendigen Farbspielen und dem sich oft einstellenden „Krakelle-Effekt“ 5 .
Diese unregelmäßigen, unterschiedlich sichtbaren Linien sind typisch für einige Glasuren und stellen keinen Mangel dar, sondern bereichern die Oberflächengestaltung.
5 Glöckel: Die Kachel S. 14
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Materialien, über Jahrhunderte hinweg Bild 13: Ofenkachel bis in die heutige Zeit, nichts an seiner
3. Kachelöfen in den Beliebtheit verloren hat.
einzelnen Stilepochen
Bild 12: Eckkachel Unterbau des Ofens wurden
hauptsächlich grün glasierte vier- oder Sie ermöglicht es dem Menschen seine rechteckig abgeflachte Kacheln verbaut. individuellen Farb-und Für den Oberbau wurden
Formvorstellungen zu verwirklichen, Nischenkacheln oder Reliefkacheln seiner Liebe nach Traditionen verwendet. Die Innenkonstruktion dieser Öfen war einfach. Sie verfügten meist
9
über eine einfache Zuggestaltung und Stilrichtung lässt sich ein großer Einfluss waren im unteren Bereich des ausgehend von Italien beobachten. Kachelofens an die Wand gebaut. Die
Barock (ca. 1670-1750) Beschickung des Ofens erfolgte von der Schlotküche aus, worauf hin diese Öfen
Die große Prachtentfaltung des Barock als Hinterlader bezeichnet wurden. Die
wirkte sich auch auf die gestalterische Flammenführung sorgte für eine
Entwicklung des Kachelofens aus. Im gleichmäßige Erwärmung der Kacheln
Gegensatz zur Renaissance wurde die sowohl im oberen als auch im unteren
Verbesserung der Innenkonstruktion Teil des Ofens. Der Rauch zog durch das
forciert, besonders in der Zeit von 1700-Feuerloch ab und wurde über den
1770 wurden große Fortschritte Rauchfang ins Dachgebälk abgeführt.
gemacht.
Friedrich der Zweite erließ im Jahre 1763
Renaissance (ca. 1500-1650) ein Preisausschreiben: „… auf einen In der Renaissance begann der Stubenofen, so am wenigsten Holz verzehret.“ 6 Kachelofen den Anspruch eines edlen Möbels anzunehmen, denn das bildsame Tonmaterial ermöglichte es, sich mit Er verfolgte dabei die Absicht, die unvergleichlicher Wirkung der jeweiligen unnötige Holzverschwendung Ausdrucksform anzupassen. Es wurden einzudämmen. Ausgangspunkt war, dass dafür sehr große und reich verzierte die damaligen Kachelöfen ohne Züge Kacheln verwendet. Allerdings wurde die gebaut wurden. Wirksamkeit dieser Kachelöfen außer
Rokoko (ca. 1725-1790) Acht gelassen. Es wird angenommen, dass etwa 60 bis 70 Prozent des
Hier ist eine Unterscheidung zu treffen Heizwertes vom Brennstoff verloren
zwischen den bürgerlichen Öfen und den gingen.
Kachelöfen, die für Gutsherren oder Fürstenhöfe bestimmt waren. Bei den
Manierismus (ca. 1600-1620)
Bürgern bestanden die Öfen häufig aus Diese kurz andauernde Kunstepoche kleinformatigen Kacheln, die mit hellen zeigte bereits Dekorationsformen an den Glasuren überzogen waren. Bei den Kachelöfen, die im anschließenden Adeligen hingegen kamen großflächige Barock fortgeführt wurden. Bei dieser
6 Schiffert: Kachelofen 2000 S. 17
10
Kacheln zum Einsatz. Um eine schnellere richtete sich nun auf die Ausbildung von Wärmeabgabe zu erreichen, wurden stehenden Rauchzügen. gusseiserne Platten im Unterbau
eingebaut. Es bestand die Auffassung, Allerdings konnten manch gute Ansätze, dass das Feuer nur abbrennen könne, aufgrund verschiedener Meinungen nicht wenn ihm genügend Luft zugeführt wird. umgesetzt werden. Trotzdem gelang den Um die mit Gussplatten ausgestatteten Kachelofenbauern um das Jahr 1790 ein Kachelöfen rauchdicht zu machen, Durchbruch. Mit dem so genannten wurden die Anschlüsse mit Ofenkitt Vorderlader war es möglich den Ofen abgedichtet. Dieser Ofenkitt bestand aus direkt vom Zimmer aus zu beheizen. Lehm, Essig, Eiweiß, einer
Empire (ca. 1795-1815) Kochsalzlösung und Rinderblut.
Diese kurze Kunstepoche kann als Im Ofenbau war mit dem Rokoko eine
Höhepunkt des ganzen Klassizismus Kunstepoche zu Ende gegangen, die als
angesehen werden. Einen starken letzte noch eigene ausgeprägte
Einfluss auf diese Phase übte dabei die gestalterische Elemente aufwies.
Antike aus. Die Kachelöfen wurden überwiegend säulenförmig und mit Louis-Seize-Stil (ca. 1770-1790) ägyptischen Dekorelementen gestaltet. Während dieser Phase kamen
Biedermeier (ca. 1825-1850) Dekorelemente aus den orientalischen Kulturkreisen zum Einsatz. Die Kacheln
Die Kachelöfen nahmen von ihrer Größe wurden durchwegs mit weißen und
her wieder ab und erhielten zunehmend goldenen Glasurfarben überzogen.
eine schmückende Ausgestaltung und zusätzlich aufgesetzte Schmuckformen
Klassizismus (1775-1850) wie z. B. Vasen. Zu dieser Zeit Die Zeitepoche des Klassizismus war entstanden auch die ersten Vorläufer, bestimmt durch streng gegliederte der uns heute bekannten Warmluftöfen. Formen und die Erkenntnisse des Hierfür wurden Wärmeröhren aus Blech Rokoko wurden übernommen. Somit in den Kachelofen mit eingearbeitet, die wurden jetzt alle Öfen mit einem Rost zu einer rascheren und erhöhten angefertigt. Das Hauptaugenmerk Wärmeabgabe beitrugen.
11
Gründerzeit (ca. 1872-1895) 3.1. Weitere Entwicklung
Diese Epoche hatte keinen eigenen Die technische Weiterentwicklung und markanten Stil, es wurden vielmehr Formentwicklung des Kachelofens Gestaltungsmittel vergangener stagnierte in der ersten Hälfte des 19. Kunstepochen nachgeahmt. Die Öfen Jahrhunderts. Die Handwerksarbeit bei besaßen einen wuchtigen Unterbau und der Herstellung der Ofenkacheln wurde die Gesamthöhe betrug bis zu 2,80 m. 7 zurückgedrängt und eine
In dieser Zeit entstanden auch die so Industrialisierung des Ofenbaus setzte genannten „Berliner Öfen“ 8 , die anstatt mit einer Ofenindustrie um 1857 in der Wärmeröhren zierende Nischen Meißen ein. Durch die vorherrschende hatten und komplett in einem Serienproduktion wurden Inhalt und einheitlichen deckenden weißen Farbton gestalterische Form des Kachelofens farblich gestaltet wurden. bestimmt. Ende des 19. Jahrhunderts gelang es mit Heizeinsätzen die In der zweiten Hälfte des 19. Steinkohle im Kachelofen zu verfeuern. Jahrhunderts entstanden noch weitere Perioden wie die Neugotik gefolgt vom Erst um 1910 wurde die Entwicklung im Spätklassizismus und der Neuromanik. Bereich der Anordnung von stehenden und liegenden Zügen wieder
Jugendstil (ca. 1895- 1910)
vorangetrieben.
Im Jahre 1925 folgte die Einführung
Diese kurze, aber ausgeprägte
eines verbindlichen DIN-Maßes „22“, das
Kunstepoche hat es sich zum Ziel ein Kachelmaß von 22 cm vorschreibt.
gemacht, sich kompromisslos von Daraufhin wurden Zubehörteile wie
vorausgegangen unschöpferischen Fülltüre, Roste und Rahmen genormt.
Stilnachahmungen zu lösen. Von der Diese wurden alle in die
Struktur her orientierten sich die Reichsgrundsätze für den Kachelofenbau
Kachelöfen im Wesentlichen an den aufgenommen und am 20. Juni 1926 für
Bauformen des Spätklassizismus. verbindlich erklärt. Zu dieser Zeit entstanden auch viele Sonderkonstruktionen wie
Gaskachelöfen, die sowohl für Kohlenals auch für Gasheizung eingerichtet
7 Hebgen: Ratgeber Kachelöfen S. 98
8 Hebgen: Ratgeber Kachelöfen S. 98
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waren. Elektrokachelöfen erweiterten Entwicklungsschritte lassen sich nicht das Spektrum. nur auf die Anpassung neuer Brennstoffe wie Kohle, Briketts, Öl, Gas oder Strom Durch den Zweiten Weltkrieg wurde viel zurückführen, sondern auch auf die zerstört und die Kachelofenbauer waren Forderung eines sparsamen und vordergründig mit der bedienungsfreundlichen Kachelofens. Wiederinstandsetzung beschädigter Öfen beschäftigt. Aus dieser vorherrschenden
Die Entwicklung der Kachelofen-Notlage der damaligen Zeit war es
Warmluftheizungen haben hinsichtlich
wichtig, Öfen zu konstruieren, die alle
ihrer Wirkungsweise ein sehr altes
zur Verfügung stehenden Brennstoffe
Vorbild, die Hypokausten-Heizung der
verwerten konnten.
alten Römer. Hierbei handelt es sich um Hohlräume, die senkrecht und
Zudem wurde jetzt der Wirkungsbereich
waagerecht in Wänden und Fußböden
der Strahlung näher untersucht, der bis
angeordnet waren und mit warmer Luft
zu diesem Zeitpunkt keine Rolle gespielt
durchspült wurden. Dies erforderte ein
hatte. Daraus haben sich die
ausgeklügeltes Luftzirkulationsprinzip.
Grundkachelöfen und Kachelgrundöfen
Die hierfür nötige warme Luft wurde
entwickelt.
durch einen Ofen außerhalb der zu erwärmenden Räume erzeugt.
Unsere heutigen Kachelöfen sind
gestalterisch gesehen nicht an den
vorherrschenden Baustil gebunden, sie werden vielmehr nach dem persönlichen Geschmack ästhetischen Regeln geschaffen. Der Kachelofen hat somit in der langen Zeit seiner Verwendung eine Reihe von Bild 14: Schema einer römischen
Veränderungen erfahren, die nicht nur Hypokaustenheizung
seine äußere Gestaltung betreffen, sondern vor allem seine
In Anlehnung an dieses historische verschiedenartige Ausbildung der
Heizsystem ist auch die moderne Feuerung und Ausbildung der
Hypokauste ein Holzbrandsystem, in Rauchgaszüge. Diese
dem die Luft erwärmt wird, die innerhalb
13
eines groß-flächigen, geschlossenen b)
Hohlkörpers, etwa einer Wandfläche Vollkachelofen oder Grundofen mit und oder Rundsäule, thermisch zirkuliert. Der ohne Rost und nach geschalteten Zügen Hohlkörper wird erhitzt und gibt nach kurzer Aufheizzeit wohltuende c)
Strahlungswärme an den Raum ab. Kachelstrahlungsöfen mit Zentrales Element der Schamotteeinsatz Hypokaustenanlage ist dabei der
Heizeinsatz, von dem aus die heißen d) Rauchgase durch ein Wärme keramische Elektrospeicheröfen speicherndes Zugsystem, den
4. Brennstoffe Speicherblock, strömen und diesen erwärmen. Der Heizeinsatz und der In der Kleinfeuerungs-Speicherblock werden dabei mit einer anlagenverordnung ist der Einsatz von
trennenden Luftschicht zum äußeren Brennstoffen für Haushaltsfeuerstätten
Ofenmantel gesetzt. Wenn sich dieses geregelt. Danach sind die im Folgenden
Luftvolumen erhitzt entwickelt sich eine genannten Energieträger als Brennstoff
Thermik, die das großflächige zugelassen.
Wandelement hinterspült und erwärmt. Braunkohlenbriketts sind seit vielen Jahren als traditioneller Brennstoff
Die Kachelofenheizung lässt sich heute bekannt. Die zerkleinerte und
technisch gesehen in folgende Gruppen getrocknete Braunkohle wird dabei unter
einteilen:
hohem Druck zu Briketts geformt, ohne Verwendung von zusätzlichen
a) Kachelöfen mit Dauerbrandeinsatz Bindemitteln. Braunkohlenbriketts haben
und nachgeschalteten Zügen eine konstante und definierbare Qualität, welche auf den Rohstoff und den
Dazu gehören auch: Produktionsablauf zurückzuführen ist. Strenge Qualitätskontrollen garantieren
Kachelofen-Mehrraumheizung bzw. dem Verbraucher ein hochwertiges
Kachelofen-Warmluftheizung Produkt.
Warmluftheizung mit Heizquelle im Einen weiteren idealen Brennstoff stellt
Keller und Abwärmekachel-öfen in naturbelassenes Holz dar. Es ist
den einzelnen Zimmern regenerierbar und enthält weder
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Positiv ist auch, dass unseren bedrohten Schwefel noch Schwermetalle und Wäldern durch die Entnahme von verbrennt in modernen
Holzfeuerungsanlagen sauber und CO 2 -Brennholz keinerlei Schaden zufügt wird. neutral. Im Gegenteil! Brennholz ist ein Nebenprodukt der Waldwirtschaft, das bei der waldbaulich notwendigen Pflege anfällt. Die durch den Verkauf erzielten Einnahmen stellen eine Entschädigung für den Pflege- und Erhaltungsaufwand der Wälder dar.
Allerdings ist nur trockenes Holz gutes Brennholz. Holz sollte deshalb Bild 15: CO 2 -Kreislauf getrocknet und abgelagert werden, um bessere Brennwerte zu
bekommen. In der 1. BImSchV Holz eingeschlossene Feuchtigkeit (Bundesimmissionsschutz-verordnung) gestört wird. wird Holz mit einer Restfeuchte von 20 Prozent als „lufttrockenes Holz“ Bedingt durch die spezielle Bauart eines bezeichnet. Grundofens ist er für eine Wärme-In Verbindung mit dem niedrigeren abgabe über einen längeren Zeitraum Heizwert von feuchtem Holz gegenüber konzipiert, auch nachdem das Feuer trockenem Holz, steigt auch die schon erloschen ist. Auf diesen Effekt Kohlenmonoxid-emission beim muss man bei den Warmluftsystemen Verbrennen von nassem Holz. verzichten wie bei dem
Bei einer Versuchsmessung von zwei Warmluftkachelofen, Dauerbrandofen gleichen Mengen Holz, einmal mit 10 und Dauerbrandherd. Diese Modelle sind Prozent Restfeuchte und einmal mit 33 für den Dauerbrand ausgelegt und Prozent Restfeuchte, wurden beim zugelassen. Mit dem Brennstoff Holz ist Verbrennen in einem Heizkamin folgende dies aber nur schwer zu bewerkstelligen, Ergebnisse erzielt: weil Holz für eine saubere Verbrennung schnell abbrennen muss und deshalb Das trockenere Brennholz hat eine ständiges Nachlegen notwendig ist. Das Leistung von 11,8 KW und einen wiederum verlangt eine arbeits- und Wirkungsgrad von 70,8 Prozent bei platzintensive Bevorratung von
einem CO 2 -Ausstoß von 0,34 Prozent Brennmaterial. (Bezug 13 Prozent Sauerstoff). Die Kombination von Holz und Kohle Das nasse Brennholz hingegen erbringt stellt eine Möglichkeit dar längere einen Wirkungsgrad von 56,6 Prozent Dauerbrandphasen, z. B. über Nacht, zu bei einem CO 2 -Ausstoß von 0,93 Prozent überbrücken. Die vorwiegend aus (Bezug ebenfalls 13 Prozent Sauerstoff). 9 Braunkohle gewonnenen Briketts erfüllen Nasses Holz hat somit nahezu einen die geforderten Voraussetzungen an den dreifach höheren Kohlenmonoxid-Umweltschutz und ermöglichen in Ausstoß gegenüber trockenem Holz. Das modernen Heizeinsätzen einen
trockene Holz erzielt auch einen höheren wirkungsvollen sowie sauberen
Wirkungsgrad, als das nasse Holz, weil Heizbetrieb. Zu berücksichtigen ist, dass der Verbrennungsvorgang nicht durch im die Öfen für den Kohledauerbrand zugelassen sind und richtig bedient
9 Bauherren-Ratgeber: Kamine und Kachelöfen S. 24
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werden. Offene Kamine und Kaminöfen Eisenbahnschwellen sind grundsätzlich nicht dafür geeignet. Bauholz wie Schaltafeln, Balken und Bretter
Um häusliche Feuerstätten nicht als Pappe und Verpackungsmaterial private Müllverbrennungsanlagen zu Holz, das bei der Nutzung missbrauchen und die Umwelt zu Schadstoffe aufnehmen konnte schädigen, hat die 1. BImSchV (Bundesimmissionsschutzverordnung) Diese Auflistung, der nicht zugelassenen eine Liste erstellt, was in Grund- und Brennstoffe ist nicht als abschließend zu Kachelöfen, Heizkaminen, etc. verbrannt betrachten. werden darf.
Ein weiterer geeigneter Brennstoff sind Als Brennstoffe sind zugelassen: Pellets. Sie wurden anfangs belächelt und es wurden ihnen keine
Steinkohle (Anthrazit Nuss 2 und 3) Zukunftschancen als konkurrenzfähiger Steinkohle (Ruhrkohlenbrikett groß Brennstoff eingeräumt. Allerdings hat und klein) sich die Sachlage verändert. Steinkohlenkoks (Ruhrkoks 3 und 4) In einem Zeitraum von zehn Jahren hat Braunkohlenbriketts sich der „Krümel“ in Deutschland zu trockenes, naturbelassenes, einem bekannten und anerkannten stückiges Holz einschließlich Brennstoff entwickelt. anhaftender Rinde Pellets In anderen Ländern sind Pellets schon Heizöl EL länger auf dem Vormarsch. In den Erdgas und Flüssiggas Vereinigten Staaten zum Beispiel werden jährlich mehr als 16 Millionen Tonnen Holzpellets zum Heizen verwendet. 10 Nicht verfeuert werden dürfen: Dort ist die Holzpelletsfeuerung bereits seit den siebziger Jahren weit verbreitet. Holzverarbeitungsreste Ähnlich sieht es in Schweden und Spannplatten Österreich aus. Faserplatten mit Holzschutzmittel behandelte Hölzer Sperrholz 10 Bauhrren-Ratgeber: Kamine und Kachelöfen S. 28
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Seit den neunziger Jahren sind Pellets auch in Deutschland bekannt was auch durch die Aufnahme in die 1. BImSchV begünstigt wurde. Sie bestehen aus Sägespänen, einem Abfallprodukt der holzverarbeitenden
Bild 16: Holzpellets Industrie, die unter hohem Druck ohne Zusatz von Bindemitteln verpresst Neben Holz, Kohle und Pellets kommen werden. Durch diesen Vorgang wird das auch Öl und Gas für Kachelöfen zur Ausgangsmaterial veredelt. Durch Anwendung. Allerdings ist hierfür eine geringen Energieaufwand wird so ein völlig andere Technik notwendig und der höherer Brennwert von 5,3 kWh/kg im Charme, der Duft und die Harmonie von
Vergleich zu Stückholz erzielt. 11 Eine knisterndem Holz geht verloren. niedrige Restfeuchte von maximal 10 Prozent ermöglicht eine besonders Heizöl wird aus Erdöl gewonnen - einem schadstoffarme Verbrennung. fossilen Energieträger. Da die
Erdölreserven beschränkt sind, würden Die Presslinge haben einen Durchmesser bei momentaner Förderung die Vorräte von etwa 5 mm und eine Länge von noch zirka 40 Jahre ausreichen. 12 Erdöl zirka 1-2 cm. Es ist darauf zu achten, wird aber nicht nur zur Gewinnung von dass Pellets nur in den dafür Heizöl verbraucht, sondern es dient hergestellten Primär- oder Pelletöfen einem breiten Anwendungsspektrum in verwendet werden. Für normale Öfen, der Industrie. Darüber hinaus hat Erdöl die für den Abbrand von Holz und Kohle ein negatives Image, da der Transport ausgelegt sind, können Pellets, aufgrund sehr schwierig ist und es regelmäßig zu ihrer großen Oberfläche nicht verbrannt Unfällen bei Tankerschiffen oder hohen werden. Es würde sich kein Feuer Förderungsverlusten durch undichte entzünden, sondern ein Schwelbrand mit Pipelines kommt. Qualmbildung entstehen. Holzpellets sind als Sackware mit 15-25 kg, in so Aber nicht nur dadurch wird die Umwelt genannten Big-Packs mit 800 kg oder als belastet, sondern auch durch den hohen lose Ware per Silozug zu beziehen.
12 http://www.politikforum.de/
11 Bauherren-Ratgeber: Kamine und forum/showthread.php?threadid=14719 Kachelöfen S. 28 10.05.2005
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Jahre ausreichen. 14 Auch hier entweicht Energieaufwand, der nötig ist, um das Erdöl zu veredeln. sehr viel Erdgas beim Transport durch Lecks in den Gaspipelines. Methan ist der überwiegende Bestandteil von Durch die Energiefreisetzung von Heizöl Erdgas und ebenso wie Kohlendioxid ein beim Verbrennungsvorgang werden schädliches Treibgas, das die Schadstoffe wie Schwefeldioxid Ozonschicht zerstört. Die freigesetzt. Im Jahre 2002 produzierten energiebedingten Kohlendioxiddie privaten Haushalte in Deutschland Emissionen, die bei der Verbrennung von rund 200.000 Tonnen giftiges
Erdgas freigesetzt werden, betrugen im Schwefeldioxid. Die energiebedingten Jahre 2001 rund 150 Millionen Tonnen. 15 CO 2 -Emissionen durch Erdölverbrauch betrugen insgesamt im gleichen Jahr schätzungsweise 350 Millionen Tonnen. 13 Erdgas wird aber dennoch als der sauberste fossile Energieträger angesehen. Die heutige moderne Im Handel sind neben den
Heiztechnik und neue Brennwerttechnik herkömmlichen Ölöfen in erster Linie verbrennt das Erdgas sehr schadstoffarm Kachelofeneinsätze, die für den Einsatz unter einem extrem hohen von Heizöl geeignet sind, zu erhalten. Wirkungsgrad.
Vorteilhaft ist der hohe Bedienkomfort, Der Bedienkomfort gestaltet sich ähnlich den solche Anlagen bieten im Vergleich wie bei den Öleinsätzen. zu der Ofenbeschickung mit Scheitholz. Mit Gas lässt sich selbst das Die ölbetriebenen Kachelofeneinsätze Flammenbild eines Holzbrandes arbeiten im Normalfall vollautomatisch nachahmen. Sogar das markante über eine Uhren-oder
Flammenschlagen kann durch ein dem Raumthermostatregelung. Brenner zugeleitetes Gas-Luft-Gemisch erzielt werden. Das Gemisch sucht sich Bei Erdgas sieht die Situation ähnlich aus dabei immer wieder einen neuen Weg wie bei dem Primärenergie-träger Erdöl. durch ein Asche-Imitat. Dadurch wirkt Dessen Bestände werden bei die Flamme nie statisch. momentaner Förderung noch zirka 60
14 http://www.politikforum.de/ forum/showthread.php?threadid=14719 15.05.2005
13 15 Bauherren-Ratgeber: Kamine und Bauherrn-Ratgeber: Kamine und Kachelöfen Kachelöfen S. 32 S. 32
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Elektrizität stellt die letzte Alternative Anschaffungskosten und es entfallen dar, um Kachelöfen zu betreiben. Strom sowohl Kamin als auch die damit ist nicht als Rohstoff vorhanden, sondern verbundenen Reinigungskosten des
wird aus Primärenergie erzeugt was eine Kaminkehrers. Von einem Lagerraum schlechte Ökobilanz nach sich zieht. Zur kann gänzlich abgesehen werden, weil Stromerzeugung werden nur kaum Strom über Steckdosen im ganzen Haus regenerierbare fossile Energieträger bezogen werden kann. verbraucht. Der überwiegende Stromanteil wird immer noch durch Strom ist zwar vergleichsweise teuer, Kernkraftwerke abgedeckt. Zunehmend doch lässt sich in Verbindung bestimmter wird bei der Stromerzeugung auch auf Geräte der günstigere Nachtstrom regenerierbare Energiequellen wie Windnutzen. Bei der Kachelofentechnik gibt , Sonnen- und Wasserenergie gesetzt. es hierzu Elektro-Nachtspeicher. Der Kern besteht dabei aus einem Elektro-Aktuell unterstützt die Bundesregierung Blockspeicher der von Kacheln
auch den Bau von Bio-Gasanlagen in der ummantelt ist und die erzeugte Wärme Landwirtschaft. Hier kann das durch Strahlung und Konvektion an die entweichende Methangas bei der Umwelt abgibt. biochemischen Zersetzung, von z. B.
Mais, zur Herstellung von Strom genutzt werden.
Auf den niedrigen Gesamtwirkungsgrad des Stroms wirkt sich aber nicht nur der hohe Energieaufwand Stromerzeugung aus, sondern auch die hohen Leitungsverluste beim Transport von Strom sind in die Bilanz mit einzubeziehen. Bild 17: Elektroofen
Rationell gesehen ist ein mit Strom beheizter Kachelofen eine sehr bequeme Wärmequelle. Die Geräte haben vergleichsweise niedrige
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Bild 18: Elektrokachelofen Im gusseisernen Heizeinsatz werden
5. Überblick Warmluft- Holzoder Briketts verbrannt. Als Alternative gibt es auch Heizeinsätze, die
Kachelofen
mit Heizöl oder Erdgas befeuert werden Ein Warmluft-Kachelofen funktioniert im können. An dem heißen Heizeinsatz Prinzip wie ein elektrischer erwärmt sich die Luft und wird über Gebläseheizer. In einen Hohlköper wird Lüftungsschlitze dem Raum zugeführt. die Raumluft eingesaugt. Dort befindet sich eine Wärmequelle, die die Raumluft erhitzt und durch definierte
Der heiße Rauch wird durch ein Rohr nur für wenige Stunden am Tag genutzt abgeleitet, aber nicht gleich dem werden und man den Rest der Zeit an Schornstein zugeführt. Schließlich soll er anderen Orten verbringt. War doch nicht den Schornstein, sondern die Luft früher noch der Raum, in dem der im Hohlkörper, also im Kachelofen, Kachelofen stand, der zentrale Platz, wo erwärmen. Deshalb werden die sich das ganze Familienleben abspielte. Heizgase, d. h. der Rauch, zur Erhöhung Falls die Speicherfähigkeit gänzlich des Wirkungsgrads durch einen
vernachlässigbar ist, bietet sich die Nachheizkasten geleitet. Möglichkeit eines Warmluftofens. Dieser
5.1. Genaue Betrachtung der kann, je nach Bauart und Ausführung, dafür konzipiert werden mehrere Räume Kachelofen-Warmluftheizung
oder sogar ganze Etagen mit Wärme zu Aus dem „guten alten Kachelofen“ haben
versorgen. Dabei dient die Raumluft als sich moderne Heizsysteme für den
unmittelbarer Wärmeträger. Der Ofen privaten Hausgebrauch entwickelt.
besteht aus einem Gusseinsatz und Gründe dafür sind die wechselnden und
einem Nachheizkasten aus Stahlblech. gehobenen Ansprüche der Bauherren.
Die Raumluft tritt unter dem Ofensockel Für unsere schnelllebige Zeit sind die
ein, wird an dem Heizeinsatz zur herkömmlichen Kachelöfen viel zu träge.
Erwärmung vorbeigeführt und steigt Sie benötigen eine lange Aufheizzeit bis
dann nach oben. Über regelbare sie ihre Wärmewirkung freisetzen.
Warmluftgitter kann die Abgabe der Obwohl sie nach dem Erlöschen des
warmen Luft in den Raum dosiert Feuers ihre Wärme in ihren keramischen
werden. Massen je nach Größe und Ausbau zwischen 8 und 12 Stunden speichern können, wurden sie in unserer Gesellschaft zurückgedrängt.
Der Wunsch nach Heizsystemen mit einer kurzen Aufheizphase wurde laut und die Wärmespeicherfähigkeit verlor an Bedeutung. Ursache dafür dürfte wohl die Tatsache sein, dass die Wohnhäuser oder vielmehr die Zimmer
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Bild 20: Warmluftofen mit Lamellengitter
Bei der Kachel-Warmluftheizung erfolgt die Luftführung sowohl bei der Zuluft als Falls der Warmluftofen im Keller zum
auch bei der Abluft ähnlich der des Einsatz kommt, muss der Heizeinsatz mit
Warmluftofens. Die Zuluft wird zusätzlich einer wärmegedämmten Heizkammer
Brandschutzgründen sind auch die
vorbeigeführt. Die Keramikflächen Decke und die Gebäudewände zu
werden durch den Gussheizeinsatz dämmen.
erwärmt und sorgen für die höhere Speicherfähigkeit des Ofens. Auch bei Ein anderes Bedürfnis besteht nach einer
den Austrittsöffnungen der
Heizungsart die sowohl schnell Wärme
Warmluftströmung besteht die
liefert als auch länger anhaltende
Möglichkeit keramische Kacheln an den Wärmewirkung zeigt. Eine solche
Wänden anzubringen, um somit die Möglichkeit bietet die Kachelofen-Wärmespeicherung zu erhöhen. Warmluftheizung. Sie ist, wie der Name schon sagt, eine Kombination eines Kachelofens und eines Warmluftofens. Die Funktionsweise ist folgerichtig ähnlich wie beim Warmluftofen. Es kommen allerdings die Vorzüge des Kachelofens mit zum Zuge. Es handelt sich hierbei um ein Heizsystem, bei dem dynamische Wärmeabgabe durch
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Arbeit zitieren:
Hans Nagel, 2005, Kachelöfen und offene Kamine, München, GRIN Verlag GmbH
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